Die vorliegende Arbeit stellt sich die Frage, inwieweit True-Crime-Formate, also die Auseinandersetzung mit wahren Verbrechen, als trivialliterarische Texte gelesen werden können. In dieser Arbeit soll am Beispiel von "Strafe" untersucht werden, inwiefern sich die beiden übergeordneten Diskurse gegenseitig ausschließen.
Für die Untersuchung werden zunächst das Konzept von Trivialliteratur und das Format True-Crime theoretisch dargelegt. Mithilfe der Merkmale trivialliterarischer Texte und grundlegender Aspekte von True-Crime-Formaten lassen sich bereits variierende Arbeitshypothesen formulieren. Die Hypothesen berühren die Bereiche von Kriminalliteratur und Hybridität und damit einhergehend das Verhältnis von Autorschaft und Erzählinstanz. Darüber hinaus geht es um die ethische Betrachtung True-Crimes und um Faktizität und Authentizität als Stilmittel. Zuletzt wird die Hypothese entfaltet, dass sich "Strafe" als trivialliterarischer Text lesen lässt. Somit lassen sich die übergeordnete Fragestellung und die Arbeitshypothesen bei der Analyse von "Strafe" als Erzähltext implizit berücksichtigen. Die Ergebnisse der Analyse werden daraufhin gezielt vor dem Hintergrund eben genannter vorheriger Überlegungen diskutieren und abgehandelt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theorie und Arbeitshypothesen
2.1 Das Konzept von Trivialität und seine Merkmale
2.2 True-Crime als Subkategorie von Kriminalliteratur
2.3 Arbeitshypothesen
3 Ferdinand von Schirach: Strafe
3.1 Inhaltliche Hinführung
3.2 Analyse von Strafe als Erzähltext
3.3 Diskussion vor dem Hintergrund der Arbeitshypothesen
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen den beiden Konzepten Trivialität und True-Crime am Beispiel von Ferdinand von Schirachs Werk "Strafe". Ziel ist es zu analysieren, ob sich das Buch trotz seines Erfolgs trivialliterarischen Mustern zuordnen lässt, wie die Erzählinstanz konstruiert ist und welche ethischen Implikationen sich aus der Vermarktung wahrer Verbrechen ergeben.
- Charakterisierung von Trivialliteratur und ihren Merkmalen
- Einordnung von True-Crime in die Kriminalliteratur
- Analyse der Erzählstrukturen und Stilelemente in Schirachs "Strafe"
- Diskussion der ethischen Aspekte bei der Verarbeitung wahrer Kriminalfälle
- Überprüfung der Hypothesen zur hybriden Textgattung "Strafe"
Auszug aus dem Buch
3.2 Analyse von Strafe als Erzähltext
Nach der ersten Auseinandersetzung durch die kurze inhaltlichen Übersicht zu den 12 Kurzgeschichten zeichnen sich bereits einige Auffälligkeiten ab. Zunächst ist zu sehen, dass sich jede Geschichte knapp, in maximal zwei Sätzen, zusammenfassen lässt und es sich scheinbar um keine allzu komplexen Inhaltskonstruktionen handelt. Außerdem bleiben die Hauptfiguren in mindestens drei der Geschichten sogar sprachlich unbenannt: Die Geschichten Ein hellblauer Tag, Der Taucher und Tennis verhandeln ausnahmslos das unpersönliche Substantiv eine Frau. Jedoch bleiben auch die benannten Figuren der anderen Kapitel meistens schemenhaft – hierauf wird später noch genauer eingegangen. Darüber hinaus fällt auf, dass Strafe eine explizite Gliederung besitzt, die die einzelnen Kurzgeschichten voneinander abgrenzt. Auch innerhalb der einzelnen Kapitel existieren trennscharfe Abschnitte, die in ihrer Grundordnung wiederkehrend sind: Es scheint, als ließe sich ein schablonenartiges Erzählmuster auf die einzelnen Kurzgeschichten legen. Das immer gleichbleibende Muster beginnt mit der Vorstellung einer bestimmten Person und führt in den individuellen Lebensrhythmus oder ein spezielles Schicksal ein. Der Einstieg in das Geschehen passiert unmittelbar: „Morgens tastet er mit geschlossenen Augen nach der Hand seiner Frau.“ Hierfür wird quantitativ der größte Textteil eingenommen. Während die eigentliche Straftat in der Regel in einem kurzen Absatz abgehandelt wird, dominiert die Figurenzeichnung mit einem Verhältnis von circa 3/4 die Geschichte. Die Lesenden bekommen hierbei Einblicke in die womögliche Gefühlswelt der Figur: „Als Felix größer wird, schämt er sich für die Flecken auf seiner Haut. Die anderen Kinder ziehen ihn damit auf. [...] er wird bestraft und bekommt Salben und Spritzen, aber die Flecken oder sich nicht. Nur der Großvater ist anders. [...] Der Fleck über seinem Bauchnabel, das sei das Land der Fabelwesen [...] oder „Am Tag nach dem Abitur erklärt sie ihren Eltern, sie werde in eine andere Stadt ziehen und studieren. Ihr Vater schrie sie an. Wenn sie jetzt gehe, würde er sie verstoßen. Er versuchte sie schlagen, [...]“
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt die Motivation der Arbeit dar, das Werk "Strafe" von Ferdinand von Schirach unter dem Aspekt der Trivialität und des True-Crime-Formats zu untersuchen.
2 Theorie und Arbeitshypothesen: Das Kapitel definiert Trivialliteratur und True-Crime als Gattungsbegriffe, diskutiert deren Merkmale und leitet daraus die spezifischen Arbeitshypothesen für die Analyse ab.
3 Ferdinand von Schirach: Strafe: Dieser Teil umfasst die inhaltliche Einführung in das Werk, eine detaillierte Analyse der Erzählweise sowie eine Diskussion der Ergebnisse im Kontext der aufgestellten Hypothesen.
4 Fazit: Das Fazit fasst die Analyseergebnisse zusammen und bewertet die hybride Stellung von "Strafe" innerhalb des literarischen Feldes sowie die ethischen Implikationen des Formats.
Schlüsselwörter
Ferdinand von Schirach, Strafe, Trivialliteratur, True-Crime, Narratologie, Kriminalliteratur, Fiktionalität, Authentizität, Erzählinstanz, Medienästhetik, Diskursanalyse, Ethik, Rezeptionsästhetik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das literarische Werk "Strafe" von Ferdinand von Schirach im Hinblick auf seine stilistische und formale Einordnung zwischen trivialliterarischen Strukturen und dem modernen Genre True-Crime.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die Definition und Abgrenzung von Trivialliteratur, die Analyse von True-Crime-Narrativen und die ethische Bewertung der medialen Aufbereitung wahrer Kriminalfälle.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, zu ergründen, ob "Strafe" als Trivialliteratur gelesen werden kann und inwieweit das Werk hybride Qualitäten aufweist, die eine klare Kategorisierung erschweren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Literaturanalyse sowie eine textanalytische Untersuchung des Werkes "Strafe" in Bezug auf Erzählweise, Figurenzeichnung und Sprachstil.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine inhaltliche Hinführung, eine formale Analyse des Erzähltextes sowie eine Diskussion der ethischen und ästhetischen Gestaltungsmittel Schirachs.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie True-Crime, Trivialität, Erzählinstanz, Authentizität und literarische Fiktionalität bestimmt.
Warum wird "Strafe" trotz seines Erfolgs mit Trivialliteratur in Verbindung gebracht?
Die Analyse zeigt, dass Schirach oft schematische Erzählmuster, stereotype Figurenkonstruktionen und eine einfache Sprache nutzt, die Elemente massenliterarischer Unterhaltung widerspiegeln.
Welche Rolle spielt die ethische Perspektive bei Schirachs "Strafe"?
Die ethische Perspektive ist entscheidend, da das Werk reale Schicksale für Entertainment-Zwecke instrumentalisiert und Täter oft auf eine Weise darstellt, die hinterfragt werden muss.
- Arbeit zitieren
- Frederike Gadeberg (Autor:in), 2020, Die Zusammenführung der Konzepte 'Trivialität' und 'True Crime' am Beispiel von Ferdinand von Schirachs "Strafe", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1290544