Eine Beschäftigung mit dem Nicht-Bild ist eine Herausforderung der besonderen Art, da erstens die Gefahr der Spekulation in einem Gebiet, das kaum erforscht ist, droht und zweitens sich dem positiven Wissenschaftsbegriff zu entziehen scheint. Das die Auseinandersetzung dennoch positive Ergebnisse zeitigen kann, und von einer spekulativen Ebene zu einer praktischen Anwendbarkeit übergeht, ist das Bestreben, dem diese Arbeit folgt. Dazu ist allerdings notwendig, den Begriff des Nicht-Bildes zu fassen und ihm, da er wie ein scheues Reh sich in die Dunkelheit flüchtet, eine Art Zaun um es herum zu bauen, einen Überbegriff zu finden, in dem er eine Bedeutung bekommen kann, die ihn für eine Analyse greifbar macht, und darüber hinaus sogar auf eine praktische Anwendbarkeit verweist.
Die begriffliche Fixierung von eng verwandten Begriffen und die Erläuterung des gefundenen Überbegriffs sind also die Vorarbeiten, um nachher auf die Frage nach dem Nicht-Bild mit konkreten Ergebnissen antworten zu können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Versuch einer Bestimmung von Bild im Film
3. Die Diegese
4. Nicht-Bild in Beziehung zum Diegetischen
4.1 Nicht-Bild als MacGuffin
4.2 Nicht-Bild als Gefahr
4.3 Nicht-Bild als Gag
4.4 Nicht-Bild als Tabu
4.5 Nicht-Bild als Bewusstseinsverlust
5. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die ästhetische und erzähltheoretische Bedeutung des sogenannten „Nicht-Bildes“ im filmischen Kontext. Ziel ist es, den Begriff theoretisch zu fassen, ihn von der positiven Bildlichkeit abzugrenzen und seine Funktion innerhalb der Diegese anhand spezifischer Kategorien zu analysieren.
- Definition und Bestimmung des Nicht-Bildes als essenzieller Teil der Filmerzählung.
- Die psychologische Rolle von Nicht-Präsenz für die Zuschauerwahrnehmung.
- Kategorisierung des Nicht-Bildes (MacGuffin, Gefahr, Gag, Tabu, Bewusstseinsverlust).
- Wechselwirkung zwischen dem Gezeigten und dem im Bewusstsein des Zuschauers Ergänzten.
Auszug aus dem Buch
4.1 Nicht-Bild als MacGuffin
Ein MacGuffin, von Hitchcock als Begriff geprägt und ironisch als „gar nichts“ bezeichnet, initiiert die Geschichte und bringt sie voran. Ihm liegt ein psychologisches Phänomen zugrunde, das Lacan erforscht hat und mit „Objekt klein a“ bezeichnete. Es gehört dem Imaginären an, hat aber auch Überschneidungen mit dem Symbolischen und ist als wirkmächtiges (Nicht-)Ding Teil der Realität im Film. Das Objekt klein a ist libidinös besetzt, es stellt den Grund des Begehrens dar und fungiert als Antrieb und Auslöser der Handlungen des Subjekts. Wichtig ist hierbei, dass das Objekt der Begierde unerreichbar ist. Denn nur so kann es als Antrieb fungieren, und der Antrieb stellt den eigentlichen Moment des Genusses dar. So kann auch die Spannung verstanden werden, die MacGuffin-getriebene Filme zu erzeugen im Stande sind. Als Nicht-Bild sind sie dennoch ununterbrochen im Bewusstsein als blinder Fleck und zugleich libidinös besetztes Bild anwesend.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Forschungsthema ein und betont die Notwendigkeit, das bisher wenig erforschte Nicht-Bild theoretisch zu präzisieren.
2. Versuch einer Bestimmung von Bild im Film: Hier wird der Grundstein gelegt, indem das "Bewegungs-Bild" als das Positive definiert wird, welches die Grundlage für die spätere Kontrastierung mit dem Nicht-Bild bildet.
3. Die Diegese: In diesem Kapitel wird das Konzept der Diegese nach Souriau herangezogen, um das Nicht-Bild kontextuell innerhalb der fiktionalen Erzählwelt zu verorten.
4. Nicht-Bild in Beziehung zum Diegetischen: Dieser Hauptteil analysiert die unterschiedlichen Formen und Wirkweisen des Nicht-Bildes, wie den MacGuffin, Gefahr, Gags, Tabus und Bewusstseinsverlust.
5. Zusammenfassung: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und unterstreicht die Relevanz des Nicht-Bildes für die moderne Filmwissenschaft.
Schlüsselwörter
Nicht-Bild, Diegese, Bewegungs-Bild, MacGuffin, Zuschauerwahrnehmung, Filmtheorie, Objekt klein a, Psychologie, Erzählstruktur, Bildsprache, Nicht-Präsenz, Filmanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das Phänomen des "Nicht-Bildes" im Film, also jener Elemente, die zwar narrativ bedeutsam sind, aber visuell nicht auf der Leinwand erscheinen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit konzentriert sich auf die Wechselwirkung zwischen dem sichtbaren Filmbild und der Vorstellungskraft des Zuschauers sowie auf die erzählerischen Funktionen von Leerstellen im Film.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die theoretische Begriffsbestimmung des Nicht-Bildes und die Entwicklung einer Kategorisierung, die bei der praktischen Filmanalyse behilflich ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär angewendet?
Es wird eine begriffliche Analyse und Kategorisierung vorgenommen, die durch filmtheoretische Konzepte (u.a. von Souriau, Lacan und Deleuze) gestützt wird.
Was steht im Zentrum des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in fünf Kategorien des Nicht-Bildes: den MacGuffin, die Gefahr, den Gag, das Tabu und den Bewusstseinsverlust.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren den Text am besten?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Nicht-Bild, Diegese, MacGuffin und Zuschauerwahrnehmung.
Inwiefern spielt das Konzept des "MacGuffin" eine Rolle für das Nicht-Bild?
Der MacGuffin dient als psychologischer Antrieb, der als "blinder Fleck" im Bewusstsein des Zuschauers verbleibt, ohne je als Bild konkretisiert zu werden.
Wie unterscheidet sich die "Gefahr" als Nicht-Bild von anderen Kategorien?
Die Gefahr ist ein temporäres Nicht-Bild, das in der Regel im Verlauf des Films durch die Konfrontation des Protagonisten zum sichtbaren Bild werden muss.
Warum wird das "Tabu" als Form des Nicht-Bildes betrachtet?
Das Tabu verdrängt bestimmte Inhalte (z.B. den Sexualakt) aus dem sichtbaren Bild, wobei diese durch das implizite Wissen des Zuschauers dennoch die narrative Spannung aufrechterhalten.
Welche Bedeutung hat der Ton beim "Bewusstseinsverlust"?
In dieser Kategorie ersetzt die Tonspur bei schwarzem oder verschwommenem Bild die visuelle Information, um das Geschehen im diegetischen Raum für den Zuschauer interpretierbar zu machen.
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- Josef Prenner (Author), 2009, Die Bedeutung des Nicht-Bildes in der Diegese, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/129340