Wir leben in einer Zeit, in der Alles und Jedes in Frage gestellt wird; ein dabei immer wieder in die Kritik geratender Punkt ist der Religionsunterricht, der in unseren öffentlichen Schulen von den Kirchen, beziehungsweise von den bevollmächtigten Lehrkräften der Bundesländer erteilt wird.
Dieses Buch soll nun diese Diskussion um die Problematik aufnehmen, und aus der Sicht eines langjährig im Beruf stehenden Religionslehrers neu beleuchten und neue Aspekte und Argumente aufzeigen.
Ich habe hierbei versucht, grundsätzliche Fragen zur rechtlichen Berechtigung zu erläutern und in ihrer Unterschiedlichkeit darzustellen, Hintergründe zu erhellen, indem der Blickwinkel der Fragestellung auf Europa, Afrika und Amerika ausgedehnt wurde. Bei allen diesen unterschiedlichen Aspekten, wurden auch die theologischen Gedanken, ebenso wie pädagogische, psychologische und weltanschauliche Gedanken aufgenommen und in ihrer Unterschiedlichkeit ausführlicher oder auch etwas knapper dargestellt.
Ich persönlich stehe mit meiner Glaubensüberzeugung für den Religionsunterricht an unseren Schulen ein; es war für mich von allergrößter Bedeutung, Informationen über den Sinn und die Inhalte dieses Faches darzustellen. Auch hier gebietet mir allerdings der Blick auf die Belastbarkeit des Lesers und der Leserin darauf zu achten, dass nicht zu Vieles dargestellt wird, und dabei der Rahmen und die Informationen in ihrer Vielseitigkeit dargestellt und nachvollziehbar bleiben.
Die Fragen nach dem Ersatzfach ETHIK, die Frage nach der Abschaffung des Faches Religion in Berlin, die Bremer Klausel, sowie die Frage nach der Berechtigung des Islamischen Religionsunterrichtes wurden dabei ebenso berücksichtigt, wie der Blick hin zum Judentum und Buddhismus in dieser Problematik eingebunden wurde.
Ziel dieses Buches ist es zu informieren und zu einer sachlichen Diskussion beizutragen. Ich habe mich dabei bemüht, aktuelle Fragen, wissenschaftliche Untersuchungen und aktuelle Erkenntnisse aufzunehmen und die persönlichen Erfahrungen und Erlebnisse damit zu verbinden, dabei aber dennoch alles verständlich und kompakt darzustellen.
Ich erbitte für Sie, liebe/r Leser/in die notwendige Ruhe, viel Freude beim Lesen, und wünsche Ihnen dabei viele gute Gedanken, die in letzter Konsequenz dazu beitragen, dass ein so wichtiges Fach an unseren Schulen, das dringend notwendig ist, aus berechtigten Gründen weiter unterrichtet werden kann und darf und muss.
Inhaltsverzeichnis
I. Vorwort
II. Religionsunterricht
1. Der Begriff Religion – Begriffsbestimmung
2. Religionsunterricht – schulisch und außerschulisch
3. Problematik in der konfessionellen Unterrichtung
4. Grundlagen im der Bereich der Unterrichtung
5. Religionsunterricht in der Geschichte
6. Wertesysteme im Religionsunterricht
7. Rechtliche Grundlagen zur Erteilung des Religionsunterrichtes
8. Das religiöses Verständnis in der Philosophie
9. Methodische Überlegungen zum Religionsunterricht
III. Religiöses Verständnis in anderen Religionen
1. Das religiöses Verständnis in Europa
2. Religionskunde
3. andere Religionen in unserem Umfeld
4. in den USA
5. in Afrika
IV. Aus dem Leben eines Religionslehrers
1. Situationsbeschreibungen an unterschiedlichen Schulen und Schulformen
2. Umgang der Kollegen/innen mit dem Fach und den Vertretern der Kirchen
3. Stellenwert des Fachs bei den Schülern/innen
4. Inhalte – Curriculum – des Religionsunterrichtes
5. Anlaufstelle Religionsunterricht
6. Theologische und christliche Wissen strukturiert vermitteln
7. Ziele und Sinn des Unterrichtes begreifen und dann Verstandenes im Alltag umsetzen
8. Religionsunterricht ist mehr als Wissensvermittlung
9. Die mögliche Sinnfindung des Lebens im Religionsunterricht
10. Kontingenzbewältigung, eine Aufgabe im Religionsunterricht
11. Wie verstehe ich mich als Religionslehrer
V. Religionsunterricht, doch ein Fach auf das verzichtet werden kann?
1. Ist der „Standort“ Schule der richtige Ort für die Vermittlung christlich - ethischer Werte?
2. Ist der Zwang zum Religionsunterricht für Gläubige anderer Religionen als erklärtem Pflichtunterricht gerechtfertigt?
3. Mein persönliches Ergebnis und begründeter Standpunkt
VI. Erarbeitete Unterrichtsbeispiele
1. Dialogpredigt, im Unterricht erarbeitet und im Hessischen Rundfunk ausgestrahlt
2. Unterrichtentwurf zum Schöpfungsbericht, Gymnasium in Mainz
Zielsetzung & Themen
Das Buch untersucht die Rolle und Berechtigung des Religionsunterrichts an deutschen Schulen im Kontext einer zunehmend pluralistischen Gesellschaft. Die zentrale Forschungsfrage lautet, ob und wie Religionsunterricht in staatlichen Schulen trotz unterschiedlicher weltanschaulicher Hintergründe einen sinnvollen Beitrag zur Wertebildung, Identitätsstiftung und Problembewältigung leisten kann.
- Stellenwert des Religionsunterrichts in der heutigen Bildungslandschaft
- Vergleich des Religionsunterrichts mit Ethikunterricht und Religionskunde
- Historische Entwicklung und rechtliche Rahmenbedingungen des Religionsunterrichts
- Bedeutung von Spiritualität und Lebenshilfe im schulischen Kontext
- Ansätze für einen interreligiösen Dialog an Schulen
Auszug aus dem Buch
Die Bedeutung von Gottes Wort in meinem Leben
Unser Fragenkreis geht aber über die rein menschliche oder auch zwischenmenschliche Beziehung hinaus.
Du hast bereits von den daraus entstehenden Schwierigkeiten gesprochen, dann noch an Gott zu glauben. Der Glaube an Gott ist aber eine lebendige Beziehung, eine Freundschaft, in der alles gesagt werden kann, hemmungslos.
Zweiter Schüler:
Wie kann ich aber Gott alles sagen, wenn ich ihn nicht sehen kann, wenn seine „Außendienstmitarbeiter“ immer versagen? Wie soll ich mich verhalten, wenn ich nicht weiß, wo Gott wohnt? Wie kann ich da etwas erbitten?
Wie und wo kann ich Gott erreichen? Wo soll ich anklopfen?
Erster Schüler:
Warum macht Gott es uns Menschen so schwer? Warum eigentlich „kleiner Mensch“ und „großer Gott?“ Warum müssen wir ihn suchen und uns nach ihm richten? Wieso kann man nur so glauben?
Religionslehrer:
Ich denke, wir Menschen machen immer wieder den gleichen Fehler. Wir denken in menschlichen Denkmustern. Wenn hier von „ bitten und anklopfen“ die Rede ist, dann ist hier keine Telefonverbindung zu Gott gemeint. Er hat und braucht kein Telefon.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Vorwort: Der Autor thematisiert die aktuelle gesellschaftliche Debatte um die Einführung islamischen Religionsunterrichts und stellt seine persönliche Motivation dar, jungen Menschen durch den Religionsunterricht Orientierung und Lebenshilfe zu bieten.
II. Religionsunterricht: Dieses Kapitel definiert den Begriff des Religionsunterrichts, erörtert seine historischen und rechtlichen Grundlagen in Deutschland und diskutiert die pädagogische Bedeutung von Wertesystemen.
III. Religiöses Verständnis in anderen Religionen: Hier werden unterschiedliche Modelle der religiösen Bildung in Europa, den USA und Afrika verglichen, wobei der Fokus auf dem Spannungsfeld zwischen konfessionellem Unterricht und religionskundlichen Ansätzen liegt.
IV. Aus dem Leben eines Religionslehrers: Der Autor reflektiert seine eigenen Erfahrungen als Religionslehrer, beschreibt situative Herausforderungen an verschiedenen Schulformen und unterstreicht die Rolle des Religionsunterrichts als Anlaufstelle für persönliche Probleme.
V. Religionsunterricht, doch ein Fach auf das verzichtet werden kann?: Eine kritische Auseinandersetzung mit Argumenten für die Abschaffung des Religionsunterrichts und eine Begründung für dessen bleibende Relevanz als ordentliches Lehrfach.
VI. Erarbeitete Unterrichtsbeispiele: Praxisorientierte Einblicke in konkrete Unterrichtsgestaltung, wie eine Dialogpredigt und ein Unterrichtsentwurf zum Schöpfungsbericht, die das theoretisch Erarbeitete in die Anwendung überführen.
Schlüsselwörter
Religionsunterricht, Schule, Konfession, Ethikunterricht, Religionskunde, Wertevermittlung, Identitätsbildung, Interreligiöser Dialog, Schulpastoral, Religionsfreiheit, Kontingenzbewältigung, Didaktik, Lebenshilfe, Grundgesetz, Säkularisierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Buch grundsätzlich?
Das Buch setzt sich kritisch mit der Rolle des Religionsunterrichts an deutschen Schulen auseinander und verteidigt dessen Notwendigkeit als Fach, das jungen Menschen bei der Orientierung und Identitätsfindung hilft.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Themen umfassen die rechtlichen Rahmenbedingungen, die Abgrenzung zu Ethik und Religionskunde, die Bedeutung christlicher Werte in einer säkularen Gesellschaft sowie die Rolle des Religionslehrers als Begleiter.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor?
Der Autor möchte aufzeigen, dass Religionsunterricht über reine Wissensvermittlung hinausgeht und einen unverzichtbaren Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung und sozialen Kompetenz von Schülern leistet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit kombiniert theoretische Analysen pädagogischer und theologischer Grundlagen mit empirischen Beobachtungen aus der eigenen langjährigen Unterrichtspraxis sowie qualitativen Schülerbefragungen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine systematische Untersuchung religiöser Bildungssysteme im In- und Ausland sowie eine detaillierte Reflexion über die Praxis der Notengebung und der individuellen Förderung im Religionsunterricht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Religionsunterricht, Identitätsbildung, Wertevermittlung, Schulpastoral, interreligiöser Dialog und staatliche Neutralität definieren.
Wie geht der Autor mit der Kritik am Religionsunterricht um?
Der Autor begegnet Kritikern, die den Religionsunterricht für überflüssig halten oder staatliche Neutralität gefährdet sehen, mit dem Argument, dass eine konfessionelle Verankerung gerade die Pluralitätsfähigkeit fördert.
Welche Rolle spielt die Schulpastoral für den Autor?
Die Schulpastoral ist für den Autor ein zentrales Element, in dem der Religionslehrer über den Fachunterricht hinaus als Ansprechpartner für persönliche Nöte und Lebensfragen der Jugendlichen fungiert.
- Quote paper
- Religionspädagoge Günter-Manfred Pracher (Author), 2009, Religionsunterricht - Ist das noch ein zeitgemäßes Fach an unseren Schulen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/129100