Durch Neue Medien, insbesondere der internetbasierten Kommunikation, hat sich
gewandelt, wie Sprache und Texte rezipiert und produziert werden. Es haben sich
neue Kommunikationsformen und Textsorten – wie beispielsweise E-Mail, Chat,
SMS und Homepage – entwickelt und etabliert.
Durch die Entwicklung des Internets von einer reinen Informationsplattform zu
einem selbst zu gestaltenden Unterhaltungsmedium kann sich der Internet-Nutzer als Textproduzent kreativ und frei entfalten, was das Erscheinungsbild von Sprache stark verändert.
In dieser Arbeit werden sprachliche Veränderungen dargestellt und Tendenzen aufgezeigt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Fragestellung und Zielsetzung
1.2 Aufbau der Arbeit
2. Forschungsüberblick
2.1 Internet und Internet-Nutzer
2.2 Internetspezifische Kommunikationsbedingungen
2.3 Konzeptionelle Mündlichkeit
2.4 Internetspezifische Merkmale
2.4.1 Sprachliche Merkmale
2.4.2 Bildliche Merkmale
2.4.3 Intendierte Abweichungen und Fehler
2.5 Erklärungen für Sprachwandel
2.6 Zwischenfazit
3. Grundlagen der Analyse
3.1 Ausgangspunkte
3.2 Die Untersuchungsmethode
3.3 Die Materialgrundlage
4. Exemplarische Analyse von Anzeigentexten aus Internet und Printmedien
4.0 Vorbemerkungen
4.1 Kontextuelle Kriterien von Internet und Printmedien
4.2 Private Kontaktanzeigen
4.2.0 Vorbemerkungen
4.2.1 Kommunikationssituation
4.2.2 Materielle Textgestalt
4.2.3 Textfunktion
4.2.4 Thema des Textes
4.2.5 Sprachliche Gestaltung
4.2.6 Zwischenfazit
4.3 Private Verkaufsanzeigen
4.3.1 Kommunikationssituation
4.3.2 Materielle Textgestalt
4.3.3 Textfunktion
4.3.4 Thema
4.3.5 Sprachliche Gestaltung
4.3.6 Zwischenfazit
4.4 Werbeanzeigen
4.4.0 Vorbemerkungen
4.4.1 Kommunikationssituation
4.4.2 Materielle Textgestalt
4.4.3 Textfunktion und Thema
4.4.4 Sprachliche Gestaltung
4.4.5 Zwischenfazit
5. Analyseergebnisse
5.1 Klassifikation der Textexemplare
5.2 Sprachveränderungen
5.3 Einflüsse auf nicht-internetbasierte Kommunikation
5.4 Gründe für Sprachveränderungen
5.4.0 Vorbemerkungen
5.4.1 Sprachökonomie und sprachliche Innovation
5.4.2 Anonymität und sinkendes Normbewusstsein
5.4.3 Interaktivität
5.4.4 Einfluss von Varietäten
6. Fazit
7. Ausblick: Didaktisches Potenzial internetbasierter Texte
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht den Einfluss der elektronischen Kommunikation auf die deutsche Gegenwartssprache durch einen vergleichenden Kontrast von Textsorten im Internet und in traditionellen Printmedien. Ziel ist es, die Auswirkungen digitaler Rahmenbedingungen auf die sprachliche und materielle Gestaltung von Texten zu analysieren und zu prüfen, ob internetbasierte Sprachphänomene auf die Printmedien zurückwirken.
- Analyse internettypischer Kommunikationsbedingungen wie Multimedialität und Interaktivität.
- Vergleich von Kontaktanzeigen, Verkaufsanzeigen und Werbeanzeigen in Online- und Printmedien.
- Untersuchung sprachlicher Veränderungen im Hinblick auf Sprachökonomie und Mündlichkeit.
- Evaluation des Sprachwandels durch den Einfluss neuer Medien und digitaler Textformate.
- Diskussion des didaktischen Potenzials internetbasierter Texte für den Sprachunterricht.
Auszug aus dem Buch
2.4.1 SPRACHLICHE MERKMALE
In der Literatur ist die Meinung vertreten, dass die Sprache im Internet eine eigene Varietät darstellt; vor allem deshalb, weil in der Schriftsprache des Internets immer mehr Normabweichungen auftreten und akzeptiert werden. CRYSTAL (2001) bezeichnet die Sprache im Internet als „a genuine language variety“ (CRYSTAL 2001, 92). Im Gegensatz zu CRYSTAL und weiteren Tendenzen in der Literatur, den Sprachgebrauch im Internet als „Websprache“ (RUNKEHL/SCHLOBINSKI/SIEVER 2005), „Cyber-Deutsch“ (BÄR 2000) etc. zu bezeichnen, gibt es Autoren, die die eingrenzende Bezeichnung des Sprachgebrauchs im Internet als sprachliche Varietät ablehnen; u.a. deshalb, weil viele für das Internet typische sprachliche Merkmale auch in anderen Kontexten auftreten und diese nicht generell, sondern nur situations- und sprecherabhängig verwendet würden (vgl. DÜRSCHEID 2004, 147).
In Anlehnung an SCHLOBINSKI (2000) könne weder von einer Internetsprache noch von einer sondersprachlichen Varietät ausgegangen werden, da es im Internet einfach viel zu viele verschiedene heterogene Textsorten gebe, sodass man nicht von der Netzsprache oder dem Sprachgebrauch im Internet sprechen könne. In Anlehnung an SCHLOBINSKI stellt der internetspezifische Sprachgebrauch einen spezifischen Stilmix dar. (Vgl. SCHLOBINSKI 2000, 77)
Aufgrund ihrer besonderen Rahmenbedingungen hat die internetbasierte Kommunikation „funktionale Schriftsprachvarianten“ (SCHLOBINSKI/SIEVER 2005, 71) und neue Kommunikationsformen sowie Textsorten wie Homepage, E-Mail, Chat und Weblogs hervorgebracht. Diese sind - mehr oder weniger - durch einen mündlichen Schreibstil gekennzeichnet, der von jugendsprachlichen Merkmalen und der englischen Sprache geprägt ist. (Vgl. HAASE ET.AL. 1997, 52)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Definiert die Forschungsfrage nach den Auswirkungen digitaler Kommunikation auf die Sprache und umreißt den methodischen Aufbau der Arbeit.
2. Forschungsüberblick: Bietet eine theoretische Fundierung zu Internetspezifika, konzeptioneller Mündlichkeit und den Mechanismen des Sprachwandels im digitalen Raum.
3. Grundlagen der Analyse: Erläutert das textlinguistische Analysemodell und die Auswahl der untersuchten Anzeigentexte als empirisches Korpus.
4. Exemplarische Analyse von Anzeigentexten aus Internet und Printmedien: Führt die vergleichende Untersuchung der Textsorten (Kontakt-, Verkaufs- und Werbeanzeigen) durch und analysiert deren materielle sowie sprachliche Gestaltung.
5. Analyseergebnisse: Führt die empirischen Befunde zusammen, klassifiziert die untersuchten Texte und bewertet die Ursachen für Sprachveränderungen wie Sprachökonomie und Anonymität.
6. Fazit: Fasst die Kernergebnisse zusammen und reflektiert die Grenzen der Anwendung traditioneller Sprachmodelle auf das Internet.
7. Ausblick: Didaktisches Potenzial internetbasierter Texte: Diskutiert, wie die Ergebnisse im Deutschunterricht und DAF-Unterricht zur Förderung der Textkompetenz eingesetzt werden können.
Schlüsselwörter
Internet, Gegenwartssprache, Sprachwandel, elektronische Kommunikation, Textsorten, Kontaktanzeigen, Werbeanzeigen, Sprachökonomie, konzeptionelle Mündlichkeit, Medialität, Normabweichung, Sprachdidaktik, Stilmix, digitale Revolution, Textlinguistik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie elektronische Medien und die Internetkommunikation die deutsche Gegenwartssprache verändern und ob dies zur Entstehung einer eigenen Internetsprache führt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die mediale und sprachliche Gestaltung von Gebrauchstexten, insbesondere der Vergleich von Online-Anzeigen mit Anzeigen aus klassischen Printmedien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, sprachliche Normabweichungen und Innovationen im Internet zu identifizieren und zu analysieren, ob diese eine neue, homogene Sprache darstellen oder eher einen heterogenen Stilmix.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt ein holistisches textlinguistisches Analysemodell, das um Dimensionen der materiellen Textgestalt erweitert wurde, um einen kontrastiven Vergleich zwischen Internet- und Printtexten zu ermöglichen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil beinhaltet die exemplarische Analyse von privaten Kontaktanzeigen, Verkaufsanzeigen und professionellen Werbeanzeigen unter Berücksichtigung von Kommunikationsbedingungen, Textfunktion und sprachlicher Gestaltung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Sprachwandel, konzeptionelle Mündlichkeit, Sprachökonomie, digitale Medien und Textsortenvariation geprägt.
Warum gelten E-Bay-Anzeigen als neue Textsorte?
Die Analyse zeigt, dass E-Bay-Anzeigen durch ihre komplexe Hypertext-Struktur und die individuellen Gestaltungsmöglichkeiten so stark von traditionellen Kleinanzeigen abweichen, dass sie als eigenständige Textsorte klassifiziert werden können.
Welche Rolle spielt die Anonymität im Internet?
Die Anonymität im Netz führt laut der Autorin zu einem sinkenden Normbewusstsein und einer größeren Variationsbreite in der Sprache, da der soziale Druck der Außenwelt entfällt.
Eignen sich diese Ergebnisse für den Unterricht?
Ja, die Autorin sieht ein großes Potenzial, die Ergebnisse im Deutsch- sowie DAF-Unterricht zu nutzen, um Schülern durch den Vergleich von Internet- und Printtexten ein Bewusstsein für Sprachnormen und Stilkompetenz zu vermitteln.
- Quote paper
- Nathalie Schween (Author), 2006, Veränderungen der deutschen Gegenwartssprache unter dem Einfluss von Formen elektronischer Kommunikation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/129397