Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit der von Siegfried Zimmer in seinem Buch „Schadet die Bibelwissenschaft dem Glauben? Klärung eines Konflikts“ vorgelegten Hermeneutik. Siegfried Zimmer, der nach eigenen Aussagen seine Wurzeln in den reformatorischen Erkenntnissen Luthers und in der Biblischen Theologie sieht, versucht mit seinem hermeneutischen Ansatz zwischen den Lagern aus Befürwortern und Gegnern der modernen Bibelwissenschaft zu vermitteln. Selbst ernanntes Ziel seiner Auseinandersetzung ist es, als Vertreter und Anwalt der modernen Bibelwissenschaft, das „grundsätzliche Existenzrecht der modernen Bibelwissenschaft“ festzustellen. Vor allem Christen, die der modernen Bibelwissenschaft bisher kritisch gegenüberstehen und somit zum Lager der Gegner zu rechnen sind, ist sein Buch gewidmet. Sie möchte er gewinnen und ihnen eine „Brücke bauen, um sie nach Möglichkeit für ein positiveres Urteil zu gewinnen“. Hierbei geht es ihm nach eigener Aussage um eine sachliche Auseinandersetzung über das Wesen der Bibel und daraus folgende hermeneutische Methoden. Ziel seiner Bemühungen ist es, gegenseitige Verurteilungen und bisheriges Schubladendenken offenzulegen und aufzugeben und somit alte Grabenkämpfe zu überwinden. Die vorliegende Arbeit setzt sich mit der Frage auseinander, inwieweit die von Siegfried Zimmer vorgetragenen Anfragen an eine evangelikale bzw. fundamentalistische Hermeneutik berechtigt sind und inwieweit Zimmers Buch tatsächlich das Potenzial hat, Brücken zu bauen und Gräben zuzuschütten. Nicht zuletzt geht es natürlich auch um die von Zimmer eingeforderte Daseinsberechtigung der modernen Bibelwissenschaft und wie man der Bibel, dem Wort Gottes, in der heutigen Zeit am besten gerecht wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Aufbau und Gliederung
3. Die Moderne Bibelwissenschaft nach Siegfried Zimmer
4. Evangelikale Hermeneutik: eine heterogene Gemeinschaft
4.1. Sechs Prinzipien eines fundamentalistischen Bibelverständnisses
4.2. Die Chicago Erklärungen
4.3. Die Hermeneutik der Demut von Heinzpeter Hempelmann
5. Die Hermeneutik von Siegfried Zimmer als Anfrage an eine evangelikale Hermeneutik
5.1. Kategoriale Unterscheidung des (dreieinigen) Gottes und der Bibel
5.2. Die Mitte der Schrift und Sachkritik
5.3. Die Frage nach der Inspiration der Bibel
6. Zusammenfassende kritische Würdigung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch die durch Siegfried Zimmer in seinem Buch "Schadet die Bibelwissenschaft dem Glauben?" aufgeworfenen Anfragen an eine evangelikale bzw. fundamentalistische Hermeneutik. Dabei wird analysiert, inwieweit Zimmers Ansatz tatsächlich den Dialog zwischen der modernen Bibelwissenschaft und evangelikalen Positionen fördern kann oder ob er lediglich eine Streitschrift darstellt, die das Potenzial zur Grabenbildung birgt, anstatt Gräben zuzuschütten.
- Die Hermeneutik Siegfried Zimmers im Kontext der modernen Bibelwissenschaft
- Analyse der evangelikalen Hermeneutik und ihrer internen Heterogenität
- Die Chicago Erklärungen als Repräsentanten eines fundamentalistischen Bibelverständnisses
- Die "Hermeneutik der Demut" nach Heinzpeter Hempelmann als dialogfähige Alternative
- Kritische Reflexion über Inspiration, Schriftautorität und Sachkritik
Auszug aus dem Buch
3. Die Moderne Bibelwissenschaft nach Siegfried Zimmer
Siegfried Zimmers selbst formuliertes Anliegen ist es, der modernen Bibelwissenschaft eine grundsätzliche Daseinsberechtigung bei der Auslegung der Bibel zuzusprechen. Diese Daseinsberechtigung der modernen Bibelwissenschaft sieht er bei evangelikalen Christen mit einem fundamentalistischen Bibelverständnis nicht gegeben. Seine Hoffnung ist es, den einen oder anderen Leser von seiner Sichtweise zu überzeugen. Seiner Meinung nach ist eine Verurteilung der modernen Bibelwissenschaft sachlich nicht richtig und belastet die Einheit der Christen (vgl. Zimmer 2012: 164). Diesen die Christenheit trennenden Graben ist Zimmer angetreten zu überwinden.
Was aber versteht Zimmer unter der modernen Bibelwissenschaft? Nach Zimmer entstand die moderne Bibelwissenschaft in Folge großer gesellschaftlicher und wissenschaftlicher Veränderung mit dem Ziel „den christlichen Glauben auch im Rahmen des neuen Wissenschaftsverständnisses zur Sprache zu bringen.“ (Zimmer 2012: 143f.). Als ursächliche Veränderungen nennt er „die Beschleunigung des geschichtlichen Wandels“ (vgl. ebd.: 133ff), „das veränderte Verhältnis des Menschen zur Vergangenheit“ (vgl. ebd.: 137f), „das Entstehen des historischen Denkens“ (vgl. ebd.: 138ff), „das Entstehen eines neuen Verständnisses von Wissenschaften“ (vgl. ebd.: 141f.) und „die Kritik als Leitbegriff der modernen Wissenschaft“ (vgl. ebd.: 142ff.). Im Zuge dieser Entwicklungen entstand das Bewusstsein dafür, dass die Bibeltexte eine eigene kulturelle und zeitliche Prägung besaßen, d. h. dass die Autoren der Texte in ihrer Zeit verortet waren und für reale Leser unter eben diesen kulturellen und zeitlichen Rahmenbedingungen schrieben. Diese neu entdeckte Historizität der biblischen Texte darf eine Auslegung nicht einfach übergehen, stets muss sie nach dem „ursprünglichen Sinn“ eines Textes fragen (vgl. ebd.: 144). Von nun an galt: „Man muss die Bibel aus ihrer Zeit heraus verstehen. Erst dann kann man sie sinngemäß auf die Gegenwart beziehen.“ (ebd.: 145).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Zielsetzung ein, Zimmers hermeneutische Anfragen an die evangelikale Hermeneutik zu untersuchen.
2. Aufbau und Gliederung: Dieses Kapitel erläutert den weiteren Gang der Untersuchung sowie die methodische Vorgehensweise im Dialog der Positionen.
3. Die Moderne Bibelwissenschaft nach Siegfried Zimmer: Es wird dargestellt, wie Zimmer die moderne Bibelwissenschaft definiert und welche Ziele er mit ihrem Einsatz in der Bibelauslegung verfolgt.
4. Evangelikale Hermeneutik: eine heterogene Gemeinschaft: Das Kapitel beleuchtet die Vielfalt innerhalb der evangelikalen Hermeneutik, wobei insbesondere die Chicago Erklärungen und die Hermeneutik der Demut als Kontrastfolien zu Zimmer dienen.
5. Die Hermeneutik von Siegfried Zimmer als Anfrage an eine evangelikale Hermeneutik: Hier werden Zimmers zentrale Thesen zur kategorialen Unterscheidung, zur Mitte der Schrift und zur Inspiration in einen direkten Dialog mit den evangelikalen Entwürfen gesetzt.
6. Zusammenfassende kritische Würdigung: Das Kapitel rundet die Arbeit ab, indem es ein Fazit über die Berechtigung von Zimmers Anfragen zieht und die Möglichkeiten einer zukünftigen Überbrückung des Grabens zwischen den Lagern reflektiert.
Schlüsselwörter
Hermeneutik, Siegfried Zimmer, Bibelwissenschaft, evangelikal, Chicago Erklärungen, Hermeneutik der Demut, Schriftverständnis, Inspiration, Sachkritik, Bibeltreue, Fundamentalismus, Schriftautorität, Offenbarung, Christologie, Exegese
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert kritisch Siegfried Zimmers hermeneutischen Ansatz, insbesondere seine Anfragen an das evangelikale Schriftverständnis, sowie die Reaktion darauf im Kontext verschiedener evangelikaler Positionen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themenfelder umfassen die kategoriale Unterscheidung zwischen Gott und der Bibel, die Bestimmung einer Mitte der Schrift in Verbindung mit Sachkritik sowie das Inspirationsverständnis der Heiligen Schrift.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu bewerten, ob Zimmers Buch als Brücke fungieren kann oder ob es eher eine Streitschrift gegen ein fundamentalistisches Bibelverständnis darstellt, und eine differenzierte evangelikale Sicht auf seine Argumente aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine hermeneutische Analyse und ein systematischer Diskursvergleich angewandt, indem Zimmers Positionen in den Dialog mit den Chicago Erklärungen und der "Hermeneutik der Demut" von Heinzpeter Hempelmann gebracht werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden Zimmers spezifische Thesen (Kategoriale Unterscheidung, Mitte der Schrift, Inspiration) detailliert mit den Entwürfen der genannten konkurrierenden hermeneutischen Konzepte verglichen und hinsichtlich ihrer Tragfähigkeit hinterfragt.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Hermeneutik, Schriftautorität, moderne Bibelwissenschaft, Inspiration, bibeltreue Theologie und Sachkritik charakterisiert.
Wie bewertet die Arbeit Zimmers Kritik am fundamentalistischen Bibelverständnis?
Die Arbeit erkennt an, dass Zimmers Anfragen teilweise berechtigt sind, kritisiert aber, dass er die evangelikale Welt zu homogen darstellt und durch eine einseitige Betrachtung die Gefahr besteht, die Autorität der Schrift zu schwächen.
Welche Bedeutung kommt der "Hermeneutik der Demut" in der Arbeit zu?
Die Hermeneutik der Demut dient als ein wichtiger, vermittelnder Entwurf, der versucht, sowohl die biblische Autorität als Ganzes zu wahren als auch einen verantwortungsvollen Umgang mit schwierigen Textstellen ohne dogmatische Harmonisierung zu ermöglichen.
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- Samuel Falk (Author), 2017, Die Hermeneutik Siegfried Zimmers als Anfrage an die evangelikale Hermeneutik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1291109