Systemische Beratung in der Jugendhilfe im Hinblick auf die Bedeutung für Sozialarbeiter


Hausarbeit, 2022

14 Seiten, Note: 1,3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffserklärung „System“ „Beratung“ und „Problem/Störung“

3 Historische Entwicklung der systemischen Beratung

4 Systemische Beratung

5 Vollstationäre Jugendhilfe

6 Beratung von Jugendlichen

7 Anwendungsmöglichkeiten der systemischen Therapie/Beratung in der stationären Jugendhilfe

8 Bezug zur sozialen Arbeit
8.1. Beratung in der sozialen Arbeit
8.2. Systemische Aspekte in der sozialen Arbeit

9 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die systemische Forschung und Praxis ist in den letzten fünfzig Jahren deutlich gewachsen und hat sich weiterentwickelt. Des Weiteren wurde sie in unterschiedlichsten Arbeitsfeldern angewandt. Bei dem systemischen Ansatz stehen die Kommunikation und die einzelnen Systeme der Klient*innen im Vordergrund (Paffhausen 2014). Die Zahl der Kinder und Jugendlichen, welche in Obhut genommen wurden, im Jahr lag 2021 bei 47 523. Im Vergleich zum Jahr 2020, betrug die Zahl der Kinder und Jugendlichen 45 444, hieraus lässt sich schließen, dass die Zahl um ca. 2000 gestiegen ist (Statistisches Bundesamt 2022). Diese steigende Zahl lässt vermuten, dass viele Jugendliche auch in stationäre Jugendhilfeeinrichtungen übergeben werden. Es stellt sich die Frage, ob eine systemische Beratung in einer Jugendhilfeeinrichtung angewandt werden kann und ob diese den Jugendlichen einen hilfreichen Aspekt bietet. Des Weiteren stellt sich die Frage, ob es Sozialarbeiter*innen möglich ist, systemisch zu arbeiten und eine Anwendung in der sozialen Arbeit für ein systemisch orientiertes Arbeiten zu finden ist.

In dieser Hausarbeit wird die Frage wie eine systemische Beratung in der Jugendhilfe integriert werden kann bearbeitet, sowie ein Bezug zur sozialen Arbeit und Sozialarbeiter*innen gezogen.

Zum Einstieg der Hausarbeit werden Begrifflichkeiten erläutert, damit im weiteren Verlauf der Ausarbeitung ein richtiges Verständnis vorliegt. Die historische Entwicklung der systemischen Beratung und Therapie wird beschrieben, sowie Einsatzstellen der damaligen Zeit aufgezeigt. Als nächsten Abschnitt wird die systemische Beratung beschrieben, hierbei wird auf die Vielfalt und Möglichkeiten eingegangen. Des Weiteren werden Beispiele für Grundprinzipien verfasst. Nachdem die systemische Beratung weitestgehend erläutert wurde, wird auf die vollstationäre Jugendhilfe Bezug genommen. Die stationäre Jugendhilfe wird erläutert und Ziele definiert. Folgend hierauf werden die Anwendungsmöglichkeiten der systemischen Therapie/Beratung in der stationären Jugendhilfe aufgezeigt und beschrieben. Anschließend wird ein Bezug zur sozialen Arbeit gezogen. Hierbei wird die Beratung in der sozialen Arbeit beschrieben und die Bedeutung von Beratung für Sozialarbeiter*innen erörtert, sowie die Handlungsfelder der Beratung. Systemische Aspekte der sozialen Arbeit werden erläutert. Als vorletzten Punkt wird beschrieben was eine „systemische Sozialarbeit“ ist, sowie Orientierungsvorschläge für Sozialarbeiter*innen die eine systemische Arbeit durchführen möchten erläutert. Abschließend wird ein Fazit gezogen, welches die Forschungsfrage beantwortet und die Ausarbeitung zusammenfassend beendet.

2 Begriffserklärung „System“ „Beratung“ und „Problem/ Störung“

Damit im folgenden Verlauf der Ausarbeitung, die Begrifflichkeiten richtig verstanden werden können, wird in diesem Abschnitt eine Begriffserklärung durchgeführt. Die Begriffe „System“ „Beratung“ und „Problem/Störung“ erhalten eine Definition.

System wird abgeleitet aus dem altgriechischen Wort „Systema“, in der deutschen Sprache wird dieser Begriff besonders häufig mit dem Wort Gebilde übersetzt. Der Begriff System lässt sich in zwei Bereiche abgrenzen, diese sind der analytische Bereich und das empirische System. Der analytische Bereich handelt in einem bestimmten Sachverhalt, das empirische System hat die Fähigkeit sich selbst zu ordnen und zu erhalten (Schumacher 2016: 32–33).

Der Begriff Beratung ist schwer zu definieren, da dieser breite Bedeutungsmöglichkeiten aufweist. Grundsätzlich orientiert sich die Beratung an Grund- und Menschenrechten, auch an Partizipation und Gerechtigkeit. Des Weiteren ist eine Beratung auf den lebens- und arbeitsweltlichen Bezügen der Personen und Gruppen orientiert, sowie auf Organisationen hiervon. Eine Beratung soll außerdem Ressourcen aktivierend, präventiv, gesundheitsfördernd, rehabilitativ oder kurativ ausgerichtet sein. Nach Frank Nestmann kann eine Beratung vielseitig gestaltet werden, sie verändere sich ständig und ist durch viele interne und externe Einflussfaktoren eine professionelle Hilfeform (Ochs 2020: 30–34).

Ein Problem oder eine Störung entsteht durch einen bestimmten Prozess, der Ablauf des Prozesses beginnt mit der Entdeckung, folgend kommt die Entwicklung und abschließend die Verfestigung. Hierbei gilt das Konzept der „problemdeterminierten Systeme“ als bedeutend. Die Idee ist, dass empfundene Probleme, charakteristische Kommunikationen als irritierend oder als störend von bestimmten Sachverhalten empfunden wird sowie unterschiedliche Verhaltensweisen. Der Beginn eines Problems ist die Entdeckung bedeutet, dass eine Person einen Zustand aus der eigenen Sicht, als veränderungswürdig und unerwünscht empfindet und dies entdeckt. Eine andere Person oder eine weitere beteiligte Person, die sich in dem System aufhält, kann sich der Sicht anschließen, dass ein Zustand veränderungswürdig und unerwünscht ist. Es entwickelt sich ein System, das den Fokus auf das vorhandene Problem setzt, das System ist nun „problemdeterminiert“. Wenn sich in diesem Zeitraum das unerwünschte Verhalten verändert, löst sich das Problemsystem wieder auf. Ein Problem bleibt bestehen, wenn keine Lösung durch die Art der Kommunikation mit sich selbst oder mit anderen gefunden werden kann. Bemühungen das unerwünschte Verhalten einzuschränken, welche wiederholenden Interaktionsmuster und gleichbleibende Bedeutungen aufweisen, führen meist dazu, dass es aufrechterhalten wird oder verstärkt gezeigt wird. Wenn dieses Problem, bei allen Beteiligten einen großen Raum einnimmt sowie bei beteiligten Expert*innen, verfestigt sich dieses. Wir solch eine Problemverfestigung festgestellt, wird aus der Vergangenheit die Schuldfrage neu aufgegriffen. Das Problem wird aus den erlebten Situationen und interaktiven Zusammenhang gerissen. Die systemische Beratung hat das Ziel, diese Problemkonstruktion aufzulösen.

Wird das Problem auf eine „unglückliche Kommunikation“ zurückgeführt, ist bei Bedarf eine andere Kommunikations- und Konstruktionsmuster eine Möglichkeit Probleme zu „verflüssigen“ (Haselmann 2009: 168–169).

3 Historische Entwicklung der systemischen Beratung

Die systemische Beratung lässt sich nicht auf eine Person zurückführen, welche sie erfunden haben soll, sondern viele verschiedene theoretische Richtungen haben zu einen systemischen Ansatz geführt (Haselmann 2009: 157). Die systemische Beratung hat ihren Uhrsprung in den 1950er Jahren, in dieser Zeit entwickelte sie sich an verschiedensten Orten im etwa selben Zeitraum. Damals wurde der neue Ansatz Familientherapie genannt. Menschen, die mit dieser Methode behandelt wurden, galten damals als schwierig behandelbar oder wurden teils schon aufgegeben. Durch mangelhafte Lösungsansätze der Zeit, ist die systemische Therapie damals entwickelt worden (Schwing und Fryszer 2016: 15). Damals herrschte ein großer Bedarf an psychotherapeutischer Versorgung, da es viele Soldaten gab die vom zweitem Weltkrieg traumatisiert waren. Anhand dieser Soldaten konnten unterschiedlichste Methoden durchgeführt werden (Schumacher 2016: 27). Hierbei wurde diese beispielsweise von Salvador Minuchin in einer Beratungsstelle einer Kinderklinik eingesetzt. Die damaligen Pioniere entdeckten alle einen etwas ähnlichen Ansatz nämlich, dass sich Probleme, wenn Angehörige in die Behandlung mit einbezogen werden, sind besser lösen lassen. Es erwies sich als erfolgsversprechender und nützlicher, die Kommunikation der Menschen in den Familien sowie auch die Beziehungen zu betrachten und zu beobachten (Schwing und Fryszer 2016: 15–16). Bei dieser schnellen Entwicklung hat sich eine systemische Perspektive entwickelt und sich zunehmend von der Familientherapie und -beratung, aus der sie sich anfänglich entwickelt hat, gelöst. Nachdem die Ablösung von traditionellen therapeutischen Settings und Zielvorgaben begann, wurde in den Feldern der sozialen Arbeit mehr mit den systemischen Perspektiven gearbeitet und ihr eine immer mehr wachsende Bedeutung zugesprochen. Bei einer näheren Betrachtung der Entwicklungslinie, ist festzustellen das besonders die Wende zum „systemisch-konstruktivistischen Denkansatz“ eine Aufhebung der Differenzierung zwischen Therapie und Beratung herbeiführte (Haselmann 2009: 157)

4 Systemische Beratung

Die systemische Beratung hat sich in den letzten fünfzig Jahren deutlich vergrößert, es weist eine bedeutend große Vielfalt unterschiedlicher systemischer Ansätze auf, die sich je nach Arbeitsfeld und wissenschaftlichem Hintergrund unterscheiden. Dennoch ist das Grundprinzip bei jeder systemischen Beratung gleich, es lautet einfach formuliert, das Umfeld mit einzubeziehen. Störungen und Probleme entwickeln sich durch das soziale Umfeld. Systemiker*innen arbeiten nicht nur mit dem Klienten, es wird das Umfeld einbezogen, beispielsweise die Familie oder Freunde. Hierbei wird die Kommunikation betrachtet und eventuelle Schwierigkeiten, die entstehen. Es wird versucht den Lebenszusammenhang zu verstehen und dazu eingeladen, die Probleme gemeinsam zu lösen. Probleme und Symptome werden nicht als Fehlverhalten oder Defizite gesehen, sie werden als misslungene Lösungsversuche für eine beschwerliche Situation gesehen. Aus diesem Grund wird nach dem Sinn, die Funktion des Symptoms gefragt. Bei der systemischen Beratung stehen die Stärken und Ressourcen des Klienten im Mittelpunkt. Des Weiteren wird lösungsorientiert gearbeitet und nicht weiter in die Probleme und deren Begründung eingegangen. Von den Systemiker*innen werden die Stärken des Klienten erkannt und gefördert. Das Klientel wird ermutigt auf die eigenen Fähigkeiten im Alltag zu vertrauen. Bei einer Beratung werden die Personen in Krisen oder ähnlichem unterstützt und gemeinsam werden gute Lösungen gefunden, welche Individuell angepasst sind. Die Beratung hat das Ziel gute Lösungen in unterschiedlichen Bereichen zu entwickeln, beispielsweise in der Erziehung, Lebensgestaltung oder Partnerschaft. Hinzuzufügen ist, dass eine Beratung nicht immer unter dem Begriff Beratung stattfindet, es ist Beispielsweise möglich, dass von einer Beratung gesprochen wird, wenn in einer Supervision das Arbeitsteam sich mit Verbesserungsmöglichkeiten oder Schwierigkeiten auseinandersetzt und diese gemeinsam besprochen werden (Schwing und Fryszer 2016: 11–13). Die systemische Beratung wird als Förderung von Selbstorganisationsprozessen angesehen. Es ist das Ziel, neue Muster im Denken des Systems anzuregen. Die beratende Person wird nicht als außenstehender Behandler betrachtet, er ist ein Teil des Beratungssystems und Teil des Kommunikationssystems. Die zu beratende Person wird bei der Beratung als Expert*in für die zu bearbeitenden Problem angesehen (Berg 2018: 32–34). Das systemische Denken ist grundlegend eine eigenständige Auslegung, dabei wird auf das menschliche Dasein sowie Erkennungen aufgebaut, hieraus werden Rückschlüsse für die Praxis gezogen. Ein Perspektivwechsel kann hierbei stattfinden, das Problem steht nicht im Vordergrund, es wird als ein Resultat bestehender „Krankheitserzeuger“ gesehen, welche innerhalb des Systems entstehen. In einer systemisch orientierten Praxis gibt es mehrere Systeme. Das systemische Handeln zeichnet sich dadurch aus, dass neue und individuelle Systeme erschaffen werden (Schumacher 2016: 32–33).

Grobe Grundprinzipien des systemischen Handelns in der Beratung sind beispielsweise, die zirkuläre Beschreibung. Hierbei wird von Kreislaufprozessen bei der zu beratenden Person ausgegangen, es herrschen keine linear gedachten Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge. Ein weiteres Beispiel ist das Hypothesenbilden, die Fachkraft sollte Zusammenhänge des Problems und des derzeitigen Lösungsansatz erkennen können. Des Weiteren kann ein Grundprinzip das Verständnis, das eine Beratung eine „Verstörung“ oder „Anregungen“ für die bisherigen Interaktionsformen ist, die durch neue Informationen in das System gegeben werden. Zudem kann ressourcen- und lösungsorientiertes Arbeiten ein Grundliegender Ansatz einer Fachkraft sein. Es ist zu erwähnen, dass systemische Fachkräfte neutral und respektvoll gegenüber den beratenden Personen arbeiten und ihren Lösungen für das jeweilige Problem Respektvoll agieren. Des Weiteren arbeiten sie Kundenorientiert, bedeutet das die Orientierung auf dem liegt, was das Klientel benötigt (Haselmann 2009: 159–161).

5 Vollstationäre Jugendhilfe

Kinder und Jugendliche können durch eine Inobhutnahme in eine vollstationäre Jugendhilfe aufgenommen werden. Eine Inobhutnahme kann unterschiedliche Gründe haben, zum Beispiel wenn die betroffenen Personen selbst darum bitten, eine dringende Gefahr für das Wohl des Kindes oder Jugendlichen vorliegt oder wenn ein ausländischer Jugendliche unbegleitet nach Deutschland kommt und sich weder Personensorge noch Erziehungsberechtigte in Deutschland befinden. In einer Inobhutnahme/Jugendschutzstelle, sind die Jugendlichen nur für eine sehr kurze Zeitspanne. Deshalb verläuft die Erfassung von Besonderheiten meist sehr schnell und es gibt kaum eine Vorbereitung darauf, die Handlungen verlaufen meist intuitiv. Hierbei findet der systemische Ansatz einen guten Nutzen, da die grundliegende Haltung des Ansatzes übernommen werden kann. Durch den kurzen Aufenthalt handelt es sich meistens um eine Stabilisierung der Jugendlichen. Dies ist in einer stationären Wohngruppe anders, hier sind die Jugendlichen langfristiger untergebracht. Das Ziel ist in jeder Wohngruppe unterschiedlich, es kann beispielsweise eine Rückführung in die Herkunftsfamilie oder einen Übergang in ein selbstständiges Leben sein. Bei der Arbeit mit den Jugendlichen wird die Herkunftsfamilie in die Arbeit mit einbezogen, dies geschieht meist durch eine systemisch qualifizierte Fachkraft (Kuhnert und Berg 2020: 150–151).

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Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Systemische Beratung in der Jugendhilfe im Hinblick auf die Bedeutung für Sozialarbeiter
Hochschule
Evangelische Hochschule Ludwigsburg (ehem. Evangelische Fachhochschule Reutlingen-Ludwigsburg; Standort Ludwigsburg)
Note
1,3
Jahr
2022
Seiten
14
Katalognummer
V1292502
ISBN (Buch)
9783346759450
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sozialarbeiter*innen, Soziale Arbeit, Jugendhilfe, Systemische Beratung, Beratung, Systemische Therapie, Vollstationäre Jugendhilfe
Arbeit zitieren
Anonym, 2022, Systemische Beratung in der Jugendhilfe im Hinblick auf die Bedeutung für Sozialarbeiter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1292502

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