Lehrprobe für 6. Klasse Gymnasium: "Der Kriegerstaat Sparta"


Unterrichtsentwurf, 2009

6 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Grundlagen der Stunde

a) wissenschaftlich: „Mit Ausnahme Roms hat keine Stadt der Antike bei der Nachwelt größeres Interesse gefunden, keine wurde glühender verehrt, keine schroffer abgelehnt als Sparta.“[1] Allerdings erweist sich das so sehr lieb gewonnene Bild des spartanischen Kriegerstaates hauptsächlich als ein Produkt athenischer Quellen. Unser Bild von Sparta stützt sich maßgeblich auf Quellen von Geschichtsschreibern, die allesamt nicht aus Sparta stammen wie etwa Plutarch, Herodot, Thukydides, Xenophon, Aristoteles oder Isokrates.

Die Bevölkerung des lakedaimonischen Staates war dreigeteilt in Spartiaten, Periöken und Heloten. Diese Aufteilung der Gesellschaft ist im übrigen Griechenland ohne Parallelen. Die Ausbeutung der Heloten und gleichzeitig die Furcht vor ihnen bestimmte das Wesen des spartanischen Staates. Die Heloten wurden als Staatssklaven, gleichzeitig aber auch als Kriegsgegner betrachtet. Als Staatssklaven arbeiteten sie auf den Gütern der Spartiaten, sorgten für deren Lebensunterhalt und ermöglichten somit den Spartiaten ihr ganzes Leben komplett dem Kriegswesen zu widmen. Andererseits erzwangen sie durch ihren Status als Kriegsgegner dieses Leben, weil sich die Spartiaten ständig vor ihren Aufständen fürchteten und daher kampf- und kriegsbereit sein mussten.

Eng damit verbunden ist die „spartanische Lebensweise“. Schlichtheit in der Lebensführung zielte auf eine Disziplinierung des spartanischen Lebens und auf eine Konzentrierung der Kräfte angesichts der wachsenden Bedrohungen (von innen durch die Heloten, von außen durch die Bedrohung der Perser oder durch die Konkurrenz zu Athen bis hin zum Peloponnesischen Krieg)[2]. Die innere Ordnung zielte auf die Gleichheit ihrer Bürger. Im Falle Spartas wurde die Gleichheit des Lebensstils der Spartiaten (homonoia) betont[3]. Nach Raimund Schulz bedeutet Gleichheit in erster Linie soziale Gleichheit, die sich in der gleichen Lebensauffassung und Lebenseinstellung widerspiegelt. Diese Homoioi-Ideologie schuf eine Gemeinschaftsideologie, die das Streben des Einzelnen auf das gesamtstaatliche Interesse zentrieren sollte.

In ihrer Fixierung auf eine auf Gleichheit, Nüchternheit und Krieg gerichteten Ideologie ließ Sparta wenig Entfaltungsspielräume außerhalb des militärischen Bereichs zu.

Das „Sparta-Ideal“, in dem der einzelne seine Dienste uneingeschränkt dem Staate zur Verfügung stellt und in der eine Gesellschaft ihr Eigenleben völlig dem Staate opfert, diente vielen totalitären Regimen, wie beispielsweise der NS-Diktatur, als Vorbild[4]. „Wer den Staat nicht als Zweck der Menschheit, sondern nur „als eine Bedingung, unter welcher der Zweck der Menschheit erfüllt werden kann“ ansieht, der wird die spartanische Gesetzgebung ablehnen, weil sie gerade nicht den „Zweck der Menschheit“ erfüllt“[5].

b) Zur Klassen- und Unterrichtssituation: Die Klasse 6b ist eine angenehme Klasse mit einem ausgewogenen Mädchen- und Jungenanteil. Bedauerlicherweise findet der Geschichtsunterricht in der fünften und sechsten Stunde nach einer Doppelstunde Sport statt, so dass die SchülerInnen bisweilen verschwitzt und unruhig in den Unterricht kommen. Zudem gibt es in der Klasse zwei Schüler, bei denen eine ADHS-Störung vermutet wird. Bei dem einen Schüler hat sich mittlerweile eine deutliche Verbesserung seiner Konzentrationsfähigkeit eingestellt, der andere Schüler beansprucht allerdings weiterhin enorme Aufmerksamkeit des Lehrers und lässt sich von seinen MitschülerInnen sehr leicht ablenken.

Die SchülerInnen begegnen dem neuen Fach Geschichte mit Neugier und großem Interesse. Das Unterrichten macht, angesichts der Freude und Erwartungen, die mir die SchülerInnen entgegenbringen, großen Spaß. Allerdings ist festzustellen, dass abstraktere Themen wie politische Strukturen die Motivation der SchülerInnen etwas dämpfen. Antworten und Vorschläge bewegen sich meist auf einem recht naiven Stadium, wobei die Empathie für „arme und schwache Bevölkerungsschichten“ vor allem bei den Mädchen stark ausgebildet ist. Mit exakten Begründungen haben viele SchülerInnen noch Schwierigkeiten, wie ich aus den meist recht knappen und unstrukturierten Antworten schlussfolgere.

[...]


[1] Baltrusch, Ernst: Sparta. Geschichte, Gesellschaft, Kultur, München 1998, S. 116.

[2] Vgl. Schulz, Raimund: Athen und Sparta (Geschichte kompakt – Antike, hrsg. v. Kai Brodersen), Darmstadt 2003, S. 65.

[3] In Athen wurde dagegen die politische Gleichheit (isegoria, isonomia) betont, vgl. Schulz, S. 70.

[4] Vgl. Christ, Karl: Griechische Geschichte und Wissenschaftsgeschichte, (Historia. Einzelschriften 106), Stuttgart 1996, S. 41f. Des Weiteren können hierzu Parallelen im Bereich der Erziehung wie zur „Erbgesundheit“ oder zum „Rassestaat“ gezogen werden, vgl. Baltrusch, S. 119.

[5] Baltrusch, S. 119f.

Ende der Leseprobe aus 6 Seiten

Details

Titel
Lehrprobe für 6. Klasse Gymnasium: "Der Kriegerstaat Sparta"
Note
1,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
6
Katalognummer
V129244
ISBN (eBook)
9783640375806
Dateigröße
438 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Es handelt sich hierbei um die Lehrprobe am Gymnasium im Fach Geschichte in Klasse 6 (nach G8).
Schlagworte
Lehrprobe, Klasse, Gymnasium, Kriegerstaat, Sparta
Arbeit zitieren
Dipl. Math. Stefanie Winter (Autor), 2009, Lehrprobe für 6. Klasse Gymnasium: "Der Kriegerstaat Sparta", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/129244

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