Die Zeit der Deutschen Demokratischen Republik - ein wichtiger Teil in der Geschichte Deutschlands, mit dem sich heute viele Historiker beschäftigen. Aber auch viele Erziehungswissenschaftler bearbeiten verschiedene Themen aus der DDR-Zeit. Sie besitzt viele Bereiche, die wichtig für die Erziehungswissenschaft sind, wie zum Beispiel die Kindertagesstätten, die Schulen, die Jugendhilfe oder die Heime. In diesen Bereichen sollte das pädagogische Konzept der DDR umgesetzt werden. Aber auf welche Art und Weise wurde es umgesetzt? Welche Methoden wurden dabei angewendet? Wurde es überhaupt umgesetzt?
Auch im Folgenden soll sich mit dem Thema der DDR-Pädagogik beschäftigt werden. Dabei sollen die oben genannten Fragen anhand eines Beispiels, nämlich der Einrichtung des Jugendwerkhofs, geklärt werden. Wie wurde also die DDR-Pädagogik in den Jugendwerkhöfen umgesetzt? So soll also die zentrale Frage dieser Arbeit lauten.
Um sie zu bearbeiten, ist es zunächst einmal notwendig, allgemeine Fakten zu den Jugendwerkhöfen zu erläutern. Hierbei wird erst der Begriff Jugendwerkhof definiert werden. Darauf folgt ein kurzer Überblick über die historische Entwicklung der Jugendwerkhöfe und allgemeine Angaben zu der Anzahl der Jugendwerkhöfe und der Verteilung der Jugendlichen.
Weiterhin wird auf die Einweisung der Jugendlichen in einen Jugendwerkhof eingegangen.
Bevor jedoch geklärt wird, wie das pädagogische Konzept der DDR umgesetzt wurde, muss geklärt werden, was hier unter DDR-Pädagogik verstanden wird. Dazu werden zunächst einige Angaben zur Jugendhilfe der DDR allgemein gemacht. Danach folgt ein Überblick über die sozialistische Erziehung der DDR und dann wird ausführliche auf das Konzept der Kollektiverziehung eingegangen.
Daraufhin schließt sich Umsetzung dieser DDR-Pädagogik an. Diese wird in verschiedenen Bereichen untersucht. Zunächst anhand der Ausbildung der Jugendlichen, wobei hier auf die Berufsausbildung und auf die Schulausbildung eingegangen wird, dann wird die Umsetzung anhand der Nachbetreuung der Jugendlichen, sowie durch das Personal im Jugendwerkhof untersucht. Zuletzt wird noch auf die Erziehungs- und Strafmaßnahmen eingegangen. Schließlich erfolgt noch eine Zusammenfassung der Umsetzung der DDR-Pädagogik.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Allgemeine Fakten zum Jugendwerkhof
2.1 Definition Jugendwerkhof
2.2 Historische Entwicklung der Jugendwerkhöfe
2.3 Anzahl der Jugendwerkhöfe und die Verteilung der Jugendlichen
2.4 Einweisung in die Jugendwerkhöfe
3. Die DDR-Pädagogik - das pädagogische Konzept der DDR
3.1 Allgemeines zur Jugendhilfe in der DDR
3.2 Die sozialistische Erziehung
3.3 Die Kollektiverziehung
4. Die Umsetzung der DDR- Pädagogik in den Jugendwerkhöfen
4.1 Allgemeines zur Umsetzung der Kollektiverziehung
4.2. Die Ausbildung der Jugendlichen
4.2.1 Die Berufsausbildung der Jugendlichen
4.2.2 Die Schulausbildung der Jugendlichen
4.3 Die Nachbetreuung der Jugendlichen
4.4 Die Erzieher im Jugendwerkhof
4.5 Die Erziehungs- und Strafmaßnahmen
5. Gründe für das Scheitern einer vollständigen Umsetzung der DDR-Pädagogik
6. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht kritisch die praktische Anwendung und die konzeptionellen Defizite der DDR-Pädagogik innerhalb der Jugendwerkhöfe. Im Zentrum steht die Frage, inwieweit das theoretische Modell der sozialistischen Kollektiverziehung und der Arbeitserziehung in den geschlossenen Einrichtungen erfolgreich implementiert werden konnte und welche Faktoren zu einem Scheitern dieses Erziehungsziels führten.
- Historische Einordnung und Strukturen der Jugendwerkhöfe in der DDR
- Analyse des pädagogischen Konzepts der sozialistischen Erziehung und Kollektiverziehung
- Untersuchung der Praxis von Arbeits- und Schulausbildung als Erziehungsinstrumente
- Bewertung von Personalstrukturen sowie Erziehungs- und Strafmaßnahmen
- Kritische Reflexion über die Gründe für das Scheitern der pädagogischen Ziele
Auszug aus dem Buch
4.2.1 Die Berufsausbildung der Jugendlichen
Schon an dem Namen „Jugendwerkhof“ ist zu erkennen, dass es sich um eine Einrichtung gehandelt hat, in der die Arbeit der Jugendlichen eine wichtige Rolle spielte. Der Leitgedanke aller Jugendwerkhöfe war „Produzieren, Ausbilden, Erziehen - eine Einheit.“ Schon an diesem Leitgedanken ist erkennbar, dass hier die DDR-Pädagogik umgesetzt werden sollte. Die Jugendlichen sollten erzogen und ausgebildet werden und etwas produzieren. Alles sollte einheitlich durchgeführt werden, das heißt ausgerichtet auf ein Ziel, nämlich das Brauchbarmachen für die (sozialistische) Gesellschaft. Auch erkennt man hier schon die besondere Förderung der Jugendlichen im Beruf (Ausbilden), welche in den Jugendgesetzen verankert war.
Das Ziel aller Werkhöfe war es, diesen Leitgedanken umzusetzen. Aus diesem Grund wurde die Arbeitserziehung der Jugendlichen zu einer wichtigen Grundlage, die, wie bereits in Punkt 3.2 beschrieben, einen wichtigen Teil der sozialistischen Erziehung darstellt. Besonders die verhaltensauffälligen Heranwachsenden sollten dadurch umerzogen und auf das künftige Leben im Sozialismus vorbereitet werden. Es wurde in jedem Jugendwerkhof streng darauf geachtet, dass die zu erledigende Arbeit regelmäßig und ordentlich erfüllt wurde. Disziplin und Verantwortungsbewusstsein sollten eine wichtige Vorraussetzung für das Funktionieren der Kollektive und somit auch der Kollektiverziehung gelten. Durch diese Forderung nach Disziplin sollte bei den Jugendlichen auch Freude an der Arbeit aufkommen und sie sollten sich ihrer gesellschaftlichen Verpflichtung bewusst werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Stellt die Forschungsfrage nach der Umsetzung der DDR-Pädagogik in Jugendwerkhöfen und erläutert den Aufbau der Untersuchung.
2. Allgemeine Fakten zum Jugendwerkhof: Definiert den Begriff Jugendwerkhof und beleuchtet die historische Entwicklung, Einweisungsmodalitäten sowie Kapazitäten der Einrichtungen.
3. Die DDR-Pädagogik - das pädagogische Konzept der DDR: Expliziert die theoretischen Grundlagen der staatlichen Jugendhilfe, der sozialistischen Erziehung und des zentralen Modells der Kollektiverziehung.
4. Die Umsetzung der DDR- Pädagogik in den Jugendwerkhöfen: Untersucht die praktische Anwendung der Erziehungstheorien durch Berufsausbildung, Schulisierung, Personaleinsatz und Disziplinarmaßnahmen.
5. Gründe für das Scheitern einer vollständigen Umsetzung der DDR-Pädagogik: Reflektiert die strukturellen und konzeptionellen Ursachen, die zu einer Diskrepanz zwischen Theorie und Realität in den Heimen führten.
6. Schlussbetrachtung: Führt die Analyseergebnisse zusammen und kommt zu dem Fazit, dass das Erziehungsziel der sozialistischen Persönlichkeit weitestgehend missglückt ist.
Schlüsselwörter
Jugendwerkhof, DDR-Pädagogik, Kollektiverziehung, sozialistische Erziehung, Arbeitserziehung, Heimerziehung, Umerziehung, Berufsausbildung, Jugendhilfe, Disziplin, Strafmaßnahmen, Spezialheim, Jugendwerkhof Torgau, Makarenko, sozialistische Persönlichkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie die pädagogischen Konzepte der DDR in den geschlossenen Einrichtungen, den sogenannten Jugendwerkhöfen, in der Praxis umgesetzt wurden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Konzeption der Kollektiverziehung, die Arbeitserziehung, die schulische Bildung sowie die Disziplinierungspraktiken gegenüber Jugendlichen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es zu klären, ob die pädagogischen Ziele der DDR in den Jugendwerkhöfen erreicht wurden und worin die Gründe für die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit lagen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Untersuchung basiert auf einer historisch-pädagogischen Analyse unter Heranziehung von Primärquellen, Verordnungen und Fachliteratur zur DDR-Zeit.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung der DDR-Pädagogik und deren konkrete Implementierung in den Heimen anhand von Ausbildung, Personal und Sanktionen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Jugendwerkhof, Kollektiverziehung, Arbeitserziehung, Umerziehung sowie die Analyse von Missständen im DDR-Erziehungssystem.
Welche Rolle spielte die "Explosionsmethode" nach Makarenko?
Sie wurde in einem pädagogischen Experiment in Römhild angewandt, um durch emotional-intensive Reaktionen der Erzieher angeblich fehlerhafte Einstellungen bei Jugendlichen schnell zu beseitigen.
Warum wird der Arrest als Strafmaßnahme kritisch gesehen?
Der Arrest widersprach theoretisch dem pädagogischen Ideal der Kollektiverziehung und stellte in der Praxis häufig eine unmenschliche Form des Strafvollzugs dar, die weit über erzieherische Maßnahmen hinausging.
- Quote paper
- Susanne Zocher (Author), 2007, Die Umsetzung der DDR-Pädagogik in den Jugendwerkhöfen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/129011