Die negativen Auswirkungen von Basel II auf das weltweite Finanzsystem

Unter Berücksichtigung der aktuellen Finanzkrise


Bachelorarbeit, 2009

53 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Ziel und Aufbau der Arbeit

2 Grundlagen
2.1 Von Basel I zu Basel II
2.2 Basel II
2.2.1 Das Dreisäulensystem
2.2.1.1 Die erste Säule - Mindestkapitalanforderungen
2.2.1.2 Die zweite Säule - Bankenaufsichtlicher Überprüfungsprozess
2.2.1.3 Die dritte Säule - Aufsichtliche Offenlegung

3 Schwachstellen von Basel II
3.1 Die Gefahren der Adversen Selektion
3.2 Relevanz von Basel II für die Entwicklungsländer
3.3 Verbriefungen von Krediten nach Basel II
3.3.1 Traditionelle Verbriefungen
3.3.2 Synthetische Verbriefungen
3.3.3 Standardansatz für Verbriefungen
3.3.4 Der IRB-Ansatz für Verbriefungen
3.3.5 Beispiel zur synthetischen Verbriefung
3.3.6 Verbriefungen und Basel II in Hinblick auf die Finanzkrise
3.4 Die Prozyklität von Basel II
3.4.1 Prozyklische Wirkung von Basel II und die Finanzkrise
3.4.2 Politische Maßnahmen – Das Rettungspaket
3.5 Die Umsetzung von Basel II in den USA
3.5.1 Unterschiedliche Meinungen von US-Aufsichtsbehörden
3.5.2 Folgen
3.5.3 Alternativen

4 Die fünfte Auswirkungsstudie zu Basel II

5 Der unregulierte Sektor - Ratingagenturen
5.1 Grundlagen
5.2 Zentrale Schwachstellen
5.2.1 Qualitative Mängeln
5.2.2 Interessenskonflikte
5.2.3 Der oligopolistische Ratingmarkt
5.2.4 Die prozyklische Wirkung von Ratingagenturen

6 Lösungsansätze

7 Ausblick
7.1 Säule I - Mindesteigenkapitalanforderungen
7.2 Säule II – Aufsichtsrechtlicher Überprüfungsprozess
7.3 Säule III - Marktdiziplin
7.4 Änderungen im Bereich Ratingagenturen

8 Fazit

9.Literatur

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1:Das Drei-Säulen-System

Abb. 2: Beispiel für Verbriefungstransaktionen nach Basel II

Abb. 3: Eigenkapitalunterlegung aus der Sicht des Originators

Abb. 4: Eigenkapitalunterlegung aus der Sicht des Investors

Abb. 5: Risikogewichtung von Ratingagenturen

1 Einleitung

In unserer heutigen Gesellschaft haben Banken und Kreditinstitute eine Schlüsselrolle innerhalb des Finanzmarktsystems. Sie sind Finanzmarktintermediäre und ermöglichen somit die Allokation der „knappen“ Ressource Kapital. Folglich bestimmen Finanzmarktintermediäre die Entwicklung anderer Wirtschaftssektoren grundlegend mit, indem sie Kapital aus Überschussbereichen in die Defizitbereiche steuern.[1] Ein effizienter Finanzmarkt setzt Stabilität voraus. Die Finanzmarktstabilität wird an der Risikokonstellation eines nationalen Systems in Bezug auf ihre Risikotragfähigkeit gemessen. Die Evaluation der Risikotragfähigkeit einer Volkswirtschaft richtet sich insbesondere an die allgemeine Ertragslage des Bankensystems, die Kapitalausstattung und Reserven der einzelnen Institute, sowie außerordentlich vorhandene Verbundstrukturen und Sicherungseinrichtungen. Finanzmarktstabilität ist ein öffentliches Gut. Deshalb sind öffentliche Institutionen für die Gewährleistung dieses Gutes zuständig und verantwortlich.[2]

Das Kerngeschäft der Kreditinstitute liegt in der Übernahme von Risiken, vor allem Kredit-, Markt- und Liquiditätsrisiken. Dabei ist zu beachten, dass diese Bankaktivitäten nicht zur Instabilität des Finanzsektors führen dürfen. Angesichts der Globalisierung und Liberalisierung der Finanzmärkte werden Kreditinstitute einem immer stärker werdenden Wettbewerb ausgesetzt. Darüber hinaus sind sie in einem globalen Finanzmarkt enger denn je miteinander verknüpft. Der Zusammenbruch einer einzelnen Bank kann nicht nur zu beträchtlichen Schäden innerhalb einer Volkswirtschaft führen, sondern auch das weltweite Finanzsystem destabilisieren. Um die Stabilität auf den Finanzmärkten sicherzustellen wurden besondere Aufsichtsregeln für Kreditinstitute geschaffen. Die Baseler Eigenkapitalvereinbarungen (Basel II) spielen in diesem Zusammenhang eine besondere Rolle.[3]

1.1 Problemstellung

Grundsätzlich sind sich Experten einig, dass Banken Eigenkapital benötigen. Denn nur so sind sie in der Lage Verluste abzufedern, Insolvenzrisiken zu begrenzen und mögliche Kosten für Anleger im Konkursfall zu minimieren. Die aus dem Jahre 1988 Baseler Eingenkapitalvereinbarungen (Basel I) sind aufgrund der überaus dynamischen Veränderungen im Finanzsektor durch die neuen Baseler Eigenkapitalregelungen (Basel II) ersetzt worden. Ökonomen beurteilten Basel I für nicht mehr zeitgemäß, zu pauschal und nicht ausreichend flexibel. Die Einführung von Basel II ruft jedoch zahlreiche Diskussionen hervor, da die neuen Regelungen problematische Aspekte aufweisen.[4]

Seit dem Sommer 2007 weiten sich weltweit Finanzmarktturbolenzen zu einer Finanzmarktkrise gewaltiger Dimensionen aus.[5] Die Krise begann mit einer riesigen Finanzblase auf den amerikanischen Immobilienmarkt, die sich seit den neunziger Jahren kontinuierlich „aufgebläht“ hat. Die Ursachen dafür sind bekannt. Der Kauf von Häusern in den USA war damals schwer im Trend. Dies lag unter anderem daran, dass das Geld von amerikanischen Zentralbanken zu äußerst niedrigen Zinsen an die US-Banken verliehen wurden, die wiederum eifrig die Finanzmittel an Häuserbauer vergaben. Ergänzend dazu ermutigte Clintons Regierungspolitik Hypothekenfinanziers wie Freddie Mac und Fanny Mae großzügiger mit Immobilienkrediten umzugehen.[6]

Anforderungen für die Kreditvergabe wurden drastisch reduziert, selbst Arbeitslose hatten Zugang zu Immobilienkrediten, und das zu variablen Zinssätzen. Dank den anfänglich niedrigen Zinsen stiegen die Nachfrage nach Immobilienkrediten und gleichzeitig auch die Häuserpreise. Demzufolge entstand eine gefährliche „Aufwärtsspirale“. Die Hypotheken galten zu diesem Zeitpunkt als höchst attraktiv und Banken begannen untereinander mit ihnen zu handeln. In Form von Kreditderivaten[7] wurden sie an die ganze Welt verteilt. Aus Angst vor einer Inflation erhöhte die Fed (Amerikanische Zentralbank) in den USA die Leitzinsen und ließ somit auch die Zinsen der vergebenen Immobilienkredite steigen. Viele Hauskäufer konnten spätestens dann ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen und meldeten Insolvenz an. Erst stagnierten die Immobilienpreise und dann fielen sie. Plötzlich stellten weltweit Banken fest, wie heikel die scheinbar lukrativen Derivate tatsächlich waren, mit dem sie in Massen gehandelt hatten. Nachdem die Hypothekenderivate keinen Wert mehr hatten, wurden sie unverkäuflich. Bedauerlicherweise kennt mittlerweile keine Bank mehr die Häuserkäufer, an deren Hypotheken sie Anteile haben. Deshalb können sie nur schlecht die Höhe ihrer bevorstehenden Abschreibungen einschätzen. Aus einer Finanzkrise hat sich nun auch eine Wirtschaftskrise entwickelt. Denn Banken misstrauen sich nicht nur untereinander, sondern auch den Unternehmen. Angesichts einer aktuellen „Kreditklemme“ leidet längst auch die Realwirtschaft. Zahlreiche Unternehmen können geplante Investitionen aufgrund restriktiver Geldpolitik der Banken nicht tätigen.[8] Inzwischen wurden auch Freddie Mac und Fanny Mae durch die wohl teuerste staatliche Rettungsaktion für den Privatsektor in der US-Geschichte saniert.[9] Bereits Keynes (einer der bedeutendsten Ökonomen des 20. Jahrhunderts) erkannte, dass im Verlauf einer Boomphase das spekulative Verhalten zunimmt und dass in dieser sensiblen Phase schon eine geringe Zinserhöhung der Zentralbanken eine Finanzkrise hervorrufen kann.[10]

Sowohl Banken als auch Aufsichtsbehörden werden beschuldigt Warnungen zu Problemen im US-Immobilienmarkt ignoriert zu haben. Bankenregulierungen und Aufsichtsorgane können jedoch eine Krise, die von strukturellen Schwächen einer Volkswirtschaft, eine freizügige Geldpolitik oder von fiskalischen Besonderheiten entfacht wird, nicht verhindern. Sie können lediglich die Übertragung einer Krise auf das Bankensystem abwehren.

1.2 Ziel und Aufbau der Arbeit

In dieser Arbeit werde ich die negativen Auswirkungen der neuen Baseler Eigenkapitalvereinbarungen auf das weltweite Finanzsystem unter Berücksichtigung der aktuellen Finanzkrise untersuchen.

Die Zielsetzung dieser Arbeit ist es herauszufinden, wo die Schwachstellen des Baseler Konsultationspapiers liegen, welche Rolle Ratingagenturen in diesem Zusammenhang spielen und wie die Politik bisher darauf reagiert hat.

In Kapitel 2 stelle ich die bisherigen Entwicklungen des Baseler Regelwerkes vor (Kapitel 2,1). Anschließend werde ich die Ziele und das Dreisäulensystem erläutern (Kapital 2.2 und 2.3). Kapitel 3 setzt sich mit den Schwachstellen des Baseler Konsultationspapiers auseinander. Die Gefahr der Adversen Selektion, die Relevanz für die Entwicklungsländer, die Verbriefungen von Krediten, die Prozyklität (Kapitel 3.4) und die Umsetzung von Basel II sind Kernpunkte dieses Abschnitts.

Abgeleitet von den Schwachstellen des Baseler Regelwerks wird in Kapitel 4 die fünfte Auswirkungsstudie vom Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht zusammengefasst. In Kapitel 5 werde ich dann die Funktion und die Vorgehensweise von Ratingagenturen erläutern und ihre problematischen Aspekte diskutieren. Im letzten Teil meiner Arbeit werden Lösungsansätze und bereits getroffene Maßnahmen seitens der Politik vorgestellt (Kapitel 6 und 7).

2 Grundlagen

Basel II ist ein komplexes und anspruchsvolles Regelwerk, deshalb werde ich vorerst eine entsprechende theoretische Grundlage heranziehen. Denn nur so kann ein allgemeines Verständnis für diesen Zusammenhang entwickelt werden und die Schlussfolgerungen zu meiner Frage verstanden werden.

2.1 Von Basel I zu Basel II

1975 wurde von den Präsidenten der Zentralbanken der G-10 Staaten[11] der Baseler Ausschuss ins Leben gerufen.[12] Mit dem Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht wurde eine Koordinationsplattform für Notenbankgouverneure und Aufsichtsorgane der G-10 Länder und Luxemburg gegründet. Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht ist für die Entwicklung von international geltenden Eigenkapitalvereinbarungen zuständig und bestimmt die Höhe der Eigenkapitaleinlagen der Banken um mögliche Risiken zu minimieren. Der Sitz des Ausschusses befindet sich, wie der Name schon sagt in Basel.[13] Gewöhnlich findet der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht alle drei Monate in der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (auch unter Zentralbank der Zentralbanken bekannt) statt. In den 80er Jahren fiel das Eigenkapital der weltweit wichtigsten Banken aufgrund des steigenden Wettbewerbs und des andauernden Verdrängungskampfes auf einen gefährlichen Tiefstand.[14] Die Schließung der größten italienischen Privatbank „Banco Ambrosiano“ und vor allem die lateinamerikanische Verschuldungskrise ließ den Ruf der Forderung nach höheren Sicherheitsstandards für internationale Banken lauter werden.[15] Infolgedessen wurde 1988 die erste Baseler Eigenkapitalvereinbarung (Basel I) getroffen. Basel I zielt auf eine angemessene Eigenkapitalausstattung und einheitliche Wettbewerbsbedingungen im internationalen Bankwesen.

Die Baseler Eigenkapitalvereinbarungen von 1988 wurden von über 100 Staaten übernommen, deshalb galten sie bis dahin als der größte Erfolg in der Unionsgeschichte. Gemäß Basel I müssen international tätige Banken ihre Aktiva, unabhängig von der Bonität ihrer Kunden, mit 8% Eigenkapital unterlegen. Dafür wurde folgende Regel angewandt:

Buchwert*Gewichtsfaktor(100%)*Solvabilitätskoeffizient(8%)= Eigenkapital[16]

Die Pauschalisierung von Kreditrisiken wurde im Laufe der Weiterentwicklung des Finanzwesens als wesentlicher Kritikpunkt seitens der Aufsicht immer wieder thematisiert. Nach Basel I gibt es lediglich eine grobe Differenzierung der Kreditnehmer nach Staaten, Banken und Unternehmen. Deshalb wurde der Baseler Akkord als zu grob bewertet. Der Einsatz eigener Modelle, die auf ein individuell abgestimmtes Risikoportfolio der Eigenkapitalunterlegung basierten, klang zu diesem Zeitpunk erfolgversprechender. Viele Experten glaubten dadurch eine größere Genauigkeit der Absicherung zu erreichen.[17] Die Krisen des Weltfinanzsystems im Jahre 1997 und 1998 in Südostasien, Russland und Lateinamerika zeigten erneut in vollem Umfang, welche Dynamik ein globalisiertes Kreditgeschäft auf liberalisierten Finanzmärkte entfaltet und welche negativen Auswirkungen dies haben kann. Ökonomen einigten sich darauf, dass nur Kreditinstitute mit einer gesunden Risikostruktur und ausreichender Eigenkapitalbasis solche Krisen unbeschadet überstehen können. Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht reagierte auf die Schwachstellen der ersten Baseler Eigenkapitalvereinbarung mit einem zweiten Konsultationspapier (Basel II).[18]

2.2 Basel II

Basel II ist komplexer als Basel I und enthält detailliertere Regelungen zu den neuen Eigenkapitalrichtlinien der Banken. Genau wie Basel I sollte das neue Konsultationspapier auf internationale Ebene Anwendung finden. Es besteht aus einem 700-seitigen Arbeitspaket und sieht eine Dreiteilung der aufsichtsrechtlichen Pflichten vor. Der erste Entwurf von Basel II erschien im Jahre 1999 und wurde dann nach mehr als 200 Stellungnahmen der Wirtschaft überarbeitet. Der Baseler Akkord hat vor allem die Förderung von Sicherheit und Stabilität des weltweiten Finanzsystems, die Verbesserung der Wettbewerbsgleichheit für alle Marktteilnehmer, eine umfassendere und adäquatere Erfassung von Risiken und die Weiterentwicklung von Ansätzen für die Ermittlung einer angemessenen Eigenkapitalunterlegung zum Ziel.

2.2.1 Das Dreisäulensystem

Wie bereits erwähnt basiert Basel II auf einem Dreisäulensystem, deren Anforderung sich gegenseitig ergänzen. Zusammengefasst behandelt die erste Säule die unterschiedlichen Verfahren zur Berechnung der Eigenkapitalunterlegung. Die zweite Säule umschreibt qualitative Anforderungen an die aufsichtsrechtliche Überwachung der Kreditinstitute. Die Dritte Säule befasst sich mit den Publizitätsvorschriften. Basel II hat einen sehr großen Einfluss auf die Entwicklung des Risikomanagements der Banken sowie die Preisgestaltung der Kredite an Bankkunden.[19]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Das Drei-Säulen-System[20]

2.2.1.1 Die erste Säule - Mindestkapitalanforderungen

In der ersten Säule des Konzepts werden Anforderungen an die Mindestkapitalausstattung festgelegt. Anders als im Basel I, soll die Eigenkapitaluntelegung der Kreditinstitute im abhängigen Verhältnis zur Bonität des Kreditnehmers stehen. Die Bedeutung von Verlustgefahren aus Strömungen der Betriebsabläufe und des allgemeinen operationellen Risikos, stellt innerhalb der neuen Regelungen einen wesentlichen Punkt dar. Wie schon bereits erwähnt, sollen Banken durch Basel II sich stärker mit ihren operationellen Risiken befassen und selbstständig interne Mess- und Steuerungsverfahren für die Beurteilung ihrer operationellen Risiken entwickeln. Weil sich der diesbezügliche Entwicklungsstand der Kreditinstitute auf unterschiedlichem Niveau befindet, sieht das zweite Konsultationspapier eine Bandbreite von Verfahren vor, die von sehr pauschal bis hin zu höchst entwickelten Modelle reichen.[21]

Die in Basel II neu entstandene Kostenkalkulation ließ das Rating von Unternehmen, Staaten und Banken in den Mittelpunkt rücken. Denn die erste Säule schreibt zwei Ansätze vor. Zum Einem den Standardansatz, der für Banken ohne anerkanntes internes Rating gilt und durch externe Kreditrisikobeurteilungen von Ratingagenturen ergänzt wird und zum Anderen den IRB-Ansatz (Intern Rating Based), der auf bankinternen Ratings basiert. Der IRB-Ansatz darf jedoch nur mit Genehmigung der Bankenaufsicht angewendet werden.[22]

Der Standardansatz

Zur Berechnung der Eigenkapitalunterlegung einer Bank im Standardansatz wird seit Basel II folgende neue Formel angewendet:

Eigenkapital / Summe der gewichteten Risikoaktiva Kreditrisiko + (Anrechnungsbeträge + Marktrisiko + operationelles Risiko)*12,5 = >8%[23]

Der Standardansatz erfolgt durch eine externe Kreditrisikobeurteilung. Bei diesem Verfahren wird das Kreditrisiko von einer neutralen, unabhängigen und anerkannten Ratingagentur geschätzt. Ratingagenturen sind auf Bonitätsbeurteilungen spezialisiert und geben Urteile über die wirtschaftlichen Fähigkeiten, rechtliche Bindung und Willigkeit eines Kreditnehmers ab.[24] Die Anerkennung von Ratingagenturen erfolgt durch die nationale Aufsichtsbehörde und nach vorgegeben Kriterien. Beispiele für derzeit anerkannte Ratingagenturen sind S&P, Moody`s oder Fitch.[25] Der erste Entwurf des Baselers Komitees für Bankenaufsicht sah vor, den Standardansatz als zukünftiger Maßstab für die Ermittlung von Risikoeinschätzungen einzusetzen. Doch schnell zeigte sich, dass in vielen Ländern, unter anderem auch Deutschland, nur sehr wenige Kreditkunden über einen Rating verfügten. Im Zuge der starken Bemühungen der Bankenverbände wurden es unter vorgegebenen Bedingungen Kreditinstituten ermöglicht eigene, interne Ratings zu verwenden.[26]

Der Internal Rating Based Ansatz

Für die Anwendung des IRB-Ansatzes muss sich eine Bank vor der erstmaligen Applikation dieser Methode einer aufsichtlichen Zulassungsprüfung unterziehen. Bei der Anwendung eines der IRB-Ansätze können Banken ganz oder teilweise auf Grundlage selbsteingeschätzter Risikoparameter Bonitätseinschätzungen von Kreditnehmern selbst bestimmen. Der Grundgedanke des IRB-Ansatzes ist durch eine Verstärkung der Vor-Ort-Aufsicht gekennzeichnet. Erfüllt das interne Ratingverfahren die quantitativen und qualitativen Mindestanforderungen der Aufsichtsbehörde nicht, so sind Kreditinstitute verpflichtet, den Standardansatz anzuwenden.[27] Für die Kalkulation der Eigenkapitalunterlegung im Rahmen des IRB-Ansatzes fließen folgende Parameter in die bankenaufsichtlichen Formeln ein.

Probability of Default (PD) oder die Ausfallwahrscheinlichkeit beschreibt die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kreditnehmer seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommt. Dieses Risiko wird über ein Rating bestimmt.

Loss Given Default (LGD) oder die Verlustquote bei Ausfall beschreibt, wie viel der ausstehenden Forderung bei Ausfall besichert ist. Ein LGD von 40% besagt zum Beispiel, dass die Bank nur 60% der Gesamtforderung durch Sicherheiten abdecken kann. Die Verlustquote bei Ausfall wird durch die Besicherungsstruktur der Forderung bestimmt.

Exposure at Default (EAD) oder die erwartete Höhe der Forderung bei Ausfall, wird über sogenannte Umrechnungsfaktoren bestimmt und ermittelt, wie hoch die ausstehende Forderung gegenüber dem Kunden bei Ausfall sein wird.[28]

Maturity (M) ist die Restlaufzeit des Kredits.[29]

[...]


[1] Vgl.: Helberger; Christoph: Finanzmärkte und Geldpolitik. Institut für Volkswirtschaftslehre; S. 1F, URL: http://www2.tu-berlin.de/fb14/wipol/AVWLIII/m06-ss06-geldpolitik.pdf; (02.02.2009)

[2] Vlg.: Börsenlexikon.URL: http://www.direktbroker.de/unser-service/boersenlexikon/Finanzmarktstabilit%C3%A4t%20(financial%20market%20/16330636/F; (10.03.2009)

[3] Vgl.: Hemel, Igor; Breitkreutz Gustav; Harwarth, Horst; Philipp, Klaus-Dieter: Basel II und Mittelstand; Rating und Alternativen zum Bankenkredit. Shalker Verlag, Aachen 2006; S. 16

[4] Vgl.: Hemel, Igor; Breitkreutz Gustav; Harwarth, Horst; Philipp, Klaus-Dieter: Basel II und Mittelstand; Rating und Alternativen zum Bankenkredit. Shalker Verlag, Aachen 2006; S. 16

[5] Vgl.: Sigrist, Daniel: Hat Basel II versagt? Die Volkswirtschaft, Das Magazin für Wirtschaftspolitik. 12.2008: S. 18; URL: www.seco.admin.ch/dokumentation/publikation/01353/02320/02894/index.html?download=NHzLpZig7t...s-&lang=de; (01.03.2009)

[6] Vgl.: Stöcker, Christian: Wie das Milliardenloch entstand. Spiegel Online; 14.10.2008; URL: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,583769,00.html; (01.03.2009)

[7] Anmerkung: Kreditderivate sind Finanzinstrumente, die mit Krediten, Darlehen, Anleihen und vergleichbare Aktiva verbunden sind und an einen Dritten (den Sicherungsgeber) verkauft werden.

[8] Vgl.: Stöcker, Christian: Wie das Milliardenloch entstand. Spiegel Online; 14.10.2008. URL: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,583769,00.html; (01.03.2009)

[9] Vgl.: Spiegel Online: Rettungsaktion kostet US-Regierung viele Milliarden, Spiegel Online; 07.09.2008. URL: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,576850,00.html; (01.03.2009)

[10] Vlg.: Küblbock, Karin; Stariz, Carina: Asienkrise: Lektionen gelernt? Finanzmärkte und Entwicklung. Vsa Verlag; 1. Auflage, Wien 2008; S. 11

[11] Anmerkung: Die G-10 Staaten sind die 11 wichtigsten Industriestaaten, die sich mehrmals im Jahr zum Weltwirtschaftsgipfel treffen. Dazu zählen USA, Italien, Japan, Kanada, Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Schweden, Belgien, Schweiz und Niederlande Vgl.: Duden Wirtschaft von A bis Z: Grundlagenwissen für Schule und Studium, Beruf und Alltag. Brockhaus, 2. Auflage, Mannheim 2004, S. 213

[12] Vgl.: Hemel, Igor; Breitkreutz Gustav; Harwarth, Horst; Philipp, Klaus-Dieter: Basel II und Mittelstand; Rating und Alternativen zum Bankenkredit. Shalker Verlag, Aachen 2006; S. 16

[13] Vgl.: Knefel, Sebastian Viktor: Die Wirkung von Basel II auf die bankenzentrierten Finanzsysteme in Kontinentaleuropa. (Diplomarbeit der FHW); 06-07-2002; S. 3

[14] Vgl.: Hemel, Igor; Breitkreutz Gustav; Harwarth, Horst; Philipp, Klaus-Dieter: Basel II und Mittelstand; Rating und Alternativen zum Bankenkredit. Shalker Verlag, Aachen 2006; S. 16

[15] Vgl.: Lütz, Susanne: Der Staat und die Globalisierung von Finanzmärkten; Regulative Politik in Deutschland, Großbritannien und den USA. Campus Verlag, Frankfurt/ New York 2002, S. 189

[16] Vgl.: Aignar, Steffan: Seminar aus Finanz-und Versicherungsmathematik; Basel II und Solvency, mathematische Grundlagen. 14.11.2008; S.10 URL:http://numericalmethods.org/_media/courses/fam/kainhofer_seminar2008/vortrag_aigner_baselii-solvencyii.pdf?id...seminar...ws08...; (02.04.2009)

[17] Vgl.: Lütz, Susanne: Der Staat und die Globalisierung von Finanzmärkten; Regulative Politik in Deutschland, Großbritannien und den USA. Campus Verlag, Frankfurt/ New York 2002, S. 194

[18] Vgl.: Hemel, Igor; Breitkreutz Gustav; Harwarth, Horst; Philipp, Klaus-Dieter: Basel II und Mittelstand; Rating und Alternativen zum Bankenkredit. Shalker Verlag, Aachen 2006; S. 16f

[19] Vgl.: Ernst & Young: Basel II und dessen Auswirkungen auf Banken und Kreditnehmer. http://www.eycom.ch/basel-ii/de.aspx; (01.04.2009)

[20] Vgl.: Deutsche Bundesbank. URL: http://www.bundesbank.de/bankenaufsicht/bankenaufsicht_basel.php; (25.02.2009)

[21] Vgl.: Becker, Axel; Gaulke, Markus; Wolf, Martin: Pratiker Handbuch Basel II, Kreditrisiko, Operationales Risiko, Überwachung, Offenlegung. Schäffer-Poeschel Verlag, Stuttgart 2005, S. 18

[22] Vgl.: Hemel, Igor; Breitkreutz Gustav; Harwarth, Horst; Philipp, Klaus-Dieter: Basel II und Mittelstand; Rating und Alternativen zum Bankenkredit. Shalker Verlag, Aachen 2006; S. 18f

[23] Vgl.: Cluse, Michael; Engels, Jörg: Basel II Handbuch zur praktischen Umsetzung des neuen Bankenaufsichtsrechts. Erich Schmidt Verlag, Berlin 2005; S. 69

[24] Vgl.: ebd.

[25] Vgl.: Maurer, Kalus: Relevanz von Basel II für Entwicklungsländer, Konsequenten für Finanzsystementwicklung in Entwicklungsländer durch die Deutsche EZ. Wirtschaft und Beschäftigung, Sektorprojekt Finanzsystementwicklung; S. 8, URL: http://www2.gtz.de/dokumente/bib/07-0664.pdf; (01.03.2009)

[26] Vgl.: Klement, Jochen: Kreditrisikohandel; Basel II und interne Märkte in Banken. Deutscher Universitätsverlag, 1. Auflage, Wiesbaden 2007; S. 177f

[27] Vgl.: Becker, Axel; Gaulke, Markus; Wolf, Martin: Pratiker Handbuch Basel II, Kreditrisiko, Operationales Risiko, Überwachung, Offenlegung. Schäffer-Poeschel Verlag, Stuttgart 2005, S. 13

[28] Vgl.: Volksbank. URL:http://www.volksbankwien.at/m101/volksbank/zib/downloads/unternehmer/basel2_sicherheiten.pdf?locincl=/m044_43000; (24.03.2009)

[29] Vgl.: Klement, Jochen: Kreditrisikohandel; Basel II und interne Märkte in Banken. Deutscher Universitätsverlag, 1. Auflage, Wiesbaden 2007; S. 195ff

Ende der Leseprobe aus 53 Seiten

Details

Titel
Die negativen Auswirkungen von Basel II auf das weltweite Finanzsystem
Untertitel
Unter Berücksichtigung der aktuellen Finanzkrise
Hochschule
Fachhochschule für Wirtschaft Berlin
Note
2,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
53
Katalognummer
V129069
ISBN (eBook)
9783640347827
ISBN (Buch)
9783640347483
Dateigröße
698 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Das Kerngeschäft der Kreditinstitute liegt in der Übernahme von Risiken, vor allem Kredit-, Markt- und Liquiditätsrisiken. Dabei ist zu beachten, dass diese Bankaktivitäten nicht zur Instabilität des Finanzsektors führen dürfen. Finanzmarktstabilität ist ein öffentliches Gut. Deshalb sind öffentliche Institutionen für die Gewährleistung dieses Gutes zuständig und verantwortlich.Um die Stabilität auf den Finanzmärkten sicherzustellen wurden besondere Aufsichtsregeln für Banken geschaffen. Die Baseler Eigenkapitalvereinbarungen spielen in diesem Zusammenhang eine ganz besondere Rolle.
Schlagworte
Auswirkungen, Basel, Finanzsystem, Unter, Berücksichtigung, Finanzkrise
Arbeit zitieren
Caroline Carneiro Batista (Autor), 2009, Die negativen Auswirkungen von Basel II auf das weltweite Finanzsystem, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/129069

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