Über eine Einleitung, die über Begriffsklärungen, geschichtliche Hintergründe die mit der Geburt und der Entstehungs,- Entwicklungs,- und Verlaufsgeschichte des Gefängnisses zusammenhängen (vor allem mit Foucaults "Überwachen & Strafen") und allgemein die "totale Institution Gefängnis" (Goffman) informiert, geht es dann weiter mit der Darstellung von Theorien der Resozialisierung und Legalbewährung der Strafgefangenen. Im Hauptteil der Arbeit werden dann theoretisch verschiedene Methoden der Resozialisierung(smaßnahmen) vorgestellt (z.B. Anti-Aggressivitätstraining & Sozialtherapien). Im weiteren Verlauf folgt dann eine Darstellung von kritisch-empirischen Evaluationsstudien zu den Resozialisierungsprogrammen, um am Ende zu der gewaltigen These zu gelangen, das es in unserer Gesellschaft keine funktionierenden und erfolgreichen Resozialisierungsprogramme gibt: Wer einmal draußen ist (Soziologen nennen dieses Phänomen soziale Exklusion), der bleibt auch draußen. Die Arbeit kombiniert zu diesem Zweck der Erkenntnis verschiedene empirische Studien, die sich z.B. umfassend mit den (Lebens)Erfolgen bzw. Misserfolgen von herausgekommenen und in-die-Freiheit-entlassenen Strafgefangenen (also Ex-Häftlingen) beschäftigt haben, welche vorher Resozialisierungsmaßnahmen durchlaufen hatten. Die spannende Fragen diesbezüglich sind: Kehrt der Häftling wieder in das alte "kriminelle Milieu" zurück und wird rückfällig? Schafft er es, nach so und so vielen Jahren Gefängnis sich wieder erfolgreich mit Job & Familie & Freunden in die Gesellschaft zu integrieren? usw. usf.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsklärungen
3. Weitere Maßnahmen der Resozialisierung
3.1 Sozialtherapie
3.2 Anti-Aggressivitätstraining
4. Empirische Evaluationsstudienergebnisse der Resozialisierungskonzeptionen
4.1 „Zu den Wirkungen von Strafvollzug und sozialtherapeutischen Maßnahmen“
4.2 „Die neue Rückfallstatistik - Legalbewährung junger Straftäter“
4.3 „Wege aus schwerer Jugendkriminalität“
4.4 „Anti-Aggressivitätstraining und Legalbewährung. Versuch einer Evaluation“
5. Resümee: Verbesserungsvorschläge bezüglich der Resozialisierungsmaßnahmen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch die Wirksamkeit verschiedener Resozialisierungsmaßnahmen im Strafvollzug. Ziel ist es, auf Basis theoretischer Grundlagen und empirischer Evaluationsstudien zu prüfen, inwieweit Maßnahmen wie Sozialtherapie und das Anti-Aggressivitätstraining (AAT) tatsächlich zur Legalbewährung von Straftätern beitragen oder ob utopische Vorstellungen das Bild der Resozialisierung prägen.
- Analyse der Institution Gefängnis als Ort der Resozialisierung.
- Untersuchung der theoretischen Ansätze Sozialtherapie und Anti-Aggressivitätstraining.
- Kritische Auswertung aktueller empirischer Studien zur Rückfallquote.
- Diskussion von Einflussfaktoren auf die berufliche und soziale Reintegration.
- Erarbeitung von Verbesserungsvorschlägen für bestehende Konzeptionen.
Auszug aus dem Buch
3. 2 Das Anti-Aggressivitätstraining
Die Resozialisierungsmaßnahme und das lerntheoretisch-kognitive Muster des AAT wurde erstmalig von Pädagogikprofessor Jens Weidner aus Hamburg im Jahre 1993 entworfen und ist nunmehr seit 16 Jahren in der deutschen sozialpädagogischen Praxis vertreten und wird angewandt (Vgl. Weidner, J. Anti-Aggressivitäts-Training für Gewalttäter, Bonn 1993). Die Zielgruppenklientel setzt sich primär zusammen aus aggressiven Wiederholungstätern folgender Delikte der Gewaltkriminalität: „Körperverletzung mit Todesfolge, Raub, räuberische Erpressung, erpresserischer Menschenraub, gefährliche und schwere Körperverletzung (…), Vergewaltigung und besonders schwere Fälle sexueller Nötigung“ (Schawohl: 2005, S. 327; siehe auch zum Vgl. Ohlemacher et al.: 2001, S. 19).
Absicht dieses Programms & Trainings „ist es, die Gewaltneigung und damit auch die Gewalthandlungen von Personen (zumeist männlichen Jugendlichen und Heranwachsenden) zu verringern, die bereits durch mehrfache oder besonders heftige Gewalttaten auffällig geworden sind“ (Ohlemacher et al: 2001, S. 3) und „in sechsmonatigen Intensivkursen werden jeweils sechs bis acht „gewaltaffine“ Jugendliche in einem Training für ein gewaltfreieres Verhalten geschult“ (Ohlemacher et al: 2001, S. 5). Zumeist sind die Teilnehmer Schul und Ausbildungsabbrecher, geben sich äußerlich „hart und unbeugsam, cool und gnadenlos“ (Schawohl: 2005, S. 329) wie ein Silvester Stallone als Rambo oder Rocky oder ein Arnold Schwarzenegger als Terminator und triefen nur so vor Testosteron, innerlich jedoch besitzen sie ein sehr gekränktes Realselbst und haben ein geringes Selbstwertgefühl, nicht selten fühlen sie sich selbst als Versager, doch versuchen sie dieses Fühlen ihrer selbst durch ein äußerlich starkes und statusbetontes Auftreten zu kaschieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Kontroverse um Resozialisierungsmaßnahmen ein und skizziert den Aufbau der Arbeit in einen theoretischen sowie einen empirischen Teil.
2. Begriffsklärungen: Hier wird das Gefängnis als „totale Institution“ nach Foucault definiert und der Begriff der Resozialisierung sowie Legalbewährung im Kontext des Strafvollzugs erläutert.
3. Weitere Maßnahmen der Resozialisierung: Dieser Abschnitt beschreibt alternative, therapeutisch orientierte Ansätze ergänzend zum klassischen Strafvollzug.
3.1 Sozialtherapie: Die Sozialtherapie wird als interdisziplinäre Methode vorgestellt, die an Persönlichkeitsstörungen arbeitet, um die Rückfallwahrscheinlichkeit durch Verhaltensänderung zu senken.
3.2 Anti-Aggressivitätstraining: Das AAT wird als lerntheoretisches Programm für Gewaltstraftäter eingeführt, das durch Konfrontation soziale Kompetenzen und ein gewaltfreies Verhalten fördern soll.
4. Empirische Evaluationsstudienergebnisse der Resozialisierungskonzeptionen: Eine kritische Bestandsaufnahme aktueller Studien, die die Effektivität der vorgestellten Programme hinterfragt.
4.1 „Zu den Wirkungen von Strafvollzug und sozialtherapeutischen Maßnahmen“: Diese Studie kommt zu dem ernüchternden Ergebnis, dass der Effekt der Sozialtherapie auf die Legalbewährung nur gering ist.
4.2 „Die neue Rückfallstatistik - Legalbewährung junger Straftäter“: Diese Statistik zeigt, dass Rückfallquoten stark altersabhängig sind und bei Jugendlichen besonders hoch ausfallen.
4.3 „Wege aus schwerer Jugendkriminalität“: Diese qualitative Untersuchung beleuchtet die Bedeutung von beruflicher Integration und Stigmatisierung für den Abbruch krimineller Karrieren.
4.4 „Anti-Aggressivitätstraining und Legalbewährung. Versuch einer Evaluation“: Die Evaluation zeigt auf, dass AAT-Teilnehmer keine signifikant besseren Legalbewährungsquoten im Vergleich zu Nicht-Teilnehmern aufweisen.
5. Resümee: Verbesserungsvorschläge bezüglich der Resozialisierungsmaßnahmen: Abschließende Betrachtung, die festhält, dass der „Königsweg“ der Resozialisierung noch nicht gefunden ist und insbesondere die Arbeitsplatzbeschaffung sowie die Reform des Sozialtherapiekonzepts fordert.
Schlüsselwörter
Resozialisierung, Legalbewährung, Strafvollzug, Sozialtherapie, Anti-Aggressivitätstraining, Rückfallquote, Jugendkriminalität, Totale Institution, Gewaltprävention, Berufliche Integration, Stigmatisierung, Kriminologie, Delinquenz, Strafvollzugsgesetz, Bewährungshilfe
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der kritischen Analyse von Resozialisierungsmaßnahmen im Strafvollzug, insbesondere im Hinblick auf deren tatsächliche Auswirkungen auf die Legalbewährung von Straftätern.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit spannt den Bogen von der theoretischen Einordnung des Gefängnisses als Institution über die Vorstellung von Sozialtherapie und Anti-Aggressivitätstraining bis hin zur empirischen Evaluation dieser Ansätze anhand aktueller Studien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist eine Bestandsaufnahme, die prüfen soll, ob die theoretischen Versprechen der Resozialisierungsprogramme mit der empirischen Realität übereinstimmen oder ob eher utopische Vorstellungen vorherrschen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturrecherche und der kritischen Paraphrasierung sowie Auswertung bereits bestehender empirischer Evaluationsstudien basiert.
Was steht im Hauptteil der Arbeit im Fokus?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Erläuterung der Sozialtherapie und des Anti-Aggressivitätstraining sowie einen umfangreichen empirischen Teil, in dem vier zentrale Studien zu deren Wirkung auf Rückfallquoten analysiert werden.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Legalbewährung, Resozialisierung, Stigmatisierung, empirische Evaluation, Rückfallstatistik und die kritische Auseinandersetzung mit der Wirksamkeit von therapeutischen Maßnahmen im Justizvollzug.
Warum schneiden Sozialtherapie und AAT in den Studien oft schlechter ab als erwartet?
Der Autor führt dies unter anderem auf das Problem der "Prisonisierung" zurück, bei der sich Insassen an ein künstliches Milieu gewöhnen, das sich fundamental vom Leben in Freiheit unterscheidet, wodurch erlernte Verhaltensweisen nach der Entlassung schnell verloren gehen.
Welchen Stellenwert räumt der Autor der Arbeitsplatzbeschaffung ein?
Die Arbeitsplatzbeschaffung wird als zentraler Schlüssel zur erfolgreichen Reintegration identifiziert, da die soziale Stigmatisierung durch einen Gefängnisaufenthalt und die darauffolgende Arbeitslosigkeit die Rückfallgefahr massiv erhöhen.
Welche Rolle spielt die "totale Institution" nach Foucault für das Verständnis der Arbeit?
Das Konzept hilft dem Autor zu verdeutlichen, dass das Gefängnis selbst durch seine Strukturen und Disziplinierungsprozesse eine Resozialisierung oft erschwert, da es das Individuum eher für den Gefängnisalltag prägt als für ein autonomes Leben in Freiheit.
- Quote paper
- Konrad Kalisch (Author), 2007, Das Gefängnis - Resozialisierungsmaßnahmen in Theorie und Empirie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/129059