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Halb oder gar nicht: Eine Analyse von Georg Büchners Darstellung der Französischen Revolution in "Dantons Tod"

Title: Halb oder gar nicht: Eine Analyse von Georg Büchners Darstellung der Französischen Revolution in "Dantons Tod"

Term Paper , 2006 , 16 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Irena Glodowska (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

Dantons Tod von Georg Büchner ist nicht nur als dramatische Unterhaltung von Interesse. Schon Büchners eigene Biografie drängt die Rezeption des Stücks schnell in eine politische Interpretation hinein. Büchner hat selbst einige identifikatorische Momente ins Stück einge-baut, wie die Verkürzung Dantons Vornamens von George-Jacques auf Georg und ein Zitat aus seinem bekannten Fatalismus-Brief, das er Danton aussprechen lässt. Der Danton Büch-ners ist von dem historischen Danton sehr verschieden. Da Büchner aber diese große histori-sche Persönlichkeit als Hauptfigur gewählt hat, stellen sich auch viele Fragen zum Beispiel nach der Beziehung zwischen Text und Geschichte: Warum also ist das Drama zu diesem bestimmten Zeitpunkt – die dreizehn Tage vor Dantons Hinrichtung (24.März bis 5.April 1794) – angesiedelt?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung: Die Frage nach dem Unfertigen

2 Analyse: Die Revolution ist noch nicht fertig

2.1 Das Volk und die materiell-praktische Perspektive

2.2 Robespierres und die kollektivistische Perspektive

2.3 Danton und die individualistische Perspektive

3 Resümee: Mittendrin und schon vorbei

4 Bibliografie

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Seminararbeit untersucht Georg Büchners Darstellung der Französischen Revolution in seinem Drama Dantons Tod vor dem Hintergrund des von ihm gewählten, spezifischen Zeitrahmens kurz vor Dantons Hinrichtung. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie Büchner mit dem Konzept des „Unfertigen“ im Kontext des revolutionären Scheiterns umgeht und welche Position er dazu einnimmt.

  • Die Analyse der Französischen Revolution als „unfertiger“ Prozess.
  • Untersuchung der Perspektiven: Das Volk (materiell-praktisch), Robespierre (kollektivistisch) und Danton (individualistisch).
  • Die Rolle der Gewalt und des Terrors innerhalb des revolutionären Geschehens.
  • Die Beziehung zwischen historischer Realität und dramatischer Ausgestaltung bei Büchner.
  • Das Konzept des Fatalismus im Kontext des persönlichen und politischen Scheiterns.

Auszug aus dem Buch

2.1 Das Volk und die materiell-praktische Perspektive

Auf der Ebene des Volkes, das der eigentliche Träger der Revolution ist, wird die Revolutionswirklichkeit dargestellt. Das Volk ist in den Zerfallprozess der Revolution hineingezogen, und in ihm spiegelt sich die reale materielle Situation während der Schreckenszeit wider.

Das Volk erwartete von der Revolution vor allem eine Verbesserung der materiellen Lebensverhältnisse. Dem stand jedoch in erster Linie die institutionalisierte Ungleichheit des Feudalstaats entgegen. Revolution heißt in diesem Sinne zunächst Zerstörung. Aber natürlich hätten auch neue Institutionen entstehen sollen. „Die große wirkliche Frage, die die Französische Revolution zu lösen hatte, war die Zerstörung der Ungleichheit und die Einführung von Institutionen, welche dem französischen Volk das Glück sichern sollten“ (Wender 1992:123). Doch die Revolution hat zu dem Zeitpunkt, zu dem Büchner sie darstellt, weder die positiven noch die negativen Ziele erreicht. Der Kampf gegen die Aristokraten nimmt kein Ende und die Bürger leiden nach wie vor Hunger. Diese Situation schildert Büchner in der zweiten Szene des ersten Aktes, in der die Stimmung im Volk wiedergegeben wird. Der Erste Bürger geht auf Simon ein, dessen Tochter sich prostituiert, um ihre Eltern zu ernähren:

Ihr Hunger hurt und bettelt. Ein Messer für die Leute, die das Fleisch unserer Weiber und Töchter kaufen. Weh über die, so mit den Töchtern des Volkes huren! Ihr habt Kollern im Leib, und sie haben Magendrücken; ihr habt Löcher in den Jacken, und sie haben warme Röcke; ihr habt Schwielen in den Fäusten, und sie haben Samthände. Ergo, ihr arbeitet und sie tun nichts; ergo, ihr habt’s erworben, und sie haben’s gestohlen; ergo, wenn ihr von eurem gestohlnen Eigentum ein paar Heller wiederhaben wollt, müßt ihr huren und betteln; ergo, sie sind Spitzbuben und man muss sie totschlagen! (I/2, S.10)

Für das Volk scheitert die Revolution, weil weder die sozialen Unterschiede ausgeglichen wurden, noch der materielle Grundbedarf gedeckt worden sind. Der Hunger und das Elend des Volkes lösen eine steigende Wut gegenüber der Aristokratie aus, die nach wie vor ein gutes und wohlhabendes Leben führt. Daher verlangt das Volk nach der Guillotine, weil nur sie ihm das Gefühl der Gleichheit geben.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Frage nach dem Unfertigen: Die Einleitung führt in die Problematik von Büchners Stück ein und stellt die zentrale Forschungsfrage nach dem Verhältnis von Revolution und dem „Unfertigen“ im gewählten Zeitrahmen des Dramas.

2 Analyse: Die Revolution ist noch nicht fertig: Dieser Hauptteil gliedert sich in drei Perspektiven, die den revolutionären Zustand durch verschiedene soziale und politische Gruppen (Volk, Robespierre, Danton) beleuchten.

2.1 Das Volk und die materiell-praktische Perspektive: Hier wird untersucht, wie die materielle Not des Volkes und das Ausbleiben der erhofften sozialen Verbesserungen zu einer Frustration führen, die in den Ruf nach Terror umschlägt.

2.2 Robespierres und die kollektivistische Perspektive: Dieses Kapitel behandelt Robespierres Ideologie, in der der Schrecken als notwendiges Mittel zur Verwirklichung der Tugend und zur Bekämpfung des Lasters legitimiert wird.

2.3 Danton und die individualistische Perspektive: Hier wird Dantons kritische Haltung gegenüber der Revolution und seine ressentimentgeladene Sicht auf das eigene und das politische Scheitern analysiert.

3 Resümee: Mittendrin und schon vorbei: Das Resümee führt die Ergebnisse der drei Perspektiven zusammen und diskutiert das Drama als Ausdruck einer allgemeinen Sinnlosigkeit oder einer existentiellen Grenze menschlichen Engagements.

4 Bibliografie: Dieses Kapitel listet die für die Seminararbeit herangezogene Primär- und Sekundärliteratur auf.

Schlüsselwörter

Georg Büchner, Dantons Tod, Französische Revolution, Unfertiges, Revolution, Terror, Robespierre, Danton, Tugend, Laster, materielle Not, Individualismus, Kollektivismus, Fatalismus, Vormärz.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert Georg Büchners Drama „Dantons Tod“ im Hinblick auf seine Darstellung der Französischen Revolution und die Frage, warum das Werk die Revolution als „unfertig“ bzw. als gescheitert charakterisiert.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die Arbeit befasst sich mit den Spannungsfeldern zwischen politischen Idealen und der schrecklichen Realität, der Rolle des Volkes als Leidtragende sowie den verschiedenen ideologischen Positionen der Protagonisten.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es zu untersuchen, wie Büchner seine Position zur Revolution im Drama zum Ausdruck bringt und wie er die drei unterschiedlichen Perspektiven (Volk, Robespierre, Danton) auf den Zustand des „Unfertigen“ kontrastiert.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die primär textanalytisch vorgeht, dabei Bezug auf die Textpassagen des Dramas nimmt und diese unter Hinzuziehung literaturwissenschaftlicher Sekundärliteratur interpretiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine dreiteilige Analyse, in der das Volk, Robespierre und Danton als drei unterschiedliche „perspektivische Träger“ des revolutionären Geschehens und deren jeweiliges Scheitern untersucht werden.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Die wichtigsten Begriffe sind Büchner, Dantons Tod, Revolution, Unfertiges, Terror, Tugend/Laster-Dialektik sowie der Gegensatz zwischen materieller Not und ideologischem Anspruch.

Wie bewertet Büchner laut der Arbeit Robespierres Terrorherrschaft?

Büchner zeigt Robespierre als jemanden, der Gewalt zwar ideologisch rechtfertigt, jedoch unfähig ist, die tatsächlichen sozialen Probleme – wie etwa den Hunger des Volkes – zu lösen, wodurch der Terror seine moralische Legitimation verliert.

Welche Rolle spielt Danton für das Verständnis der Revolution?

Danton fungiert als Figur, die das Scheitern der Revolution am frühesten erkennt. Er wird als gespaltener Charakter dargestellt, der sich seiner eigenen Opferrolle sowie der Sinnlosigkeit des Handelns bewusst ist und in einen fatalistischen Zustand verfällt.

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Details

Title
Halb oder gar nicht: Eine Analyse von Georg Büchners Darstellung der Französischen Revolution in "Dantons Tod"
College
Free University of Berlin
Course
Hausarbeit für das Seminar „Drama im Vormärz“
Grade
1,3
Author
Irena Glodowska (Author)
Publication Year
2006
Pages
16
Catalog Number
V129258
ISBN (eBook)
9783640379262
ISBN (Book)
9783640379415
Language
German
Tags
Halb Eine Analyse Georg Büchners Darstellung Französischen Revolution Dantons
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Irena Glodowska (Author), 2006, Halb oder gar nicht: Eine Analyse von Georg Büchners Darstellung der Französischen Revolution in "Dantons Tod", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/129258
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