In den letzten Jahren gewann das Thema Web 2.0 im Internet zunehmend an Bedeutung, nicht zuletzt dank zunehmender Bandbreite und besserer Usability der Internetanwendungen. Zu diesem Thema finden sich in der Literatur viele theoretische Betrachtungen, doch wissenschaftliche Arbeiten über den konkreten Einsatz von Web 2.0-Anwendungen im Projektmanagement sind nur spärlich vorhanden. Die vorliegende Arbeit will diese Lücke schließen.
Ziel dieser Arbeit ist es, durch eine empirische Untersuchung den erwähnten praktischen Einsatz von Web 2.0-Anwendungen im Projektmanagement zu untersuchen. Hierbei stehen die Fragestellungen „Welche Web 2.0-Anwendungen werden tatsächlich eingesetzt?", „Welchen Problemen wird mit diesen Anwendungen begegnet?“ und „Welcher Nutzen wird aus diesen Web 2.0-Anwendungen gezogen?“ im Vordergrund.
Um Antworten auf diese Fragen zu erhalten, wurde eine schriftliche Online- Befragung von Personen, die im Projektmanagement tätig sind, durchgeführt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
4 Definition Web 2.0
4.1 Entstehung des Web 2.0
4.2 Vom Spezialisten-Web zum Jedermann-Web
4.3 Kerngedanken des Web 2.0
4.4 Das Internet als Betriebssystem
4.5 Kollektive Intelligenz und Social Software
5 Projektmanagement mit Social Software
5.1 Definition von Projektmanagement 2.0
5.2 Virtuelle Teamarbeit
5.3 Webanwendungen im Projektmanagement
5.4 Groupware versus Social Software
5.5 Projektkommunikation mit Weblogs
5.6 Projektkoordination und Dokumentation mit Wikis
5.7 Der Faktor Mensch beim Projektmanagement
6 Hintergrundinformation zur empirischen Studie
6.1 Vorteile und Nachteile von Online-Umfragen
6.2 Aufbau des Fragebogens
7 Ergebnisse der Umfrage
7.1 Fragen zum Unternehmen und zur Person
7.2 Projekteigenschaften
7.3 Wikis
7.4 Online-Projektmanagement-Tools
7.5 Blogs
7.6 Probleme
8 Schlussfolgerungen
8.1 Allgemein
8.2 Anwendungsfelder
8.3 Ziele
8.4 Nutzen
8.5 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Diplomarbeit untersucht den praktischen Einsatz, die Verbreitung und den wahrgenommenen Nutzen von Web 2.0-Anwendungen (insbesondere Wikis, Blogs und Online-Projektmanagement-Tools) im modernen Projektmanagement anhand einer empirischen Online-Umfrage im deutschsprachigen Raum.
- Definition und Bedeutung von Web 2.0 und Social Software im geschäftlichen Kontext.
- Analyse des Einflusses von Social Software auf die Projektkommunikation, -koordination und -dokumentation.
- Untersuchung der Potenziale und Herausforderungen für das Projektmanagement 2.0.
- Empirische Erhebung zum aktuellen Nutzungsgrad und zur Effektivität von Web 2.0-Tools in Projekten.
Auszug aus dem Buch
4.3 Kerngedanken des Web 2.0
Der Kerngedanke der Web 2.0-Idee ist das Miteinbeziehen der Nutzerin bzw. des Nutzers und das Ausnutzen dieser kollektiven Intelligenz zum Vorteil aller daran Beteiligten. Jede Nutzerin und Nutzer besitzt lediglich über beschränktes Wissen, aber durch den unbeschränkten Austausch von Wissen und Erfahrungen können enorme Mengen an Information gesammelt, strukturiert und als Informationsquelle den Nutzerinnen und Nutzern zur Verfügung gestellt werden.
Einfache Applikationen wie Wikis, Blogs, ICQ oder Skype stellen die technische Basis dar, um Nutzerinnen und Nutzern die Möglichkeit zu bieten, ohne Programmierkenntnisse Inhalte zu veröffentlichen bzw. weltweit ohne hohe Kosten zu kommunizieren. Durch einfache Installation und Bedienung fangen viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kleiner und großer Unternehmen an, Social Software Tools am Arbeitsplatz ohne das Wissen ihrer Führungskräfte einzuführen.
Ein gutes Beispiel für das Ausnutzen kollektiver Intelligenz durch die Mitwirkung der Kundinnen und Kunden bzw. Nutzerinnen und Nutzern erläutert Chris Anderson bei der Recherche und Arbeit an seinem Buch „Free Economy“. Er beschreibt Kernideen und stellte Textbausteine auf seinem Blog online zur Verfügung. Diese seinen Leserinnen und Lesern zur Verfügung gestellten Texte wurden von ebendiesen diskutiert und kritisiert. Was vorher für viele Autorinnen und Autoren unvorstellbar war, nämlich vor der Fertigstellung eines Buches wichtige Teile öffentlich zugänglich zu machen, wurde für Chris Anderson zur Erfolgsgeschichte.
Die von den Nutzerinnen und Nutzern unentgeltlich zur Verfügung gestellten Kommentare und die offene Kritik waren für den Autor sehr wertvoll für die Weiterentwicklung seines Buches. Viele Ideen von Nutzerinnen und Nutzern wurden in das Buch integriert. Nicht zuletzt ist durch die teilweise Vorveröffentlichung und die vielen Berichte in Medien und Blogs ein unschätzbarer Werbewert entstanden. Anderson beschreibt diese Phänomen in seinem Buch „The Long Tail“ mit dem Wort „Crowdsourcing“: „Die so genannte „Peer Production“ (man spricht von Peer Production, wenn viele unentgeltlich und uneigennützig an einer Produktentwicklung teilnehmen z.B. Open-Source) hat eBay, Wikipedia, Craigslist und MySpace geschaffen und Netflix mit Hunderttausenden von Filmkritiken versorgt. […] Beispiele dafür, wie Kunden etwas freudig umsonst erledigen, wofür sonst die Unternehmen ihre eigenen bezahlten Angestellten hätten einsetzen müssen.“
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Bedeutung des Internets für das Projektmanagement und formuliert das Ziel, die Auswirkungen und den Einsatz von Web 2.0-Anwendungen empirisch zu erforschen.
4 Definition Web 2.0: Dieses Kapitel definiert Web 2.0 als grundlegenden Wandel hin zur Partizipation, kollektiven Intelligenz und nutzergenerierten Inhalten statt reiner Konsumation.
5 Projektmanagement mit Social Software: Das Kapitel überträgt das Konzept des Web 2.0 auf das Projektmanagement (Projektmanagement 2.0), thematisiert virtuelle Teamarbeit und vergleicht Groupware mit Social Software.
6 Hintergrundinformation zur empirischen Studie: Es werden die methodischen Überlegungen für die Online-Umfrage, einschließlich der Vor- und Nachteile dieser Methode und des Aufbaus des Fragebogens, dargelegt.
7 Ergebnisse der Umfrage: Dieser Abschnitt wertet die erhobenen Daten zu den Rollen der Teilnehmer, den Projekteigenschaften sowie dem Einsatz und Nutzen spezifischer Tools wie Wikis, Blogs und Online-Projektmanagement-Anwendungen aus.
8 Schlussfolgerungen: Hier werden die Ergebnisse interpretiert und der Schluss gezogen, dass Web 2.0-Tools großes Potenzial für die Projektarbeit bieten, wobei kulturelle Faktoren und Akzeptanz als zentrale Herausforderungen für die Implementierung identifiziert werden.
Schlüsselwörter
Web 2.0, Projektmanagement, Social Software, Kollaboration, Wikis, Blogs, Online-Projektmanagement, Kollektive Intelligenz, Virtuelle Teams, Wissensmanagement, Online-Umfrage, Empowerment, Kommunikation, Peer Production, Crowdsourcing.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Einfluss und den Nutzwert moderner Web 2.0-Anwendungen innerhalb von Projektmanagement-Strukturen und evaluiert deren Verbreitung in der Praxis.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen umfassen die Definition von Web 2.0, die Anwendung von Social Software in Projekten, virtuelle Teamarbeit sowie die methodische Durchführung und Auswertung einer empirischen Online-Studie.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu erheben, welche spezifischen Web 2.0-Anwendungen im Projektmanagement tatsächlich verwendet werden, auf welche Probleme Anwender stoßen und welcher konkrete Nutzen daraus resultiert.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Der Autor führt eine empirische, schriftliche Online-Befragung bei Personen durch, die im Projektmanagement tätig sind, um quantitative Daten über den Einsatz der Tools zu gewinnen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der theoretischen Einordnung von Web 2.0 und Social Software sowie der detaillierten Betrachtung, wie Kommunikation, Koordination und Dokumentation durch diese neuen Technologien verbessert werden können.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Web 2.0, Projektmanagement 2.0, Kollaboration, Wikis, Blogs, virtuelle Teamarbeit und kollektive Intelligenz.
Wie unterscheidet sich "Social Software" von klassischer "Groupware"?
Während klassische Groupware eher auf die Organisation innerhalb einer geschlossenen Gruppe und deren Verwaltung ausgerichtet ist, setzt Social Software auf das Empowerment der einzelnen Nutzer und fördert informelle Kommunikation und soziale Vernetzung.
Warum spielt die Unternehmenskultur beim Einsatz von Wikis eine so wichtige Rolle?
Die Einführung von Wikis erfordert Transparenz und eine offene Fehlerkultur. Wenn die Unternehmenskultur jedoch starr ist und auf Kontrolle setzt, stoßen diese partizipativen Werkzeuge auf mangelnde Akzeptanz.
Was zeigt der "Collaboration and Social Media Report" in Bezug auf die Verbreitung von Web 2.0?
Der Bericht verdeutlicht, dass obwohl Web 2.0-Anwendungen als sehr effektiv bewertet werden, deren tatsächlicher Einsatz in Unternehmen bisher erst bei rund 10 % liegt.
Warum wird der "Faktor Mensch" als kritisch für das Wissensmanagement angesehen?
Die Technik ist nur so gut wie die Bereitschaft der Mitarbeiter, ihr Wissen aktiv zu teilen. Oftmals verhindern Informationsüberflutung und mangelnde Eigenmotivation den erfolgreichen Wissenstransfer über neue Plattformen.
- Quote paper
- Thomas Gruber (Author), 2009, Einsatzmöglichkeiten, Chancen und Nutzen von Web 2.0-Tools im Projektmanagement, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/129311