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Schaffensrausch und Rauschschaffen. Funktionen des Drogenrausches bei Walter Benjamin und Gottfried Benn

Titel: Schaffensrausch und Rauschschaffen. Funktionen des Drogenrausches bei Walter Benjamin und Gottfried Benn

Bachelorarbeit , 2020 , 34 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Christopher Hofbauer (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die Arbeit soll analysieren, wie die bewusstseinserweiternden Erfahrungen des Drogenrausches – insbesondere durch die Schärfung der Sinne – Einfluss auf ästhetische Überlegungen und somit auf Methoden und Verfahren des Schreibens, ergo die Poetologie, genommen haben. Als maßgebliche Primärtexte werden hierfür Walter Benjamins Essay Der Sürrealismus (1929) und Gottfried Benns Schrift Provoziertes Leben (1943) als theoretische Gerüste einer Poetik des Drogenrausches herangezogen. Als literarische Realisierung und Verarbeitung dessen sollen unter anderem Benjamins Erzählung Haschisch in Marseille (1932) und Benns Kurzprosa Der Garten von Arles (1920) in der Bachelorarbeit untersucht werden. Dadurch soll nachgewiesen werden, wie die sprachliche Darstellung der Rauscherfahrung realisiert wird und zugleich der poetische sowie politische Stellenwert des Rausches behandelt werden. Nachgewiesen werden soll dadurch die hypothetisch aufgestellte Gemeinsamkeit von Benjamin und Benn im Motiv des schöpferischen Rausches, eines „Rauschglücks“ (WB Bd. 4) respektive der „Rauschmethode“ des Schreibens. Das Forschungsinteresse gilt daher zusammengefasst der politischen und poetischen Funktion des Drogenrausches im Werk von Walter Benjamin und Gottfried Benn.

Gegliedert ist die Arbeit in mehrere Teile: den Anfang macht die Klärung des Begriffes Drogenliteratur sowie eine breitere Darstellung der kulturgeschichtlichen Entwicklung derartiger Literatur – nicht bloß in zeitlicher, sondern ebenso in geographischer Ausdehnung. Hierfür werden weiters in zwei Unterkapiteln die deutschen Philosophen Friedrich Wilhelm Nietzsche und Ludwig Klages hinsichtlich ihrer Rauschauffassung befragt – mit der Zielsetzung ein Verständnis für Rauschpoetik zu bekommen. Daran anknüpfend werden die genannten Werke Benjamins und Benns durch dichtes Lesen in Bezug auf das Rauschmotiv analysiert und hinsichtlich Analogien und Differenzen verglichen. Den Abschluss bildet ein Fazit, in welchem die Forschungsergebnisse nochmals gebündelt dargestellt werden.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Rausch und Literatur

2.1. Drogenliteratur und Rauschpoetik

2.2. Kleine Kulturgeschichte des Rausches

2.2.1. Von der Romantik bis zur Zwischenkriegszeit

2.2.2. Friedrich Wilhelm Nietzsches Dionysik

2.2.3. Ludwig Klages Ekstasetheorie

3. Pharmakopoietische Moderne

3.1. Benjamin und Benn – Berliner Zeitgenossen

3.2. Benjamin und Benn – Dionysische Ekstase

3.3. Walter Benjamin und Drogen

3.3.1. Rausch und Revolution bei Benjamin

3.3.2. Benjamin in Marseille

3.4. Gottfried Benn und Drogen

3.4.1. Benns provoziertes Leben

3.4.2. Benns poetopharmazeutische Prosa

4. Benjamin und Benn – Vergleich des Drogenrausches

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das verbindende Motiv des schöpferischen Drogenrausches im Werk von Walter Benjamin und Gottfried Benn und analysiert dabei, wie halluzinogen induzierte Erfahrungen deren jeweilige Ästhetik, Schreibverfahren und politische Weltanschauung beeinflussten.

  • Rauschpoetik als Mittel der ästhetischen Erweiterung
  • Die literarische Verarbeitung von Drogenrausch und Ekstase
  • Der Einfluss von Nietzsche und Klages auf das Rauschverständnis
  • Politisches Potenzial und ästhetische Funktion des Rausches

Auszug aus dem Buch

[m]an müßte, um den Rätseln des Rauschglücks näher zu kommen, über den Ariadne-Faden nachdenken.

[m]an müßte, um den Rätseln des Rauschglücks näher zu kommen, über den Ariadne-Faden nachdenken. Welche Lust in dem bloßen Akt, einen Knäuel abzurollen. Und diese Lust ganz tief verwandt mit der Rauschlust wie mit der Schaffenslust. Wir gehen vorwärts; wir entdecken dabei aber nicht nur die Windungen der Höhle, in die wir uns vorwagen, sondern genießen dieses Entdeckerglück nur auf dem Grunde jener anderen rhythmischen Seligkeit, die da im Abspulen eines Knäuels besteht. (Ebd. 4, 414)

Wodurch der Narrator zu der Feststellung gelangt, dass wir im „Haschisch [...] genießende Prosawesen höchster Potenz“ (Ebd.) sind, worin sich erneut Anklänge an romantische Apotheosen von Kunstformen als Modi zur Selbsttranszendenz finden.100 Die Nutzbarmachung des Rausches für das Schreiben ergibt sich insbesondere am Folgetag, denn „der Rausch setzt sich in der Nacht mit schönen prismatischen Rändern gegen den Alltag ab; er bildet eine Art Figur und ist andenklicher.“ (Ebd.) Der vorangehende Textausschnitt kann als Herzstück der poetologischen Verortung des Drogenrausches gelten, worin die Wesensverwandtschaft vom labyrinthartigen Herumflanieren ohne bestimmte Destination mit dem ungewissen Ausgang eines Schreibaktes zum Ausdruck kommt. Obendrein besteht für Benjamin eine ostentative Affinität zwischen dem Verfassen von Prosa und dem Haschischrausch. Dadurch besteht ein einendes Bindeglied zwischen der Erzählung, dem Rausch und der städtischen Topografie.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Klärung der Forschungsfrage zur Funktion des Rausches bei Benjamin und Benn im Kontext der literarischen Moderne.

2. Rausch und Literatur: Theoretische Grundlegung und kulturgeschichtlicher Abriss der literarischen Auseinandersetzung mit Rauschmitteln, inklusive der philosophischen Einflüsse von Nietzsche und Klages.

3. Pharmakopoietische Moderne: Zentrale Analyse von Benjamins und Benns Verhältnis zum Drogenrausch, ihrer gegenseitigen Wahrnehmung und der spezifischen literarischen Umsetzung in ihren Werken.

4. Benjamin und Benn – Vergleich des Drogenrausches: Synthetischer Vergleich, der Gemeinsamkeiten in der Rauschaffinität sowie Unterschiede in Stilistik und politischer Zielsetzung hervorhebt.

5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Reflexion über die politische Komponente des Rauschdiskurses in den untersuchten Texten.

Schlüsselwörter

Drogenliteratur, Rauschpoetik, Walter Benjamin, Gottfried Benn, Friedrich Wilhelm Nietzsche, Ludwig Klages, Haschischrausch, Kokainismus, Ekstasetheorie, profane Erleuchtung, Surrealismus, Schreibverfahren, Kulturgeschichte, Ästhetik, Moderne.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Funktion des Drogenrausches in den Werken der zwei literarisch und politisch stark unterschiedlichen Autoren Walter Benjamin und Gottfried Benn.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die Ästhetisierung des Rausches, die Wirkung psychoaktiver Substanzen auf den Schreibprozess sowie deren philosophische Einordnung im Kontext der Moderne.

Welches primäre wissenschaftliche Ziel wird verfolgt?

Das Ziel ist der Nachweis, dass der Rausch bei beiden Autoren als Methode zur schöpferischen Steigerung dient und eine radikale Abkehr vom Rationalismus markiert.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?

Der Autor verwendet eine literarhistorische Genealogie sowie eine dichte Textanalyse der Primärquellen, um Analogien und Differenzen in der Rauschpoetik herauszuarbeiten.

Welche inhaltlichen Schwerpunkte bilden den Hauptteil?

Im Hauptteil werden neben den theoretischen Grundlagen zu Nietzsche und Klages vor allem Benjamins Haschischprotokolle und -erzählungen sowie Benns Prosa und essayistische Schriften detailliert analysiert.

Welche Aspekte charakterisieren die Arbeit?

Charakteristisch ist die interdisziplinäre Verbindung von Pharmakologie, Philosophiegeschichte und Literaturkritik, zusammengefasst durch das Konzept der "Pharmakopoietischen Moderne".

Inwiefern unterscheiden sich Benjamin und Benn in ihrer Einstellung zum Rausch?

Während Benjamins Drogenexperimente von einer fast wissenschaftlichen, intellektuellen Durchdringung geprägt sind, zeigt sich bei Benn eine eher affirmative, teils artistische Haltung, die den Rausch als Mittel zur Erschaffung absoluter Dichtung begreift.

Welche Rolle spielt Carl Schmitt oder politische Philosophie in der Arbeit?

Der Autor weist auf die politische Rechtslastigkeit des Rauschdiskurses hin und diskutiert, wie Benjamin Ansätze bei Klages oder politische Strömungen zur Nutzbarmachung für seine revolutionäre Theorie aufgriff.

Ende der Leseprobe aus 34 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Schaffensrausch und Rauschschaffen. Funktionen des Drogenrausches bei Walter Benjamin und Gottfried Benn
Hochschule
Universität Wien
Note
1,0
Autor
Christopher Hofbauer (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2020
Seiten
34
Katalognummer
V1288944
ISBN (PDF)
9783346748058
ISBN (Buch)
9783346748065
Sprache
Deutsch
Schlagworte
schaffensrausch rauschschaffen funktionen drogenrausches walter benjamin gottfried benn
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Christopher Hofbauer (Autor:in), 2020, Schaffensrausch und Rauschschaffen. Funktionen des Drogenrausches bei Walter Benjamin und Gottfried Benn, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1288944
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  34  Seiten
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