Welche Rendite verspricht Bildung?

Humankapitaltheorie und Einkommensfunktion


Seminararbeit, 2006

24 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Humankapitaltheorie
2.1 Das Grundmodell
2.2. Kritik
2.3 Spezifizierung des Grundmodells

3. Erweiterungen des klassischen Modells

4. Bildungsrenditen im internationalen Vergleich

5. Zusammenfassung

6. Literaturverzeichnis

Anhang

1. Einleitung

Der wichtigste Standortfaktor Deutschlands ist der Bestand an Humankapital. Darunter sind die Fähigkeiten und Kenntnisse zu verstehen, die alle Individuen eines Landes besitzen und/oder durch Ausbildungsmaßnahmen erwerben können. Letzteren kommt ein Investitionscharakter zu – zuerst werden Kosten verursacht, denen später höhere Ein­kommen gegenüberstehen. Anreize, das individuelle Humankapital weiterzuentwickeln, also in Weiterbildung zu investieren, stellen die Einkommensunterschiede auf dem Arbeitsmarkt dar. Mit dem höheren Bildungsstand steigt die Beschäftigungs­wahrscheinlichkeit, was einem Zusatznutzen des einzelnen Individuums entspricht. Die Gesamtrendite, die das Maß für den erzielten Nutzen im Vergleich zu den Kosten für Bildungsinvestitionen darstellt, steigt. Die Renditen pro zusätzlichem Ausbildungsjahr werden als Prozentsatz abgebildet und können analog zu Renditen für Spareinlagen verstanden werden (vgl. OECD (2004), S.179).

Die Entscheidung der Individuen, in Bildung zu investieren, wird durch folgendes erschwert: Zunächst verursachen die Bildungsinvestitionen indirekte Kosten, sogenannte Opportunitätskosten in Form entgangener Verdienstmöglichkeiten während der Ausbil­dungszeit. Darüber hinaus muss noch beachtet werden, dass das höhere Bruttoeinkommen stärker besteuert wird. Es entstehen auch direkte Kosten für Studiengebühren, Lehrmittel, Miete etc. (vgl. Becker (1962), S.26). Es muss noch berücksichtigt werden, dass die Erträge aus der Bildung von Humankapital nicht risikolos sind. Es besteht Unsicherheit darüber, ob die Studierenden einerseits ihr Hochschulstudium erfolgreich abschließen können und andererseits welche Bildungsrendite sie erzielen werden, da es große Einkommensdifferenzen zwischen Hochschulabsolventen gibt (Kupferschmidt und Wigger (2005), S.5 machen darauf aufmerksam).

Geht man von rational handelnden Individuen aus, werden diese dann in Bildung investieren, wenn die erwarteten Erträge höher sind als die verursachten Kosten.

Zusammenfassend kann man die Bildungsrendite als ein monetäres Maß für den individuellen Arbeitsmarkterfolg darstellen (vgl. Pohlmeier (2004), S.2).

In der Literatur wird zwischen privaten und sozialen Bildungserträgen unterschieden. Da die Analyse der sozialen Erträge von Ausbildungsinvestitionen den Maßstab dieser Arbeit sprengen würde, beschränkt sich letztere auf die mikrofundierte Analyse, d.h. es werden hier nur die privaten Renditen betrachtet. Zur kurzen Erläuterung nur so viel: Soziale Erträge befassen sich mit den Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum, wie z.B. Produktivitätssteigerungen infolge von zunehmendem Humankapital. Technische Inno­vationen sind nur dann möglich, wenn ein Land über einen hohen Bestand an Humankapital verfügt. Aus letzterem ergeben sich folgende positive externe Effekte: Es ist eine geringe Arbeitslosigkeit sowie eine niedrige Kriminalität zu erwarten, was zu einer Entlastung der Gesellschaft i.S.v. weniger sozialen Transfers und weniger Ausgaben für die innere Sicherheit führt (mehr zu sozialen Erträgen vgl. Gundlach (2000) und Sachverständigenrat (2004), Ziffern559-565 sowie OECD (2004), S.182-184, 195-206).

Diese Arbeit befasst sich mit der Humankapitaltheorie und der Einkommensfunktion. In Kapitel2 werden das Grundmodell, dessen Schwachpunkte und seine Spezifizierung erläutert sowie empirische Schätzungen der Bildungsrenditen analysiert. Kapitel3 gibt einen Überblick über einige Erweiterungen der Einkommensfunktion und berücksichtigt die individuellen, heterogenen Bildungsrenditen. Kapitel4 vergleicht die internationalen Bildungsrenditen und rundet mit einer Analyse ab. Die Arbeit schließt mit einer kurzen Zusammenfassung, in der die wichtigsten Erkenntnisse dargestellt werden.

2. Humankapitaltheorie

Um die arbeitsmarktspezifischen Fragen beantworten und die Probleme analysieren zu können, werden häufig Einkommensfunktionen geschätzt, die das Arbeitseinkommen als endogene Variable und als exogene Variablen die Schulbildungs- und die Berufs­erfahrungsdauer haben. Ausgangspunkt der Humankapitaltheorie ist die Schulbildung sowie die Berufserfahrung (für eine theoretische Analyse dieser Faktoren vgl. Becker (1962), S.9-30).

2.1 Das Grundmodell

Mincer hat eine Reihe von Annahmen getroffen, um die Einkommensfunktion herleiten zu können: Die Individuen haben identische Fähigkeiten und Möglichkeiten zum Eintreten in den Beruf. Die Unterschiede in der Beschäftigungsqualität ergeben sich lediglich aus der Länge der individuell unternommenen Bildungsmaßnahmen (vgl. Mincer (1958), S.284-287). Weitere Annahmen sind perfekte Kreditmärkte sowie perfekte Voraussicht.

Der Humankapitaltheorie liegt folgende Mincer-Becker-Einkommensfunktion, auch Verdienstfunktion genannt, zugrunde:

ln(yi) = α + β*Si + γ*Ei + δ*Ei2 + εi

(eine ausführliche Herleitung dieser Funktion gibt Franz (2003), S.90-93 sowie Bellmann / Gerlach (1984), S.192-197).

Dabei bezeichnet ln(y) den logarithmierten Bruttostundenlohn, der die abhängige Variable darstellt, S ist die Anzahl der erfolgreich absolvierten Schuljahre und E ist die Berufserfahrung[1] in Jahren. Die letzen beiden Faktoren werden als exogen betrachtet. α, β, γ und δ sind die zu schätzenden Koeffizienten. Der Index i repräsentiert eine bestimmte Person aus der Stichprobe. Die Störvariable ε fasst alle unbeobachtbaren Faktoren, die das Einkommen beeinflussen, zusammen: Darunter fallen Motivation, Intelligenz, Familien­hintergrund etc. Im klassischen Modell wird angenommen, dass der Störterm normal­verteilt und unkorreliert mit den erklärenden Variablen sowie zwischen den Individuen ist (vgl. Steiner / Lauer (2000), S.78-79).

Aufgrund der theoretischen Ableitung der Verdienstfunktion ergibt sich die oben beschriebene semi-loglineare Gleichung. Die Bildungsrendite r bekommt man aus dem geschätzten Koeffizienten β der Bildungsvariable. Erstere ist die prozentuale Zunahme des Lohns durch ein weiteres Ausbildungsjahr. Da wir mit einer semi-loglinearen Gleichung zu tun haben, muss man bei der Berechnung von r folgendes beachten: r = [exp(β) - 1]*100. Somit bekommt man die Bildungsrendite in Prozent (vgl. Steiner / Lauer (2000), S.79).

Man kann sie aus der Einkommensgleichung leicht ableiten (dabei wird der Index i vernachlässigt):

[Y(S+1) – Y(S)]/Y(S) ≈ lnY(S+1) – lnY(S) = β (S+1) - β S = β.

Hier sieht man, dass die Bildungsrendite dem Koeffizienten β entspricht (vgl. Pohlmeier (2004), S.3).

Für die Entwicklung der persönlichen Fähigkeiten spielen sowohl die Bildungsvariable, die ein Ausdruck des in der Schule erworbenen Wissens ist, als auch die Berufserfahrung, die „on the job“ erworbenes Humankapital wiedergibt, eine übergeordnete Rolle (vgl. Becker (1962), S.25). Da der Lohn mit zunehmender Berufserfahrung mit einer abnehmenden Grenzrate steigt, also einen konkaven Funktionsverlauf aufweist, wird die Berufserfahrung in der Einkommensfunktion in quadratischer Form ausgewiesen.

Franz hat die Einkommensfunktion geschätzt. Er verwendet Daten aus den ersten zehn Wellen des Sozio-ökonomischen Panels für Westdeutschland. Die gebildete Stichprobe umfasst männliche, unselbständig beschäftigte Personen im Zeitraum von 1984 bis 1993. Die Schätzergebnisse sind:

ln(wt) = 1.5156 + 0.0717s + 0.0468EX – 0.000748EX2

(52.9) (52.3) (23.4) (-18.6)

wobei wt den realen Bruttostundenlohn bezeichnet, s die Ausbildung in Jahren und EX die Berufserfahrung („Experience“). Die Werte in den Klammern stehen für die t-Werte.

Der Koeffizient der Bildungsmaßnahmen (hier 0.0717) kann unmittelbar interpretiert werden, d.h. die Rendite eines zusätzlichen Bildungsjahres beträgt 7.4% (=[exp(0.0717) – 1]*100). Dagegen kann die Verzinsung eines zusätzlichen Berufsjahres nicht direkt aus den geschätzten Koeffizienten für EX und EX2 bestimmt werden (wegen des theoretischen Hintergrunds der Verdienstfunktion, vgl. Franz (2003), S.93). Das negative Vorzeichen des Koeffizienten für EX2 lässt sich dahingehend interpretieren, dass die Grenzrate der Berufserfahrung für die Bildung von Einkommen abnehmend ist. Es wird eine Appro­ximation der Berufserfahrungsrendite gebildet, indem der Bruttostundenlohn nach EX in der ursprünglichen Gleichung abgeleitet wird. Diese approximative Rendite beträgt zunächst 4.5% und nach 10 Jahren sinkt sie auf 3.2% bzw. nach 20 Jahren auf 1.7% (vgl. Franz (2003), S.93-95).

Diese Arbeit befasst sich ausschließlich mit dem Koeffizienten für Bildung und nicht mit dem für Berufserfahrung.

[...]


[1] Die potenzielle Berufserfahrung wird durch folgenden Term bestimmt: Alter – Ausbildungsjahre – 6 (vgl. Klös und Plünnecke (2003), S.23).

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Welche Rendite verspricht Bildung?
Untertitel
Humankapitaltheorie und Einkommensfunktion
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Finanzwissenschaft)
Veranstaltung
Bildung, Humankapital und Studiengebühren
Note
1,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
24
Katalognummer
V129456
ISBN (eBook)
9783640361892
ISBN (Buch)
9783640362141
Dateigröße
1404 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Welche, Rendite, Bildung, Humankapitaltheorie, Einkommensfunktion
Arbeit zitieren
Diplom-Volkswirtin Teodora Ilieva (Autor), 2006, Welche Rendite verspricht Bildung?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/129456

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