Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › German Studies - Modern German Literature

Schriftstellertagebücher: Heinrich Bölls "Irisches Tagebuch"

Title: Schriftstellertagebücher: Heinrich Bölls "Irisches Tagebuch"

Term Paper , 2004 , 20 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Sebastian Körtels (Author)

German Studies - Modern German Literature
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Schriftstellertagebücher sind biographische Selbstzeugnisse der besonderen Art; sie ermöglichen nicht nur einen tiefen Einblick in das Seelenleben und die Gedankenwelt ihrer Verfasser, sie machen möglicherweise auch die Arbeitsweise eines Schriftstellers transparent. Das "Irische Tagebuch" ist kein reines Schriftstellertagebuch, jedenfalls fällt es insofern aus der Reihe der Schriftstellertagebücher im eigentlichen Sinn heraus, als es keine Aufzeichnungen über einen längeren Zeitraum hinweg enthält, sondern nur den Zeitabschnitt einer Reise umfasst. In seiner Funktion als Reisebericht steht es damit in einer langen literarischen Tradition und stellt eine Sonderform des (Schriftsteller-) Tagebuchs dar. Dennoch sollte es, unter Verweis auf seinen Titel, möglich sein, formale Merkmale eines Tagebuchs im herkömmlichen Sinne auch hier identifizieren zu können.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Reisen in der Literatur

2.1 Funktionen des Reiseberichtes

2.2 Literarische Aspekte des Reisens

3. Über das Tagebuch

3.1 Kennzeichen des Tagebuchs

3.2 Motivation und Funktion des Tagebuches

4. Heinrich Bölls Ästhetik des Humanen

5. Das "Irische Tagebuch" - wirklich ein Tagebuch?

5.1 Übereinstimmungen und Abweichendes

5.2 Das "Irische Tagebuch" als Formfiktion

6. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht Heinrich Bölls "Irisches Tagebuch" im Kontext der Gattungsbestimmung und beleuchtet dabei kritisch, inwieweit das Werk die Merkmale eines klassischen Tagebuchs erfüllt oder als literarische Formfiktion zu betrachten ist.

  • Gattungspoetik des Tagebuchs und Reiseberichts
  • Literarische Umsetzung von Reisen
  • Bölls "Ästhetik des Humanen" als programmatischer Hintergrund
  • Irland als soziales Gegenbild zur westdeutschen Nachkriegsgesellschaft
  • Analyse des Werks als Formfiktion

Auszug aus dem Buch

5.2 Das "Irische Tagebuch" als Formfiktion

Ohne den Titel zu kennen und nur aufgrund der Lektüre würde man im "Irischen Tagebuch" auch kaum ein Tagebuch vermuten, da es fast keine seiner Merkmale aufweist und eher als Sammlung von kleinen Erzählungen oder Kurzgeschichten erscheint (vgl. RASCH 1975; S. 199). Böll erzielt mit der Titelwahl eine Formfiktion, d.h. er suggeriert dem Leser etwas vor sich zu haben, was es gar nicht ist, nämlich ein Tagebuch. Dabei bedient er sich des Begriffs Tagebuch in metaphorischer Weise: die Titelwahl ist Bestandteil des Poetisierungsprozesses seines Reiseberichts. Bei der Suche nach Gründen hierfür ergeben sich zwei mögliche Antworten: die metaphorische Verwendung einer literarischen Ausdrucksform, wie Böll sie mit dem "Irischen Tagebuch" vorgenommen hat, kennzeichnet einen impressionistischen Erlebnisbericht, der zugleich die Subjektivität des Erlebten unterstreicht. Außerdem verleiht die Titulierung als Tagebuch dem Werk Dokumentationscharakter und Authentizität: der Autor war vor Ort, er hat die geschilderten Ereignisse selbst erlebt, mit eigenen Augen gesehen oder aus erster Hand erzählt bekommen. Das was er erlebte, hat er sogleich aufgezeichnet. So wie er es schildert, muss Irland sein, denn er war ja selbst dort.(vgl. JURGENSEN 1979; S. 264).

Manfred Jurgensen weist zudem noch darauf hin, dass das Tagebuchkonzept als metaphorische Ausdrucksform auf das Wesen der Kurzgeschichte bezogen wird. In der Konzentration und Aufhebung von Zeit erkennt er eine wesentliche Gemeinsamkeit zwischen Tagebuch und Kurzgeschichte (vgl. JURGENSEN 1979; S. 265).

Wenn auch die Tagebuchform fiktiv und künstlich erzeugt ist, so sind doch die wiedergegebenen Erlebnisse, Vorfälle, Eindrücke, die beschriebenen Menschen und ihr soziales Umfeld wahr und real. Obwohl den Episoden ein erzählerischer Charakter verliehen wurde, denen man das Dokumentarische nicht sogleich anmerkt, enthält das Tagebuch dennoch vor allem zwei der drei Funktionen eines Reiseberichts (s. Kapitel 2; S. 7): Heinrich Böll vermittelt im "Irischen Tagebuch" sehr wohl Informationen über das Land, seine Einwohner, den Zustand seiner Gesellschaft, seine Geschichte, Traditionen und seine Kultur.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema ein und grenzt das "Irische Tagebuch" als Sonderform vom klassischen Schriftstellertagebuch ab, während sie die Entstehungsgeschichte und Bölls Rolle als Autor skizziert.

2. Reisen in der Literatur: Dieses Kapitel erörtert das literarische Phänomen der Reise, unterscheidet verschiedene Funktionen des Reiseberichts und beleuchtet die Verbindung zwischen Reisendem und Textproduktion.

3. Über das Tagebuch: Hier werden die generellen formalen Kennzeichen sowie die motivischen Hintergründe des Tagebuchschreibens analysiert, inklusive psychologischer und werkspezifischer Aspekte.

4. Heinrich Bölls Ästhetik des Humanen: Das Kapitel erläutert Bölls literarisches Programm, das auf der Suche nach einer "bewohnbaren Sprache" und der Kongruenz von Moral und Ästhetik basiert.

5. Das "Irische Tagebuch" - wirklich ein Tagebuch?: Dieser Abschnitt prüft kritisch den Tagebuchcharakter des Werks, deckt Abweichungen auf und analysiert die bewusste Inszenierung einer Formfiktion.

6. Fazit: Die Schlussbetrachtung fasst zusammen, dass das Werk als soziale Utopie und Gegenentwurf zur deutschen Nachkriegsrealität fungiert und weit über einen einfachen Reisebericht hinausgeht.

Schlüsselwörter

Heinrich Böll, Irisches Tagebuch, Reiseliteratur, Tagebuchliteratur, Formfiktion, Ästhetik des Humanen, Nachkriegsliteratur, Irland, Gattungsanalyse, Selbstzeugnis, Erzählhaltung, Schriftstellertagebuch, Moderne Literatur, Realismus, Literaturwissenschaft

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert Heinrich Bölls "Irisches Tagebuch" im Hinblick auf seine gattungstheoretische Einordnung und hinterfragt kritisch, ob das Werk die formalen Kriterien eines echten Tagebuchs erfüllt.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Im Zentrum stehen die Gattungen "Reisebericht" und "Tagebuch", Bölls ästhetisches Programm sowie die Funktion von Irland als literarischer Gegenentwurf zur damaligen Bundesrepublik.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es zu klären, warum Böll sein Werk "Irisches Tagebuch" nennt, obwohl es faktisch kaum die Merkmale eines klassischen Tagebuchs aufweist, und inwieweit dies eine bewusste "Formfiktion" darstellt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse angewandt, die durch den Vergleich von gattungsspezifischen Definitionen mit der konkreten Textstruktur des untersuchten Werkes erfolgt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zu Reise- und Tagebuchliteratur, eine Darstellung von Bölls Ästhetik des Humanen und eine detaillierte Überprüfung des "Irischen Tagebuchs" anhand dieser Kriterien.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind insbesondere Gattungsbestimmung, Formfiktion, Ästhetik des Humanen, Reiseliteratur und der literarische Kontext der deutschen Nachkriegszeit.

Warum ordnet der Autor das "Irische Tagebuch" als "Formfiktion" ein?

Der Autor argumentiert, dass Böll die Tagebuchform nur metaphorisch nutzt, um Authentizität und Subjektivität vorzutäuschen, während das Werk in Wahrheit eher einer Sammlung erzählerischer Kurzgeschichten gleicht.

Welche Rolle spielt die "Ästhetik des Humanen" bei Böll in Bezug auf Irland?

Irland dient für Böll als sozialer Gegenpol zur ökonomisch wachsenden Bundesrepublik, an dem er die verletzte Nachbarschaft und das gesellschaftliche Vertrauen durch das "Alltägliche" neu verhandelt.

Excerpt out of 20 pages  - scroll top

Details

Title
Schriftstellertagebücher: Heinrich Bölls "Irisches Tagebuch"
College
University of Trier
Course
Seminar: "Schriftstellertagebücher"
Grade
1,3
Author
Sebastian Körtels (Author)
Publication Year
2004
Pages
20
Catalog Number
V129201
ISBN (eBook)
9783640343669
ISBN (Book)
9783640344031
Language
German
Tags
Schriftstellertagebücher Heinrich Bölls Irisches Tagebuch
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sebastian Körtels (Author), 2004, Schriftstellertagebücher: Heinrich Bölls "Irisches Tagebuch", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/129201
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  20  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint