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Totenkult und Machtsicherung

Papstgrabmäler in der Frühen Neuzeit

Title: Totenkult und Machtsicherung

Term Paper , 2008 , 25 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Elisa Mätzig (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
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Summary Excerpt Details

Die Papstgrabmäler haben in der Periode der Frühen Neuzeit eine erstaunliche Entwicklung durchgemacht. Von den Wandgrabmälern des 15. Jahrhunderts mit der auf einem Sarkophag liegenden Papstfigur entwickelte es sich über das Grabmal Sixtus‘ IV., das den Tod in der Anschauung zu überwinden sucht, und führt zu jenen Grabmonumenten der Hochrenaissance, an denen die Päpste thronend den Triumph ihres Pontifikats verkünden; schließlich zu einer grundlegenden Neuabmischung von Stolz und Demut im Zeitalter der Katholischen Reform.3 Ziel dieser Hausarbeit soll es nun sein anhand ausgewählter Papstgrabmäler diese Entwicklung zu untersuchen und zudem zu ergründen, welche Mittel und welche Motive hinter den bestimmten Merkmalen des jeweiligen Papstgrabmals gestanden haben. Es wird hierbei nicht möglich sein auf alle Papstgrabmäler der betreffenden Epoche einzugehen, da dies schlichtweg den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde. Stattdessen soll mit gezielt ausgesuchten Papstgrabmälern, stellvertretend für alle, eine gewisse Entwicklung in der Gestaltung und Motivlage der Gräber analysiert werden. Als wegweisend bei der Analyse des Gegenstandes sind hierbei die Untersuchungen von Arne Karsten sowie Volker Reinhardt zu nennen. Zunächst soll ein genereller Überblick über die Entwicklung und die Funktion der Papstgrabmäler während der Frühen Neuzeit gegeben werden. Wieso kommt gerade dem Grabmal in der Frühen Neuzeit eine besondere Bedeutung zu und wie entwickelte sich das Grabmal der Päpste? Diese Fragen sollen hier beantwortet werden. Im Anschluss sollen drei unterschiedliche Papstgrabmäler untersucht werden. Zunächst wird das Grab Sixtus‘ IV. della Rovere betrachtet. Es fungiert in der Entwicklungsgenese der Papstgrabmäler als Zwischenstück zwischen dem bescheidenen Grabmal und den pompösen, exzessiven Grabmalmonumenten der späteren Zeit. Anschließend wird das Grab von Paul III. Farnese untersucht werden, dass in besonderer Weise den Konflikt zwischen weltlicher und päpstlicher Macht zu verbinden sucht und zudem ein Beispiel des grassierenden Nepotismus und der Familienförderung des Papstes ist. Danach soll das Grab des Reformpapstes Benedikt XIV. betrachtet werden. Es stellt gewissermaßen einen Gegensatz zum Grab Pauls III. dar, da Benedikt ein ausgesprochener Verächter des Nepotismus war.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG

2 FUNKTION UND ENTWICKLUNG DER GRABMÄLER

3 DAS PAPSTGRABMAL IN DER FRÜHEN NEUZEIT

3.1 VON DER SEHNSUCHT NACH UNSTERBLICHKEIT - DAS GRABMAL SIXTUS‘ IV. DELLA ROVERE (1471-1484)

3.2 DES PAPSTES NEUE KLEIDER – DAS GRABMAL PAPST PAULS III. FARNESE (1534-1549)

3.3 PAPST OHNE FAMILIE – DAS GRABMAL BENEDIKTS XIV. LAMBERTINI (1740-1758)

4 SCHLUSSBETRACHTUNG

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Entwicklung der Papstgrabmäler während der Frühen Neuzeit, um die hinter ihrer Gestaltung stehenden Motive und Funktionen im Kontext von Machtanspruch, Repräsentation und religiösem Selbstverständnis zu ergründen.

  • Entwicklungslinien der päpstlichen Grabmalkunst
  • Die Rolle von Nepotismus und Familienförderung in der Repräsentation
  • Spannungsfeld zwischen päpstlicher und kaiserlicher Macht
  • Einfluss von Reformbewegungen auf die Ikonografie der Grabmäler
  • Die Funktion der Memoria für das Papsttum

Auszug aus dem Buch

3.1 Von der Sehnsucht nach Unsterblichkeit - Das Grabmal Sixtus‘ IV. della Rovere (1471-1484)

Am 12. August 1484 starb Sixtus IV. nach 13-jährigem Pontifikat in Rom. Mit dem Tod des Papstes endete eine Regierungszeit, deren Widersprüchlichkeit bis heute unterschiedlich beurteilt wird. Er war ein hochgebildeter Theologe, durchtriebener Politiker, Kunstpatron, aber auch ehrgeiziger Nepotenförderer, der den Vorteil seiner Familie ungeniert in den Vordergrund stellte. Noch bevor ein neuer Papst gewählt werden konnte, mussten die sterblichen Überreste des Verstorbenen bestattet werden. Dafür waren insgesamt 9 Tage vorgesehen, in denen der Leichnam für einige Tage ausgestellt wurde. Der Tagebucheintrag eines Zeitzeugen berichtet dazu folgendes: „Am anderen Morgen wurde der Leichnam Sixtus nach St. Peter getragen, mit höchstens 20 brennenden Wachskerzen, in ein altes goldgesticktes und fast zerfetztes Messgewand gekleidet; nur wenige Leute begleiteten ihn.“

Kann es sein, dass den Körper eines „Nahezu-Heiligen“ die gleiche Vergänglichkeit einholt wie denjenigen eines Normalsterblichen? Auch die Kontinuität der Herrschaft ist in einem solchen Fall des Ablebens des Pontifex eine bedeutende Komponente und das Papstgrabmal war das geeignete Medium, diese Fragen mit visuellen Erklärungsmustern zu beantworten und darüber hinauszugehen, indem der Papsttod anschaulich überwunden wurde. Die Sehnsucht nach der Überwindung des Todes wurde bereits seit dem 14. Jahrhundert zum Leitmotiv der Papstgräbergestaltung, doch erfuhr diese im Grabmal von Sixtus IV. della Rovere seinen Hohepunkt.

Zusammenfassung der Kapitel

1 EINLEITUNG: Die Einleitung führt in die historische Bedeutung der päpstlichen Grablegen in St. Peter ein und definiert das Ziel, die Entwicklung der Grabmalkunst und deren politische sowie religiöse Motive anhand ausgewählter Beispiele zu analysieren.

2 FUNKTION UND ENTWICKLUNG DER GRABMÄLER: Dieses Kapitel erörtert die vielschichtigen Funktionen der Papstgrabmäler als Mittel der Herrschaftslegitimation, der persönlichen Memoria sowie der Konstruktion von Vergangenheit und Zukunft.

3 DAS PAPSTGRABMAL IN DER FRÜHEN NEUZEIT: Hier werden drei zentrale Papstgrabmäler analysiert, die den Wandel in der Ikonografie und dem Selbstverständnis des Papsttums – von der Renaissance über die Katholische Reform bis zur Aufklärung – exemplarisch verdeutlichen.

3.1 VON DER SEHNSUCHT NACH UNSTERBLICHKEIT - DAS GRABMAL SIXTUS‘ IV. DELLA ROVERE (1471-1484): Das Kapitel beleuchtet, wie Sixtus IV. durch sein Grabmal den Tod transzendieren und die Kontinuität des Papstamtes symbolisieren wollte.

3.2 DES PAPSTES NEUE KLEIDER – DAS GRABMAL PAPST PAULS III. FARNESE (1534-1549): Diese Analyse zeigt auf, wie das Grabmal von Paul III. den Machtkonflikt mit dem Kaiser und den Nepotismus der Familie Farnese in den Dienst der päpstlichen Selbstdarstellung stellte.

3.3 PAPST OHNE FAMILIE – DAS GRABMAL BENEDIKTS XIV. LAMBERTINI (1740-1758): Dieses Kapitel beschreibt den bewussten Bruch des "Reformpapstes" Benedikt XIV. mit dem Nepotismus und die daraus resultierende Einzigartigkeit seines Grabmals.

4 SCHLUSSBETRACHTUNG: Die Schlussbetrachtung resümiert die gewonnenen Erkenntnisse über die Abhängigkeit der päpstlichen Grabmalkunst von zeitgenössischen innen- und außenpolitischen Krisen sowie die Instrumentalisierung der Kunst zu Propagandazwecken.

Schlüsselwörter

Papsttum, Frühe Neuzeit, Grabmäler, St. Peter, Repräsentation, Herrschaftslegitimation, Memoria, Nepotismus, Sixtus IV., Paul III., Benedikt XIV., Reformpapst, Katholische Reform, Kunstgeschichte, Machtanspruch

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die Papstgrabmäler der Frühen Neuzeit als visuelle Ausdrucksformen päpstlichen Machtanspruchs, religiösen Selbstverständnisses und politischer Memoria.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Fokus stehen die Entwicklung der Grabmalskultur, der Einfluss von Nepotismus, die Rolle des Papsttums im Kontext der kaiserlichen Macht sowie die Bedeutung von Erinnerungskultur (Memoria) für das Papstamt.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es, die Entwicklung der Papstgrabmäler zu analysieren und zu ergründen, welche politischen Motive und Mittel hinter den spezifischen Gestaltungsmerkmalen der ausgewählten Monumente standen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin stützt sich auf eine kunsthistorische und historische Analyse von Grabmonumenten, ergänzt durch die Auswertung zeitgenössischer Quellen und wegweisender Forschungsliteratur.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil widmet sich drei Fallbeispielen: dem Grabmal von Sixtus IV., dem Grabmal von Paul III. Farnese sowie dem Grabmal von Benedikt XIV. Lambertini.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Papsttum, Frühe Neuzeit, Grabmäler, Herrschaftslegitimation, Memoria, Nepotismus, Reformpapst und Kunstgeschichte.

Warum wird das Grabmal von Sixtus IV. als Bindeglied bezeichnet?

Es fungiert als Übergangsstufe zwischen den schlichteren mittelalterlichen Gräbern und den prunkvollen, exzessiven Grabmonumenten, die für spätere Epochen der Renaissance charakteristisch wurden.

Inwiefern bricht das Grabmal von Paul III. mit den Traditionen?

Die Ehrenstatue stellt den Papst in einer Weise dar, die an antike Kaiser erinnert und den Fokus von der rein priesterlichen Rolle auf den Priester-Kaiser-Status verschiebt.

Warum war das Grabmal von Benedikt XIV. eine Provokation für seinen Nachfolger?

Durch die Darstellung von "Uneigennützigkeit" und die explizite Ablehnung von Nepotismus kritisierte das Grabmal scharf das Verhalten der Vorgänger und des Nachfolgers, was es zu einem Affront gegen die damals übliche Praxis der Ämtervergabe machte.

Welche Rolle spielte der Nepotismus bei der Gestaltung der Papstgräber?

Das Grabmal diente oft dazu, den Machtverlust der päpstlichen Familie nach dem Tod des Papstes abzuwehren, indem durch aufwendige Kunstwerke Kontinuität und familiärer Status visuell behauptet wurden.

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Details

Title
Totenkult und Machtsicherung
Subtitle
Papstgrabmäler in der Frühen Neuzeit
College
Dresden Technical University  (Institut für Geschichte)
Course
Papsttum in der Frühen Neuzeit
Grade
1,7
Author
Elisa Mätzig (Author)
Publication Year
2008
Pages
25
Catalog Number
V128978
ISBN (eBook)
9783640355778
ISBN (Book)
9783640356126
Language
German
Tags
Totenkult Machtsicherung Papstgrabmäler Frühen Neuzeit
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Elisa Mätzig (Author), 2008, Totenkult und Machtsicherung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/128978
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