Die Tatsache, dass Gender Studies und vor allem Queer Studies noch ein relativ junges Forschungsfeld darstellen, erkennt man unter anderem daran, dass man oft genauere Erklärungen geben muss, wenn man auf dieses Thema zu sprechen kommt. Die Aussage "Ich beschäftige mich mit Gender Studies" wirft oft die Frage auf "Was darf ich mir darunter vorstellen?". Das Konzept von gender im Gegensatz zu sex ist noch lange nicht etwas, das von den meisten als logisch betrachtet wird. Vertieft man dann das Gespräch und erwähnt Queer Studies, so sieht man sich sofort mit dem nächsten ratlosen Gesichtsausdruck konfrontiert. Auch hier ist also eine etwas längere Erklärung nötig. In meiner Arbeit werde ich zunächst versuchen, Queer Studies und den Begriff queer zu definieren und eine kleine Entwicklung dieser Forschungsrichtung darzulegen. Danach zeige ich auf, welche Schwierigkeiten bei der Identitätsbildung auftreten, wenn man sich den sogenannten queers zugehörig fühlt. Anhand der Analyse des Gedichts "Manifiesto – Hablo por mi Diferencia" von dem chilenischen Autor Pedro Lemebel möchte ich dann meine theroetischen Erkenntnisse anwenden und genauer erläutern.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Definition(sversuch)
2.1 Der Begriff queer
2.2 Queer Studies
3 Geschichte und Entwicklung der Queer Studies
4 Identitätskonstruktionen
5 Pedro Lemebel – "Manifiesto – Habla por mi Diferencia"
5.1 Der Autor
5.2 Analyse des Gedichts
6 Schluss
7 Bibliographie:
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, die theoretischen Grundlagen der Queer Studies zu erläutern und diese auf die Analyse des Gedichts "Manifiesto – Habla por mi Diferencia" des chilenischen Autors Pedro Lemebel anzuwenden, um die Schwierigkeiten der Identitätsfindung marginalisierter Gruppen aufzuzeigen.
- Grundlagen und Definitionen des Begriffs queer und der Queer Studies
- Historische Entwicklung und theoretische Ansätze der Queer Theory
- Herausforderungen bei der Konstruktion von Identität in heteronormativen Gesellschaften
- Literarische Analyse von Pedro Lemebels "Manifiesto" als politisches Plädoyer
Auszug aus dem Buch
5.2 Analyse des Gedichts
Der Text "Manifiesto – Hablo por mi Diferencia" kann natürlich auch als Rede des Autors gesehen werden, ich gehe in meiner Analyse allerdings von dem Genre "Gedicht" aus. Bei einer Rede ist es meistens so, dass der Redner auch der Autor ist, bzw. dass die Inhalte seinem Denken entsprechen. Bei einem Gedicht muss man allerdings den Sprecher, das lyrische Ich, vom Autor – in diesem Fall Pedro Lemebel – unterscheiden. Nach der Lektüre dieses Gedichts wird allerdings klar, dass hier das lyrische Ich sehr stark an den Autor selbst erinnert.
Anhand von Adjektivendungen wie z. B. bei "raro" (V. 8) und "subversivo" (V. 136) und wiederholter Verwendung des Wortes "mi hombria" erkennt man, dass das lyrische Ich sich selbst als männlich sieht. Es stellt sich außerdem als homosexuell dar, was man unter anderem an folgenden Textstellen erkennen kann: "maricón" (V. 12), "Porque al hijo se dobla la patita" (V. 16), "Es marica" (V. 85/86) oder "mi voz amariconada" (V. 109). Der Sprecher ist in dem Gedicht sehr markiert, er spricht oft in der ersten Person Singular und spricht auch über sich selbst, z. B. am Anfang "No soy Pasolini [...] No soy Ginsberg [...] No soy un marica [...] No necesito [...]" (V. 1-4). Das lyrische Ich befindet sich in Chile, oder stammt zumindest daher und spricht über dieses Land.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung des Forschungsfeldes Gender und Queer Studies sowie Darlegung des Ziels der Arbeit, theoretische Erkenntnisse am Werk von Pedro Lemebel zu verdeutlichen.
2 Definition(sversuch): Untersuchung der begrifflichen Unschärfe von "queer" und Erläuterung der Queer Studies als Dekonstruktion hegemonialer Machtstrukturen und Heteronormativität.
3 Geschichte und Entwicklung der Queer Studies: Darstellung des Bedeutungswandels des Begriffs queer vom Schimpfwort zur Selbstbezeichnung und des Ursprungs der Queer Studies als kritische Fortführung der Gay and Lesbian Studies.
4 Identitätskonstruktionen: Analyse der Schwierigkeiten der Identitätsfindung für Menschen, die nicht den gesellschaftlichen Normvorstellungen entsprechen, unter Einbeziehung von Butlers Identitätstheorie.
5 Pedro Lemebel – "Manifiesto – Habla por mi Diferencia": Vorstellung des chilenischen Autors und detaillierte Analyse seines Werkes als politisches und persönliches Manifest gegen gesellschaftliche Ausgrenzung.
6 Schluss: Zusammenfassung der globalen Problematik der Identitätsfindung und Plädoyer für ein geschärftes Bewusstsein gegen stereotype Vorurteile.
Schlüsselwörter
Queer Studies, Gender Studies, Heteronormativität, Identitätskonstruktion, Pedro Lemebel, Manifiesto, Homosexualität, Dekonstruktion, Marginalisierung, Transgender, Judith Butler, Politische Literatur, Geschlechterbinarität, Double Consciousness, Chilenische Literatur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den theoretischen Grundlagen der Queer Studies und deren Anwendung auf eine literarische Analyse des Gedichts "Manifiesto" von Pedro Lemebel.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Kernbereichen zählen die Dekonstruktion von Geschlechterbinarität, Heteronormativität, die Schwierigkeiten der Identitätsbildung und die Rolle von Literatur als politisches Organ.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den abstrakten theoretischen Rahmen der Queer Theory durch ein konkretes literarisches Beispiel greifbar zu machen und zu zeigen, wie Identität unter gesellschaftlichem Druck konstruiert wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die theoretische Ansätze (u.a. von Judith Butler) mit einer semantischen und inhaltlichen Untersuchung des Textes verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in die Queer Studies sowie eine praxisorientierte Analyse, die den Autor Pedro Lemebel, sein Werk und die darin enthaltenen gesellschaftspolitischen Aussagen beleuchtet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Queer Studies, Heteronormativität, Identitätskonstruktion, Marginalisierung und Dekonstruktion.
Wie unterscheidet sich das "lyrische Ich" vom Autor in der Analyse?
Die Autorin unterscheidet das literarische Ich im Gedicht vom realen Autor Pedro Lemebel, weist jedoch darauf hin, dass das lyrische Ich sehr stark an die Biografie und Haltung Lemebels erinnert.
Welchen Stellenwert nimmt die chilenische Politik im analysierten Gedicht ein?
Die Politik dient im Gedicht als Gegenstand der Kritik; das lyrische Ich drückt seine Enttäuschung über die politische Lage und den Mangel an Akzeptanz gegenüber Homosexualität in Chile aus.
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- Eva Deinzer (Author), 2008, Queer Studies , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/128980