Leben als verantwortliches Individuum

Überlegungen zu den Grundlagen von Verantwortung im menschlichen Leben


Wissenschaftlicher Aufsatz, 2009

4 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Leben als verantwortliches Individuum

Kai Lehmann

„Wir kämen vermutlich nicht auf den Gedanken, Verantwortung zu übernehmen, wenn wir im Lebensvollzug nicht vielfältigen Bedingungen unterworfen wären. Wir sind verursacht und wollen, wenn wir denn selbst Urheber von Handlungen sind, in diesem Zusammenhang eine Rolle spielen. Nur weil wir abhängig sind und von dieser (aul3en wie innen) wirksamen Verbindung wissen, können wir die Zuständigkeit für andere und anderes erfahren.“1

Einmal angenommen, das eigene menschliche Leben beginne mit einem va-gen Gefühl der Verwunderung; man ist soeben auf die Welt gekommen, voll-kommen hilfsbedürftig noch in den ersten Momenten der Existenz. Man emp-findet nur, spürt verwirrend das Neue, das grol3e Unbekannte. Dann ist es wahr-scheinlich angemessen, in eben dieser Verwunderung auch den natürlichen Ausgangspunkt der Frage zu sehen, die im Zentrum des vorliegenden Beitrages stehen soll: „Was ist Leben?“.

Die Philosophie treibt nun eine Beantwortung mehr als nur zufällig schon seit ihren historischen Anfängen um.2 Insofern die Frage in das fundamentalemenschlicheBedürfnis nach Erkenntnis hinein gehört, und indem die Philoso-phie als rationale Suche nach Orientierung in den Grundlagen unseres Erken-nens, Denkens und Handelns3 beständig bemüht ist, diesem Bedürfnis Ausdruck zu geben, wird der nun anschliel3ende inhaltliche Fokus des Phänomens „Le-ben“ auf spezifisch humane Gesichtspunkte leicht verständlich.

Die hier vorgeschlagene Fokussierung auf die Frage „Was ist unser mensch-liches Leben?“ hat einige Konsequenzen, die nicht unerheblich sind. Zunächst werden in dieser Formulierung das Wesen und die Gattung Mensch in den Mit-telpunkt gestellt, und zwar als lebendiges Wesen, das solche Fragen stellt und offenbar Antworten braucht. Damit verbinden sich natürlich weitreichende An-nahmen, auf die im Folgenden näher eingegangen werden soll. Darüber hinaus offenbart die derart gestellte Frage auch die spezifisch menschliche Dimension der Bedeutung und des Sinns von Leben. Es gehört zu den eigentümlichen Charakteristika unseres individuellen und zugleich gemeinschaftlich aufeinander bezogenen Daseins, eine Erklärung dessen, was wir als Leben bezeichnen, nur mit Rekurs auf die Dimension des Sinns vollständig angeben zu können. Kurz: Was unser menschliches Leben ist, wird schon auf begrifflicher Ebene nur mit den Konnotationen der Fragen, „was es wert ist“, „was es (für mich bzw. uns) bedeutet“ und „warum es überhaupt ist“ wirklich verstanden.

[...]


1 Volker Gerhardt: Die säkulare Verantwortung der Politik, in: Staat ohne Verant-wortung?, hrsg. von Ludger Heidbrink/Alfred Hirsch, Frankfurt/New York 2007, S. 119–141, hier: S. 139.

2 Bereits die griechischen Vorsokratiker lassen sich in ihrem Nachdenken über ei-nen einheitlichen „Urstoff“ innerhalb einernatürlichenWelterklärung in den Kontext dieser Frage einordnen.

3 Diese Formulierung wurde von Herbert Schnädelbach geprägt.

Ende der Leseprobe aus 4 Seiten

Details

Titel
Leben als verantwortliches Individuum
Untertitel
Überlegungen zu den Grundlagen von Verantwortung im menschlichen Leben
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Note
1,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
4
Katalognummer
V129015
ISBN (eBook)
9783640356386
Dateigröße
414 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Leben, Natur, Verantwortung, Skizzen, Mensch, Endlichkeit
Arbeit zitieren
Kai Lehmann (Autor), 2009, Leben als verantwortliches Individuum, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/129015

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