Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Identitätsfindung im Kindesalter und betrachtet den Entwicklungsprozess im Kontext von häuslicher Gewalt. Im Zuge dessen wird die Fragestellung, welche Konsequenz es für die Identität eines Kindes hat, wenn häusliche Gewalt eine zentrale Rolle im Alltag des Kindes spielt, bearbeitet.
Hierfür wird im nachfolgenden Abschnitt zunächst die Begrifflichkeit der Identität eingegrenzt. Auf Grundlage der klassischen Identitätsforschung nach Erikson sollen die Phasen der Identitätsbildung näher beleuchtet werden. Ein besonderes Augenmerk wird dabei auf die Phase der Kindheit gelegt. Das psychosoziale Moratorium und Erwachsenenalter werden an dieser Stelle benannt, aber nicht näher bearbeitet. Im weiteren Abschnitt wird das modernisierte Patchwork Modell der Identitäten nach Keupp gegenübergestellt, um nach Parallelen und Unterschieden für ein vielfältigeres Unterstützungsangebot zu suchen. Im letzten Abschnitt der Arbeit steht die Identitätsfindung im Kindesalter als Herausforderung im Kontext der häuslichen Gewalt im Fokus. Hierzu werden nach einem Definitionsversuch, die Auswirkungen und Unterstützungsmöglichkeiten herausgearbeitet. Das Schlusswort des Fazits wird die Arbeit nochmals in kritischen Diskurs ziehen und eine Quintessenz für die weitere Arbeit ziehen.
Inhaltsverzeichnis
2. Einleitung
3. Identität
3.1 Begriffserklärung
3.2 Identitätstheorien
3.2.1 Phasentheorie nach Erikson
3.2.2 Patchwork Identität nach Heiner Keupp
4. Identitätsfindung im Kindesalter als Herausforderung im Kontext der häuslichen Gewalt
4.1 Definition des Begriffs
4.2 Auswirkung auf die Identitätsbildung von Kindern in der häuslichen Gewalt
4.3 Möglichkeiten zur Unterstützung der Identitätsentwicklung
5. Fazit
7. Verweise
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss von häuslicher Gewalt auf den Identitätsbildungsprozess von Kindern im Kindesalter. Dabei wird der Frage nachgegangen, welche Konsequenzen ein gewaltgeprägter Alltag für die psychologische Entwicklung des Kindes hat und welche Unterstützungsmöglichkeiten existieren, um eine resiliente Identitätsentwicklung zu fördern.
- Grundlagen der Identitätsentwicklung aus entwicklungspsychologischer Sicht
- Vergleichende Analyse der Identitätstheorien nach Erik H. Erikson und Heiner Keupp
- Auswirkungen von physischer, psychischer und sexueller häuslicher Gewalt auf Kinder
- Entwicklung von Schutzfaktoren und Unterstützungsangeboten in der Kindheitspädagogik
- Bedeutung von Bindung, Resilienz und Selbstwirksamkeit im Kontext traumatischer Erfahrungen
Auszug aus dem Buch
4.2 Auswirkung auf die Identitätsbildung von Kindern in der häuslichen Gewalt
Die häusliche Gewalt die Kinder (mit)-erleben ist facettenreich und wirkt sich dementsprechend unterschiedlich auf die kindliche Entwicklung aus. Davon abhängig ist die Individualität eines Kindes, deren Ressourcen, Schutzfaktoren und Bewältigungsstrategien. Zudem tragen die Charaktermerkmale, das Alter, Geschlecht, Intelligenz und sozioökonomische Faktoren eine nicht unbedeutende Rolle im weiteren entwicklungspsychologischen Verlauf des Kindes. Ebenfalls der individuelle Blick auf „Gewalt“ wird in den Auswirkungen unterschiedlich beigemessen, da die Erlebnisse und Formen der häuslichen Gewalt von diversen Faktoren und deren Schwere abhängig sind (vgl. Dlugosch 2010, 53-56).
Der häusliche Rahmen soll dem Kind Schutz, Sicherheit und Geborgenheit bieten. Vielmehr erzeugt die gewaltvolle Atmosphäre jedoch Unruhe, Unsicherheit und Angst. Dementsprechend sind Schutzfaktoren wichtige Elemente für gelingende Bewältigung und dennoch nehmen diese Zustände immer Einfluss auf die kindliche Entwicklung (vgl. ebd. 2010, 53-56).
Häufig lassen sich signifikante Zusammenhänge zwischen dem (mit)-erleben der Gewalt und der Entstehung von Entwicklungs- und/oder Verhaltensauffälligkeiten feststellen. Besonders die Verzögerung in der visuell-motorischen und verbal-sprachlichen Entwicklung können sich auf missbräuchliche Handlungen in der frühen Kindheit zurückführen lassen. Doch nicht nur in der sprachlichen- und motorischen Entwicklung kommt es zu Defiziten, auch im Charakterwesen oder der Kognition lassen sich Veränderungen verzeichnen. Betroffene Kinder entwickeln häufig das Gefühl von Verantwortung oder Schuldgefühlen, da sie durch mangelndes Selbstbewusstsein, Unsicherheit oder Angst die Fehler in sich sehen.
Zusammenfassung der Kapitel
2. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Bedeutung der Identitätsfindung für das Individuum und führt in die Fragestellung ein, wie häusliche Gewalt den Entwicklungsprozess von Kindern beeinflusst.
3. Identität: Dieses Kapitel definiert den Begriff Identität wissenschaftlich und stellt mit der Phasentheorie nach Erikson sowie dem Patchwork-Modell nach Keupp zentrale theoretische Rahmenkonzepte vor.
4. Identitätsfindung im Kindesalter als Herausforderung im Kontext der häuslichen Gewalt: Das Hauptkapitel analysiert die Facetten häuslicher Gewalt und untersucht deren spezifische Auswirkungen auf die psychische und soziale Identitätsentwicklung sowie Möglichkeiten für pädagogische Unterstützungsangebote.
5. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit, Identitätstheorien als flexible Orientierungshilfen für die pädagogische Praxis zu verstehen.
Schlüsselwörter
Identität, Identitätsbildung, häusliche Gewalt, Kindheit, Kindesentwicklung, Erik Erikson, Patchwork-Identität, Heiner Keupp, Bindung, Resilienz, Schutzfaktoren, Traumatisierung, Sozialisationsprozess, Kindheitspädagogik, Selbstbild.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht den engen Zusammenhang zwischen dem Erleben häuslicher Gewalt und dem Prozess der Identitätsbildung bei Kindern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen umfassen Identitätstheorien, die Auswirkungen von Gewalt auf die kindliche Psyche sowie pädagogische Interventions- und Unterstützungsmöglichkeiten.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin mit dieser Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Konsequenzen häuslicher Gewalt für die Identität eines Kindes herauszuarbeiten und aufzuzeigen, wie pädagogische Fachkräfte unterstützend einwirken können.
Welche Theorien bilden das wissenschaftliche Fundament?
Die Arbeit stützt sich primär auf die psychosoziale Entwicklungstheorie nach Erik H. Erikson und den spätmodernen Identitätsansatz des Patchwork-Modells von Heiner Keupp.
Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit detailliert beleuchtet?
Im Hauptteil werden verschiedene Formen häuslicher Gewalt, die entwicklungspsychologischen Auswirkungen auf betroffene Kinder sowie Strategien zur Identitätsstärkung behandelt.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Identität, Resilienz, häusliche Gewalt, Schutzfaktoren und kindliche Entwicklung charakterisiert.
Was versteht man unter dem in der Arbeit behandelten "Umkehrphänomen"?
Das Umkehrphänomen beschreibt eine Reaktion bei betroffenen Kindern, bei der diese beginnen, Verantwortung für die familiären Probleme zu übernehmen und sich aktiv um ihre Eltern zu sorgen.
Warum ist laut der Arbeit die Biographisierung für Kinder wichtig?
Die Biographisierung hilft dem Kind, seine Lebenswirklichkeit zu ordnen und zu verstehen, was zur Stabilisierung des Identitätsprozesses und zur Verringerung von Identitätskämpfen beiträgt.
- Quote paper
- Viviane Völker (Author), 2022, Häusliche Gewalt als zentrale Rolle im sozialen Nahraum. Die Konsequenz für die Identitätsbildung eines Kindes, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1289084