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Die Studentenbewegung und die Medien

Title: Die Studentenbewegung und die Medien

Term Paper , 2008 , 21 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Bianca Hühnerfuß (Author)

Politics - History of Political Systems
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Die Studentenbewegung war die erste soziale Bewegung, in der weit über den politischen Protest hinausgehend etablierte kulturelle Werte, Lebensformen und emotionale Verhaltensmuster völlig neu geordnet wurden. Außerdem war sie die erste soziale Bewegung, die ihren Protest nicht nur in alternativen Teilöffentlichkeiten und auf der Straße artikulierte, sondern die für ihre Proteste gezielt die Massenmedien nutzte. Die Inszenierung von Tabu-Brüchen, Grenzverletzungen und Schockaktionen traf Ende der 1960er Jahre auf eine medien-historische Schwellensituation, in der die Massenmedien durch den Siegeszug des Fernsehens einem grundlegenden Wandel unterzogen wurden. Neben dem Fernsehen stellten auch die Print-Medien ihre Berichterstattung umfassend auf visuelle und emotionale Kriterien um. Die expressiven Protestaktionen der Studentenbewegung wurden in diesem medien-historischen Kontext der Visualisierung und Emotionalisierung von den Massenmedien schon früh als Medienereignis erkannt. In ihrer wirksamen Re-Inszenierung der Proteste wurden die Massenmedien damit selbst zu Akteuren im Bereich der politischen und kulturellen Konflikte Ende der 1960er Jahre.1
„Es ist zweifelhaft, ob die Revolte jemals solche Ausmaße angenommen hätte, wenn es keine Fernsehkameras gäbe. Studentenproteste, die sich in geordneten Formen und nach den Spielregeln der freien Meinungsäußerung abspielen, haben nicht die mindeste Chance, [...] auf die Titelseiten der Presse zu kommen.[...]. Die Dirigenten der Rebellion spekulierten mit wachsendem Erfolg auf die Faszination der modernen Gesellschaft durch das Abnorme und auf ihr kränkliches Bedürfnis nach immer stärkeren Nervenkitzeln.“2 Es besteht also kein Zweifel daran, dass ohne das Fernsehen die Austrahlungskraft eines Dutschke auf die junge Intelligenz der damaligen Bundesrepublik eine sehr viel geringere gewesen wäre. Zumal die Ereignisse in Berlin praktisch zeitgleich in die ganze Bundesrepublik übertragen wurden und damit den Eindruck der „Nähe“ vermittelten. Im Übrigen war auch der Vietnam-Krieg der erste „Fernsehkrieg“, der unter den kommunikativen Bedingungen dieses damals noch jungen Mediums geführt wurde.3

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1. Untersuchungsgegenstand und Problemstellung

1.2. Forschungsstand

1.3. Aufbau und Methode

2. Soziale Bewegungen und Massenmedien

2.1. Definition „Bewegung“

2.2. Soziale Bewegungen und massenmediale Berichterstattung

2.3. Ereignisinszenierung und die Schaffung von Öffentlichkeit

2.4. Medienberichterstattung

3. Die Beziehung der Studentenbewegung zu den Medien

3.1. Protestformen und ihre Funktionen

3.2. Revolte vor den Medien

3.3. Revolte mit den Medien: Das Kursbuch

3.4. Revolte gegen die Medien

3.5. Rückwirkungen der Studentenbewegung auf die Massenmedien

4. Schlussbetrachtung

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die komplexe Wechselbeziehung zwischen der Studentenbewegung der späten 1960er Jahre und den Massenmedien. Dabei wird analysiert, inwieweit die Bewegung die Medien als Instrument für ihre Öffentlichkeitsarbeit nutzte, wie sie durch mediale Inszenierungen (Pseudoereignisse) Aufmerksamkeit erzwang und in welchem Maße dieser Prozess zu einer gegenseitigen Beeinflussung sowie zur medialen Radikalisierung der Proteste beitrug.

  • Die mediale Inszenierung von Protesten als "symbolische Politik".
  • Die Rolle des "Kursbuchs" als zentrales publizistisches Medium der Studentenbewegung.
  • Die Dialektik zwischen "Revolte vor, mit und gegen die Medien".
  • Die langfristigen Rückwirkungen der Bewegung auf die Medienlandschaft und den Journalismus.
  • Das Spannungsfeld zwischen der Notwendigkeit medialer Aufmerksamkeit und der Gefahr der Vereinnahmung.

Auszug aus dem Buch

3.3. Revolte mit den Medien: Das Kursbuch

Das Kursbuch, herausgegeben von Hans Magnus Enzensberger, war die zentrale Zeitschrift für Akteure der deutschen Studentenbewegung und leistete einen entscheidenden Beitrag zu deren Formierung und Mobilisierung.

Es griff nicht nur issues der Bewegung auf, sondern setzte sie auch. Außerdem machte es das deutsche Publikum mit wichtigen internationalen Theoretikern bekannt, und dies sogar in deutscher Erstübersetzung. Darüber hinaus leistete die Zeitschrift einen Beitrag zur Verbindung von Themen und Aktionsformen der internationalen Protestbewegung auf der einen und von Akteuren auf der anderen Seite. Die Aussicht, mit dem Kursbuch einen Beitrag zur Schaffung einer „Gegenöffentlichkeit“ zu leisten, mit einem publizistischen Organ, das den nationalstaatlichen Rahmen über den Manuskriptaustausch mit Zeitschriften anderer Länder und dem Anliegen, die internationalen Protestbewegungen zu vernetzen, Grenzen zu überschreiten versuchte, machte die Attraktivität der Zeitschrift für die Studentenbewegung aus.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in den Untersuchungsgegenstand, den Forschungsstand sowie die methodische Herangehensweise an die Wechselwirkung von Studentenbewegung und Medien.

2. Soziale Bewegungen und Massenmedien: Theoretische Definition von sozialen Bewegungen und deren essenzielle Notwendigkeit zur medialen Öffentlichkeitsherstellung.

3. Die Beziehung der Studentenbewegung zu den Medien: Detaillierte Analyse der verschiedenen Protestformen, der Rolle des Kursbuchs und der kritischen Auseinandersetzung mit dem Springer-Konzern.

4. Schlussbetrachtung: Synthese der Ergebnisse, die das Verhältnis zwischen der Bewegung und den Medien als kompetitive Symbiose beschreibt.

Schlüsselwörter

Studentenbewegung, Massenmedien, Kursbuch, Gegenöffentlichkeit, Protestinszenierung, 1968, Neue Linke, Medienrevolte, Öffentlichkeitsarbeit, Symbolische Politik, Vietnamkrieg, APO, Springer-Presse, Demokratie, Medienwirkung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die wechselseitige Beziehung zwischen der deutschen Studentenbewegung Ende der 1960er Jahre und den Massenmedien, welche als zentrales Instrument für politischen Protest fungierten.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Themen umfassen die Inszenierung von Protest, die Funktion von Alternativmedien wie dem Kursbuch, die Auseinandersetzung mit den etablierten Medienhäusern sowie die Medialisierung politischer Kommunikation.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es zu klären, wie die Studentenbewegung die Logik der Massenmedien instrumentalisierte, um Öffentlichkeit zu erlangen, und wie dies wiederum die Struktur der Bewegung sowie die Medien selbst veränderte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine sozial- und kulturhistorische Analyse unter Einbeziehung medienwissenschaftlicher Ansätze, insbesondere durch die Auswertung zeitgenössischer Literatur und Fachbeiträge zur Protestforschung.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil wird der Bogen von den theoretischen Grundlagen sozialer Bewegungen über die verschiedenen Phasen des Medienumgangs (vor, mit und gegen die Medien) bis hin zu den konkreten Rückwirkungen auf die Medienlandschaft geschlagen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind insbesondere: Studentenbewegung, Gegenöffentlichkeit, Medienereignis, Kursbuch, Protestinszenierung und der Einfluss der Massenmedien auf die politische Agenda.

Warum spielte das Kursbuch eine so zentrale Rolle für die Studentenbewegung?

Es fungierte als Plattform, die internationale Theorie und nationale Protestpraxis verband und maßgeblich zur intellektuellen Formierung der Neuen Linken beitrug.

Was war das Ziel der "Revolte gegen die Medien"?

Die Angriffe, insbesondere auf den Springer-Verlag, zielten darauf ab, die als manipulierend wahrgenommenen Pressekonzentrationen aufzubrechen und eine demokratische Kontrolle der Medien zu fordern.

Inwiefern hat die Studentenbewegung die Medienlandschaft selbst verändert?

Die Bewegung führte dazu, dass Protestereignisse stärker in den Fokus rückten, sie beeinflusste Redaktionsstatuten und forcierte die Professionalisierung sowie Visualisierung des Fernsehens.

Was bedeutet der Begriff "kompetitive Symbiose" in diesem Kontext?

Der Begriff beschreibt das wechselseitige Abhängigkeitsverhältnis, in dem die Bewegung auf Medienaufmerksamkeit angewiesen war, während die Medien von der Inszenierung der Bewegung als "publikumswirksame Ereignisse" profitierten.

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Details

Title
Die Studentenbewegung und die Medien
College
Technical University of Chemnitz
Grade
1,7
Author
Bianca Hühnerfuß (Author)
Publication Year
2008
Pages
21
Catalog Number
V129347
ISBN (eBook)
9783640392063
ISBN (Book)
9783640391929
Language
German
Tags
Studentenbewegung Medien
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Bianca Hühnerfuß (Author), 2008, Die Studentenbewegung und die Medien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/129347
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