Erziehung und Bildung in Frauenklöstern des Mittelalters


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006

22 Seiten, Note: sehr gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Frauenklöster im Mittelalter
2.1 Erziehung und Bildung im Mittelalter
2.2 Welche Frauen traten ins Kloster ein?
2.3 Gründe für den Eintritt ins Kloster
2.4 Rolle und Entwicklung der Klöster vom Frühmittelalter bis zum Spätmittelalter

3 Die Erziehung
3.1 Die Ziele der klösterlichen Erziehung
3.2 Das Klosterleben
3.2.1 Das Gemeinschaftsleben
3.2.2 Die Kleidung
3.2.3 Die Körperpflege
3.2.4 Die körperliche Arbeit
3.2.5 Der Tagesablauf

4 Die Bildung
4.1 Die Ziele der klösterlichen Ausbildung
4.2 Die Klosterschule
4.2.1 Die Elementarstufe
4.2.2 Die Mittelstufe
4.2.3 Die Oberstufe
4.3 bedeutende geschlechtsspezifische Unterschiede in der Nonnenbildung
4.4 Niedergang der Frauenbildung

5 Zusammenfassung

6 Literaturverzeichnis

Internet- Adressen

1 Einleitung

Die Hausarbeit thematisiert die Erziehung und die Bildung von Frauen in Klöstern in der Zeit des Mittelalters. Hierbei werden ausschließlich Klöster auf deutschem Boden hinsichtlich ihrer Rolle, Funktion und Entwicklung analysiert.

Das erste Kapitel dieser Arbeit beschäftigt sich mit der gesellschaftlichen Stellung der Klöster, mit der Frage, welche Frauen ins Kloster eintraten und welche Gründe sie dafür hatten sowie mit der Entwicklung der Klöster im Laufe des Mittelalters.

Vor diesem Hintergrund wird der thematische Schwerpunkt der Hausarbeit entfaltet: die Erziehung und die Bildung. Als Basis für das Verständnis der klösterlichen Erziehung werden das Klosterleben sowie die Ziele der klösterlichen Erziehung vorgestellt. Anschließend werden einzelne, wichtige Aspekte der klösterlichen Erziehung wie das Gemeinschaftsleben, die Kleidung, die Körperpflege und Hygiene, die körperliche Arbeit und der Tagesablauf der Nonnen und der zukünftigen Nonnen aufgezeigt.

Das folgende Kapitel behandelt die Bildung in den Frauenklöstern. Dazu werden einleitend die allgemeinen Ziele der Ausbildung vorgestellt. Im Anschluss werden der Aufbau des Schulwesens in die drei Stufen: Elementarstufe, Mittelstufe und Oberstufe, die jeweiligen Curricula sowie die bedeutenden geschlechtspezifischen Unterschiede in der Nonnenbildung aufgezeigt. Abschließend wird der Niedergang der klösterlichen Frauenbildung im späten Mittelalter und deren Ursachen thematisiert.

2 Frauenklöster im Mittelalter

2.1 Erziehung und Bildung im Mittelalter

Die Erziehung und die Bildung des Mittelalters ist bestimmt durch die Gehalte der antiken Kultur sowie durch den christlichen Glauben.

Das Ziel der mittelalterlichen Erziehung liegt darin begründet, den Menschen zu Demut, Glauben und christlicher Vollkommenheit zu führen. Hierdurch soll der Mensch zu einem aktiven Glied der religiös- kirchlichen Gesellschaft erzogen werden.

Dies begründet, warum im Frühmittelalter die Schulen ausschließlich von der Geistlichkeit getragen wurden. Die Klosterschulen (schola claustri, schola interior), die an die Klöster angeschlossen waren, dienten ausschließlich als Ausbildungsstätte für den Klerus. Später erhielten jedoch auch männliche Laien Zutritt. Ab dem 8. Jahrhundert traten neben die Klosterschulen die Domschulen (an Bischofssitzen) und die Stiftsschulen (an Stiftskirchen). Dieses an Stände gebundene Schulwesen vermittelte die Bildungsinhalte, die von den künftigen Klerikern gebraucht wurden wie: Lesen, Schreiben, Schriftauslegung, Musik, Liturgie sowie Latein, um die häufig in lateinischer Schrift verfassten Texte übersetzen zu können.

Mit der Zeit dehnten sich nicht nur die Lehrinhalte auf weltliches Kulturgut aus, sondern das Bildungswesen wurde auch für Laienstände wie Ritter, Bürger oder Bauern zugänglich. Der Besuch der kirchlicher Bildungseinrichtungen basierte auf Freiwilligkeit und war zumeist nur von kurzer Dauer, um eine Elementarbildung zu erreichen.

Im 13. Jahrhundert wuchs mit dem Aufblühen der Städte nicht nur die Anzahl der kirchlichen Schulen, sondern es bildete sich auch vielerorts ein stadteigenes Schulwesen heraus. Diese Stadtschulen orientierten sich an dem Aufbau sowie an dem Lehrstoff der kirchlichen Schulen, wobei ihr Schwerpunkt auf die Elementarbildung gelegt wurde. Sie bildeten die Grundlage für die Entstehung von den städtischen Lateinschulen im 16. Jahrhundert. Ab dem 14. Jahrhundert bildeten sich daneben in großen Handelsstätten die „deutschen Schreib- und Leseschulen“ heraus, die zunächst auf privater Basis von Männern betrieben wurden.

Am Ausgang des Mittelalters verfügten die größeren Städte bereits über ein vielgestaltiges Bildungswesen. So besaßen nicht nur die Geistlichen, der Adel und königliche Beamte wie in der Antike eine umfassende Bildung, sondern es gelangten auch obere und mittlere Stände der Bevölkerung zu einer Elementarbildung. Jedoch ist an dieser Stelle hervorzuheben, dass diese Bildung nur der städtischen und nicht der ländlichen Bevölkerung zuteil wurde.

Wichtig ist auch zu erwähnen, dass im 14. Jahrhundert die erste Universität auf deutschem Boden gegründet wurde, die einen großen Aufschwung der Wissenschaften mit sich zog.[1]

2.2 Welche Frauen traten ins Kloster ein?

Die sozialen und familiären Hintergründe der meisten Frauen, die in Klöster eintraten, sind aus den geschichtlichen Quellen nur schwer und kaum zu rekonstruieren. Die folgenden Zahlen, die einerseits diese Situation darlegen und andererseits wichtige Hinweise auf die familiären Hintergründe der eintretendenden Frauen geben, stammen von angelsächsischen Klöstern des frühen Mittelalters. Diese Zahlen sollen jedoch hier aufgeführt werden, da vor diesem Hintergrund Rückschlüsse auf die deutschen Klöster gezogen werden können. So schreibt D. Baltrusch- Schneider, dass es bei 57,3% der Frauen keinen Aufschluss über den Familienstand gibt. Lediglich bei 15,5% der Frauen wird berichtet, dass sie Jungfrauen waren, von 17,1%, dass sie Witwen waren, von 2,5%, dass sie ihre Männer verlassen haben, und von 7,6%, dass sie geschieden waren. Bedeutend ist es herauszustellen, dass 27,7% der Frauen Erfahrung mit der Institution Ehe gemacht hatten.[2]

Einheitlich ist jedoch festzustellen, dass es für die Aufnahme in ein Kloster gewisse Anforderungen gab und dass denjenigen der Eintritt untersagt wurde, die diese nicht erfüllen konnten. So verlangten die älteren Orden der Benediktinerinnen und der Zisterzienserinnen um 1300, dass die Frauen eine adlige Herkunft sowie eine stattliche Mitgift aufweisen mussten. Das bedeutet, dass der Eintritt fast nur Witwen, die über ein großes Erbe ihres Mannes verfügten, oder Töchtern aus reichen Familien möglich war. Auch die städtischen Konvente, die den Bettelorden angehörten, bilden hierbei keine Ausnahme.[3] Die Töchter von reichen Familien wurden bereits mit drei oder vier Jahren ins Kloster geschickt, um die Grundlagen im Lesen, Beten und Singen von liturgischen Gesängen und Liedern sowie im Schreiben zu erhalten.[4] Für die meisten Klöster jedoch war die älteste und bekannteste Nonnenregel des Abendlandes richtungsweisend, und diese Klöster nahmen erst Mädchen im Alter von sechs und sieben Jahren auf. (Zitat: „ Erst sechs- oder siebenjährige Mädchen, die schon Buchstaben lernen und Gehorsam üben können, sollen ins Kloster aufgenommen werden.“[5] ) Jedoch wurde die Frage nach der Eignung der Mädchen und Frauen zur Nonne nie gestellt, denn die Berufung war kein Problem, sondern die Voraussetzung.[6]

Durch die Aufnahmebedingungen erhielten die Klöster einen exklusiven Charakter, der sich nicht nur auf die guten wirtschaftlichen Verhältnisse, bedingt durch die Mitgiften, bezieht, sondern vor allem auf die Bildungsmöglichkeiten. Dazu zählen vor allem die Klosterbibliotheken, denn vor der Erfindung des Buchdruckes war der Erwerb von Büchern besonders kostspielig und somit ein Privileg der Oberschicht bzw. der reichen Klöster.[7] Die Frauenklöster erreichten in Gallien einen so hohen und angesehenen Bildungsstand, dass Familien sogar ihre Jungen in die Frauenklöster zur Ausbildung schickten.[8]

2.3 Gründe für den Eintritt ins Kloster

Die Gründe für den Eintritt ins Kloster waren vielschichtig. Jedoch lassen sich Unterschiede in den Motiven von Mädchen und erwachsenen Frauen erkennen.

Der wichtigste Grund für den Eintritt von jungen Mädchen war das Erlangen von Bildung. Bildung konnte nämlich nur innerhalb des kirchlichen Schulwesens erreicht werden.[9] Über den weiteren Lebensverlauf der jungen Frauen berichtet D. Baltrusch-Schneider in ihrem Artikel über die angelsächsischen Klöster, dass ein Teil von ihnen das religiöse Leben dem weltlichen Leben vorzog. Von manchen Mädchen berichtet sie auch, dass sie auf Grund ihrer Kränklichkeit „nicht im vollen Umfang für die Welt taugten“ und ihre Familien sie somit im Kloster ließen. Über wenige angelsächsische Frauen wird gesagt, dass sie für ihre späteren Ehemänner die Klöster verlassen haben. Der berühmteste Fall ist die Äbtissin von Ely.[10]

Das Eintreten von erwachsenen Frauen in Klöster basierte nicht nur auf religiösen sondern auch auf weltlichen Gründen, wobei die Gründe weltlicher Art einen nicht unerheblichen Teil einnahmen.

Im frühen Mittelalter traten neben religiös motivierten Frauen vor allem alleinstehende und somit „schutzlose“ Frauen in die Klöster ein. Sie begaben sich unter der Aufgabe von Freiheit in den Schutz der Kirche. Sie gewannen so die „liberior servitus“, die „freie Knechtschaft“ einer Zensualen.[11]

Im Hochmittelalter strebten viele Frauen nach wirtschaftlich- sozialer Geborgenheit und nach Selbständigkeit außerhalb der Ehe. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass die religiösen Motive nicht mehr so einen hohen Stellenwert hatten. In den Mittelpunkt rückte nun die Frage nach der Versorgung und nach der sozialen Sicherheit.[12] „Die völlige Askese, die Überwindung des ‚Weiblichen’ konnte ihre Stellung in der Geschlechterhierarchie erträglicher gestalten“.[13] Nach ihrer Ausbildung als Nonnen standen sie gleichberechtigt neben den adligen Frauen. Des Weiteren ist neben der persönlichen Anerkennung und der gesellschaftlichen Stellung das hohe Maß der zu erreichenden Bildung nicht zu vergessen. Viele Klosterfrauen nutzten die erworbene gesellschaftliche Stellung um aktiv an den kulturellen und politischen Ereignissen der Zeit teilzuhaben. Dies geschah einerseits durch Briefe an die Machthaber und andererseits durch Reisen.[14]

[...]


[1] vgl. Reble, A.: Geschichte der Pädagogik, Stuttgart 1999, S. 55-65.

[2] vgl. Baltrusch- Schneider, D.: Klosterleben als alternative Lebensform zur Ehe?, in: Goetz, H.- W. (Hrsg.): Weibliche Lebensgestaltung im frühen Mittelalter, Wien/ Böhlau 1991, S. 452-53.

[3] vgl. Opitz, C.: Erziehung und Bildung in Frauenklöstern des hohen und späten Mittelalters. 12.- 15. Jahrhundert, in: Kleinau, E./ Opitz, C.: Geschichte der Mädchen- und Frauenbildung, Bd. 1 (Vom Mit- telalter bis zur Aufklärung), S. 65-67.

[4] vgl. ebd., S. 68.

[5] vgl. Fickel, A.: Mädchenbildung und gesellschaftliche Stellung der Frau im Mittelalter und in der frühen Neuzeit, in: Hohenzollern, J. G. Prinz von/ Liedtke, M. (Hrsg.): Der weite Schulweg der Mädchen. Die Geschichte der Mädchenbildung als Beispiel der Geschichte anthropologischer Vorurteile, Bad. Heilbrunn/Obb. 1990, S. 112.

[6] vgl. Ennen, E.: Frauen im Mittelalter, München 1994, S. 75-86, S. 112-125 und S. 139-143.

[7] vgl. Opitz, C., S. 66-67.

[8] vgl. Fickel, A., S.112.

[9] vgl. Pleticha, H.: Ihnen ging es auch nicht besser. Schule und Schüler in vier Jahrtausenden, Würzburg 1965, S. 67.

[10] vgl. Baltrusch- Schneider, D., S. 60.

[11] vgl. Ennen, E., S. 83.

[12] vgl. ebd., S. 114-115.

[13] Uitz, E.: Die Frau in der mittelalterlichen Stadt, Stuttgart 1988, S. 162.

[14] vgl. Fickel, A., S. 114.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Erziehung und Bildung in Frauenklöstern des Mittelalters
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Veranstaltung
Seminar
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2006
Seiten
22
Katalognummer
V128888
ISBN (eBook)
9783640353156
ISBN (Buch)
9783640353040
Dateigröße
442 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Erziehung, Bildung, Frauenklöstern, Mittelalters
Arbeit zitieren
Merle Umnirski (Autor), 2006, Erziehung und Bildung in Frauenklöstern des Mittelalters, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/128888

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Erziehung und Bildung in Frauenklöstern des Mittelalters



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden