Sprachenpolitik in Afrika


Seminararbeit, 2009
19 Seiten, Note: 1,0
Anonym

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Offizielle Sprachen, Nationalsprachen und Verkehrssprachen in Afrika

3. Endoglossische und exoglossische Nationen
3.1. Endoglossische Nationen
3.1.1. Staaten mit aktiver endoglossischer Politik – erklärt am Beispiel des Staates Somalia
3.1.2. Staaten ohne aktive endoglossische Politik – erklärt am Beispiel des Staates Botsuana
3.2. Exoglossische Nationen
3.2.1. Exoglossische Nationen mit der offiziellen Sprache
Englisch – erklärt am Beispiel des Staates Sambia
3.2.2. Exoglossische Nationen mit der offiziellen Sprache Französisch – erklärt am Beispiel des Staates Togo

4. Die Sprachenpolitik nach der Kolonialzeit – endoglossisch oder exoglossisch

5. Vor- und Nachteile des Sprachenpluralismus in Afrika – Sprachenpluralismus als Konfliktpotential?

6. Sprachenpluralismus und Bildungspolitik

7. Die Sprachenpolitik und ihre Auswirkungen auf die Literatur am Beispiel des kenianischen Schriftstellers Ngũgĩ wa Thiong'o

8. Sprachenpolitik in Südafrika als zusammenfassendes Beispiel – die Erfahrungen einer deutschen Austauschstudentin

9. Schluss

10. Verzeichnis der verwendeten Literatur sowie Internet- und Bildquellen

1. Einleitung

Mit etwa 967 Millionen Einwohnern leben auf dem afrikanischen Kontinent ungefähr 14,4% der Weltbevölkerung. Es ist kaum vorstellbar, dass dort knapp 35 % aller menschlichen Sprachen gesprochen werden. Wissenschaftler schätzen die Zahl der in Afrika gesprochenen Sprachen, die gegenseitig nicht verständlich sind, auf über 1.500 (vgl. Gerhardt 271+272).

„Sprache ist eines der wichtigsten Identifikationsmerkmale, sowohl fürs Individuum als auch fürs Kollektiv“ (Brüll). Die Sprache dient aber nicht nur der Identifikation, sondern vor allem auch der Kommunikation. Die Kommunikation ist in den Staaten Afrikas besonders problematisch. So sprechen Afrikaner und Afrikanerinnen im Privatleben in ihrer Muttersprache. Sobald sie mit Menschen kommunizieren müssen, die eine andere einheimische Sprache sprechen, verwenden sie eine Verkehrssprache. Zur Verständigung in den Schulen, der Politik, der Wirtschaft, der Justiz und in der Verwaltung muss die Bevölkerung normalerweise, zumindest in sehr vielen afrikanischen Staaten, die importierte Sprache der einstigen Kolonialherren beherrschen. Allerdings versteht und spricht in der Regel nur eine geringe Prozentzahl der afrikanischen Bevölkerung die importierte Sprache (vgl. Brenzinger Matthias).

Eine Aufgabe Afrikas liegt darin, die Probleme zu lösen, die der Sprachenpluralismus mit sich bringt. Hierfür braucht der Kontinent eine optimale Sprachenpolitik. Darunter versteht man politische Maßnahmen und Regelungen, die hauptsächlich in Ländern oder Organisationen getroffen werden müssen, in denen mehrere Sprachen gesprochen oder angewandt werden. Diese Regeln beeinflussen die Stellung, die Entwicklung und die Verwendung der Sprachen in dem jeweiligen Land oder der betroffenen Organisation (vgl. Wikipedia).

In der folgenden Arbeit soll die Sprachenpolitik in Afrika vorgestellt werden. Hierbei wird auf endoglossische und exoglossische Nationen eingegangen, die anhand einiger Beispiele genauer dargestellt werden sollen. Außerdem geht die Arbeit auf die Vor- und Nachteile des Sprachenpluralismus, auf die Probleme der Bildungspolitik und auf den kenianischen Schriftsteller Ngũgĩ wa Thiong'o ein. Zusammenfassend wird der Staat Südafrika in Hinblick auf die Sprachenpolitik vorgestellt. Zuerst werden die Bezeichnungen offizielle Sprache, Nationalsprache und Verkehrssprache definiert.

2. Offizielle Sprachen, Nationalsprachen und Verkehrssprachen in Afrika

Obwohl die deutsche Sprache bis jetzt noch nicht im Grundgesetz verankert ist, wird sie trotzdem die offizielle Sprache der Bundesrepublik genannt, denn Deutsch ist die einzige Sprache, die in Deutschland in der Politik, Justiz oder Verwaltung verwendet wird. Man kann sie somit als offizielle Sprache und auch als Nationalsprache der Bundesrepublik bezeichnen.

In Hinblick auf Afrika wären diese Bezeichnungen allerdings nicht korrekt. Auf dem afrikanischen Kontinent ist es unbedingt notwendig, diese beiden Begriffe unterschiedlich zu definieren. Eine Sprache erhält den Status einer offiziellen Sprache, wenn dies in einem Gesetz oder einer Verfassung eines Landes festgelegt ist. Diese offizielle Sprache zeichnet sich durch ihren obligatorischen Gebrauch in der Politik, in der Justiz, in der Verwaltung, in der Wirtschaft oder auch im Bildungssektor eines Landes aus. In den afrikanischen Staaten sind die offiziellen Sprachen meistens die Sprachen der ehemaligen Kolonialherren, also die von den Europäern eingeführten Sprachen. Bei den Nationalsprachen hingegen handelt es sich in der Regel um einheimische, afrikanische Sprachen. Problematisch ist allerdings, dass in einem afrikanischen Staat sehr viele einheimische Sprachen gesprochen werden. Die Nationalsprache zeichnet sich in der Regel dadurch aus, dass sie politisch neutral ist und mit den weiteren Sprachen, die in einem Staat heimisch sind, sprachlich verwandt ist. Außerdem muss diese Sprache in dem jeweiligen Staat weit verbreitet sein und von großen Bevölkerungsteilen verstanden werden (vgl. Heine 15-18).

Wichtig ist, dass afrikanische Staaten auch zwei offizielle Sprachen und zudem eine Nationalsprache oder aber auch nur eine offizielle Sprache und keine Nationalsprache haben können (vgl. Heine 15-18). Neben den offiziellen Sprachen und Nationalsprachen findet man auf dem Kontinent auch noch Verkehrssprachen. Eine Verkehrssprache, auch Lingua franca genannt, ist eine Sprache, die die Verständigung unter Menschen, die unterschiedliche Muttersprachen sprechen, vereinfacht oder überhaupt erst ermöglicht (vgl. Brüll).

3. Endoglossische und exoglossische Nationen

Abbildung 1

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Auf dem afrikanischen Kontinent unterscheidet man vier verschiedene Sprachstämme, die auch auf Abbildung 1 eingezeichnet sind: Im Norden findet man den Afroasiatischen Sprachstamm (blau eingezeichnet), vom Sudan bis Mali befindet sich der Nilo-Saharanisch Sprachstamm (gelb eingezeichnet), der Niger-Kordofanische Sprach-stamm ist im Westen, im Zentrum und im Süden Afrikas zu finden (rot und orange eingezeichnet) und die Khoisansprachen werden im Westen des südlichen Afrikas gesprochen (grün eingezeichnet). Diese vier Sprachstämme können wiederum in Sprachfamilien unterteilt werden. Allerdings stellt sich die Klassifizierung der Sprachfamilien auf Grund der immer noch unzähligen unbekannten oder unerforschten Sprachen als äußerst problematisch dar (vgl. Gerhardt 272). Des Weiteren unterscheidet man in Afrika hinsichtlich der Sprachenpolitik verschiedene Nationen: Es gibt endoglossische und exoglossische Nationen.

3.1. Endoglossische Nationen

Endoglossische Nationen zeichnen sich durch eine einheimische Sprache aus, die als offizielle Sprache fungiert. Neben dieser einheimischen Sprache kann unter Umständen auch eine europäische Sprache als offizielle Sprache gelten. Grundsätzlich kann man zwei Formen der endoglossischen Nationen unterscheiden: Zum einen gibt es Staaten, die eine aktive endoglossische Politik betreiben, zum anderen Staaten, die ohne aktive endoglossische Politik regieren (vgl. Heine 31-35).

3.1.1. Staaten mit aktiver endoglossischer Politik – erklärt am Beispiel des Staates Somalia

Das Ziel jeder endoglossischen Nation mit aktiver endoglossischer Politik liegt darin, ihre einheimische Sprache in allen Bereichen innerhalb des Staates zu fördern und anzuwenden (vgl. Heine 31). Somalia beispielsweise betreibt seit dem Jahr 1972 eine aktive endoglossische Politik. Die offizielle Sprache und die Nationalsprache Somalias ist Somali. Außerdem wird Arabisch gesprochen. Die beiden ehemaligen Kolonialsprachen Englisch und Italienisch sind noch nicht vollkommen verschwunden (vgl. CIA – Somalia). Somali wird von fast allen Einwohnern Somalias gesprochen und auch in der Politik, in der Wirtschaft, in der Verwaltung und im Schulwesen gefördert und angewandt. Somit herrscht in Somalia eine starke Homogenität, was die Sprache betrifft (vgl. Heine 33). Selbstverständlich gibt es in einem solchen Staat, der immerhin eine Fläche von etwa 650.000 km² einnimmt, viele Dialekte, die sich teilweise so stark unterscheiden, dass sie nicht untereinander verständlich sind. Allerdings gibt es in Somalia deshalb auch einen bestimmten Dialekt, der als Lingua franca dient (vgl. Reh 15).

3.1.2. Staaten ohne aktive endoglossische Politik – erklärt am Beispiel des Staates Botsuana

Der Unterschied zu Staaten mit aktiver endoglossischer Politik liegt bei Staaten ohne aktive endoglossische Politik in der Verwendung der Nationalsprache. Die einheimische Sprache wird in Staaten ohne aktive endoglossische Politik durch die importierte Sprache verdrängt und dadurch vernachlässigt. So bevorzugen Politik und Medien oftmals die europäische Sprache. In Botsuana beispielsweise gilt neben Tswana noch Englisch als offizielle Sprache. Tswana ist außerdem die Nationalsprache des Staates. In der Politik und in der Verwaltung verwendet man sowohl Englisch als auch Tswana, allerdings gilt Englisch, das von weniger als einem Viertel der Bevölkerung verstanden wird, als die Sprache des Parlaments. Auch in den Schulen wird das Englische meist bevorzugt. Lediglich in der Grundschule wird in der Regel auf Tswana unterrichtet. (vgl. Heine 35). Laut The World Factbook der CIA sprechen in Botswana 78,2 % der Bevölkerung Tswana und lediglich 2,1 % Englisch als Muttersprache (vgl. CIA – Botswana).

3.2. Exoglossische Nationen

In exoglossischen Nationen gelten die während der Kolonialzeit aus Europa eingeführten Sprachen als offizielle Sprachen. In Afrika lassen sich die exoglossischen Nationen in zwei Kategorien unterteilen: Zum einen gibt es exoglossische anglophone Staaten, in denen die offizielle Sprache Englisch ist, zum anderen gibt es exoglossische frankophone Staaten, in denen Französisch als offizielle Sprache gilt (vgl. Heine 37).

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Sprachenpolitik in Afrika
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (FASK Germersheim)
Veranstaltung
Proseminar: Ngũgĩ wa Thiong'o, Matigari
Note
1,0
Jahr
2009
Seiten
19
Katalognummer
V129357
ISBN (eBook)
9783640351794
Dateigröße
607 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sprachenpolitik, Afrika
Arbeit zitieren
Anonym, 2009, Sprachenpolitik in Afrika, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/129357

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