Wie kann Soziale Arbeit von der Perspektive von Critical Whiteness profitieren? Diese Frage soll im Folgenden beantwortet werden. Da das Thema Rassismus und Critical Whiteness als hochkomplex bezeichnet werden kann, ist hier nur ein begrenzter Einblick in die Thematik möglich.
Zunächst soll durch die Begriffsbestimmungen von Diskriminierung, Rassismus und Critical Whiteness eine Grundlage für den Gebrauch dieser Begriffe in der vorliegenden Arbeit geschaffen werden. Im weiteren Verlauf wird für das Verständnis der Critical-Whiteness-Perspektive auf die historische Entwicklung des Rassismus eingegangen, sowie die Position von Critical Whiteness dargestellt. Ausgehend von den dargelegten Kapiteln wird eine Betrachtung von Rassismus und Critical Whiteness in Bezug auf die Soziale Arbeit und das aktuelle Bestreben zur Bekämpfung von Rassismus der Politik vorgenommen. Entscheidend für die Beantwortung der Frage ist ebenfalls die Betrachtung der Rolle als Fachkraft für Soziale Arbeit, auf die ebenfalls eingegangen wird. Im abschließenden Fazit erfolgt eine Zusammenfassung dieser Arbeit und die Beantwortung der gestellten Eingangsfrage.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffsbestimmungen
3 Historie des Rassismus
4 Critical Whiteness
5 Rassismus und Critical Whiteness ein Auftrag an die Soziale Arbeit?
6 Die Rolle der Sozialarbeitenden selbst
7 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwiefern die Perspektive von Critical Whiteness einen Mehrwert für die Soziale Arbeit bietet, um Rassismus zu erkennen und aktiv zu bekämpfen. Im Zentrum steht dabei die Auseinandersetzung mit historisch gewachsenen Machtstrukturen sowie die kritische Reflexion der Rolle der Fachkräfte in einem von weißen Normen dominierten Berufsfeld.
- Grundlagen von Rassismus und Diskriminierung
- Historische Entwicklung rassistischer Konstruktionen
- Kritische Weißseinsforschung in Theorie und Praxis
- Rassismussensibilität in der professionellen Sozialarbeit
- Reflexion eigener Machtpositionen und Privilegien
Auszug aus dem Buch
6 Die Rolle der Sozialarbeitenden selbst
Bisher gibt es wenig Forschungen, die sich mit der Position weißer Sozialarbeitenden auseinandersetzen. Tißberger nahm die zum Anlass eine interviewbasierte Forschungsreihe zu initiieren. Dabei wurden sowohl bereits ausgebildete Sozialarbeitende als auch Studierende und Lehrende mit der Methode des narrativen Interviews befragt (vgl. ebd. S. 103). Die Forschungsintention bezog sich dabei darauf, „ob sie [die Sozialarbeitenden] sich ihres (mehrheitlichen) Weißseins* als Position im Geflecht der gesellschaftlichen Machtverhältnisse und deren rassistischer Matrix bewusst sind“ (vgl. ebd.). Als besondere Herausforderung benennt Tißberger dabei die Formulierung der Eingangsfrage, um die Interviewpartner zum Erzählen anzuregen und nicht etwa Irritation zu erzeugen (vgl. ebd.). Beobachtet wurde in den Studien nicht nur, was die Interviewpartner sagten, sondern auch, ob und wann das eigene Weißsein angesprochen wurde, was für Beispiele für Rassismus angeführt wurden und ob Intersektionalität beobachtet werden konnte (vgl. ebd. S.104). Die ausgewählten Studienteilnehmenden hatten in ihren jeweiligen Berufsfeldern Kontakt zu Migranten (vgl. ebd.).
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Rassismus in der Sozialen Arbeit zwar wahrgenommen wird, aber in den meisten Fällen nur die Perspektive der Opfer betrachtet wird. Auch die bereits erwähnten Kategorisierungen und das Zuschreiben von Charaktereigenschaften in Bezug auf die Herkunft eines Menschen sind zu beobachten (vgl. ebd. S. 103 ff.). Eine Auseinandersetzung mit der eigenen Machtposition wird vorgenommen, allerdings ohne das eigene Weißsein in die Reflexion mit einzubeziehen. Das Erbe der kolonialen Historie wird auch von den Sozialarbeitenden unbewusst reproduziert (vgl. ebd. S.107). Tißberger bringt es mit folgender Aussage zum Ausdruck: „Die Geflüchteten sind die Rassist*innen, die weißen*, österreichischen Sozialarbeiter*innen vertreten dagegen die Menschenrechte“ (Tißberger 2020, S. 107).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Problemstellung ein und umreißt das Ziel, den Nutzen der Critical Whiteness Perspektive für die Soziale Arbeit zu analysieren.
2 Begriffsbestimmungen: Dieses Kapitel klärt die zentralen Begriffe Diskriminierung, Rassismus und Critical Whiteness, um eine einheitliche Grundlage für die Arbeit zu schaffen.
3 Historie des Rassismus: Es wird die historische Genese des Rassismus ausgehend vom Mittelalter bis hin zum Nationalsozialismus nachgezeichnet, um Rassismus als soziales Konstrukt zu entlarven.
4 Critical Whiteness: Das Kapitel erläutert die Entstehung der kritischen Weißseinsforschung in den USA und diskutiert deren Übertragbarkeit auf den deutschen Kontext.
5 Rassismus und Critical Whiteness ein Auftrag an die Soziale Arbeit?: Anhand aktueller Studien wird die Präsenz von Rassismus in Deutschland dargelegt und als politischer sowie praktischer Handlungsauftrag an die Soziale Arbeit formuliert.
6 Die Rolle der Sozialarbeitenden selbst: Dieses Kapitel reflektiert die Position von Fachkräften, die oft unbewusst rassistische Strukturen reproduzieren, und plädiert für eine kritische Selbstreflexion.
7 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont, dass Critical Whiteness ein essentielles Werkzeug für eine diskriminierungssensible Soziale Arbeit darstellt.
Schlüsselwörter
Soziale Arbeit, Critical Whiteness, Rassismus, Diskriminierung, Machtverhältnisse, Weißsein, Postkolonialismus, Menschenrechtsprofession, Selbstreflexion, Identität, Privilegien, Sozialisation, Rassismuskritik, Diversität, Intersektionalität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Relevanz der Critical Whiteness Perspektive für die Soziale Arbeit, um rassistische Strukturen im professionellen Handeln besser zu erkennen und abzubauen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit fokussiert auf Rassismustheorie, historische Machtstrukturen, die Entstehung der Critical Whiteness Bewegung und deren Anwendung als Instrument zur beruflichen Reflexion für Sozialarbeitende.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Sozialarbeitende ihr eigenes, möglicherweise unbewusstes Weißsein und die damit verbundenen Machtpositionen reflektieren können, um ihrem Anspruch als Menschenrechtsprofession gerecht zu werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Aufarbeitung sowie eine Analyse aktueller empirischer Studien (wie dem nationalen Diskriminierungs- & Rassismusmonitor), um die Notwendigkeit rassismuskritischer Ansätze zu untermauern.
Was wird im theoretischen Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der historischen Entwicklung von Rassismus, den Grundlagen der Critical Whiteness Forschung und den Ergebnissen aktueller Studien zur Verbreitung von Rassismus in Deutschland.
Welche Schlüsselbegriffe definieren diese Arbeit?
Zentrale Begriffe sind neben Rassismus und Critical Whiteness insbesondere die Konzepte der Machtstrukturen, der weißen Privilegien und des Begriffs der Menschenrechtsprofession.
Warum wird die Soziale Arbeit als „weißer Raum“ bezeichnet?
Die Autorin bezieht sich auf Martina Tißberger, welche die Soziale Arbeit als einen Raum beschreibt, der trotz Diversität unter den Klienten, in der Struktur und den diskursiven Normen von einer weißen Perspektive dominiert wird.
Welche Rolle spielt die Kolonialgeschichte in der Argumentation?
Die Kolonialgeschichte wird als das Fundament rassistischer Kategorisierungen benannt, deren Nachwirkungen (das kulturelle Erbe) bis heute unbewusst im professionellen Handeln der Sozialen Arbeit weiterleben.
- Arbeit zitieren
- Sandra Achenbach-Tewes (Autor:in), 2022, Critical Whiteness. Wie kann Soziale Arbeit von dieser Perspektive profitieren?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1289742