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Aristotelisches und episches Theater. Das Verhältnis beider Theaterformen in Brechts "Der gute Mensch von Sezuan"

Title: Aristotelisches und episches Theater. Das Verhältnis beider Theaterformen in Brechts "Der gute Mensch von Sezuan"

Term Paper , 2022 , 26 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Anonym (Author)

German Studies - Genres
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Inwiefern sind Aussagen des harten Gegensatzes von aristotelischem und epischem Theater sowie Brechts solitärer Autorschaft dieser Theaterform legitim? Dieser Frage widmet sich die folgende Arbeit. Dabei wird einleitend das aristotelische Theater eingehend betrachtet, um auf dieser Folie anschließend in einer genauen Definition des epischen Theaters Differenzpunkte, aber möglicherweise auch Gemeinsamkeiten auszuarbeiten. Weiterhin soll dieser Vergleich exemplarisch an Brechts Stück "Der gute Mensch von Sezuan" erläutert werden, das, wie sich zeigen wird, für dieses Vorgehen in vielerlei Hinsicht eine ideale Grundlage darstellt. In einem abschließenden Fazit werden die Ergebnisse dieser Arbeit dann noch einmal zusammenfassend ausgewertet.

Sei es im Bewusstsein der Theaterbesucher*innen des 20. Jahrhunderts oder dem der Schüler*innen der vergangenen Jahrzehnte, das epische Theater ist untrennbar mit dem Namen Bertolt Brecht verbunden. Dieser Status sorgt dann auch für eine massenhafte Rezeption von Brechts Theatermodell, das ebenfalls unter der Bezeichnung nicht-aristotelisches Theater bekannt ist. Der Name legt es schon nahe: In der Mehrheit der Texte von gängigen Lehrmaterialien und -plattformen bis hin in einige Fachveröffentlichungen wird Brechts Theater als direkter Gegensatz zum klassischen, von Aristoteles geprägten Theater verstanden. „Im Gegensatz zur klassischen Form [dem aristotelischen Theater] wurde 1926 von Bertolt Brecht das epische Theater entwickelt.“ In Zusammenfassungen dieser Art schwingt auch immer die Ansicht eines spontanen kreationistischen Aktes mit, Brecht hätte sich in einem radikalen Gesinnungswandel vom traditionellen Theater losgelöst und eine eigene Form geschaffen, um die gesamtgesellschaftlichen Tendenzen und Veränderungen auszudrücken, aber zugleich auch auf sie einzuwirken. Aus diesem Grund sind Brechts Reflexionen über seine Theaterarbeit und Kunst allgemein immer durch den soziologischen Aspekt bestimmt, denn er schafft Kunst gezielt für das Publikum, um es auf eine bestimmte Weise konkret politisch und kritisch zu bewegen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die klassische Form: Aristotelisches Theater

3. Die Erneuerung: Episches Theater

3.1. Überblick der Entwicklungsphasen des epischen Theaters

3.2. Verfremdungseffekt

4. Exemplarische Analyse: Der gute Mensch von Sezuan

4.1. Inhalt und politischer Kontext

4.2. Verfremdungseffekte im Stück

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Verhältnis und die Abgrenzung zwischen dem aristotelischen und dem epischen Theater Bertolt Brechts. Dabei wird analysiert, inwiefern Brechts Theatermodell tatsächlich einen radikalen Gegenentwurf zur klassischen Dramentheorie darstellt oder ob historische Kontinuitäten bestehen, wobei das Stück „Der gute Mensch von Sezuan“ als zentrale Fallstudie dient.

  • Grundlagen der aristotelischen Dramentheorie
  • Entwicklung und Merkmale des epischen Theaters bei Bertolt Brecht
  • Die Funktion des Verfremdungseffekts in der Bühnenpraxis
  • Exemplarische Analyse von „Der gute Mensch von Sezuan“
  • Diskussion der politischen Dimension von Brechts Theaterarbeit

Auszug aus dem Buch

3.2. Verfremdungseffekt

Das Verfremdungseffekt (oder auch V-Effekt) ist das zentrale Merkmal des epischen Theaters und ein Ensemble mehrerer Techniken unter derer Zuhilfenahme es Brecht gelingt, die alte Tradition des Illusionstheaters zu brechen, worin sich ein starker Kontrast zur naturalistisch motivierten Einfühlungsästhetik Aristoteles’ offenbart. Zuvor gebrauchte Brecht den Begriff der Entfremdung bevor er ihn schließlich (ab 1936) zur Verfremdung abänderte:

Die terminologische Änderung ist dadurch zu erklären, dass »Entfremdung« v.a. durch Karl Marx eine andere Bedeutung [als noch zuvor bei W. F. Hegel] erhalten hat: »Entfremdung« ist hier kein erkenntnistheoretischer Begriff, sondern charakterisiert die historisch-gesellschaftlichen Verhältnisse unter kapitalistischen Produktionsbedingungen - so ist z.B. der Lohnarbeiter in einer Fabrik seiner Arbeit entfremdet, weil sie fremdbestimmt ist, sowohl die Produkte selbst als auch die Produktionsmittel gehören nicht ihm, selbst seine Arbeitskraft wird zur Ware.

Trotz vielfältiger Bearbeitung des Themas durch Brechts Anmerkungen und Notizen, lässt sich der Verfremdungseffekt doch auf eine konkrete Zielvorgabe einengen, die sich vornimmt „das Gewohnte als das Ungewöhnliche, das Übliche als das Befremdende, das Selbstverständliche als das lange nicht Geänderte und daher Änderungsbedürftige zu sehen.“ Dieser Effekt wird durch zahlreiche Irritationen hervorgerufen, die dafür sorgen, dass das Publikum der Handlung nicht ungehindert folgen kann, sondern durch störende Momente immer wieder daran erinnert, eine Distanz zum Dargestellten einzunehmen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die fragwürdige Annahme eines harten Gegensatzes zwischen dem aristotelischen und epischen Theater ein und hinterfragt Brechts Rolle als alleinigem Innovator.

2. Die klassische Form: Aristotelisches Theater: Dieses Kapitel erläutert die aristotelische Poetik, insbesondere die drei Einheiten, die Bedeutung von Handlung und Sprache sowie die angestrebte emotionale Wirkung auf das Publikum.

3. Die Erneuerung: Episches Theater: Der Autor beschreibt Brechts Theatermodell als politische Kunstform, die das Publikum durch kritische Distanz und Reflexion statt durch bloße Identifikation zur Auseinandersetzung bewegen will.

3.1. Überblick der Entwicklungsphasen des epischen Theaters: Es wird die historische Genese von Brechts theoretischen Schriften nachgezeichnet, von frühen Anmerkungen bis hin zum dialektischen Theaterbegriff.

3.2. Verfremdungseffekt: Diese Sektion definiert den V-Effekt als zentrales Instrument Brechts und beleuchtet verschiedene Techniken wie Erzählfiguren, Songs und Bühneninszenierungen.

4. Exemplarische Analyse: Der gute Mensch von Sezuan: Dieses Kapitel verlagert den Fokus auf die konkrete Anwendung der zuvor definierten Theorien an Brechts Parabelstück.

4.1. Inhalt und politischer Kontext: Es folgt eine inhaltliche Zusammenfassung des Stücks sowie eine Einordnung in den gesellschaftspolitischen Kontext.

4.2. Verfremdungseffekte im Stück: Hier wird detailliert aufgezeigt, wie spezifische V-Effekte – wie die Doppelrolle der Shen Te/Shui Ta und die Publikumsanrede – im Stück implementiert sind.

5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die Gegenüberstellung von Brecht und Aristoteles nuancierter betrachtet werden muss, da historische Überschneidungen existieren.

Schlüsselwörter

Episches Theater, Aristotelisches Theater, Bertolt Brecht, Verfremdungseffekt, V-Effekt, Der gute Mensch von Sezuan, Politische Kunst, Identifizierung, Distanz, Dialektik, Klassenkampf, Parabelstück, Bühneninszenierung, Rezeption, Dramentheorie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?

Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen der klassischen aristotelischen Dramentheorie und dem epischen Theater Bertolt Brechts, wobei hinterfragt wird, wie fundamental der Gegensatz zwischen beiden Formen tatsächlich ist.

Welche zentralen Themenfelder behandelt der Autor?

Im Zentrum stehen die Konzepte des dramatischen versus epischen Theaters, die Theorie der Verfremdung (V-Effekt) sowie die praktische Anwendung dieser Mittel im Werk „Der gute Mensch von Sezuan“.

Was ist das primäre Ziel oder die Kern-Forschungsfrage?

Das Ziel ist es zu analysieren, ob die verbreitete Ansicht, Brechts Theater sei ein radikaler, solitärer Gegenentwurf zur klassischen Form, historisch und theoretisch legitim ist oder ob differenziertere Gemeinsamkeiten bestehen.

Welche wissenschaftliche Methodik wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Theorieanalyse, die durch eine exemplarische Analyse eines spezifischen Theaterstücks ergänzt wird, um theoretische Kriterien an der dramatischen Praxis zu prüfen.

Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Definition beider Theaterformen, eine Darstellung der Entwicklung von Brechts Theaterbegriff, eine Analyse des V-Effekts und eine detaillierte Auswertung von Brechts Parabelstück.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?

Zu den essenziellen Begriffen zählen das epische Theater, die aristotelische Poetik, der Verfremdungseffekt, Shen Te, Shui Ta und der gesellschaftspolitische Anspruch von Kunst als Instrument der Veränderung.

Wie unterscheidet sich der Zuschauer im aristotelischen vom epischen Theater?

Im aristotelischen Theater soll der Zuschauer Mitleid und Furcht empfinden und sich mit der Figur identifizieren, während er im epischen Theater durch V-Effekte zur distanzierten Reflexion angeregt werden soll, um die Welt als veränderbar wahrzunehmen.

Welche Funktion hat die Figur der Shen Te im analysierten Stück für das epische Theater?

Shen Te fungiert als Prototyp der kapitalistischen Entfremdung; durch ihre Zerrissenheit in der Doppelrolle der Shen Te und des Shui Ta verkörpert sie die Unmöglichkeit, in einer als ausbeuterisch dargestellten Welt rein moralisch zu handeln, wodurch das Publikum zur kritischen Analyse der Strukturen gezwungen wird.

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Details

Title
Aristotelisches und episches Theater. Das Verhältnis beider Theaterformen in Brechts "Der gute Mensch von Sezuan"
College
University of Hildesheim
Grade
1,3
Author
Anonym (Author)
Publication Year
2022
Pages
26
Catalog Number
V1290036
ISBN (eBook)
9783346752932
ISBN (Book)
9783346752949
Language
German
Tags
Bertolt Brecht Brecht Episches Theater Aritotelisches Theater Aristoteles Theater Dramentheorie Dramatik Der gute Mensch von Sezuan Verhältnis Unterschiede
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anonym (Author), 2022, Aristotelisches und episches Theater. Das Verhältnis beider Theaterformen in Brechts "Der gute Mensch von Sezuan", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1290036
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