Der wissenschaftliche Bericht setzt sich mit der Ökonomisierung des nicht-ökonomisch organisierten Gesellschaftsbereichs, der Bildung, auseinander. Es wird sich die Frage gestellt, was passieren würde, wenn die Koordination im Bildungssystem stärker durch Marktmechanismen und den Wettbewerb geregelt wird. In diesem Zusammenhang wird die Kontroverse diskutiert, ob eine Vermarktlichung der Bildung positiv oder negativ zu werten ist.
Die Ökonomisierung im Bildungssystem kennzeichnet sich durch typisch marktwirtschaftliche Merkmale, wie dem Gesetz der Effizienz, der Vermarktlichung durch Quasi-Märkte oder dem wirtschaftspolitischen Instrument der Subsidiarisierung. Das primäre Ziel der Ökonomisierung der Hochschulen zeigt sich in der Produktion von Humankapital. Dieser wissenschaftliche Bericht öffnet die Diskussion darüber, ob die marktwirtschaftliche Erweiterung mehr Flexibilität und Wohlstand schafft oder ob negative Folgen wie die Verstärkung von Ungleichheit und der Abbau von elementaren Werten wie Gleichheit und Freiheit droht.
Inhaltsverzeichnis
Abstract
Einleitung
1 Ökonomisierung und Neoliberalismus – Eine Einordnung
2 Ökonomisierung der Bildung
2.1 Die Rahmenbedingungen: Die Bildung und seine fehlende ökonomische Wirkmächtigkeit
2.2 Die Struktur: Merkmale der Ökonomisierung der Bildung
2.3 Das Produkt: Humankapital, inkorporiertes und institutionalisiertes Kulturkapital
3 Wo führt die Ökonomisierung der Hochschulen hin?
3.1 Quasi-Markt: Private Hochschule – Ein Exempel der ökonomisierten Hochschulbildung
3.2 Was würde passieren? - Folgen und Effekte
4 Reflexion – Ist die Ökonomisierung der Bildung positiv oder negativ zu bewerten?
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den zunehmenden Prozess der Ökonomisierung im Bildungswesen, speziell im Hochschulsektor. Dabei wird die zentrale Forschungsfrage gestellt, welche Auswirkungen entstehen, wenn Bildungssysteme verstärkt durch Marktmechanismen und Wettbewerbslogiken koordiniert werden und dies den gesellschaftlichen Bildungsauftrag transformiert.
- Grundlagen der Ökonomisierung und des Neoliberalismus
- Die Besonderheiten des Bildungsfeldes im ökonomischen Kontext
- Merkmale der ökonomisierten Bildungsstruktur
- Humankapitaltheoretische Ansätze in der Hochschullehre
- Kritische Analyse der sozioökonomischen Folgen staatlicher Bildungspolitik
Auszug aus dem Buch
Die Struktur: Merkmale der Ökonomisierung der Bildung
Oftmals wird propagiert, dass Ökonomisierung per se etwas Schlechtes ist. Während kritische Stimmen behaupten, Ökonomisierung führt zu einem neoliberalen Wohlfahrtsabbau, erklingen auch Gegenpositionen, die gerade in der Ökonomisierung nicht-ökonomischer Gesellschaftsbereiche eine Aufwertung sehen und dies durch die Wirkmächtigkeit der Wirtschaft begründen (vgl. Schimank et. al. 2008: 382).
Um zu verstehen, wie die Ökonomisierung in der Bildung aussieht, wird im Weiteren auf die konkreten Merkmale einer ökonomisierten Bildung eingegangen. Feld-spezifische Akteure in der Bildung sind beispielsweise Lehrer, Schulleiter, Bildungspolitiker oder Hochschuldozenten. Diese unterscheiden sich wiederum in ihrem unterschiedlich starken Kapitalvoraussetzungen, wie Qualifikationen, soziale Beziehungen oder ihrem Hierarchiestatus (vgl. ebd.: 20). Neben den Akteuren innerhalb des Feldes üben externe Akteure, in Form des Staates, Einfluss auf die Feldlogik aus. Der Staat ist durch seine Politik in der Lage das Konstrukt Bildung nach seinen Vorstellungen und Zielen zu gestalten (vgl. ebd.). Dieser Aspekt spielt insbesondere unter Berücksichtigung einer staatlich organisierten, ökonomischen Transformation eine entscheidende Rolle.
Das Feld Bildung hebt sich durch seinen normativen Wert innerhalb der Gesellschaft von anderen Feldern ab. Der Wert der Bildung innerhalb der Gesellschaft ist weitestgehend unumstritten, weswegen dem Bildungsfeld auch eine gewisse Autonomie zugestanden wird. Neben der Autonomie weist das Bildungsfeld allerdings Schwachstellen in seiner Berechnungsstärke auf, was insbesondere in einer immer weiter ökonomisch geprägten Gesellschaft zu Legitimierungsproblemen führt. Auch wenn es auf der Hand liegt, dass sich dieses Feld nicht mit anderen Feldern vergleichen lässt, wird die Wirkmächtigkeit der Ökonomisierung auch gerade dadurch deutlich, dass dieses nicht-ökonomische Feld einem starken Ökonomisierungstrend unterliegt (vgl. ebd.).
Zusammenfassung der Kapitel
Abstract: Eine prägnante Zusammenfassung der theoretischen Auseinandersetzung mit der Ökonomisierung gesellschaftlicher Subsysteme und der Transformation staatlicher Bildung.
Einleitung: Einführung in die Begrifflichkeiten und Darlegung der Untersuchungsschwerpunkte hinsichtlich der neoliberalen Logik im Bildungssektor.
1 Ökonomisierung und Neoliberalismus – Eine Einordnung: Theoretische Klärung der Begriffe und deren gegenseitige Bedingtheit im Kontext gesellschaftlicher Transformationsprozesse.
2 Ökonomisierung der Bildung: Analyse des Bildungsfeldes als spezifisches Subsystem, das sich durch eigene normative Vorgaben und Akteursstrukturen auszeichnet.
2.1 Die Rahmenbedingungen: Die Bildung und seine fehlende ökonomische Wirkmächtigkeit: Untersuchung der internen Bildungsstrukturen und deren ursprüngliche Distanz zu marktkonformen Berechnungsweisen.
2.2 Die Struktur: Merkmale der Ökonomisierung der Bildung: Detaillierte Darstellung der Mechanismen, durch die ökonomische Logiken in den Bildungsalltag infiltrieren.
2.3 Das Produkt: Humankapital, inkorporiertes und institutionalisiertes Kulturkapital: Anwendung soziologischer Kapitaltheorien nach Bourdieu auf den Zweck universitärer Bildung.
3 Wo führt die Ökonomisierung der Hochschulen hin?: Praktische Einordnung anhand von Quasi-Märkten und den systemischen Folgen für Studierende und Institutionen.
3.1 Quasi-Markt: Private Hochschule – Ein Exempel der ökonomisierten Hochschulbildung: Fallbeispiel einer privaten Hochschulorganisation und deren Wettbewerbsvorteile gegenüber staatlichen Modellen.
3.2 Was würde passieren? - Folgen und Effekte: Identifikation der langfristigen Risiken bezüglich sozialer Selektivität und ideeller Bildungsziele.
4 Reflexion – Ist die Ökonomisierung der Bildung positiv oder negativ zu bewerten?: Kritische Schlussbetrachtung zur ökonomischen Leistungssteigerung im Vergleich zum Verlust demokratischer Bildungsideale.
Schlüsselwörter
Ökonomisierung, Neoliberalismus, Bildungssystem, Humankapital, Quasi-Markt, Bildungsmarkt, Wettbewerb, Bourdieu, soziale Ungleichheit, Effizienz, Staatsentscheidung, Hochschulbildung, Rationalisierung, Subsidiarität, Kapitaltheorie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert den Prozess der Ökonomisierung des Bildungswesens und die daraus resultierenden Konsequenzen für die Zielsetzungen von Hochschulen.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Die Arbeit fokussiert sich auf das Wechselspiel zwischen neoliberaler Marktlogik und den spezifischen Bedingungen pädagogischer Institutionen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, durch eine theoretische Einordnung und Fallbetrachtung zu reflektieren, ob die Kommerzialisierung von Bildung zu gesellschaftlichem Fortschritt oder zur Aushöhlung demokratischer Werte führt.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die soziologische Kapitaltheorien (insbes. Bourdieu) mit bildungspolitischen Diskursen verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des Bildungsbegriffs und die anschließende Analyse der ökonomischen Instrumente, wie sie in Quasi-Märkten zur Anwendung kommen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Humankapital, ökonomische Wirkmächtigkeit, Quasi-Markt, soziale Ungleichheit und staatliche Evaluierung.
Wie unterscheidet sich die ökonomisierte Hochschule von der klassischen?
In der ökonomisierten Hochschule steht die Marktorientierung und Produktion von Humankapital im Vordergrund, während klassische Bildungsideale wie Persönlichkeitsbildung in den Hintergrund treten.
Gibt es ein Fazit zur positiven oder negativen Bewertung?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die forcierte Wettbewerbslogik zwar Effizienzgewinne bringen kann, jedoch die Gefahr der sozialen Spaltung und des Abbaus elementarer Freiheitswerte birgt.
- Quote paper
- Justus Aufderheide (Author), Ökonomisierung der Hochschulbildung. Was passiert, wenn die Koordination im Bildungssystem stärker durch Marktmechanismen und den Wettbewerb geregelt wird?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1290236