Lernsituationen gestalten – Lernzirkel

Lernbereichsdidaktik: Sachunterricht


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006

11 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Lernzirkel: Kennzeichnung der Unterrichtsform
1.1 Entscheidungsfreiheiten der Schüler
1.2 Funktion des Lehrers
1.3 Aspekte der Materialbeschaffenheit
1.4 Unterrichtsablauf

2. Lernpotentialen
2.1 Selbsttätigkeit und Selbststeuerung in Lernzirkeln
2.2 Weitere wichtige Lernpotentialen

3. Probleme/Grenzen von Lernzirkeln

4. Geschichtliche Entwicklung

5. Literaturverzeichnis

1. Lernzirkel: Kennzeichnung der Unterrichtsform

Lernzirkel sind eine Unterrichtsform, die ein wahldifferenziertes, selbständiges Lernen zu einem Thema ermöglichen. Im Unterrichtsraum steht zu einem Thema eine größere Anzahl von Lernangeboten, welche selbständige, lehrerunabhängige und aktive Arbeit zulassen und fördern, bereit. Die Schüler müssen nicht alle Aufgaben bearbeiten und können weitgehend selbst über die Auswahl, die Reihenfolge und über die Zeit, die sie für die einzelnen Aufgaben verwenden möchten, entscheiden. Zudem sind in Lernzirkeln unterschiedliche Sozialformen möglich und die Unterrichtszeit ist verlängert. Häufig stehen mehrere Unterrichtsstunden, auch über einige Tage verteilt, bereit.

Eine Besonderheit des Lernzirkels als Unterrichtsform liegt vor allem darin, dass alle Schüler auf individuellen Wegen auf dasselbe Grobziel hinarbeiten.

„Denken, Lernen und Vergessen“ geschieht, „indem unser Gehirn punktuelle Eindrücke und Erfahrungen speichert und sich schließlich durch die Verflechtung sämtlicher Phänomene ein komplexes“ „Netzwerk des Lernens“[2] bildet“[1]. Diese Anschauung hört man im Begriff „Lernzirkel“ deutlich heraus. Sie wird in dieser Unterrichtsform umgesetzt. Die Schüler lernen über möglichst viele unterschiedliche Zugänge, auch unter Benutzung vieler Sinne, ein Unterrichtsthema aus vielen Perspektiven kennen. Der Begriff „Lernzirkel“ stammt aus dem Leistungssport. >Circuit< bedeutet Kreislauf oder Umlauf . Bei diesem 1952 von Morgan und Adamson entwickelten Zirkeltraining werden nacheinander verschiedene Aufgabenstationen durchlaufen, wobei an jeder Station entweder die Übungszeit oder die Anzahl der Übungen vorgegeben ist. Die verschiedenen Einzeltrainingseinheiten sind durch ihren Abwechslungsreichtum motivierend und tragen insgesamt zur Verbesserung der Leistungsfähigkeit bei.

Häufig werden auch die Begriffe „Stationenlernen“ („Lernen an Stationen“) und „Lernstraße“ für diese Form von Unterricht verwendet. Die Bezeichnung „Lernen an Stationen“ zeigt auf, dass hier ein Lernen gemeint ist, dass „Haltestellen auf einem Lernweg“ beinhaltet, „der die vielseitige Erschließung eines Themenkomplexes zum Ziel hat“[3]. Mit diesem Begriff wird vor allem die für diese Unterrichtform typische Vielzahl von markierten Standpunkten im Klassenzimmer, an denen die Schüler die Möglichkeit haben, nach ihrem eigenen Interesse und eigener Ausdauer zu verweilen, betont.[3]

Die Bezeichnung „Lernstraße“ ist nach Heidi Krebs [1] wenig sinnvoll, da diese eine „gewisse Linearität“ in sich trage. Der Begriff Lernzirkel hingegen lässt offen, ob die Stationen kreisförmig, aber dennoch aufeinander aufbauend angeordnet oder in der Reihenfolge beliebig vom Schüler auszuwählen sind.[1]

1.1 Entscheidungsfreiheiten der Schüler

Lernzirkel werden nach Gabriele Faust-Siehl [4] bezeichnet als „eine Spielart der Freien Arbeit“. Die Kinder haben bei thematischer Festlegung weitgehend Wahlfreiräume in bezug auf die Aufgaben und ihre Reihenfolge, die Sozialformen und die Lernzeit.

Die Wahlfreiheit in bezug auf das Arbeitsangebot ist darin gegeben, dass die Schüler frei aus einer Vielzahl an Lernangeboten, welche ihnen während der gesamten

Arbeitsphase zur Verfügung stehen, auswählen können. Sie können somit selbst, nach ihren eigenen Interessen und Fähigkeiten, entscheiden, welche gegebenen methodischen Möglichkeiten und Medien sie verwenden möchten. Arbeitsstrategien sind vom Schüler selbst auszutesten und zu bewältigen und selbst die Lernkontrolle wird weitgehend selbstständig durchgeführt. Auch leiten sie sich selbst an Ziele zu setzen, Arbeitsschritte

zu strukturieren und aufmerksam zu bleiben. Die Schüler „regulieren sich während des Lernens“ also „selbst“[5]. Es gibt hier jedoch auch Grenzen der Selbstbestimmung. So sind die Lernangebote um ein Thema zentriert und vom Lehrer vorgegeben. Die Sozialformen Einzel-, Partner- und Gruppenarbeit sollten alle in Lernzirkeln

zugelassen oder sogar gefordert sein. Jedoch sollten sich diese abwechseln, damit

sowohl eine eigenständige Auseinandersetzung, als auch eine gemeinsame Erarbeitung, die einen sozialen Umgang mit den Partnern verlangt, möglich ist.

Die genannte Wahlfreiheit in bezug auf die Lernzeit liegt darin, dass die Schüler selbst entscheiden können, wie lange sie sich an einer Station aufhalten. Sie können somit ihr Arbeitstempo und ihren Arbeitsfluss selbst festlegen. Es sind einzig die Gesamtzeit und die Verteilung der Unterrichtszeit auf Stunden bzw. Wochentage festgelegt. Am Ende eines Lernzirkels werden die Lernangebote meist weggeräumt, um deutlich zu machen, dass Lernzeiten nicht beliebig ausweitbar sind.

Die hier für die Lernzirkelarbeit beschriebene typische Selbstständigkeit bei der Wahl und der Ausführung bewegt sich in unterschiedlichen Ausführungen dieser Unterrichtform in einer großen Bandbreite, die von etwas geschlosseneren bis zu sehr offenen Formen reichen kann.

So können Lernzirkel so gestaltet sein, dass ein bestimmter Teil der Aufgaben verpflichtend ist, also von allen Schülern bearbeitet werden muss (Pflichtstationen) oder dass einige Aufgaben zwar verpflichtend, aber nur eine bestimmte Anzahl davon auszuwählen und zu erledigen sind (Wahlpflichtstationen). Neben diesen verpflichtenden Aufgaben sind jedoch auch freiwillige Lernstationen gegeben.

In offeneren Formen jedoch bleibt die Auswahl der Aufgaben völlig frei.

Auch die Aufgaben können im Rahmen einzelner Stationen eher offen oder geschlossen gestellt werden, je nachdem, ob von den Schülern nur der Nachvollzug eines vorgegebenen Lösungswegs oder eine kreative Problemlösung gefordert wird. „Stationenarbeit kann sogar soweit geöffnet werden, dass die Kinder bei der Gestaltung von Stationen für einen Lernzirkel mitarbeiten oder eigene Stationen erfinden können“[6].

1.2 Funktion des Lehrers

Während des Lernzirkelunterrichts agiert der Lehrer im Hintergrund, er übernimmt eine „indirekte Leitfunktion“[7]. Der Unterricht ist somit nicht lehrerzentriert, „der Lehrer gibt den Schüler aus der didaktischen Führung frei“[8]. Die Schüler werden hierbei zum Hauptträger des Unterrichts, während der Lehrer die Kinder in einer vorbereiteten Reizwelt leitet. Die Lehrperson steht der Klasse als Helfer und Berater zur Verfügung und beobachtet die Vorgehensweisen der Schüler. Somit kann er ins Stocken geratenen Lernprozessen einen neuen Anstoß geben. Auch soll er sich offen zeigen für Fragen einzelner Schüler und Vertrauen in die Fähigkeiten der Kinder setzen. Hierbei ist es besonders wichtig Interesse für die Überlegungen der Kinder zu zeigen, ihnen zuzuhören und geduldig zu bleiben. Als Beobachter kann die Lehrperson die Kinder besser kennen lernen in Bezug auf Eigenart, Begabung, Neigung und Arbeitstempo, als in geschlosseneren Unterrichtsformen. Auch kann sie hierbei Aufschlüsse bezüglich der Effektivität des Materials gewinnen.

Nach Montessori [9] kommen den Lehrpersonen auch die Aufgaben zu, „Aufseher der Umgebung und Wächter des Arbeitsklimas zu sein“. So soll der Lehrer die Schüler zu Pflege und Ordnung der Materialien und zu einem guten Umgang aller Beteiligten untereinander hinführen.

Die Hauptarbeitsphase für den Lehrer liegt jedoch in der Vorbereitung des Arbeitsangebots und der Bereitstellung von didaktischen Arbeitsmaterialien. Dies erfordert ein enormes Maß an Kreativität, Phantasie und Zeiteinsatz, da diese Materialien jedem Schülertyp einen geeigneten und angemessenen Zugang zu einem Unterrichtsthema ermöglichen sollen. Hierbei ist es notwendig, dass der Lehrer in seiner Unterrichtsvorbereitung den Schülern voraus denkt und die Aufgaben so gestaltet, dass diese nicht durch einfaches Hinterherdenken zu lösen sind, sondern durch eigene individuelle Denkprozesse, die auch Umwege zulassen.

Nach Beendigung des Lernzirkelunterrichts kommt der Lehrperson die Aufgabe des Abräumens der Stationen und die Schlussreflexion des Lernzirkelunterrichts zu. Sie sollte sich die Zeit nehmen die gesamte Arbeitsphase an den Stationen noch einmal kritisch Revue passieren zu lassen. Die Stärken und Schwächen der Aufgaben und der Organisation, als auch Verbesserungsvorschläge sollten notiert werden um die Vorbereitungen eines weiteren Lernzirkeleinsatzes zu erleichtern. Auch sollten die schriftlich fixierten Arbeiten der Kinder durchgesehen werden.

[...]


[1] Krebs, Lernzirkel, 20;

[2] Vester, Frederic: Denken, Lernen, Vergessen, München 1986: S.32 f. in Krebs, Lernzirkel, 20;

[3] Krebs, Lernzirkel, 19;

[4] Claussen, Handbuch, 24

[5] Krebs, Lernzirkel, 39;

[6] Hegele, Stationenarbeit, 8,9;

[7] Krebs, Lernzirkel, 41;

[8] Krebs, Lernzirkel, 40;

[9] Montessori in Holtstiege, S. 160 in Krebs, Lernzirkel, 42

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Lernsituationen gestalten – Lernzirkel
Untertitel
Lernbereichsdidaktik: Sachunterricht
Hochschule
Pädagogische Hochschule Ludwigsburg
Veranstaltung
Sozialwissenschaftliche Aspekte im neuen Fächerverbund MeNuK (Inhaltliche Schwerpunkte: Interkulturelles Lernen, Geschlechterproblematik)
Note
2
Autor
Jahr
2006
Seiten
11
Katalognummer
V129346
ISBN (eBook)
9783640356614
ISBN (Buch)
9783640356966
Dateigröße
424 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lernsituationen, Lernzirkel, Lernbereichsdidaktik, Sachunterricht
Arbeit zitieren
Silke Klein (Autor), 2006, Lernsituationen gestalten – Lernzirkel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/129346

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