[...] In der vorliegenden Hausarbeit soll auf den Zusammenhang zwischen
Kommunikationsfreiheiten und Medienethik in mehrfacher Hinsicht anhand folgender
Fragestellungen eingegangen werden: Inwieweit bedingen sie sich? Inwieweit ist ein
universaler Anspruch auf Kommunikationsfreiheiten gerechtfertigt und nicht selbst Teil eines
spezifischen, ethisch argumentierenden Menschenbildes? Auf welchen Prämissen müsste
eine global wirksame Medienethik beruhen, um Anspruch auf Berechtigung zu besitzen?
Um sich diesen Fragestellungen anzunähern, sollen in einem ersten Schritt die eingeführten
Begriffe spezifiziert werden: Was versteht man unter Kommunikationsfreiheiten und woraus
leiten sie sich ab? Welche Funktion hat Medienethik?
In einem zweiten Schritt wird aufgezeigt, wie Medienethik erst durch
Kommunikationsfreiheiten ermöglicht wird und inwiefern Kommunikationsfreiheiten
weltweit reale Umsetzung erfahren. Mit den bis hier gewonnenen Grundlagen sollen dann
folgende Fragen diskutiert werden: Kann der in den Menschenrechten verankerte universale
Anspruch auf Kommunikationsfreiheiten wirklich so erhoben werden? Handelt es sich bei der
Konzeption der Menschenrechte nicht um einen spezifischen Ausdruck von
Moralvorstellungen, die auf andere Kulturen so nicht anwendbar sind? Und: Kann die
Berichterstattung von Mediensystemen, die dem Wertekanon der Menschenrechte nicht zustimmen, überhaupt mit einer auf diesen Werten basierenden Medienethik kritisiert
werden?
Die vorliegende Hausarbeit konnte viele der aufgeworfenen Fragen nicht abschließend klären,
schon allein, weil die Positionen zu diesem Thema so zahlreich wie die Literatur zu sein
scheinen und dennoch häufig in Paradoxien enden. Letztlich sind mehr Fragen entstanden, als
geklärt werden konnten. Somit wird es auch als Ergebnis der vorliegenden Hausarbeit
betrachtet, Fragestellungen für eine weitere Beschäftigung mit dem Themenbereich erarbeitet
zu haben.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriff der Kommunikationsfreiheiten
2.1 Dimensionen des Begriffs
2.2 Kommunikationsfreiheit als Menschenrecht
3 Wozu Medienethik?
4 Kommunikationsfreiheiten und Medienethik – eine symbiotische Beziehung
5 Ungleichverteilung der Kommunikationsfreiheiten in der Welt
6 Medienethik, Kommunikationsfreiheiten und der Anspruch auf Freiheit
6.1 Medienethik ohne Medienfreiheit?
6.2 Freiheit als Leitwert der Medien und der Medienethik?
7 Konzepte einer globalen Medienethik
8 Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den engen Zusammenhang zwischen Kommunikationsfreiheiten und Medienethik, wobei der Fokus auf den Bedingungen für deren globale Wirksamkeit sowie der kritischen Prüfung des universalen Anspruchs auf diese Freiheiten im Kontext unterschiedlicher kultureller Werteordnungen liegt.
- Die funktionale und normative Bedeutung von Kommunikationsfreiheiten für demokratische Systeme.
- Die Rolle der Medienethik als Reflexionsinstrumentarium innerhalb der Medienpraxis.
- Die weltweite Ungleichverteilung von Medienfreiheiten und deren Einfluss auf die Medienethik.
- Die Problematik der Universalisierbarkeit westlich geprägter Menschenrechtsvorstellungen und Medienethiken.
Auszug aus dem Buch
3 Wozu Medienethik?
Medienschaffende gelangen während ihrer Arbeit in Situationen, in denen sie entscheiden müssen, welche Mittel sie anwenden, um an Informationen zu kommen, welche Form sie wählen, um etwas darzustellen. Medienunternehmen sind Zwängen ausgeliefert, die sich gegen eine adäquate Erfüllung ihrer Informations-, Orientierungs- und Kontrollfunktion richten können: durch hohe Konkurrenz werden Konzentrationsprozesse gefördert, die dem Meinungspluralismus gefährden, durch Konkurrenz um Aufmerksamkeit entstehen Aktualitäts- und Sensationszwänge, welche die Qualität der Medienprodukte gefährden und bei der Recherche die Beachtung von Persönlichkeitsrechten möglicherweise in den Hintergrund rücken lassen.
Ein medienethisches Gerüst liefert den Akteuren in den Medien ein Reflexionsinstrumentarium, mit dem sie in solchen Situationen entscheiden können, welches Handeln für sie als das Angemessene unter ethischen Gesichtspunkten erscheint. In diesem Sinn sieht Hans Norbert Janowski die Notwendigkeit nach einer systematischen Medienethik, um „…auf dem sich ausdifferenzierenden Handlungsfeld Medien eine konsensfähige Orientierung zu finden und die Handelnden reflexiv zu begleiten, effektiv zu beraten und für die Verwirklichung verbindlicher Zielvorstellungen gewinnen zu können.“
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung erläutert die zentrale Fragestellung zur globalen Wirksamkeit von Medienethik unter Berücksichtigung von Kommunikationsfreiheiten als Menschenrecht.
2 Begriff der Kommunikationsfreiheiten: Dieses Kapitel definiert Kommunikationsfreiheiten als Grundvoraussetzung für Demokratie und analysiert ihre Einbettung in das Menschenrecht sowie die rechtliche Ausgestaltung.
3 Wozu Medienethik?: Es wird die notwendige Funktion einer systematischen Medienethik als Reflexions- und Steuerungsinstrument für Medienschaffende angesichts ökonomischer und struktureller Zwänge dargelegt.
4 Kommunikationsfreiheiten und Medienethik – eine symbiotische Beziehung: Das Kapitel begründet, warum Medienethik zwingend auf Handlungsfreiheit angewiesen ist und in unfreien Systemen ihre kritische Basis verliert.
5 Ungleichverteilung der Kommunikationsfreiheiten in der Welt: Hier wird der Gegensatz zwischen dem normativen Anspruch auf weltweite Medienfreiheit und der tatsächlichen, oftmals durch staatliche Willkür eingeschränkten Realität dokumentiert.
6 Medienethik, Kommunikationsfreiheiten und der Anspruch auf Freiheit: Das Kapitel hinterfragt kritisch, ob der universale Anspruch auf Medienfreiheit ethisch universalisierbar ist oder lediglich ein westliches Konstrukt darstellt.
7 Konzepte einer globalen Medienethik: Es werden Ansätze wie das Prinzip der Menschenwürde diskutiert, die als mögliche Basis für einen globalen Konsens in der Medienethik dienen könnten.
8 Schluss: Das Fazit fasst zusammen, dass Medienethik kulturgebunden ist und sich ihre universelle Anwendbarkeit nur schwer voraussetzen lässt, ohne in ethnozentrische Paradoxien zu geraten.
Schlüsselwörter
Medienethik, Kommunikationsfreiheiten, Menschenrechte, Pressefreiheit, Demokratie, globale Wirksamkeit, Medienpraxis, Handlungsfreiheit, Universalismus, Kulturpluralismus, Medienordnung, Verantwortung, Ethnozentrismus, Weltöffentlichkeit, journalistische Ethik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt das komplexe Spannungsfeld zwischen der Forderung nach universellen Kommunikationsfreiheiten und der Notwendigkeit einer global wirksamen Medienethik unter Berücksichtigung kultureller Unterschiede.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die Bedingungen von Medienfreiheit, die ethische Verantwortung von Medienschaffenden sowie die Kritik an der Universalisierbarkeit westlich-demokratischer Wertekonzepte.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen Medienethik und Kommunikationsfreiheiten zu beleuchten und zu hinterfragen, ob diese Konzepte weltweit ohne die Gefahr eines ethischen Relativismus oder Ethnozentrismus gültig sein können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine theoretische Auseinandersetzung mit medienethischen Diskursen, Literaturanalysen von Fachautoren wie Janowski, Krainer und Wunden sowie eine Untersuchung aktueller globaler Medienfreiheits-Klassifikationen.
Was ist Gegenstand des Hauptteils?
Der Hauptteil analysiert die Notwendigkeit von Handlungsfreiheit für ethisches Handeln, vergleicht den Anspruch und die Realität der weltweiten Medienordnung und evaluiert Ansätze für eine globale Medienethik.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Medienethik, Kommunikationsfreiheit, Menschenrechtsdiskurs und die Problematik der universellen Geltung ethischer Standards beschreiben.
Welche Rolle spielen Nichtregierungsorganisationen in der Arbeit?
Nichtregierungsorganisationen wie Freedom House oder Reporter ohne Grenzen werden als wichtige Akteure genannt, die unabhängig von staatlichen diplomatischen Rücksichten die Einhaltung von Medienfreiheiten weltweit beobachten.
Warum ist laut der Arbeit eine rein "westliche" Medienethik problematisch?
Die Arbeit zeigt auf, dass ethische Normen historisch und kulturell gewachsen sind. Eine pauschale Übertragung westlicher Werte kann als Ethnozentrismus wahrgenommen werden und vernachlässigt andere philosophische oder religiöse Traditionen.
Was ist die Schlussfolgerung bezüglich einer globalen Medienethik?
Eine globale Medienethik darf nicht als statisches, oktroyiertes Modell verstanden werden, sondern muss auf einem möglichst breiten, etwa auf der Menschenwürde basierenden, interkulturellen Konsens aufbauen.
- Quote paper
- Anja Riedeberger (Author), 2008, Kommunikationsfreiheiten, Medienethik und die Bedingungen ihrer globalen Wirksamkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/128934