Kundenbewertungen beim Online-Vertrieb von Waren und Dienstleistungen. Eine wettbewerbsrechtliche Untersuchung


Seminararbeit, 2020

39 Seiten, Note: 11,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

A.Einleitung

B.Grundlegender Überblick
I. Grundlagen und Entwicklung des Wettbewerbsrechts
II. Zweck und Wirkung von Kundenbewertungen im Online-Vertrieb
III. Voraussetzungen für die Anwendung des UWG
1. Geschäftliche Handlung
2. Mitbewerberstellung

C.Wettbewerbsrechtliche Problemfelder
I. Darstellung von Kundenbewertungen
1. Gefilterte Bewertungen
a. Das Sich-zu-eigen-machen
b. Die Rolle von Algorithmen
2. Gesamtbewertung
a. (Un-)Zulässigkeit gesamtdarstellender Kundenbewertungen
b. Lösungsansätze
II. Beabsichtigte Platzierung gefälschter Kundenbewertungen
1. Positive Fake-Bewertungen
2. Negative Fake-Bewertungen
3. Zwischenergebnis
III. IncentivierteKundenbewertungen
1. Lockende Aufforderung zur Bewertungsabgabe
a. Aggressive geschäftliche Handlung
b. UnzumutbareBelästigung
c. Nichtkenntlichmachung des kommerziellen Zwecks

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Im Übrigen bezieht sich die im Text gewählte männliche Form immer zugleich auf Personen aller Geschlechter, es wird allerdings zugunsten der besseren Lesbarkeit auf eine Mehrfachbezeichnung verzichtet.

A. Einleitung

Der Austausch von Meinungen ist unter Verbrauchern schon immer von enormer Wichtigkeit. Einst fand die Auswechselung von Kritik und Lob fast ausschließlich persönlich statt, auch bekannt unter dem Phä­nomen der Mundpropaganda. Durch die fortschreitende Digitalisierung hat sich das Spiegelbild der Verbraucherzufriedenheit mittlerweile vor allem in die uferlosen Grenzen des Internet verschoben. Durch die un­ermessliche Reichweite des Online-Vertriebs liegt es auf der Hand, dass die darin vorkommenden Kundenbewertungen eine beträchtliche Summe rechtlicher Problematiken und neu aufkommender Fragestel­lungen mit sich bringen.

Insbesondere steht über der ganzen Thematik die zentrale Abwägungs­frage, inwieweit Kundenbewertungen in ihren verschiedenen Gewän­dern wettbewerbsrechtlich zulässig sind. Denn parallel zur zunehmen­den Relevanz von Nutzerbewertungen erfahren auch Missbrauchssze­narien eine steigende praktische Bedeutung.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich genau mit dieser Materie und untersucht Kundenbewertungen beim Online-Vertrieb von Waren und Dienstleistungen in wettbewerbsrechtlicher Hinsicht. Dabei gibt sie zu­nächst einen grundlegenden Überblick (B.) und arbeitet darauf aufbau­end vorrangig die wettbewerbsrechtlichen Problemfelder im Zusam­menhang mit Kundenbewertungen aus (C.). Nachdem anhand eines erst vor kurzem entschiedenen BGH Urteils die wettbewerbsrechtliche Haf­tung von Händlern bezüglich unzulässiger Bewertungen Dritter geklärt wurde (D.), wird das Einschreiten des Bundeskartellamts in kompri­mierter Form thematisiert (E.). Abgeschlossen wird mit einem Fazit und einem Ausblick, besonders im Hinblick der fortscheitenden Tech­nisierung (F.).

B. Grundlegender Überblick

Um Kundenbewertungen beim Online-Vertrieb von Waren und Dienst­leistungen sinnvoll wettbewerbsrechtlich durchleuchten zu können, muss zunächst ein inhaltlich bezugnehmendes elementares Verständnis hergestellt werden.

I. Grundlagen und Entwicklung des Wettbewerbsrechts

Das im UWG verankerte Recht, welches als Wettbewerbsrecht oder Lauterkeitsrecht betitelt wird, besteht nach § 1 UWG zum Schutz der Mitbewerber, Verbraucher und sonstigen Marktteilnehmer vor unlaute­ren Geschäftspraktiken und sichert im Interesse der Allgemeinheit ei­nen unverfälschten und freien Wettbewerb. Bis heute hat sich allerdings noch keine einheitlich festgelegte Terminologie durgesetzt. So spricht man oftmals nur vom Wettbewerbsrecht, was durchaus Verwirrung stif­ten kann, da das im GWB national geregelte Kartellrecht im europäi­schen Rechtsraum ausgerechnet auch als Wettbewerbsrecht tituliert wird.1 Der Leser muss weiterhin beachten, dass die im UWG vorkom­menden Vorschriften durch die UWGNovelle vom 10.12.2015 elemen­tar überarbeitet wurden.2 Insbesondere ist hierbei auf die Entwicklung des § 4 UWG hinzuweisen. Nach der a.F. wurden hierunter lediglich Beispiele unlauterer geschäftlicher Handlungen aufgelistet, die durch die Strukturänderung auf nur noch vier Absätze ohne Beispielkatalog gekürzt wurde.

II. Zweck und Wirkung von Kundenbewertungen im Online-Vertrieb

Die Meinung des Kunden hat einen wichtigen Einfluss auf die Kaufent­scheidung von potentiellen Konsumenten,3 da eine Vielzahl von Be­wertungen ein eigentlich zuverlässiger Hinweis darauf sein sollte, wie die Ware oder Dienstleistung in ungefilterter Wirklichkeit ist. Der Prä­sident des Bundeskartellamts gab sogar bekannt, dass Kundenbewer­tungen im Online-Vertrieb neben dem Preis das bedeutsamste Entschei­dungskriterium für Verbraucher sind.4 Die Bewertungen kommen über­dies an die Bedeutung einer verbindlichen Verbraucherumfrage heran.5 Inwiefern der Kunde eine Möglichkeit zur digitalen Bewertungsabgabe hat, ist von den unterschiedlichen Konzepten der Unternehmer abhän­gig. Diese verschiedenen Darstellungen sind unter anderem von gesteigerter rechtlicher Relevanz.6 In der Praxis findet man von einem detaillierten Wortbeitrag in einem Freitextfeld bis zu einer kategorisier­ten Sternebewertung fast jede erdenkliche Form der Kundenbewer­tung.7 Egal, welche Gestaltung die Bewertung letztendlich annimmt, die Meinungsäußerung eines meist unbekannten Dritten wird beim rat­suchenden Konsumenten generell höher bewertet, als Aussagen vom Werbenden selbst.8 Dies hat zur Ursache, dass Äußerungen eines par­teilosen Kunden mehr Vertrauen geschenkt werden kann, als eklatanter bezahlter Werbung.9 Die Meinung eines Konsumenten ist nämlich frei und ungeschönt. Kundenbewertungen gelten daher sowohl als wichtige und vertrauenswürdige Informationsquelle,10 sind aber auch ein sehr ef­fektives Marketinginstrument und dienen gleichsam der neuen Kom­munikationsform der Werbung.11 Das Austauschen von Meinungen über das Instrument der Kundenbewertungen ist dadurch auch geeignet, den Preis- und Leistungswettbewerb zu fördern.12 Insofern ist es für Unternehmen von zentraler Bedeutung, dass deren Kundenrezensionen vorwiegend positiv ausfallen.

III. Voraussetzungen für die Anwendung des UWG

Damit mögliche Verstöße durch Kundenbewertungen der wettbewerbs­rechtlichen Kontrolle überhaupt unterworfen sind, muss ein Internet­dienstleister in Abgrenzung zum früheren Rechtsinstitut der Störerhaf­tung selbst geschäftlich i.S.d. §21 Nr. 1 UWG handeln.13

Ferner ist die Gegebenheit einer Mitbewerberstellung nach § 2 I Nr. 3 UWG vorausgesetzt.14

1.Geschäftliche Handlung

Soll durch das Wiedergeben von Kundenbewertungen, der eigene Ab­satz des Unternehmers gefördert, die eigene Leistung oder ein weiteres geschäftliches Angebot attraktiver oder überhaupt bekannt gemacht werden, so ist eine geschäftliche Handlung i.S.d. §21 Nr. 1 UWG ver­wirklicht.15 Werden hingegen nur rein kommunikative Absichten ver­folgt, so lässt sich noch keine geschäftliche Handlung annehmen.16 In der Praxis verschmelzen diese Übergänge allerdings recht schnell und es ist oftmals keine klare Grenze mehr zu ziehen.17

Dennoch lässt sich generell sagen, dass in den überwiegenden Konstel­lationen das mit Kundenbewertungen eng im zusammenhangstehende Bereitstellen und Betreiben einer Plattform für oder unter anderem mit Kundenbewertungsabgaben im Online-Vertrieb eine geschäftliche Handlung darstellt.18

2. Mitbewerberstellung

Liegt ein Anspruch gegen einen direkten Konkurrenten vor, so ist eine unmittelbare Konkurrenzkonfliktlage und Mitbewerberstellung i.S.v. §21 Nr. 3 UWG unproblematisch anzunehmen.19 Dagegen lässt sich ein konkretes Wettbewerbsverhältnis bei Ansprüchen gegenüber Platt­formanbietern nicht ganz so leicht aufzeigen. Dies hat zur Ursache, dass die Portalbetreiber eigentlich nur als „neutrale Informationsvermitt­ler“20 agieren.21 Gehören zur Kundenbewertungsdarstellung der Platt­formen aber auch kommerzielle und vergütete Darstellungen, wie bei­spielsweise die bezahlte Präsentation von TOP-Platzierungen22 oder Vermittlungsleistungen, die dazu geeignet sind, die Attraktivität eines Unternehmens oder Angebots für geschäftliche Zwecke zu steigern o­der ein anderes zu beeinträchtigen, so verlässt der Betreiber seine pas­sive Position.23 Im Interesse des wettbewerbsrechtlichen Individual­schutzes kann der Kreis des konkreten Wettbewerbsverhältnisses aller­dings sehr weit gezogen werden und es muss nicht zwingend ein „schar­fes“ Konkurrenzverhältnis vorliegen.24

Prinzipiell lässt sich damit sagen, dass es für eine Mitbewerberstellung ausreicht, wenn die durch die Maßnahme angestrebten Vorteile einer Partei, die andere Seite wiederrum Nachteile erleidet, so dass eine Wechselwirkung entsteht, die sich eignet den fremden Wettbewerb zu beeinträchtigen und den Eigenen zu fördern.25

Die eigentliche Schwierigkeit verkörpert sich aber viel mehr in der Ein­ordnung der wettbewerbsrechtlichen Problemfeldem im Zusammen­hang mit Kundenbewertungen.

C. Wettbewerbsrechtliche Problemfelder

Inzwischen ranken sich nämlich rund um die Thematik von Kundenbe­wertungen unzählige wettbewerbsrechtliche Problematiken. Nachfol­gend werden diese innerhalb der meist auftretenden Schwierigkeiten er­örtert. Die Arbeit konzentriert sich zum einen auf die mannigfaltigen Bewertungsdarstellungen, als auch auf gefälschte und incentivierte Kundenbewertungen.

I. Darstellung von Kundenbewertungen

Um Nutzerbewertungen für den Verbraucher übersichtlicher darzustel­len, werden die bereits abgegebenen Bewertungen oftmals in Katego­rien selektiert oder in einer Gesamtübersicht wiedergegeben, bei deren Darstellung sich einige wettbewerbsrechtliche Risiken aufdrängen.

1. Gefilterte Bewertungen

Vorerst ist auf die Filterung von Kundenbewertungen einzugehen, vor allem auch in Hinsicht auf den Einsatz von Algorithmen.

Wird durch eine gewisse Anordnung die Darstellung negativer Bewer­tungen verhindert oder positive Äußerungen einseitig dargestellt, so entsteht für den Verbraucher ein vorgetäuschtes übertrieben positiv ver­zerrtes Gesamtbild, welches unstrittig als irreführend i.S.d. § 5 I S. 2 Nr. 1 UWG anzusehen ist.26

Aber auch die Begutachtung einer neutralen Filterung ist mit rechtlicher Vorsicht zu genießen. Insbesondere sind hierbei die filtrierten Rezensi­onen von Bewertungsportalen ins engere Blickfeld zu ziehen.

Durch die vom unparteiischen Portalbetreiber gefilterte Darstellung von nur wettbewerbsrechtlich zulässigen Kundenbewertungen könnte zwar einer möglichen Verzerrung im Wettbewerb entgegengewirkt werden. Dem gegenüber steht die Tatsache, dass der in seiner neutralen Position stehende Intermediär gerade die Pflicht zur Markttransparenz hat, um sämtliche Informationen so sachlich und unbearbeitet wie mög­lich darzustellen.27 In dieser Kontroverse ist zu untersuchen, inwieweit die eigentlich neutrale Filterung von Kundenbewertungen unlauter sein kann.

a.Das Sich-zu-eigen-machen

Ein Unternehmer handeltjedenfalls immer dann unlauter, wenn er sich die Angaben Dritter zu eigenen macht und sich auf diese bezieht.28 Dies muss auf Grundlage einer Gesamtbetrachtung sämtlich relevanter Um­stände aus der Sicht eines verständigen durchschnittlichen Nutzers be­urteilt werden.29 Übernimmt der Betreiber eines Bewertungsplattform­dienstes nach außen erkennbar die inhaltliche Verantwortung für die auf seiner Internetseite veröffentlichten Inhalte oder erweckt zumindest einen zurechenbaren Anschein, dass er sich mit den Inhalten Anderer identifiziert, so ist ein Sich-zu-eigen-machen gegeben.30

Dafür spricht vor allem, wenn der Anbieter eines Bewertungsportals die von Dritten hochgeladenen Einträge inhaltlich-redaktionell aufbereitet, deren Wahrheitsgehalt, bzw. Vollständigkeit überprüft oder die frem­den Aussagen in das eigene redaktionelle Angebot einbindet.31 Hingegen ist allein durch ein statistisches Auswerten von Kundenbe­wertungen, z.B. die Darstellung mit Durchschnittswerten oder einer „Weiterempfehlungsrate“ aufgrund der fehlenden inhaltlichen Ein­flussnahme des Websitebetreibers noch keine inhaltlich-redaktionelle Aufbereitung gegeben.32 Auch die Anwendung eines automatisierten Wortfilters oder eine nachträgliche Notice-and-take-down-Überprü- fung stellt noch kein Zu-eigen-machen dar, soweit die Handlung dazu dient, die Nutzungsbedingungen einzuhalten und dagegen verstoßende Bewertungen von einer Veröffentlichung auszuschließen.33 Ebenso führt eine Untergliederung in „empfohlene“ und „(derzeit) nicht emp­fohlene“ Beiträge, noch zu keinem Zu-eigen-Machen der hierin um­fassten Meinungsäußerung, vorausgesetzt, der Portalanbieter über­nimmt für die Inhalte keine erkennbare Verantwortung.34

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Rechtsprechung bisher kei­nen allzu strengen Maßstab an das Sich-zu-eigen-Machen von Kunden­bewertungen angelegt hat.

Als Konsequenz ist bei der Annahme einer Identifikation mit fremden Inhalten prinzipiell Zurückhaltung angebracht. Ein durchschnittlich in­formierter Verbraucher ist nämlich mit den grundlegenden Prinzipien eines Bewertungssystems vertraut und erkennt, dass es sich bei den Meinungsäußerungen gerade nur um persönliche Einschätzungen anderer handelt.35 Nach Aussage des BGH tritt der Verkehr auf subjek­tiv angehauchte Äußerungen mit ausgeprägter Achtsamkeit und erhöh­ter Skepsis gegenüber.36 Diesbezüglich vermeintlich aufkommende Fehlvorstellungen sind sodann hinzunehmen.37

Diese Erwägung steht allerdings im starken Widerspruch hinsichtlich der zu Anfang ausgeführten Wirkung von Kundenbewertungen, die als gerade auffallend zuverlässig und vertrauenswürdig eingestuft wur­den.38 Infolgedessen ist es bedenkenswert, dass dem Publikum ein er­weitertes Grundverständnis über das Zustandekommen und die Inter­pretation von Kundenbewertungen zugetraut,39 beziehungsweise sogar vielmehr zugemutet wird.

b.Die Rolle von Algorithmen

Für eine noch besser gefilterte Darstellung von Kundenbewertungen wenden die Unternehmen teilweise sehr komplexe, teilweise selbstler­nende, Algorithmensysteme an, um auch die große Vielzahl an Bewer­tungen immer aktuell und übersichtlich abbilden zu können.40 Welche Rolle Algorithmen in Hinblick auf die rechtliche Untersuchung von Kundenbewertungen haben, hat die Justiz auch in diesem Jahr schon beschäftigt.41

In der Regel ist das Filtern von Nutzerbewertungen durch einen Algo­rithmus zwar rechtlich gebilligt,42 dennoch muss sich zwingend verge­genwärtigt werden, dass diese Programme die vom Menschen festge­legten Bewertungskriterien umsetzen.43 Wird der Algorithmus also mit falschen Daten „gefüttert“, so stellt dies wiederum eine unzulässige ge­schäftliche Handlung dar, zumal sich das Unternehmen sodann das algorithmische Arbeitsresultat zu eigen machen würde.44 Gleiches gilt freilich für den Einsatz anderer automatisierter Software.

Allgemein muss trotz der derzeitig wettbewerbsrechtlichen Zulässig­keit von eingesetzten Algorithmen kritisiert werden, dass die Anwen­dung eines derart komplexen Systems für einen durchschnittlichen Ver­braucher nur schwer erkennbar ist und unter Umständen besonders ir­reführend sein kann. Außerdem kann es trotz der eigentlich zuverlässi­gen Programme dennoch zu mitunter fehlerhaften Ausnahmen kom­men.45

Werden die Entscheidungsprozesse also von künstlichen neuronalen Netzen gesteuert, so sollten die Betreiber künftig dazu verpflichtet wer­den, die betreffenden Daten bis zu einem gewissen Maße zu dokumen­tieren und bei Nachfrage in einem der RL (EU) 2016/943 zum Schutz vor Geschäftsgeheimnissen vertretbaren Umfang offenzulegen.46 Diesbezüglich beschäftigt sich auch die erst am 12.7.2020 in Kraft ge­tretene europäische P2B-VO47, die Regelungen zur Transparenz und Fairness von Plattforminhalten vorsieht. Nach Art. 5 der Verordnung sind Kriterien für die Offenlegung von Rankingkriterien bei Anbietern von Online Vermittlungsdiensten mit einzubeziehen.48

Gleichwohl muss erwähnt werden, dass eine zentrale Offenlegung dem angestrebten Zweck zuwiderlaufen könnte.49 Dies hat zur Ursache, dass sobald den Kandidaten die relevanten Faktoren zur Arbeitsweise eines Algorithmus[4] in Bezug auf Kundenbewertungen bekannt gemacht wer­den, sie sich hierauf auch einstellen können.50

Auch der Entwurf zur jüngsten GWB-Novelle setzt sich damit ausei­nander. Nach dessen Inkrafttreten wird es sodann die Herausforderung sein, die zum Zugang von Daten geplanten Regelungen zu wirklich effektiven Werkzeugen zugunsten der Freiheit des Wettbewerbs zu for­men.51

2.Gesamtbewertung

Durch die große Masse an Kundenbewertungen kann sich der Verbrau­cher ebenso einen persönlichen Eindruck durch die Möglichkeit einer Gesamtbewertung bilden.

a. (Un-)Zulässigkeit gesamtdarstellender Kundenbewertungen

Mit einer Gesamtbewertung darf unumstritten nicht geworben werden, wenn hierin einzelne Bewertungen eingeflossen sind, auf die der Un­ternehmer eingewirkt hat.52 Durch das Werben mit einer hohen Gesamt­anzahl an Bewertungen liegt ein solch irreführender Eindruck nahe, bei dem der Blick auf die Ware oder Dienstleistung für den Verbraucher verzerrt wird.53 Dies muss jedoch äußerst kritisch hinterfragt werden, da auf diese Weise generalisiert ohne nähere Ausführungen von einer Zurechnung der beeinflussten Gesamtbewertung ausgegangen wird,54 was sich in manchen Fällen aber freilich auch gerade anders herausstel­len könnte.

Weiterhin ist eine Irreführung gemäß § 5 I S. 2 Nr. 1 UWG an­zunehmen, wenn nicht alle Bewertungen im Gesamten wiedergegeben werden und der Portalbetreiber hierauf nicht oder nur unzureichend hin­weist.55 Ein in der Juristik vorzuzeigender Musterfall ist die Frage der wettbewerbsrechtlichen Zulässigkeit durch das Werben mit dem Ver­sprechen „garantiert echte Meinungen“, da ein derartiger Slogan beim Verbraucher den Eindruck erweckt, dass in der Darstellung einer Durchschnittbewertung sämtliche Bewertungen ungefiltert veröffent­licht wurden56 und eben nicht nur größtenteils, auf Grundlage einer vom Betreiber bestimmten Einordnung in „vertrauenswürdigen und nützli­chen Bewertungen“, stattfand.57

[...]


1 Lettl, Wettbewerbsrecht, § 1 Rn.l.

2 Müller, IP kompakt 1/2016, 2, 3.

3 Spindler/Schuster/Mzck/zlz/Vawys/owska, UWG § 5 Rn. 157.

4 BKartA, PM v. 23.5.2019, S. 1.

5 BGH NJW 2020, 1520, 1522 - Kundenbewertungen auf Amazon.

6 Föhlisch/Löwer, VuR 2020, 53,61; Smirra, ZUM 2020, 525, 530.

7 NK-UWG/Bas-se/Watt, §5aRn. 311; Ahrens/Richter, WRP 2011, 814, 814.

8 KBPIBornkamm/Feddersen, UWG § 5 Rn. 1.165.

9 Lichtnecker, GRUR2013, 135, 139.

10 Smirra, ZUM 2020, 525, 525.

11 Lichtnecker, GRUR 2013, 135, 137; Koch/Biggen, NJW 2020, 2921, 2921.

12 BGH NJW 2020, 1520, 1524 - Kundenbewertungen auf Amazon.

13 Auer-Reinsdorff/Conrad/Kremer, § 28 Rn. 98; Köhler, GRUR 2008, 1, 2.

14 Ohly, GRUR 2017, 441, 446.

15 BGHGRUR2015, 1129, 1131-Hotelbewertungsportal;HBHB/Go/Jmauu, § 8 Rn. 518; KBE /Bornkamm/Feddersen, UWG § 5 Rn. 2.153a.

16 Smirra, ZUM 2020, 525, 528.

17 Schaub, GRUR 2020, 494, 497.

18 BGH GRUR 2007, 890, 892 - Jugendgefährdende Medienbei eBay.

19 UWG-HdB/Fr/tZÄCÂe, § 79, Rn. 173.

20 BGH NJW 2018, 1884, 1884 - Ärztebewertungsportal III.

21 Büscher, GRUR 2017, 433, 436, 438; Pukas, WRP 2019, 1421, 1427.

22 Hofmann, WRP 2020, 579, 579.

23 BGH GRUR 2015, 1129, 1130 f. - Hotelbewertungsportal; Smirra, ZUM 2020, 525, 528.

24 Jahn/Palzer, K&R 2015, 767, 768.

25 BGH GRUR 2014, 1114, 1116 - nickelfrei; Göttvagk^SLisQrlGötting/Hetmank, § 4, Rn. 37 BGH GRUR 2014, 1114, 1116 - nickelfrei; Göttvagk^SLisQrlGötting/Hetmank, § 4, Rn. 37.

26 Tamm/Tonner/Brönneke/Brönnefe, § 10 Rn. 67a; BKartA, Sektoruntersuchung Vergleichsportale, S. 131.

27 Deppenkemper,jM 2020, 283, 284.

28 HBHB/Breyer, § 5 Abs. B Rn. 98.

29 BGH GRUR2015, 1129, 1131 f. -Hotelbewertungsportal; GRUR2016, 209, 211 - Haftung lur Hyperlink; HBHB/ 'Goldmann, § 8 Rn. 464.

30 Lettl, Wettbewerbsrecht, § 10 Rn. 44; Jahn/Palzer, K&R 2015, 767, 769.

31 BGH GRUR 2010, 616, 618 - marions-kochbuch.de; GRUR 2012, 74, 78 - Coaching Newsletter.

32 BGHGRUR2015, 1129, 1131 -Hotelbewertungsportal; Jahn/Palzer, K&R2015, 767, 769; Smirra, ZUM 2020, 525, 530.

33 BBBB/Goldmann, § 8 Rn. 464; Lettl, BB 2016, 2243, 2244 f.

34 BGH NJW 2020, 1587, 1587 - Bewertungsdarstellung.

35 BGH NJW 2020, 1520, 1522 - Kundenbewertungen auf Amazon.

36 KBF/KöA/er, UWG § 5a Rn. 7.80; Smirra, ZUM 2020, 525, 528.

37 BGH NJW 2020, 1520, 1522 - Kundenbewertungen auf Amazon.

38 Siehe oben.

39 Smirra, ZUM 2020, 525, 528.

40 https://www.otto.de und https://www.tripadvisor.de, s. Koch/Biggen, NJW 2020, 2921,Fn. 1, 31.

41 BGH NJW 2020, 1587 ff. - Bewertungsdarstellung.

42 Milker, ZUM 2017, 216, 218.

43 BGHNJW2020, 1587, 1591-Bewertungsdarstellung.

44 Spoen/e,jurisPR-ITR 17/2020 Anm. 2, S. 3.

45 Bw/fe/JurisPR-ITR 6/2020 Anm. 6, S. 2.

46 Vgl. Koch/Biggen, NJW 2020, 2921, 2925.

47 Auch Verordnung (EU) 2019/1150 genannt.

48 Dazu etwa Schaub, GRUR 2020, 494, 498.

49 Smirra, ZUM 2020, 525, 531.

50 Ernst, VuR 2019, 401, 402.

51 Lettl, WRP 2/2020,1.

52 Hugendubel/Zarm, IPRB 2020, 135, 137.

53 OLG Frankfurt/M. MMR 2019, 529, 530 - Whirlpool-Gewinnspiel.

54 Hugendubel/Zarm, IPRB 2020, 135, 138.

55 Büscher, GRUR 2017, 433, 440.

56 BGH GRUR 2016, 828, 830 - Kundenbewertung im Internet; HBHB/Öreyer, UWG § 5 Abs. K, Rn. 18.

57 OLGMünchenMMR2019, 704, 704; Gräbig, GRUR-Prax2019, 197, 199.

Ende der Leseprobe aus 39 Seiten

Details

Titel
Kundenbewertungen beim Online-Vertrieb von Waren und Dienstleistungen. Eine wettbewerbsrechtliche Untersuchung
Hochschule
Universität Potsdam
Note
11,0
Jahr
2020
Seiten
39
Katalognummer
V1289292
ISBN (Buch)
9783346752680
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kundenbewertungen, online-vertrieb, waren, dienstleistungen, eine, untersuchung, Wettbewerbsrecht, lauterkeitsrecht, jura, juristische Betrachtung, Onlinebewertung, Kommentar
Arbeit zitieren
Anonym, 2020, Kundenbewertungen beim Online-Vertrieb von Waren und Dienstleistungen. Eine wettbewerbsrechtliche Untersuchung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1289292

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