Bis heute bleibt die Ehe die Lebensform der überwältigenden Mehrheit der Japaner. Sie gleicht mittlerweile in wesentlichen Dingen der Ehe in den westlichen Industriestaaten. Sie produziert eine ähnlich rückläufige Kinderzahl und hat eine ähnlich steigende Scheidungsrate. Dieser Trend begann aber erst nach dem Ende Pazifikkrieg und der Abschaffung des Stammfamiliensystems durch die alliierte Besatzungsmacht. In der Moderne 1868-1945, haben sich Heirat und Ehe zunächst antizyklisch entwickelt. Die Familie stand stark im Spannungsfeld zwischen japanischer Tradition und westlicher Moderne, blieb aber stark von traditionellen, konservativen Wertvorstellungen beherrscht. Durch die Restauration des stammfamiliären Familiensystems, wurde die Familie im sich rasant nach westlichem Vorbild modernisierenden Japan, der Hort des Konservatismus.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung:
1. Die Vorbedingungen: Heirat und Ehe im feudalen Haussystem
2. Der Übergang in die Moderne: Heirat und Ehe im nationalstaatlichen Haussystem
3. Wandel des Heiratsalters und der Heiratshäufigkeit
4. Wandel von Heiratsmotiv und Funktion der Ehe
5. Wandel in der Eheanbahnung
6. Wandel von Heiratsritus und Hochzeitszeremonie
Zusammenfassung und Ausblick:
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Wandel von Heirat und Ehe in Japan während der Modernisierungsphase zwischen 1868 und 1945. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Fokus, wie das feudale Haussystem unter dem Druck der nationalstaatlichen Ideologie und der durch die Moderne induzierten Individualisierungsprozesse den Heiratsmarkt sowie die Rollenverteilung in der Ehe beeinflusste.
- Einfluss des stammfamiliären Haussystems auf Heiratsentscheidungen
- Nationalstaatliche Standardisierung und gesetzliche Verankerung des Familienbildes
- Entwicklung von Heiratsalter und Heiratshäufigkeit unter sozioökonomischen Aspekten
- Wandel der Heiratsriten und der zunehmende Einfluss westlicher Konsumkultur
- Konflikt zwischen traditioneller Familienpflicht und entstehender individueller Lebensplanung
Auszug aus dem Buch
6. Wandel von Heiratsritus und Hochzeitszeremonie
Gesetzlich reichte seit der Meiji-Zeit die Eintragung der Frau in das Hausregister des Mannes bei der lokalen Verwaltung, um einer Heirat Gültigkeit zu verleihen. Aber tatsächlich wurde die Eheschließung mit einer ganzen Folge von Zeremonien und Feiern vor der sozialen Bezugsgruppe vollzogen. Wie gesagt rückten Hochzeiten durch die oben beschriebenen Modernisierungsprozesse immer mehr in das Licht einer größeren Öffentlichkeit und unterlagen einem größeren gesellschaftlichen Erwartungsdruck, selbst auf dem Land.
Die sozialen Rituale die eine Hochzeit begleiteten, erhielten dadurch auf breiter Bevölkerungsebene eine Komplexität und Intensität die vorher nur die gesellschaftliche Oberschicht betrieb. Die Hochzeitszeremonie wurde vor allem auch, durch den intellektuellen Zusammenprall Japans mit dem Westen verändert. Der kirchlichen Trauungszeremonie des christlichen Abendlandes, wurde nun eine ‚traditionelle’ japanische Trauungszeremonie entgegengesetzt. Vorausgegangen war die Erhebung der vielfältigen lokalen Schreinkulte zum national vereinheitlichten Staatsshintôismus, eine kapitale Neuschaffung von Tradition, als Selbstbehauptung gegenüber dem Westen.
Durch diesen staatsreligiösen Rahmens, fand die shintôistische Trauung, die zuerst vom japanischen Kronprinzen im Jahr 1900 praktiziert wurde, rasche Verbreitung in der Bevölkerung. Im shintôistischen Hochzeitsritual wurden über lange Jahrhunderte kulturalisierte Verfahrensweisen der japanischen Trauung gebündelt und durch religiöse Segenssprechung und Glücksbeschwörungen des Shintô-Priester ergänzt. Daher ließ sich einfach der Eindruck von alter Tradition vermitteln. Die neue Qualtiät bestand aber darin, das Trauungen durch die staatsshintôistische Vereinnahmung, nun immer öfter im öffentlichen Raum der Schreinanlagen vollzogen wurde und nicht im privaten Raum der Häuser, wie es vorher Usus gewesen war.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Umriss der Forschungsarbeit über den Wandel von Heirat und Ehe in Japan zwischen 1868 und 1945 unter Berücksichtigung des Einflusses der Stammfamilie.
1. Die Vorbedingungen: Heirat und Ehe im feudalen Haussystem: Erläuterung der sozio-kulturellen Grundlagen des Haussystems in der Tokugawa-Zeit und dessen Einfluss auf Heiratsallianzen.
2. Der Übergang in die Moderne: Heirat und Ehe im nationalstaatlichen Haussystem: Analyse der staatlichen Vereinnahmung des Haussystems zur nationalen Ideologie und die Folgen der Zivilgesetzgebung.
3. Wandel des Heiratsalters und der Heiratshäufigkeit: Statistische Untersuchung der Entwicklung von Heiratsalter und Geburtenraten im Kontext von Industrialisierung und Wehrpflicht.
4. Wandel von Heiratsmotiv und Funktion der Ehe: Untersuchung des Spannungsfeldes zwischen der sozialen Pflicht zur Reproduktion und aufkommenden individuellen Freiheitsbestrebungen.
5. Wandel in der Eheanbahnung: Beschreibung der strukturellen Veränderungen bei der Eheanbahnung vom ländlichen "Freien" hin zur institutionalisierten Heiratsvermittlung.
6. Wandel von Heiratsritus und Hochzeitszeremonie: Analyse der Kommerzialisierung und Ritualisierung der Hochzeit als öffentliches Ereignis unter dem Druck der Moderne.
Zusammenfassung und Ausblick: Synthese der statistischen und soziologischen Erkenntnisse über die Transformation der Eheform bis 1945.
Schlüsselwörter
Japanische Moderne, Haussystem, Stammfamilie, Heiratsverhalten, Heiratsanbahnung, Hochzeitsritus, Meiji-Staat, Demografischer Wandel, Konfuzianismus, Ehe, Individualisierung, Geburtenrate, Scheidungsrate, Heiratsvermittlung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den historischen Wandel von Heiratsmustern und Eheformen in Japan im Zeitraum von 1868 bis 1945, wobei der Schwerpunkt auf dem Einfluss des feudalen Haussystems liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die staatliche Familienpolitik, das konfuzianisch geprägte Haussystem, der Wandel von Heiratsanbahnungen und die soziokulturelle Anpassung an westliche Einflüsse.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das traditionelle Haussystem trotz gesellschaftlicher Modernisierungs- und Individualisierungsprozesse das Heiratsverhalten nachhaltig prägte und reglementierte.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde eine historiographische und sozialwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die auf der Auswertung von Sekundärliteratur sowie statistischen Daten der japanischen Regierung basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet detailliert die Vorbedingungen im feudalen Japan, die rechtliche Transformation, statistische Trends, Heiratsmotive und die rituelle Ausgestaltung der Hochzeiten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Haussystem, japanische Moderne, Heiratsanbahnung, Heiratsrate und Familienpolitik charakterisiert.
Welche Rolle spielte die Mitgift im Haussystem?
Die Mitgift war kein persönlicher Besitz der Braut, sondern diente als Pfand und Beitrag des Frauenhauses zur Eheschließung, wobei ihre Bedeutung im Laufe der Zeit durch ökonomische Faktoren wandelte.
Wie veränderte sich die Bedeutung der "Liebesehe" in diesem Zeitraum?
Obwohl die Ehe primär als kollektive Pflicht für das Überleben der Stammfamilie galt, bildeten sich insbesondere ab der Jahrhundertwende erste Ansätze für Liebesheiraten als Ausdruck individueller Freiheit.
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- Daniel Lachmann (Author), 2009, Wandel des japanischen Heiratsverhaltens von der Moderne zur Gegenwart, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/129522