Diese Arbeit soll die Fragen beantworten, wie vorvertragliche Handlungen verbessert und Verträge (hier: Beratungsverträge) ausgestaltet werden können, um Agenturkosten zu minimieren und damit Chancen zu erhöhen und Risiken zu senken.
Die Arbeit ist wie folgt aufgebaut. Im Anschluss der Einleitung soll im zweiten Teil der Arbeit ein grundlegendes Verständnis der wichtigsten Begriffe geschaffen werden. Im dritten Abschnitt werden Chancen und Risiken, die sich für öffentliche Behörden ergeben, wenn sie im Zuge von Reformen mit externen Beratern zusammenarbeiten, betrachtet. Anschließend sollen die Ergebnisse in einer kritischen Diskussion gewürdigt werden. Die Arbeit endet mit einem abschließenden Fazit.
Die New Public Management (NPM) Bewegung der 80er Jahre kann als Ausgangspunkt grundlegender Veränderungen von Verwaltungsreformen gesehen werden (Hood 1991). NPM führte dazu, dass öffentliche Verwaltungen die Übernahme von Managementtechniken, -prozessen und -strukturen aus der Privatwirtschaft anstrebten (Lapsley et al. 2013). Die deutsche Version des NPM wurde von der Kommunalen Gemeinschaftsstelle (KGSt) als Neues Steuerungsmodell (NSM) entwickelt und gewann in den deutschen Behörden der 90er Jahre schnell an Bedeutung (Holtkamp 2008). Das NSM war Anstoß zahlreicher Verwaltungsreformen, die durch externe Verwaltungsberatung unterstützt wurden.
Die Nachfrage nach externer Verwaltungsberatung ist aber nicht abgeflacht. Im Gegenteil. Allein im Jahr 2017 ist die Nachfrage nach Verwaltungsberatung um erneut 11,2% gestiegen (BDU 2018). Der öffentliche Sektor reagiert damit auf verschiedenste Anforderungen, die durch kontinuierliche Umweltveränderungen hervorgerufen werden (ebd.). In der Literatur wird konstatiert, dass sich Unternehmensberater bereits in der öffentlichen Verwaltung etabliert haben (Kozica et al. 2014).
Verwaltungsberatung ist ein kontrovers diskutiertes Thema. Die Bewertung von externer Beratung bewegt sich „in auffällig ambivalenter Weise zwischen naiver Faszination und dem Vorwurf eklatanter Geldverschwendung“ (Brüggemeier 2005).
Vor diesem Hintergrund scheint es umso wichtiger, Chancen und Risiken externer Verwaltungsberatung hervorzuheben.
Gliederung
1 Einleitung
2 Grundlagen
3 Chancen und Risiken externer Verwaltungsberatung
3.1 Chancen
3.2 Risiken
4 Diskussion
5 Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht mithilfe der institutionenökonomischen Prinzipal-Agenten-Theorie die Chancen und Risiken, die sich für öffentliche Behörden bei der Zusammenarbeit mit externen Verwaltungsberatern ergeben. Das Ziel besteht darin, Empfehlungen zur Verbesserung vorvertraglicher Handlungen und zur Ausgestaltung von Beratungsverträgen zu erarbeiten, um Agenturkosten zu minimieren, Risiken zu senken und die Erfolgsaussichten von Verwaltungsreformen durch externe Beratung zu erhöhen.
- Analyse der Nachfrage nach externer Verwaltungsberatung im öffentlichen Sektor.
- Anwendung der Prinzipal-Agenten-Theorie zur Identifikation von Informationsasymmetrien (Adverse Selektion und Moral Hazard).
- Gegenüberstellung von Chancen, wie Legitimation, Kostenvorteile und Wissenszuwachs, und Risiken, wie Imageschäden oder opportunistisches Beraterverhalten.
- Kritische Diskussion von Maßnahmen wie Referenzprüfungen, Projektcontrolling und vertraglichen Anreizsystemen.
- Bewertung der Rolle rechtlicher Rahmenbedingungen wie der Vergabeordnung (VGV).
Auszug aus dem Buch
3.1 Chancen
Adverse Selektion
Vor Vertragsbeginn wird der Prinzipal (nachfolgend immer als Führungskraft/Auftraggeber in der Verwaltung zu verstehen) versuchen seine Unsicherheiten hinsichtlich der Beratungsqualität des Agenten (nachfolgend immer als externer Berater/ externes Beratungsunternehmen zu verstehen) abzubauen. Hierbei kann der Prinzipal beispielsweise durch Screening (Hochhold/Rudolph 2009: 138) versuchen, relevante Informationen über den Agenten einzuholen. Dies hat wiederum zur Folge, dass Agenten stets bemüht sein werden ihren Nutzen durch Reputationsaufbau oder -erweiterung zu maximieren. Die Verwaltung profitiert insofern von Reputation, da der Prinzipal die Chance hat, einen Agenten zu beauftragen, der tatsächlich über eine hohe Leistungsqualität verfügt und dies nicht nur behauptet.
Aufgrund der Reputation, die der Agent hat, kann zudem die Glaubwürdigkeit und Wertschätzung der Verwaltung, die innerhalb der Öffentlichkeit herrscht, gestärkt werden (Armbrüster et al. 2010: 43). Der Einsatz der Agenten zeigt der Außenwelt, dass sich die Behörde effizient und modern aufstellt (ebd.: 46). Somit kann der Einsatz der externen Verwaltungsberatung zu einer positiven Außenwahrnehmung der Verwaltung führen. Der Prinzipal kann zudem die Reputation nutzen, um seine Entscheidung besser zu rechtfertigen (Ernst/Kieser 1999: 11) und Legitimation zu erhalten (Schuster 2019: 719). Die Wirkung der Legitimation wird umso höher ausfallen, je höher die Reputation der Berater ist (ebd.).
Durch den Wissens- und Erkenntnisvorsprung, den der Agent besitzt, verfügt er zudem über einen Kostenvorteil gegenüber einer internen Lösung (Armbrüster et al. 2010: 32). Dies wird zusätzlich durch die Tatsache begünstigt, dass öffentliche Verwaltungen von langfristigen Arbeitsverhältnissen und erhöhtem Kündigungsschutz geprägt sind und Einstellungen von Mitarbeitern für kurzfristige Zwecke daher nicht lohnenswert sind (ebd.: 75). Kostenvorteile können, angesichts angespannter Haushaltslagen, eine Chance für die Verwaltung bedeuten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung verortet das Thema im Kontext des New Public Management und begründet die Relevanz der Untersuchung durch die hohe Bedeutung externer Beratung trotz ambivalenter Bewertung.
2 Grundlagen: In diesem Kapitel werden zentrale Begriffe wie Verwaltung und Verwaltungsberatung definiert sowie die institutionenökonomische Prinzipal-Agenten-Theorie als wissenschaftliche Basis eingeführt.
3 Chancen und Risiken externer Verwaltungsberatung: Hier werden mittels der angewandten Theorie systematisch positive Potenziale sowie spezifische Gefahrenquellen (Adverse Selektion, Moral Hazard) im Beratungsprozess analysiert.
4 Diskussion: Dieses Kapitel reflektiert die abgeleiteten Ergebnisse kritisch und evaluiert mögliche vertragliche und organisatorische Lösungsansätze, wie die Vergabeordnung oder Projektcontrolling, zur Risikominimierung.
5 Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und betont die praktische Relevanz von Auswahlkriterien sowie die Notwendigkeit weiterer Forschung zur Verbesserung vorvertraglicher Handlungen.
Schlüsselwörter
Verwaltungsberatung, Verwaltungsreform, New Public Management, Prinzipal-Agenten-Theorie, Adverse Selektion, Moral Hazard, Agenturkosten, Informationsasymmetrie, Öffentliche Verwaltung, Beratungsvertrag, Reputation, Projektcontrolling, Wissensvorsprung, Opportunismus, Vergaberecht
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt das Spannungsfeld externer Verwaltungsberatung und untersucht, wie öffentliche Behörden die Chancen dieses Instruments nutzen und gleichzeitig die damit verbundenen Risiken minimieren können.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?
Im Zentrum stehen die Auswahl von Beratern, die Ausgestaltung von Beratungsverträgen sowie der Umgang mit Informationsasymmetrien zwischen dem Auftraggeber und dem externen Beratungsunternehmen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, auf Basis der Prinzipal-Agenten-Theorie Strategien aufzuzeigen, wie Agenturkosten gesenkt und die Qualität der Verwaltungsberatung durch effizienteres Vertragsmanagement gesteigert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt die institutionenökonomische Prinzipal-Agenten-Theorie, um die Interaktionsbeziehung zwischen Verwaltung (Prinzipal) und Berater (Agent) systematisch zu analysieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung, die Ableitung konkreter Chancen und Risiken (unterteilt in Adverse Selektion und Moral Hazard) sowie eine kritische Diskussion möglicher Lösungswege.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist maßgeblich durch die Begriffe Verwaltungsreform, Prinzipal-Agenten-Theorie, Informationsasymmetrie, Agenturkosten und Beratungsqualität geprägt.
Warum stellt Reputation für Verwaltungen ein zweischneidiges Schwert dar?
Reputation dient zwar als Signal für Qualität zur Reduktion der Adverse Selektion, ist jedoch gleichzeitig eine Vertrauenseigenschaft und kann daher nicht als vollkommen verlässliches Gütekriterium für die tatsächliche Beratungsleistung herangezogen werden.
Welche Rolle spielt die Vergabeordnung (VGV) in der Praxis laut Autorin?
Obwohl die VGV einen rechtlichen Rahmen zur Qualitätssicherung bietet, spielt sie in der Praxis eine untergeordnete Rolle, da ein Großteil der Beratungsverträge freihändig vergeben wird.
Warum wird Projektcontrolling als wichtiges Instrument hervorgehoben?
Projektcontrolling wird als Mittel zur Überwachung und Koordination empfohlen, um moral hazard während der Leistungserbringung frühzeitig zu erkennen und entgegenzuwirken, wobei der Autorin zufolge dessen tatsächliche Umsetzung in der Praxis oft mangelhaft ist.
- Arbeit zitieren
- Nina Feldbusch (Autor:in), 2019, Chancen und Risiken externer Verwaltungsberatung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1288713