Friedrich Schiller: Kabale und Liebe - Zerrüttete Familien, versagende Väter?


Seminararbeit, 2002
14 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Zerrüttete Familien? Die Familienverhältnisse der Millers
2.1 Miller und seine Frau
2.2 Luise und ihre Mutter
2.3 Miller und Luise

3 Zerrüttete Familien? Die Familienverhältnisse der von Walters
3.1 Der Präsident und Ferdinand

4 Versagende Väter?
4.1 Miller
4.2 Der Präsident

5 Abschlussbetrachtung

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit der genaueren Betrachtung der Familienverhältnisse bei Präsident von Walter und dem Musikus Miller in Schillers Drama Kabale und Liebe. Dabei soll zunächst untersucht werden, was über den Zustand der Familien zu erfahren ist. Weiterhin wird beleuchtet, inwiefern man von einem Versagen der beiden Väter sprechen kann, und ob dieses eventuelle Versagen für den Ausgangs des Dramas verantwortlich gemacht werden kann.

2 Zerrüttete Familien? Die Familienverhältnisse der Millers

2.1 Miller und seine Frau

Die Gattin des Musikus Millers und Mutter Luises spielt in dem Drama keine sehr bedeutende Rolle. So tritt sie nur in den ersten beiden Akten auf, und wird dann später nur noch einmal kurz erwähnt, als sie ins Spinnhaus gebracht wurde. Sie wird unterschiedlich interpretiert, einerseits als "beschränkt"[1], andererseits auch als "lebenspraktisch", aber "von Schiller verstümmelt gezeichnet"[2]. Allerdings soll sie hier nicht näher charakterisiert werden, sondern es soll hier nur kurz auf den Umgang eingegangen werden, den Luises Eltern miteinander pflegen.

Miller und seine Frau haben sehr unterschiedliche Einstellungen zu der Verbindung ihrer Tochter mit Ferdinand. Miller betrachtet eine tatsächliche Beziehung als unmöglich: „[…] meine Tochter ist zu schlecht zu Dero Herrn Sohnes Frau, aber zu Dero Herrn Sohnes Hure ist meine Tochter zu kostbar“ (I,1 S.5), während seine Frau sich von dem Traum eines sozialen Aufstiegs reizen läßt: „Gut ist gut, besser ist besser, und einem einzigen Kind mag man doch auch nicht vor seinem Glück sein.“ (I,2 S.9). Der Umgangston Millers gegenüber seiner Frau ist sehr derb, er beschimpft sie häufig, unter anderem mit Gewaltandrohungen (z.B. „Willst das Violoncello am Hirnkasten wissen?“ I,2 S.9) und versucht sie auch tatsächlich körperlich unter Kontrolle zu halten, wenn er sie mit dem Ellenbogen stößt (I,2 S.8). Seine Frau dagegen nimmt Millers grobe Art gelassen und geht gar nicht auf seine Beschimpfungen ein, sondern versucht ihn manchmal gar zu beschwichtigen: „Nur nicht gleich mit der Tür ins Haus. Wie du doch den Augenblick Feuer und Flammen stehst!“ (I,1 S.7).

Durch diese Darstellung wirken die beiden wie ein Ehepaar, das im Laufe der Jahre gelernt hat, mit den Eigenarten des anderen zu leben.

2.2 Luise und ihre Mutter

Da, wie schon erwähnt, die Mutter kaum auftaucht oder erwähnt wird, kann die Mutter-Tochter-Beziehung auch nur sehr oberflächlich untersucht werden.

Die Mutter will sich ein gewisses Mitspracherecht am Leben ihrer Tochter nicht nehmen lassen, wenn sie sich gegen eine Verbindung Luises mit Wurm wehrt: " – ich geb meinen Konsens absolut nicht; meine Tochter ist zu was Hohem gemünzt" (I, 2 S.10), wobei man hier auch vor allem von ihrem schon erwähnten Interesse am sozialen Aufstieg ausgehen kann.

Es entwickelt sich kaum ein Dialog zwischen Mutter und Tochter. Vielmehr wendet sich Luise fast ausschließlich an ihren Vater oder macht sich um ihn Gedanken. Dadurch kommt ihre Mutter nur am Rande vor und kann nicht wirklich als Bezugsperson erkannt werden.

2.3 Miller und Luise

Weit intensiver ist das Verhältnis zwischen Miller und Luise. Die Beziehung ist fürsorglich, zärtlich und von emotionaler Wärme geprägt[3]. Zunächst erscheint es so, als wäre Miller vor allem um sein Ansehen besorgt, wenn er sich bei seiner Frau beschwert: "Meine Tochter kommt mit dem Baron ins Geschrei. Mein Haus wird verrufen" (I,1 S.5)[4]. Der Musikus glaubt auch nicht an Ferdinands ernste Absichten, wenn er behauptet "Nehmen kann er das Mädel nicht, vom Nehmen ist gar die Rede nicht" (I,1 S.5). Vielmehr ist er der Meinung, dem Major gehe es nur um Luises hübsches Aussehen, denn "unterm Dach mags aussehen, wie es will. Darüber kuckt man bei euch Weibsleuten weg, wenn´s nur der liebe Gott parterre nicht hat fehlen lassen" (I,1 S.6). Daß der Vater aber tatsächlich sehr um das Wohl der Tochter besorgt ist, merkt man bald, wenn er gegen seine Frau wettert, daß er eher als Bettler umherziehe, ehe seine Tochter das Geld mit "Seel und Seligkeit abverdient" (I,1 S.7). Auch daß Miller vor den Präsidenten treten und ihm von der Sache erzählen und ihm dabei auch gleich seine Meinung sagen will, daß seine Tochter "zu schlecht zu Dero Sohnes Frau, aber zu Dero Sohnes Hure […] zu kostbar" (I,1 S.8) sei, zeugt davon, wie sehr sie ihm am Herzen liegt. Denn obwohl Miller den Präsidenten fürchtet und es eigentlich nicht seinem Wesen entspricht, plant er seinen Gang zum Präsidenten[5] – zu dem es aber zunächst nicht kommt.

Miller gesteht seiner Tochter prinzipiell freie Gattenwahl zu, wie er auch gegenüber Wurm betont: "Ich zwinge meine Tochter nicht" (I,2 S.10), allerdings mag er Wurm auch nicht besonders[6]: Er hält ihn für einen "konfizierte(n), widrige(n) Kerl" (I,2 S.11) – und versucht ihn somit wahrscheinlich als Schwiegersohn zu vermeiden. Die Beschreibung des erwünschten Schwiegersohnes, die er dem Sekretär gegenüber kundtut, erinnert aber sofort an Ferdinand (den Miller ja auch nicht für einen potentiellen Ehemann für Luise hält): "hinter dem Rücken des Vaters muß er sein Gewerb an die Tochter bestellen. […] dass das Mädel […] selber kommt, dem Vater sich zu Füßen wirft, und sich um Gottes willen den schwarzen gelben Tod, oder den Herzeinzigen ausbittet" (ebd.). Ferdinand aber kommt für Miller auch nicht als Schwiegersohn in Frage – somit kann Luise ihren Gatten tatsächlich nicht frei wählen, oder ist dabei zumindest an soziale Bedingungen wie den Stand gebunden[7].

Luise, die außer an Ferdinand kaum einen anderen Gedanken fassen konnte[8], erkennt Millers Berechtigung zur Sorge erst, als Ferdinand eröffnet, er solle Lady Milford heiraten: "Der alte Mann hat´s mir ja oft gesagt – ich hab ihm nie glauben wollen" (II,5 S. 45), gesteht sie ein.

Als der Präsident die Szene betritt, ist es wieder an Miller, seine Tochter zu verteidigen. Obwohl er großen Respekt vor Ferdinands Vater hat, was sich durch sein immer wieder hilflos eingeschobenes "Halten zu Gnaden" (II,6 S.48/49) bemerkbar macht, wird er doch recht deutlich, bezeichnet sein Kind als "des Vaters Arbeit" und droht dem Präsidenten sogar indirekt: "Wer das Kind eine Mähre schilt, schlägt den Vater ans Ohr, und Ohrfeig um Ohrfeig – Das ist so Tax bei uns" (II,6 S.48).

Auch Wurm weiß um die innige Beziehung von Vater und Tochter und hat keine Skrupel, diese auszunutzen. Denn er weiß, daß Luise "nicht mehr als zwei tödliche Seiten" hat, durch die er und Präsident von Walter "ihr Gewissen bestürmen" können: "Ihren Vater und den Major", wobei letzterer aber bei der geplanten Kabale "ganz und gar aus dem Spiel" (III,1 S.55) bleiben soll. Die Mutter soll zusätzlich noch verhaftet werden, um die "Not um so dringender zu machen", aber das größte Gewicht fällt auf Miller, den Luise "bis zur Leidenschaft" (III,1 S. 56) liebt, wie Wurm betont.

[...]


[1] vgl. Erich Auerbach: Musikus Miller. In: E.A.: Mimesis. Dargestellte Wirklichkeit in der abendländischen Literatur. Bern 1971, S. 407

[2] vgl. auch Bernd Fischer: Kabale und Liebe: Skepsis und Melodrama in Schillers bürgerlichem Trauerspiel. Frankfurt a.M. 1987, S. 103

[3] Vgl. Hans Peter Hermann: Musikmeister Miller, die Emanzipation der Töchter und der dritte Ort der Liebenden: Schillers Trauerspiel im 18. Jahrhundert. In: Jahrbuch der deutschen Schillergesellschaft 28 (1984), S. 232

[4] Zitiert wird im folgenden mit Angabe von Akt, Szene und Seitenzahl nach Friedrich Schiller: Kabale und Liebe. Stuttgart 2001. Nach: Schillers Werke. Nationalausgabe. Bd. 5: Kabale und Liebe.

[5] vgl. Erich Auerbach: Musikus Miller, S. 407

[6] vgl. auch Hermann: Musikmeister Miller, S. 230

[7] vgl. auch Hermann: Musikmeister Miller, S. 231 + S. 237

[8] Als Luise aus der Kirche kommt, sagt sie: "Ah, ich vergaß, daß es außer ihm Menschen gibt – Mein Kopf ist so wüste" (I,3 S.12)

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Friedrich Schiller: Kabale und Liebe - Zerrüttete Familien, versagende Väter?
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Institut für Deutsche und Niederländische Philologie)
Veranstaltung
Friedrich Schiller
Note
1,7
Autor
Jahr
2002
Seiten
14
Katalognummer
V129308
ISBN (eBook)
9783640356492
ISBN (Buch)
9783640356850
Dateigröße
414 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Friedrich, Schiller, Kabale, Liebe, Zerrüttete, Familien, Väter
Arbeit zitieren
Mareike Brans (Autor), 2002, Friedrich Schiller: Kabale und Liebe - Zerrüttete Familien, versagende Väter?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/129308

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