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Die 'body politic' bei Kantorowicz, Rousseau und Büchner: Die Übertragung vom König auf das Volk

Title: Die 'body politic' bei Kantorowicz, Rousseau und Büchner: Die Übertragung vom König auf das Volk

Term Paper , 2009 , 15 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Oliver Horton (Author)

Theater Studies, Dance
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In der vorliegenden Hausarbeit habe ich es mir zum Ziel gesetzt, die Übertragung von Ernst Kantorowiczs These der „Zwei Körper des Königs“ auf das Volk zu Zeiten der Französischen Revolution zu untersuchen.

Zunächst wird Kantorowiczs Studie zur politischen Theologie des Mittelalters, die den König als doppelte Inkorporation eines „body politic“ und eines „body natural“ mythologisiert, dargelegt, bevor dann Rousseaus „Contrat Social“ als Erschaffung eines neuen politischen Körpers die Grundlage legt für Untersuchungen des neuen „body politic“, dessen Errichtung die französischen Revolutionäre in der „Terreur“ anstreben. Hierbei wird auch auf Widersprüche und Aporien eingegangen, die Rousseaus Werk durchziehen und die – in der Praxis der Terreur – die Undurchsetzbarkeit der revolutionären Ideale mitbedingen. Das Drama "Dantons Tod" liefert, in Büchners gleichzeitiger Distanz und Nähe im deutschen Vormärz, die Grundlage für diese Hausarbeit.

Excerpt


Gliederung

Einleitung

1. Ernst Kantorowiczs These des „body natural“ und „body politic“

1.1 Die doppelte Inkorporation des Königs

1.2 Physiologie des „body politic“

2. Das Volk als „body politic“ bei Rousseau

2.1 Jean-Jacques Rousseaus „Contrat Social“

2.2 Rousseau und die Französische Revolution

2.3 Die „Körperschaft“ im „Contrat Social“

3. Der „body politic“ in Georg Büchners „Dantons Tod“

3.1 Das real existierende Volk

3.2 Das „arme, tugendhafte“ Volk

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Hausarbeit untersucht die Transformation des mittelalterlichen Konzepts der „zwei Körper des Königs“ nach Ernst Kantorowicz in die politische Theorie von Jean-Jacques Rousseau und deren praktische sowie dramatische Umsetzung in Georg Büchners „Dantons Tod“. Das Hauptziel besteht darin, aufzuzeigen, wie die Idee des „body politic“ von der monarchischen Person auf das revolutionäre Volk übertragen wird und welche Aporien und Widersprüche dieser Transfer im Kontext der Französischen Revolution hervorruft.

  • Politische Theologie und die Theorie der zwei Körper des Königs (Kantorowicz)
  • Rousseaus Gesellschaftsvertrag als Entwurf eines neuen politischen Körpers
  • Die Instrumentalisierung des „tugendhaften Volkes“ durch den revolutionären Terror
  • Die Dekonstruktion der politischen Repräsentation in Büchners „Dantons Tod“
  • Die Diskrepanz zwischen realem Pöbel und idealisiertem „Volkskörper“

Auszug aus dem Buch

3.1 Das real existierende Volk

Zunächst soll betrachtet werden, wie das Volk in Georg Büchners Drama „Dantons Tod“ tatsächlich auftritt. Das Volk erhält als Träger des Revolutionsgeschehens einige wichtige Szenen im Stück.

Die zweite Szene des ersten Aktes, die auf dem Schauplatz „Eine Gasse“ angesiedelt ist, bietet dem eigentlichen Akteur der Revolution, dem „peuple“, die Gelegenheit eines ersten Auftritts. Büchner lässt das notleidende, ratlose Volk zu Wort kommen. Der Souffleur Simon und seine Frau streiten sich aufgrund ihrer Tochter, die sich aus der sozialen Not heraus prostituiert. Simons Frau unterstützt das Verhalten ihrer Tochter: „Wir arbeiten mit allen Gliedern warum denn nicht auch damit?“ Schon der Streitfall allein zeigt, dass sich der familial-private Diskurs des Volkes auf die Straße, in eine öffentliche Obszönität verlagert hat. Der Bürger stellt seine intimsten Bedürfnisse und Probleme der breiten Masse aus, mit der dann die Vielzahl der individuellen Diskurse in einen kollektiven Notstand mündet. Die Sprechakte der Einzelnen werden zu „faden Zitaten“, wie Clemens Pornschlegel sie in seinem Aufsatz „Das Drama des Souffleurs. Zur Dekonstitution des Volkes in den Texten Georg Büchners“ bezeichnet, die das revolutionäre Gerede und Geschehen vielmehr wie eine Farce erscheinen lassen als eine Tragödie. Das Scheitern, der Ausgang in den Tod, steht von vornherein fest.

Kommen wir jedoch zum Körper des Volkes zurück. Die Glieder des Körpers, die Simons Weib als das Arbeitswerkzeug des Volkes charakterisiert, sind in dieser Rede nicht mehr Metapher, sondern die in der revolutionären Not de facto verwendeten Instrumente. Die Revolution greift den Körper an und stellt den Menschen „auf nackten Beinen“ aus. Büchner lässt Danton seinem Mitgefangenen Mercier sagen: „Man arbeitet heut zu Tag Alles in Menschenfleisch. Das ist der Fluch unserer Zeit. Mein Leib wird jetzt auch verbraucht.“

Der real existierende Pöbel, der in seinem Totschlagswillen und seiner Blutrünstigkeit unterzugehen droht, ist weit entfernt von der neuen Gemeinschaft, die einen „volonté général“ artikulieren soll.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung definiert das Ziel der Arbeit, den Transfer des Kantorowiczschen Konzepts der „zwei Körper“ auf das revolutionäre Volk und dessen Reflexion in Büchners Drama zu untersuchen.

1. Ernst Kantorowiczs These des „body natural“ und „body politic“: Dieses Kapitel erläutert die mittelalterliche Theorie der doppelten Inkorporation des Königs, bestehend aus einem sterblichen natürlichen Körper und einem unsterblichen politischen Körper.

2. Das Volk als „body politic“ bei Rousseau: Hier wird analysiert, wie Rousseau im „Contrat Social“ den Begriff des „body politic“ auf das Volk überträgt und welche Probleme sich durch den Allgemeinwillen bei der Repräsentation ergeben.

3. Der „body politic“ in Georg Büchners „Dantons Tod“: Das letzte Kapitel untersucht die Diskrepanz zwischen dem realen, leidenden Volk und dem in der Jakobiner-Ideologie konstruierten „tugendhaften Volkskörper“ im Drama.

Schlüsselwörter

Body politic, body natural, Ernst Kantorowicz, Jean-Jacques Rousseau, Georg Büchner, Dantons Tod, Contrat Social, Französische Revolution, Allgemeinwille, Repräsentation, politischer Körper, Terreur, Robespierre, Volk, Souveränität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es grundsätzlich in dieser Hausarbeit?

Die Arbeit analysiert die Übertragung des monarchischen Körperbegriffs („zwei Körper des Königs“) auf das Volk im Kontext der Französischen Revolution und dessen literarische Verarbeitung bei Georg Büchner.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Im Zentrum stehen politische Theologie, Gesellschaftstheorie, die Idee der Volkssouveränität und deren Scheitern an der Realität des revolutionären Terrors.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die Frage ist, wie sich die Verschiebung des „body politic“ vom König auf das Volk theoretisch legitimieren lässt und warum diese Konstruktion in der Praxis – dargestellt in Büchners Drama – in sich zusammenbricht.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche und ideengeschichtliche Analyse, wobei Konzepte der politischen Theorie auf das dramatische Werk Büchners angewandt werden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Kantorowiczschen Theorie, die philosophische Auseinandersetzung mit Rousseaus Gesellschaftsvertrag und eine detaillierte Textanalyse der Darstellung des Volkes in „Dantons Tod“.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist durch Begriffe wie Body politic, Souveränität, Repräsentation, Gesellschaftsvertrag und das Spannungsfeld zwischen idealem Allgemeinwillen und real existierendem Volk geprägt.

Warum spielt die Unterscheidung zwischen „body natural“ und „body politic“ für die Revolution eine Rolle?

Die Hinrichtung des Königs markiert laut Arbeit den Versuch, nicht nur den physischen Herrscher, sondern das alte Prinzip der Repräsentation zu vernichten, um es durch eine neue, jedoch instabile Struktur zu ersetzen.

Welche Rolle spielt die Figur des Robespierre in der Argumentation?

Robespierre dient als Beispiel für den Versuch, das Volk als einen tugendhaften „body politic“ zu erzwingen, wobei er den Terror nutzt, um das „arme, tugendhafte Volk“ von der Realität des „Pöbels“ abzugrenzen.

Was bedeutet die „Dekonstitution des Volkes“ bei Büchner?

Dieser Begriff verweist darauf, dass Büchner das Volk im Drama nicht als homogene politische Einheit darstellt, sondern als zerstreute Masse, deren revolutionäre Identität im ständigen Wandel der Repräsentation verloren geht.

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Details

Title
Die 'body politic' bei Kantorowicz, Rousseau und Büchner: Die Übertragung vom König auf das Volk
College
Justus-Liebig-University Giessen  (Literaturwissenschaft, Theaterwissenschaft)
Course
Seminar
Grade
1,0
Author
Oliver Horton (Author)
Publication Year
2009
Pages
15
Catalog Number
V129067
ISBN (eBook)
9783640354108
ISBN (Book)
9783640353736
Language
German
Tags
Kantorowicz Rousseau Büchner König Volk
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Oliver Horton (Author), 2009, Die 'body politic' bei Kantorowicz, Rousseau und Büchner: Die Übertragung vom König auf das Volk, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/129067
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