Diese Arbeit wirft einen Blick auf die Typologie im Heidelberger Passionsspiel. Sie untersucht, inwiefern die Praefigurationes dem typologischen Verfahren standhalten und welche Implikationen dadurch für den Text entstehen. Dabei liegt der Fokus auf der textuellen Ebene und weniger auf der szenischen Durchführung.
Für dieses Vorhaben werden die Szenen zunächst gesondert auf ihren Inhalt und ihre formale Gestaltung hin untersucht. Dabei steht besonders die Gegenüberstellung des Spieltextes mit dem Bibeltext im Fokus, im Zuge derer hinterfragt wird, inwiefern das Passionsspiel mit der Vulgata und der historischen Wirklichkeit übereinstimmt. Da das typologische Verfahren auf der biblischen Realität beruht, ist dies unerlässlich.
Anschließend wird die Präfigurationsszene mit ihrem neutestamentlichen Pendant verglichen und ermittelt, ob ein typologischer Zusammenhang zwischen den Szenen besteht. Abschließend steht die Untersuchung, ob die Retextualisierung des Bibeltexts als szenisches Spiel den Inhalt und die Darstellung beeinflusst hat.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Textstellenanalyse
2.1. Präfiguration: „Gastmahl des Asuerus“
2.2. Abendmahl: „Vorbereitung“ und „Jesu Leib und Blut“
2.3. Typologischer Vergleich beider Textstellen
3. Retextualisierungsverfahren in den Gast- und Abendmahlsszenen
4. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht das Heidelberger Passionsspiel im Hinblick auf sein typologisches Verfahren. Das primäre Ziel ist es zu analysieren, wie das alttestamentliche „Gastmahl des Asuerus“ als Präfiguration für das letzte Abendmahl Jesu dient und inwiefern formale Retextualisierungsverfahren dabei eine Rolle spielen.
- Analyse des Heidelberger Passionsspiels als Synthese der Evangelien
- Untersuchung der typologischen Verschränkung von Altem und Neuem Testament
- Gegenüberstellung von biblischer Vorlage und Spieltext
- Anwendung der Transformationstheorie nach Elke Ukena-Best
Auszug aus dem Buch
2.1. Präfiguration: „Gastmahl des Asuerus“
Zunächst erfolgt die Betrachtung der Präfiguration: „Gastmahls des Asuerus“. Aufgrund des Umfangs der Szene wird keine vollständige Übersetzung des Textes vorgelegt, sondern werden nur exemplarisch Auszüge zitiert.
Die vorliegende Szene befindet sich im Kontext von Jesu Wirken in Jerusalem und folgt im Handlungsverlauf des Passionsspiels unmittelbar auf den Verrat des Judas und das Gastmahl des Simon. Ihr folgt die Beschreibung des letzten Abendmahls Jesu mit seinen Jüngern. Sie stellt die Bekanntmachung und Durchführung des im biblischen Estherbuch (Esther 1, 1–4) beschriebenen Gastmahls des Königs Ahasveros dar und verknüpft diese mithilfe einer exegetischen Prophetenrede am Szenenende mit der nachfolgenden Handlung.
Der Spieltext besteht aus einer Aneinanderreihung volkssprachlicher Figurenreden in Form von Monologen oder Dialogen und ist in gattungstypischen Reimpaarversen verfasst. Die einzelnen Textpassagen werden durch Bühnenanweisungen mit Informationen über die sprechende Person und ihr Handeln gerahmt; jedoch wird das Reimschema durch diese nicht unterbrochen, sondern absatzübergreifend weitergeführt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Heidelberger Passionsspiels als unvollständige Lesehandschrift aus dem frühen 16. Jahrhundert sowie Einführung in das zentrale exegetische Verfahren der Typologie.
2. Textstellenanalyse: Detaillierte Untersuchung der Präfigurationsszene und der Abendmahlsszenen, wobei Diskrepanzen zur biblischen Vulgata aufgezeigt und auf ihre Relevanz geprüft werden.
2.1. Präfiguration: „Gastmahl des Asuerus“: Analyse der Exposition des Gastmahls, das im Spiel als Abschiedsmahl vor dem Tode Ahasveros’ gerahmt wird.
2.2. Abendmahl: „Vorbereitung“ und „Jesu Leib und Blut“: Betrachtung der Abendmahlsszene, die eine komplexe Synthese verschiedener Evangelientexte darstellt und durch zusätzliche poetische Ausschmückungen ergänzt wird.
2.3. Typologischer Vergleich beider Textstellen: Vergleich der beiden Szenen mittels der verbindenden Prophetenrede, um die typologische Funktionalität der Abweichungen zu bewerten.
3. Retextualisierungsverfahren in den Gast- und Abendmahlsszenen: Formale Untersuchung der Diskrepanzen durch die Kategorien Poetisierung, Gattungswechsel und Medienwechsel nach Elke Ukena-Best.
4. Fazit: Zusammenfassende Bewertung, dass die Szenen des Heidelberger Passionsspiels ihre typologische Funktion nur im Gesamtzusammenhang erfüllen und durch den Spielcharakter sowie dramaturgische Notwendigkeiten gerechtfertigt werden.
Schlüsselwörter
Heidelberger Passionsspiel, Mittelalter, Typologie, Präfiguration, Abendmahl, Gastmahl des Asuerus, Estherbuch, Exegese, Retextualisierung, Vulgata, Poetisierung, Gattungswechsel, Medienwechsel, Heilsgeschichte, 16. Jahrhundert.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die typologische Struktur im Heidelberger Passionsspiel, speziell die Verknüpfung der alttestamentlichen Szene des Gastmahls des Asuerus mit dem neutestamentlichen Abendmahl.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen die literarische Analyse von Spieltexten, die Theorie der Typologie, das Verhältnis zwischen Bibeltext und dramatischem Werk sowie formale Transformationsprozesse.
Welches Ziel verfolgt die Autorin mit dieser Forschungsarbeit?
Ziel ist es zu ergründen, warum der Spielautor von biblischen Vorlagen abweicht und ob diese Änderungen typologisch oder durch die Anforderungen des dramatischen Spiels formal begründet werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine textanalytische Untersuchung durchgeführt, die den Spieltext mit der Vulgata vergleicht und die Ergebnisse auf Basis der Transformationstheorie nach Elke Ukena-Best interpretiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der beiden Szenen, ihren typologischen Abgleich durch Prophetenreden sowie die formale Rechtfertigung der Abweichungen durch Poetisierung und Gattungswechsel.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Typologie, Präfiguration, Heidelberger Passionsspiel, Retextualisierung, Vulgata und biblische Exegese.
Warum wird das Gastmahl des Asuerus als Abschiedsmahl dargestellt?
Der Spielautor porträtiert das Mahl im Angesicht des Todes von Ahasveros, um eine Anbindung an die Leidensankündigung Jesu beim letzten Abendmahl zu schaffen, was die typologische Einheit der Szenen verstärkt.
Welchen Einfluss hat der Gattungswechsel auf den Spieltext?
Der Wechsel von der lateinischen Prosa zum volkssprachlichen Drama erlaubt es dem Autor, anonymen Personen Bühnenidentitäten zu geben und das Geschehen dramatischer auszugestalten, um die Darstellungsintention zu erfüllen.
- Arbeit zitieren
- Marie Stark (Autor:in), 2022, Das typologische Verfahren des Heidelberger Passionsspiels. Am Beispiel der Abendmahlserzählung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1293107