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Thomas von Aquin: Summa Theologica - Sind 'lex aeterna' und 'lex naturalis' identisch?

Title: Thomas von Aquin: Summa Theologica - Sind 'lex aeterna' und 'lex naturalis' identisch?

Seminar Paper , 2009 , 12 Pages

Autor:in: Elena Holzheu (Author)

Philosophy - Philosophy of the Middle Ages (approx. 500-1350)
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Summary Excerpt Details

In der Summa Theologica vereint Thomas von Aquin seine Offenbarungskonzeption mit
der praktischen Philosophie des Aristoteles. Er versucht zwischen christlicher Lehre und
weltlichem Recht, bzw. einer mehr und mehr von der Vernunft dominierten Welt zu vermitteln.
Sein Ziel ist es, sowohl die monarchische Ordnung als auch den Machtanspruch von Kirche und
Papst zu legitimieren. Gemäss Thomas’ Lehre gibt es, im Sinne der aristotelischen Teleologie,
ein letztes Ziel, einen Endzweck für den Menschen. Für Thomas ist dies ein geoffenbarter
Endzweck, das religiöse Heil, welches im Jenseits liegt. Gleichwohl kann der Mensch im
Diesseits als letztem weltlich erreichbaren Ziel das Gemeinwohl realisieren. Zur Erreichung
beider Ziele müssen Bedingungen seitens des Staates geschaffen werden. Sowohl
Staatsaufgaben, als auch die Rolle und Verantwortung des Monarchen lassen sich dabei letztlich
dem einen Endzweck der Seligkeit unterstellen und sind nur insoweit förderlich, als sie der
Erreichung dieses letzten Ziels dienen. Auf dem Hintergrund dieser Teleologie lässt sich auch
Thomas’ hierarchischer Rechtsbegriff verstehen. Die sogenannte Legeshierarchie soll den
göttlichen Willen im Sinne einer Kaskade in das irdische Reich transportieren resp. das Gesetz
soll, nebst der göttlichen Gnade, den Menschen ein Vehikel hin zu Gott bieten. Die Aufgabe des
Gesetzes liegt in der Herstellung einer auf das Endziel angelegten Ordnung. Das Gesetz ist auf
das menschliche Handeln gerichtet. Es werden dabei vier Stufen unterschieden: Ewiges Gesetz
(lex aeterna), natürliches Gesetz (lex naturalis), göttliches Gesetz (lex divina) und menschliches
Gesetz (lex humana).

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Thomas’ Aristotelesrezeption

3. Legeshierarchie

3.1 Lex aeterna – Bedeutung und Funktion

3.2 Lex naturalis – Bedeutung und Funktion

3.3 Zum Verhältnis von lex aeterna und lex naturalis

4. Schlussfolgerungen

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die rechtsphilosophische Legeshierarchie des Thomas von Aquin, mit dem primären Ziel zu klären, ob das ewige Gesetz (lex aeterna) und das natürliche Gesetz (lex naturalis) als identisch betrachtet werden können oder in einem anderen Verhältnis zueinander stehen.

  • Analyse der Aristotelesrezeption im Denken von Thomas von Aquin
  • Untersuchung der vier Stufen der Legeshierarchie
  • Definition und Funktion von lex aeterna und lex naturalis
  • Erörterung des Partizipationsverhältnisses zwischen göttlicher und menschlicher Vernunft
  • Klärung der Abgrenzung von Rechtsbegriffen und der menschlichen Autonomie

Auszug aus dem Buch

3.1 Lex aeterna – Bedeutung und Funktion

Das ewige Gesetz kann als Vernunft Gottes verstanden werden. Bei der Beantwortung der Quaestio 91, 1 gibt Thomas an, dass das ewige Gesetz sogar ganz mit Gott gleichgesetzt werden kann. Gott ist sowohl Plan als auch Gesetz. Insofern er Plan ist, ist er auch Wahrheit. Von ihm leiten sich alle übrigen Gesetze qua Teilhabe her. Alle Geschöpfe, ob vernunftbegabt (Mensch) oder nicht (Tier), werden vom ewigen Gesetz geregelt und bemessen.

Insofern haben alle Wesen am ewigen Gesetz teil. Teilhabe ist zweifach möglich: ein Gesetz kann in der Weise des Erkennens oder der Weise von Tun und Erleiden dem ewigen Gesetz unterliegen. Vernunftbegabte Wesen sind auf beide Weisen dem ewigen Gesetz unterstellt: erstens haben sie Kenntnis des ewigen Gesetzes und zweitens eine naturhafte Neigung zu tun, was mit ihm übereinstimmt. Vernunftlose Geschöpfe hingegen erleiden das Gesetz ebenso, wie vernunftbegabte Böse, welche dem ewigen Gesetz zuwieder handeln.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die thomistische Offenbarungskonzeption und deren Vermittlung mit aristotelischer Philosophie zur Legitimierung staatlicher und kirchlicher Machtstrukturen.

2. Thomas’ Aristotelesrezeption: Darlegung der erkenntnistheoretischen Grundlagen, insbesondere der Rolle der Sinneswahrnehmung und Abstraktion als Basis für die Gotteserkenntnis.

3. Legeshierarchie: Systematische Herleitung der vier Gesetzesstufen, wobei das Gesetz grundlegend mit der Vernunft gleichgesetzt wird.

3.1 Lex aeterna – Bedeutung und Funktion: Bestimmung des ewigen Gesetzes als göttlicher Plan und Vernunft, an der alle Geschöpfe in unterschiedlicher Weise partizipieren.

3.2 Lex naturalis – Bedeutung und Funktion: Beschreibung des natürlichen Gesetzes als menschliches Erkenntnisvermögen, das die Ausrichtung auf das Ziel der Gotteserkenntnis ermöglicht.

3.3 Zum Verhältnis von lex aeterna und lex naturalis: Erörterung der Nicht-Identität beider Gesetze bei gleichzeitigem Teilnahmeverhältnis und der Entfaltung des göttlichen Lichts in der menschlichen Vernunft.

4. Schlussfolgerungen: Synthese der Ergebnisse, wonach die lex naturalis als eine im Menschen verankerte Konkretisierung der lex aeterna zu verstehen ist, die dem Menschen ein gewisses Maß an Autonomie bewahrt.

Schlüsselwörter

Thomas von Aquin, Summa Theologica, lex aeterna, lex naturalis, Legeshierarchie, Aristotelesrezeption, Gotteserkenntnis, natürliche Vernunft, Teilhabe, menschliches Gesetz, Erkenntnistheorie, Teleologie, Rechtsphilosophie, Autonomie, göttliche Vorsehung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit behandelt die rechtsphilosophische Ordnung in der Summa Theologica von Thomas von Aquin, insbesondere die vierstufige Legeshierarchie.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Zentrale Themen sind die Rezeption aristotelischer Philosophie, das Verhältnis von göttlicher Vernunft zu menschlichem Verstand und die Struktur der Rechtsstufen.

Was ist die zentrale Forschungsfrage?

Die Untersuchung konzentriert sich auf die Frage, ob lex aeterna und lex naturalis identisch sind oder in einem anderen, differenzierteren Verhältnis zueinander stehen.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es handelt sich um eine geistesgeschichtliche und philosophische Analyse, die zentrale Quaestiones aus der Summa Theologica interpretiert und mit Fachliteratur abgleicht.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der aristotelischen Erkenntnislehre bei Thomas, die Erläuterung der einzelnen Gesetzesstufen und die Analyse der Verbindung zwischen dem ewigen und dem natürlichen Gesetz.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?

Die Arbeit lässt sich vor allem durch die Begriffe lex aeterna, lex naturalis, Teilhabe, Erkenntnistheorie und thomistische Rechtslehre beschreiben.

Wie unterscheidet sich die Teilnahme am ewigen Gesetz zwischen Mensch und Tier?

Vernunftbegabte Wesen partizipieren am ewigen Gesetz durch Kenntnis und bewusste Neigung, während vernunftlose Wesen dem Gesetz lediglich passiv unterliegen.

Warum ist die lex naturalis nicht mit der lex aeterna identisch?

Die Identität würde den Menschen zum determinierten Automaten machen; die Nicht-Identität ermöglicht hingegen die menschliche Autonomie und die Freiheit, bewusst falsch zu handeln.

Welche Rolle spielt die lex humana im Modell?

Die lex humana stellt die konkretisierte Anwendung der Grundsätze des natürlichen Gesetzes im menschlichen Handeln dar und dient als notwendiges Auffangnetz.

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Details

Title
Thomas von Aquin: Summa Theologica - Sind 'lex aeterna' und 'lex naturalis' identisch?
College
University of Zurich  (Philosophisches Seminar)
Course
Geschichte des politischen Denkens
Author
Elena Holzheu (Author)
Publication Year
2009
Pages
12
Catalog Number
V128996
ISBN (eBook)
9783640351756
ISBN (Book)
9783640351329
Language
German
Tags
Thomas von Aquin Summa Theologica Lex aeterna Lex naturalis Philosophie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Elena Holzheu (Author), 2009, Thomas von Aquin: Summa Theologica - Sind 'lex aeterna' und 'lex naturalis' identisch?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/128996
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