Die vorliegende Arbeit stellt sich die Frage, ob es eventuelle Gemeinsamkeiten bei den Kinderbetreuungssystemen in Deutschland und Finnland gibt und wodurch sich beide unterscheiden. Auch ob und wie die Familienpolitik in beiden Ländern eine Rolle spielt, wird in dieser Arbeit untersucht.
In Deutschland sinkt die Geburtenrate auf 1,54 Geburten pro Frau. Im Vergleich zum vergangenen Jahr, in welchem die Rate bei 1,57 Geburten pro Frau lag, stellt man erschreckend fest, dass Deutschland nun knapp unter dem EU-Durchschnitt liegt. Verantwortlich hierfür sind die Defizite in der Familienpolitik. Besonders ausschlaggebend sind hierbei der Mangel an über 57 000 Krippenplätzen in Deutschland, welcher stark von den Eltern kritisiert wird. Diese Defizite hätten in der Zukunft zur Folge, dass ein Drittel der deutschen Bevölkerung in der Zukunft kinderlos bleibt, um nicht in diese Konfliktsituation zu geraten. Widersprüchlich hierzu ist, dass laut Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend seit 1. August 2013 alle Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr einen Rechtsanspruch auf frühkindliche Förderung in einer Tageseinrichtung oder in Kindertagespflege haben. Allerdings konnten unabhängig vom Rechtsanspruch der Eltern in Deutschland die Rahmenbedingungen der individuellen Kinderbetreuung, welche vielen Müttern uneingeschränkt die beruflichen Chancen ermöglichen, noch nicht geschaffen werden. Bei der Erwerbsbeteiligung von Frauen liegt Deutschland, im internationalen Vergleich, weit zurück. Dies liegt nicht daran, dass diese nicht arbeiten wollen, sondern daran, dass die gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen, für das Zusammenbringen von beruflicher Entwicklung und Kindererziehung in Deutschland bislang wenig günstig sind.
Oft wird über die Finnen behauptet, sie seien das zufriedenste Volk der Welt. Ist das finnische Kinderbetreuungssystem auch ein Faktor, der dies begünstigt, den Beruf mit der Familie leicht verbinden lässt und somit für mehr Zufriedenheit zu sorgen? Was genau funktioniert in Finnland auf dem Gebiet der Kinderbetreuung anders oder gar besser als in Deutschland?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Fundierung
2.1. Familienpolitik in Deutschland
2.1.1. Kinderbetreuungsformen für Kinder unter 3 Jahren
2.1.2. Rollenverteilung innerhalb der Familie in der deutschen Gesellschaft
2.1.3. Betreuungszeiten
2.1.4. Betreuungskosten
2.1.5. Staatliche Unterstützung
2.2. Familienpolitik in Finnland
2.2.1. Kinderbetreuungsformen für Kinder unter 3 Jahren
2.2.2. Rollenverteilung innerhalb der Familie in der finnischen Gesellschaft
2.2.3. Betreuungszeiten
2.2.4. Betreuungskosten
2.2.5. Staatliche Unterstützung
3. Diskussion und Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Kinderbetreuungssysteme in Deutschland und Finnland, wobei der Fokus insbesondere auf der Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie der Rolle der jeweiligen Familienpolitik liegt.
- Analyse der Betreuungsmodelle und infrastrukturellen Rahmenbedingungen
- Vergleich der staatlichen Unterstützungsleistungen und Finanzierungsstrukturen
- Untersuchung der gesellschaftlichen Rollenbilder und deren Einfluss auf die Erwerbsteilhabe
- Evaluierung der Flexibilität der Betreuungszeiten in beiden Ländern
Auszug aus dem Buch
2.2. Familienpolitik in Finnland
In Finnland werden Familien mit Kindern sehr gern gesehen und deren Wohl steht im Fokus der Gesellschaft. Die wichtigste Aufgabe des Kinderbetreuungssystems ist, dass das sorglose Arbeiten den Eltern ermöglicht werden kann (Britta Schäfer 2015).
Wie Wirtschaft, Familienpolitik und Bildung gegenseitig sich auf die Sprünge helfen, wird bewusst, wenn man die Lage in Finnland betrachtet (AL Matthies 2004). Das Ziel der finnischen Familienpolitik ist, dass Mütter, genauso wie Väter, sich an der Erziehung ihres Kindes beteiligen können, das Heranwachsen ihres Kindes miterleben dürfen, aber wiederum sie sich auch beruflich entfalten können (AL Matthies 2004). Dieses Ziel veranschaulicht die Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Politikgebieten enorm. Seit dem erweiterten Rechtsanspruch seit 1995, haben alle Kinder von 0 bis zum Schulalter einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz (Britta Schäfer 2015). Mit diesem Kinderbetreuungssystem steht die Familienpolitik Finnlands europaweit an der Spitze (Silja Häusermann 2006). Dank einem breiten Angebot an Kinderbetreuung ist es in Finnland Eltern möglich eine Familie zu gründen und gleichzeitig aber auch aktiv am Berufsleben teilzunehmen (Silja Häusermann 2006).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beleuchtung der aktuellen Geburtenraten und der Defizite in der deutschen Kinderbetreuung im Kontrast zur vermeintlich hohen Zufriedenheit in Finnland.
2. Theoretische Fundierung: Detaillierte Darstellung der Familienpolitik, Betreuungsformen, Kosten sowie der staatlichen Leistungen in Deutschland und Finnland.
3. Diskussion und Fazit: Synthese der Ergebnisse, wobei insbesondere die Flexibilität des finnischen Modells als Lösungsansatz für die deutschen Herausforderungen hervorgehoben wird.
Schlüsselwörter
Kinderbetreuung, Familienpolitik, Deutschland, Finnland, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Elterngeld, Betreuungskosten, Kinderkrippe, frühkindliche Förderung, Erwerbstätigkeit, Rechtsanspruch, Betreuungszeiten, Elternzeit, Familienmodelle, Wohlfahrtsstaat
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit führt einen rechts- und sozialpolitischen Vergleich der Kinderbetreuungssysteme in Deutschland und Finnland durch, um Stärken, Schwächen und Optimierungsmöglichkeiten aufzuzeigen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Aspekte sind Betreuungsformen, Rollenverteilung in der Familie, Betreuungszeiten, finanzielle Belastungen für Eltern und die staatliche Unterstützung.
Welches Ziel verfolgt die Arbeit primär?
Das Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Familienpolitik zu identifizieren und zu erörtern, ob das finnische System strukturelle Impulse für die deutsche Situation bieten kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine systematische Literaturanalyse, die verschiedene Theorien und empirische Studien zur Familien- und Bildungspolitik gegenüberstellt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Auseinandersetzung mit den Rahmenbedingungen der Familienpolitik, unterteilt nach Deutschland und Finnland, inklusive einer tiefgehenden Betrachtung von Betreuungsmodellen und Finanzierungsformen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Kinderbetreuung, Vereinbarkeit, Familienpolitik, Elterngeld und Betreuungsflexibilität.
Wie unterscheidet sich die Flexibilität der Betreuung zwischen den beiden Ländern?
Während Deutschland durch strikte Ganztags- oder Halbtagsmodelle eher unflexibel agiert, bietet Finnland hochflexible 24-Stunden-Betreuungsmodelle an, die sich am Bedarf der erwerbstätigen Eltern orientieren.
Welche Rolle spielt der Rechtsanspruch auf Betreuung?
In beiden Ländern spielt der Rechtsanspruch eine große Rolle, allerdings hebt sich Finnland durch den erweiterten Rechtsanspruch ab 1995 hervor, der alle Kinder vom Kleinkindalter bis zum Schulalter abdeckt.
- Arbeit zitieren
- Timea Siman (Autor:in), 2021, Das deutsche und finnische Kinderbetreuungssystem. Unterschiede und Gemeinsamkeiten in der Familienpolitik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1290825