Unterrichtsstunde: Gebrüder Grimm, Das Hirtenbüblein - Wir reflektieren den kreativen und produktiven Umgang mit dem Text und vertiefen uns dadurch in das Märchen

Märchen - 4. Schuljahr


Unterrichtsentwurf, 2003

16 Seiten, Note: gut


Leseprobe

Ziele der Unterrichtsreihe

Die Unterrichtsreihe soll den Kindern ermöglichen, sich selbst als Märchenautoren zu versuchen, indem sie unter Vertiefung und Erweiterung ihrer individuellen Vorerfahrungen die Textsorte Märchen und ihre typischen Merkmale kennen lernen und verstehen, um diese entsprechend und zielgerichtet in ihren eigenständig verfassten Märchen anzuwenden, die nach Abschluss von Klassenkonferenzen in einem Märchenbuch ausgestellt und anderen Klassen vorgestellt werden (können).

Ziele der Planungseinheit

Der Unterricht soll den Kindern ermöglichen,

- verschiedene Arten der Textauseinandersetzung (Leporello, rollenverteiltes Lesen mit vorspielen, Märchen durch Perspektivenwechsel verändern und modernes Märchen schreiben) kennen zu lernen, ihre kreative, produktive und selbständige Arbeit vorzustellen und zu reflektieren (Prozess und Produkt), um sich differenzierter und vielschichtiger mit dem Inhalt, dem Gehalt und der Merkmale des Märchens auseinandersetzen zu können.
- die eingeführten Merkmale „Aufgabenmärchen“ und „Zahl drei“ vor dem Hintergrund ihrer erarbeiteten Textkenntnis zu erkennen und deren Bedeutung im Märchen nachzuvollziehen.

1. Aufbau der Unterrichtsreihe

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die hier vorgestellte Unterrichtsreihe stellt eine vorläufige Planung dar, die aufgrund möglicher Anregungen und Interessen der Kinder erweitert bzw. abgeändert werden kann.

2. Sachstruktur

Das deutsche Wort „Märchen“ ist eine Verkleinerungsform von „Mär“ und bezeichnet ursprünglich eine kurze Erzählung, eine Kunde oder Nachricht. Das Märchen ist eine Textsorte, die zur literarischen Gattung der Epik gehört und sich in Volks- und Kunstmärchen gliedert.

Die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm trugen in Deutschland mit der Herausgabe der Sammlungen mündlich oder schriftlich überlieferter Kinder- und Hausmärchen (zwei Bände 1812 und 1815 veröffentlicht) nicht nur zur Etablierung des Märchens bei, sondern sie prägten einen Märchenbegriff, der folgender Definition entspricht: „Unter Märchen wird im Allgemeinen eine Gattung fantastisch- wunderbarer Erzählungen [...] verstanden, bei der Naturgesetze [...] weitgehend aufgehoben sind und irreale Gestalten und Wunder bestimmende Elemente der Handlung werden können.“

Das Märchen „Das Hirtenbüblein“ stellt ein klassisches Märchen dar, das dank der Brüder Grimm erhalten geblieben ist. Der Märchenheld, hier der Sohn eines einfachen Hirten (wegen seines jugendlichen Alters „Hirtenbüblein“ genannt) ist für seine weisen Antworten auf alle Fragen so bekannt, dass er vom König auf die Probe gestellt wird. Dieser gibt ihm die Aufgabe, drei unbeantwortbare Fragen zu beantworten. Der Hirte erkennt die Falle und antwortet mit ebenso unbeantwortbaren Gegenfragen. Der König erkennt die Leistung an und hält sein Versprechen ein, den Hirten im Schloss wohnen zu lassen.

Es gibt nach Lüthi charakteristische Merkmale, die sich auch in diesem Märchen finden:[1]

Sprache

- Einleitungs- und Schlussformel: (Es war einmal ... und wenn sie nicht gestorben sind)
- Wiederholung
- Verse, Sprüche: (Spieglein, Spieglein an der Wand)

Inhalt

- dreigliedriger Aufbau

1. Ausgangslage: Problem, Notlage oder Bedürfnis
2. Bewältigung dieser Ausgangslage
3. Das Ende ist immer gut.

- wunderbares und phantastisches Geschehen
- Ort, Zeit und Namen sind nicht von Bedeutung
- Inhaltlich kommen die wesentlichen menschlichen Verhaltensweisen zur Darstellung: Stellen und Lösen von Aufgaben, Schädigung und Heilung, Befreiung und Rettung etc.

Besonderheiten der Figuren

- Hauptträger der Handlung sind Helden und ihre Gegner (Kontrastfiguren)
- Mittel des Helden: eigene Eigenschaften wie Mut, List, Güte, Eingriffe eines zaubermächtigen Helfers, ein helfendes Zauberding
- Eigenschaften werden in Form von Handlungen ausgedrückt, Beziehungen in Form von Gaben (indirekte Charakterisierung)
- Flächenhaftigkeit (Märchengestalten werden ohne Innenwelt dargestellt. Sie sind nicht als Individuen, sondern als Typen gestaltet.)

An diesem Märchen können explizit die Begriffe „Aufgabenmärchen“ und „Dreizahl“ eingeführt werden: Das Hirtenbüblein bekommt die Aufgabe, drei Fragen zu beantworten. Als Belohnung wird das Wohnen im Schloss und das Ansehen als Kind des Königs in Aussicht gestellt. Die Dreizahl findet sich in den drei Fragen, die der König stellt, in den drei Antworten, die das Hirtenbüblein gibt und in den drei Gegenaufgaben, die den Antworten enthalten sind.

Es bestehen nun vielfältige Möglichkeiten wie mit dem Märchentext, dem literarischen Werk, umgegangen werden kann. Vor dem Hintergrund des traditionellen Literaturunterrichts, der mit der „Behandlung“ von Texten auf Dauer nicht lesemotivierend ist, sind heute Verfahren gefragt, die „Kinder weniger als Rezipienten, sondern mehr als Akteure ansprechen“.[2] Mit dem Konstruktivismus wurden die Begründungen grundsätzlicher. So soll der Umgang mit Texten von den Verfahren her nicht als nachvollziehendes Verstehen methodisiert werden, sondern es soll sich auf eigenaktives Konstruieren konzentriert werden.

Der handlungs- und produktionsorientierte Umgang mit Texten (oder kürzer: handelnder Umgang mit Texten) etablierte sich in den 90er Jahren als didaktisches Modell. Hinter diesem Ansatz stehen drei Konzepte, die die Kinder in ähnlicher Weise zum Umgang mit Literatur bewegen wollen: das Konzept von Gerhard Haas, das Konzept von Wolfgang Menzel und das Konzept von Kaspar H. Spinner.

[...]


[1] Vgl. Lüthi, Michael: Märchen, Stuttgart 1979.

[2] Bartnitzky, Horst: Sprachunterricht heute, Berlin 2000, S.184.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Unterrichtsstunde: Gebrüder Grimm, Das Hirtenbüblein - Wir reflektieren den kreativen und produktiven Umgang mit dem Text und vertiefen uns dadurch in das Märchen
Untertitel
Märchen - 4. Schuljahr
Veranstaltung
Seminar
Note
gut
Autor
Jahr
2003
Seiten
16
Katalognummer
V129137
ISBN (eBook)
9783640385430
ISBN (Buch)
9783640385393
Dateigröße
444 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Unterrichtsstunde, Gebrüder, Grimm, Hirtenbüblein, Umgang, Text, Märchen, Schuljahr
Arbeit zitieren
Merle Umnirski (Autor), 2003, Unterrichtsstunde: Gebrüder Grimm, Das Hirtenbüblein - Wir reflektieren den kreativen und produktiven Umgang mit dem Text und vertiefen uns dadurch in das Märchen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/129137

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