Der Einsatz von XML/EDI zum Geschäftsdatenaustausch

Anforderungsanalyse und Ableitung von Gestaltungsempfehlungen für virtuelle Marktplätze


Diplomarbeit, 2001

97 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung
1.3 Begriffe im E-Commerce
1.4 Gang der Arbeit

2. Klassischer Elektronischer Datenaustausch
2.1 Traditionelles
2.1.1 Grundlagen
2.1.2 Standards
2.1.3 Die Bedeutung der Auswahl von Standards
2.2 Schwächen von
2.3 Zusammenfassung

3. Die Metasprache
3.1 XML als Lösung
3.2 Die XML-Familie
3.3 Vorteile von
3.4 Nachteile von
3.5 Zusammenfassung

4. Anforderungen an XML/EDI-Lösungen
4.1 Allgemeine Anforderungen
4.1.1 Kosten
4.1.2 Schnelle Implementierung
4.1.3 Sicherheit
4.1.4 Integrationsfähigkeit
4.1.5 Erweiterbarkeit
4.1.6 Funktionalität
4.2 Anforderungen an XML-Standards
4.2.1 Haltbarkeit
4.2.2 Offenheit
4.2.3 Vollständigkeit
4.2.4 Branchentauglichkeit
4.2.5 Kompatibilität
4.2.6 Basis der Dokumentenstruktur
4.3 Spezielle Anforderungen in der Baubranche (profiportal.com)
4.3.1 Bestehende IT-Struktur
4.3.2 Branchenspezifischer Standard
4.3.3 Preisfindung
4.3.4 Usability
4.4 Zusammenfassung

5. XML: Standardisierung und Praxis
5.1 XML-Initiativen
5.1.1 Die XML community
5.1.2 EDI community
5.1.3 Gemeinsame Initiativen
5.2 Verwendung von XML in der Praxis
5.3 Fazit

6. Das „ideale“ Portal
6.1 Architektur web-basierter Anwendungen
6.2 Der Grad der Integration
6.3 Lösungsalternativen
6.3.1 Allgemeine Komponenten von Marktplätzen
6.3.2 Alternative 1: Wenig integrierter Marktplatz
6.3.3 Alternative 2: Mittelmäßig integrierter Marktplatz
6.3.4 Alternative 3: Vollständig integrierter Marktplatz
6.4 Zusammenfassung

7. Fallbeispiel profiportal.com
7.1 Kurzprofil profiportal.com
7.2 Die XML/EDI-Lösung im profiportal.com
7.3 Beurteilung des profiportal.com
7.3.1 Bewertung nach allgemeinen Kriterien
7.3.2 Bewertung des verwendeten XML-Standards
7.3.3 Bewertung nach speziellen Kriterien der Baubranche
7.4 Empfehlung zum Einsatz eines XML-Standards

8. Fazit

Literaturverzeichnis

Erklärung zur Abgabe der Diplomarbeit

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Technisches Rahmenwerk [Hofm2001]

Abbildung 2: Austausch von Geschäftsdaten [PiNN1993, 21].

Abbildung 3: Traditioneller und elektronischer Datenaustausch [DEDI2001]

Abbildung 4: Ebenen der EDI-Standardisierung [Huem2001, 16].

Abbildung 5: Beispiel für das Standardisierungsproblem [BUWK1999, 13].

Abbildung 6: Das Sprachkonzept von XML [WBLK1999].

Abbildung 7: XML als Werkzeug [Mich1999, 28].

Abbildung 8: Abhängigkeit zwischen SGML, XML und HTML [HäPS2000, 451].

Abbildung 9: Arbeitsweise Parser [TeRS2001, 18].

Abbildung 10: Sequenzdiagramm Anwendungsvorfall Bestellung.

Abbildung 11: Übersicht der XML/EDI-Standardisierungsinitiativen [Stef2001, 5].

Abbildung 12: Zweischichtige Architektur [ScWe2001, 551].

Abbildung 13: Dreischichtige Architektur [ScWe2001, 551].

Abbildung 14: Vierschichtige Architektur [ScWe2001, 552].

Abbildung 15: Konzepte zur Strukturierung von IKS [Schi2000, 27].

Abbildung 16: Wenig integrierter Marktplatz

Abbildung 17: Mittelmäßig integrierter Marktplatz

Abbildung 18: Vollständig integrierter Marktplatz

Abbildung 19: Shopübersicht im profiportal.com

Abbildung 20: Der modulare Aufbau im profiportal.com [HOKR2001, 6].

Abbildung 21: Ableitung des XML-Formats aus EDIFACT [HoKr2001].

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

1.1 Problemstellung

Stagnierende Geschäfte in Webshops, die „dot.com-Krise“ an der Börse und Entlassungen in der „New Economy“ haben bei Unternehmen die Internet-Euphorie, die Mitte der 90er begann, stark gedämpft und den Fokus im E-Commerce von B2C auf den B2B-Bereich verschoben.

Insbesondere mit der elektronischen Beschaffung - dem eProcurement - über EDI (Electronic Data Interchange) hoffen Unternehmer, Waren schneller und vor allem kostengünstiger ver- bzw. einkaufen zu können [Müll1999, 212]. Der Einkauf entwickelt sich so von einer operativen Aufgabe zu einer strategischen Querschnittsfunktion, die einen wichtigen Faktor im Wettbewerb darstellt. [ReFu2001, 144].

Dabei ist die Bedeutung der Teilnahme an einem elektronischen Marktplatz für Unternehmen größer als die einer einfachen technischen Erweiterung ihrer bestehenden Systeme: Besteller wie auch Lieferanten sind darauf angewiesen, ihre bestehenden IT-Systeme zu integrieren und ihre Organisation anzupassen, um den geplanten Mehrwert durch Automatisierung realisieren zu können. Vor allem der Grad der Integration eines Lieferanten als Anbieter ist für den Absatz seiner Waren erfolgsentscheidend. Den möglichen Einsparungen sind zunächst hohe Investitionskosten vorgeschaltet, die potentielle Teilnehmer mißtrauisch machen. Studien der Giga Information Group zufolge [Mohr2001, 152], zweifeln potentielle Marktplatznutzer neben der Sicherheit und Verfügbarkeit in Portalen vor allem an den verfügbaren Standards, um den elektronischen Datenaustausch zwischen allen Beteiligten gewährleisten zu können.

Mit XML (Extensible Markup Language) ist eine relativ junge Technologie zur Schnittstellengestaltung verfügbar, die den elektronischen Austausch von Geschäftsdokumenten über das Internet einfacher und kostengünstiger macht. Waren die traditionellen EDI-Lösungen stets im geschlossenen Benutzerkreis an hohe Umsatzvolumina geknüpft und damit Domäne der Großunternehmen, sind XML basierte EDI-Systeme, sogenannte XML/EDI-Lösungen, auch für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) zu tragbaren Kosten realisierbar. Prognosen besagen, daß in Zukunft ein immer größerer Teil des Umsatzes auf B2B-Marktplätzen umgesetzt wird und Unternehmen dadurch zu einem Umdenken in ihrer E-Commerce-Strategie gezwungen werden. Die Gartner Group prognostiziert für das Jahr 2004 einen weltweiten Umsatz im E-Business von 7,3 Billionen Dollar, von dem ein Löwenanteil von 40% auf elektronischen Marktplätzen umgesetzt werden soll [Born2000, 111].

Der Druck auf Unternehmen, sich einzubringen, nimmt zu. Aber auch Betreiber von Marktplätzen sehen sich den Anforderungen ausgesetzt, Unternehmen ein funktionales Portal anzubieten, das einen möglichst großen Kreis an Anbietern und Kunden vereint und diesen auch die nötige Infrastruktur zum handelsbegleitenden Datenaustausch garantiert.

Es bilden sich weltweit Allianzen aus Bestellern, Lieferanten, Marktplatzbetreibern, Portal-Service-Anbietern und Softwareanbietern, wobei Anbieter und Käufer den Handel betreiben und Marketing, Vertrieb und die Erstellung von Inhalten für den Marktplatz (Content) organisieren [Strä2000, 3]. Der Marktplatzbetreiber ist meistens eine eigenständige Gesellschaft, die den Platz in eigener wirtschaftlicher Verantwortung betreibt. Portal Service Provider (PSP) bieten dazu die technische Basis (Plattform) mit Grundfunktionalitäten, auf die die branchenspezifischen Portale aufbauen können. Darüber hinaus unterstützen sie die Unternehmen mit Prozeßberatung, d.h., der Übersetzung von Geschäftsprozessen zu internet-basierten Abläufen auf dem Marktplatz und helfen den Unternehmen bei der Integration ihrer bestehenden IT-Systeme. Die nötigen Softwarekomponenten wie Middleware, Datenbank, Katalogsoftware etc. werden von Softwareanbietern geliefert. Die Rollenteilung ist nicht immer klar zu trennen, da sich beispielsweise hinter Anbieter und Betreiber auf einem Marktplatz das gleiche Unternehmen verbergen kann.

Nach einem starkem Wachstum der Anzahl von Portalen wird nun eine Marktkonsolidierung erwartet. 500 Portale gibt es derzeit in Europa, gerade einmal hundert davon werden laut einer Studie der Jupiter Media Metrix langfristig Bestand haben [Stie2001, 154]. Gute Erfolgsaussichten wird Marktplätzen eingeräumt, die gut integriert sind und damit in der Lage, ausreichend „Traffic“ zu generieren, d.h., Transaktionsvolumina auf sich zu ziehen [ScSc2001, 140].

Portal-Service-Anbieter, also diejenigen, die die technischen Grundfunktionaliäten des Marktplatzes bereitstellen, stehen der Anforderung gegenüber, potentiellen Betreibern, Anbietern und Käufern einen Marktplatz anzubieten, der eine Integration aller beteiligten Warenwirtschaftssysteme mittels XML/EDI, sicheren Datenaustausch und ständige Verfügbarkeit gewährleistet, ohne Bestellern und Lieferanten allzu hohe Kosten durch organisatorische und DV-technische Änderungen aufzubürden.

Die Automatisierung von Geschäftsabläufen verlangt eine unternehmensübergreifende Integration der beteiligten IT-Systeme, die eine „gemeinsame Sprache sprechen“ müssen. Unabdingbar ist also die gemeinsame Einigung der kooperierenden Unternehmen auf Standards in Form von XML-Dialekten zum Datenaustausch. Ein solcher international akzeptierter Standard ist zur Zeit aber noch nicht verfügbar. Das Fehlen von XML-Standards bedeutet für Unternehmen Investitionsrisiken und Unsicherheit, wie sie ihre XML/EDI-Systeme langfristig ausrichten sollen.

1.2 Zielsetzung

Im Rahmen dieser Arbeit soll dargestellt werden, wie XML/EDI-Lösungen in einem Marktplatz aufgebaut sein können und wie XML als Datenaustauschformat zur Schnittstellengestaltung eingesetzt wird. Ein Schwerpunkt dieser Arbeit liegt dabei auf der Beleuchtung der Standardisierungsproblematik von XML und der „richtigen“ Auswahl eines XML-Standards. Ziel ist es, Marktplatz-Providern Gestaltungsalternativen anbieten zu können, wie XML/EDI-Systeme eingesetzt werden können, um ein erfolgreiches Portal zu realisieren.

Angemerkt sei, daß die vorliegende Diplomarbeit im Rahmen einer Praxisarbeit mit dem Portal-Service-Provider UP2GATE, erstellt wurde. UP2GATE ist ein 100%iges Tochterunternehmen der Siemens Business Services GmbH & Co. OHG mit Hauptsitz in München und wurde im September 2000 gegründet. Die eigens entwickelte Portalplattform up2gate.com TM bietet Unternehmen als Marktplatzbetreibern die technische Basis, auf der sie branchenspezifische sogenannte vertikale Portale im Sinne eines Franchising-Konzepts in wirtschaftlich eigener Verantwortung betreiben können. Das erste vertikale Portal profiportal.com entstammt der Baubranche (Bau, Bautechnik und Industrieausrüstung) und befindet sich im Aufbau.

Was die Literaturrecherche für diese Arbeit betrifft sei darauf verwiesen, daß sich XML/EDI und insbesondere der Standardisierungsprozeß von XML in ständigem Wandel befinden und deshalb oftmals auf aktuelle Fachzeitschriften und das Word Wide Web als Quelle zurückgegriffen wurde, um eine möglichst hohe Aktualität zu bieten.

1.3 Begriffe im E-Commerce

Einführend sollen in diesem Abschnitt ein paar grundlegende Begriffe kurz geklärt werden.

Der Begriff „Electronic Commerce“ (E-Commerce) meint „die Unterstützung von Handelsaktivitäten über Kommunikationsnetze“ [Merz1999, 18]. E-Commerce beschäftigt sich vor allem mit den kommerziellen Aktivitäten zwischen Marktteilnehmern, während sich E-Business – ein Begriff, der ursprünglich im Jahre 1998 von IBM geprägt wurde – über alle Geschäftsprozesse außerhalb und innerhalb des Unternehmens (über Intra- oder Extranets) erstreckt [Merz1999, 17].

Im B2C-Bereich (Business-to-Consumer), der den Handel zwischen Unternehmen und Endkunden bzw. Verbrauchern fokussiert, liegt meist der Fall vor, daß ein Anbieter seine in einer Datenbank zentral gespeicherten Artikeldaten über einen Webshop anbietet und der Kunde über einen Browser Bestellungen tätigt. Prozesse und Integrationstiefe der Systeme sind leicht zu beherrschen, darüber hinaus ist erprobte Standardsoftware am Markt verfügbar.

Neben B2C-Commerce ist B2B (Business-to-Business) die bekannteste Ausprägungsform von EC, was den Handel zwischen Unternehmen (Zulieferern, Kunden, Transporteuren etc.) meint [Oebb2001] . Der Datenaustausch im B2B-Bereich gestaltet sich in der Regel komplexer als beim B2C, da hier mehrere Warenwirtschaftssysteme unterschiedlichster Natur verbunden werden müssen, um eine Integration und Automatisierung der Abläufe realisieren zu können und auch die abgebildeten Prozesse wie Preis- und Verfügbarkeitsprüfung anspruchsvoller sind als beim B2C. Anzumerken ist, daß aktuelle Marktplätze in der Regel nicht über ERP-Anbindungen verfügen, dies aber im Zuge der Geschäftprozeßoptimierung für Unternehmen wünschenswert ist. Hier sind nun XML/EDI-Systeme von Interesse, die die gewachsenen, heterogenen IT-Strukturen mehrerer kooperierender Unternehmen verbinden sollen.

Ein „Portal“ (Eingang) dient als zentraler Einstiegspunkt für ein Intra-/Inter- oder Extranet und aggregiert personalisierte Informationen aus den verschiedensten Quellen innerhalb und außerhalb des Unternehmens. Einige Portale stellen dabei nicht nur Inhalte zur Verfügung, sondern darüber hinaus auch zusätzliche Dienstleistungen, Diskussionsforen und Anwendungen [META 2000, S. 14].

Ein „elektronischer Marktplatz“ stellt nun eine Plattform für Käufer und Verkäufer dar, die hier handeln, kaufen, verkaufen oder die Kaufkraft, beispielsweise im virtuellen Einkaufsverband, bündeln können. Die Hauptaufgabe eines elektronischen Marktplatzes liegt darin, Ausführung bzw. Anbahnung von geschäftlichen Transaktionen zu unterstützen [META 2000, S. 14]. Hier steht die Abwicklung von Bestellvorgängen im Vordergrund, die durch unternehmensübergreifende Integration der Prozesse automatisiert werden können [UP2G2001].

Sogenannte „Vertikale Portale“ sind auf die besonderen Bedürfnisse einer Benutzergruppe, normalerweise einer Branche, zugeschnitten. Sie bieten für einen ausgewählten Benutzerkreis eine vorsortierte Sammlung von (Info-) Angeboten und Diensten zur Geschäftsabwicklung und sind in ein technisches Rahmenwerk eingebettet, das zum einem Basisfunktionalitäten wie Backups, Sicherheit und Verfügbarkeit gewährleisten soll und zum anderen zentrale Portaldienste wie Präsentation, Registrierung, Berechtigungs- und Benutzerverwaltung offeriert [HoKr2001, 5]. Ein elektronischer Marktplatz kann also, wie auch die folgende Grafik

zeigt, viele verschiedene Branchenportale beinhalten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Technisches Rahmenwerk [Hofm2001]

1.4 Gang der Arbeit

Nach der Einleitung (Kapitel 1) sollen die Wichtigkeit von EDI und Standards (Kapitel 2) herausgestellt und die Technologie XML zur Schnittstellengestaltung (Kapitel 3) vorgestellt werden. Anschließend wird untersucht, welches die Anforderungen an XML/EDI-Lösungen sind (Kapitel 4).

Danach werden einige bekannte XML-Standards vorgestellt und systematisiert sowie eine kleine Erhebung durchgeführt, welche XML-Dialekte große Portalsoftwareanbieter in Zukunft unterstützen wollen (Kapitel 5), um aus Anforderungen und der Erhebung als Ergebnis das „ideale Portal“ aufzuzeigen (Kapitel 6). Mit diesem „idealen Portal“ soll das profiportal.com von UP2GATE verglichen und beurteilt werden (Kapitel 7). Daraus sollen sich Gestaltungsvorschläge bzgl. der XML/EDI-Lösungen von UP2GATE ergeben. Das Fazit faßt die Ergebnisse noch einmal zusammen und bietet einen Ausblick (Kapitel 8).

2. Klassischer Elektronischer Datenaustausch

In diesem Kapitel sollen das klassische EDI mit seinen Vor- und Nachteilen dargestellt und allgemein die Bedeutung von Standards hergeleitet werden.

2.1 Traditionelles EDI

Im folgenden Gliederungspunkt werden Grundlagen zum elektronischen Datenaustausch erläutert.

2.1.1 Grundlagen

Unter Electronic Data Interchange (EDI) versteht man den Austausch strukturierter elektronischer Dokumente zwischen Anwendungssystemen. Als Dokumente stehen hier Geschäftsdaten im Vordergrund, auf deren strukturierten Inhalt ein automatisierter Zugriff möglich ist [HäPS2000, 457]. Kennzeichnend für EDI ist die Abwicklung von Standardgeschäftsvorfällen mit hohem Wiederholungsgrad und großem Transaktionsvolumina.

Den Abschluß von Geschäften begleitet ein umfangreicher Austausch von Daten. Ausschreibungen, Angebote, Aufträge, Lieferscheine, Rechnungen, Versandavise, Frachtpapiere, Stornierungen, Zahlungen und Bestätigungsschreiben werden vom Auftraggeber an einen oder mehrere Auftragnehmer versandt. Der Inhalt dieser Dokumente unterscheidet sich kaum, so daß mit Hilfe von Datennetzen ein Großteil der Kommunikation elektronisch realisiert werden kann. Grundsätzliche Ziele von EDI sind ein erhöhter Automatisierungsgrad und die Vermeidung von Papierdokumenten [Merz1999, 15].

Beispiele für solche Geschäftsdaten sind in der folgenden Grafik noch einmal dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Austausch von Geschäftsdaten [PiNN1993, 21].

Der Besteller sendet per Fax einen Bestellwunsch an den Lieferanten, der die Verfügbarkeit der Ware prüft und ggf. wieder eine Bestätigung der Bestellung per Fax zurücksendet. Der papierbasierte Datenaustausch ohne EDI verursacht Medienbrüche, die manuelle Arbeitsschritte notwendig machen, was zeit- und fehlerintensiv ist. Zu Verzögerungen kommt es auch durch den Transport per Post statt einer elektronischen Übertragung. Das Vorgehen ist insgesamt für das Unternehmen sehr kostenaufwendig und verhindert zudem moderne Produktionsweisen wie die „Just-in-Time“-Produktion. Für das bestellende Unternehmen ist kaum eine Kontrolle des Bestellstatus möglich, was zusätzliche Unsicherheit bedeutet.

EDI-basierter Austausch funktioniert dahingehend, daß das EDI-System des Bestellers einen Kaufwunsch direkt an das EDI-System des Lieferanten sendet. Nach Verfügbarkeitsprüfung des Lieferanten und positiver Antwort sendet der Besteller seine Bestellung. Der Lieferant antwortet mit einer Eingangsbestätigung und verarbeitet die Bestelldaten in seinen Inhouse-Systemen weiter. Der Datenaustausch erfolgt idealerweise papierlos, was Medienbrüche, manuelle Bearbeitungen und zeitliche Verzögerungen verhindert und mit einem enormen Kosteneinsparungspotential durch Automatisierung einhergeht. Eine zweite und häufig genutzte Vorgehensweise ist, daß zuerst unabhängig vom System, Rahmenverträge zwischen den Unternehmen geschlossen werden, um dann im System selber in erster Linie Bestellungen zu tätigen. Die Anfrage entfällt somit.

Folgende Grafik soll anhand einer Bestellung die Vorteile von EDI noch mal veranschaulichen, wobei „traditionell“ hier den Datenaustausch ohne durchgängig integrierte EDI-Systeme und „elektronisch“ klassisches EDI meint.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Traditioneller und elektronischer Datenaustausch [DEDI2001]

Die Vorteile von EDI liegen auf der Hand: Schnellere Auftragsausführung, bessere Bestandskontrolle, geringerer Finanzumlauf, Verfügbarkeit von Echtzeitinformationen über Aufträge und Bestände, geringere Kosten und Fehlergefahr [Gold2000, 118].

So setzt z.B. die Deutsche Bahn AG ein EDI-gestütztes System mit einem Durchsatz von 150.000 EDI-Nachrichten pro Stunde ein, um im Frachtbereich Transportaufträge auszutauschen [Merz1999, 316].

Ein wesentliches Unterscheidungskriterium bei EDI-Lösungen ist die Auswahl des Netzes. Zum einen wird EDI mit Hilfe von VAN-Providern (Value-Added-Network) über Standleitungen und dem X.25-Protokoll über proprietäre Netze betrieben. Das heißt, daß für die jeweilige EDI-Lösung stets ein spezielles Netz nötig ist, das einerseits die Unternehmen vom Provider abhängig macht – sofern sie nicht selbst die Infrastruktur bieten wollen oder können – und andererseits das Unternehmen u.U. hohe Kosten in Form von Gebühren tragen muß. Trotzdem ist dies die ältere und verbreitetere Alternative. Eine andere, neuere Möglichkeit zum Austausch ist die Realisierung von EDI über das Internet, beispielsweise über das Senden von elektronischen Dokumenten per Email und insbesondere die Verwendung des Webs [Merz1999, 319]. Hier spielt der Einsatz von XML eine große Rolle.

Ein Hemmnis für die Verbreitung von EDI war neben den hohen Implementierungskosten stets das Fehlen allgemein akzeptierter Standards zur Schnittstellengestaltung. Deshalb wird an dieser Stelle auf die Standardisierung von EDI eingegangen.

2.1.2 Standards

Bevor EDI-Standards zur Schnittstellengestaltung und ihre Entwicklungsgeschichte vorgestellt werden, wird zuvor auf den Begriff der Schnittstelle eingegangen werden.

„Eine Schnittstelle (Interface) meint allgemein die Verbindungsstelle zwischen zwei miteinander in Beziehung stehenden Systemen. Damit die Kommunikation zwischen beiden Systemen funktioniert, muß die Schnittstelle genormt sein“ [GrIr1995, 779].

Außerdem „kann eine Schnittstelle händlerspezifisch sein, sie ist aber auch oft Gegenstand internationaler Normen und Empfehlungen“ [Gabl1993, 154]. In dieser Definition wird schon auf die Bedeutung von Standards hingewiesen, die eine Kommunikation zwischen verschiedenen Systemen über ihre Schnittstellen erst möglich macht.

Unter Schnittstelle soll im Rahmen dieser Arbeit die Berührungspunkte zwischen verschiedenen Software-Modulen, beispielsweise Warenwirtschaftssystemen, verstanden werden. Die Begriffe Warenwirtschaftssystem und ERP-System (Enterprise Resource Planning System) sollen hier synonym verwendet werden und meinen Systeme für die unternehmensweite Ressourcenplanung mit Hilfe von Workflow-Management. Sie verbinden Back-Office-Systeme wie beispielsweise Produktions-, Personal-, Vertriebs-, Materialwirtschaftssysteme [Oebb2001] .

Im Kontext des Datenaustausches spielt die Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine eine untergeordnete Rolle, während die Betrachtung der Interaktion zwischen Maschine und Maschine mehr Raum verlangt. Der Grund dafür ist, daß durch den Einsatz von Portalen gerade die „menschenlose“ Automatisierung von Abläufen vorangetrieben werden soll, die keine manuelle Bearbeitung von Dokumenten verlangt. Wie oben bereits erwähnt, sind hierfür aber die Verwendung gemeinsamer Standards nötig.

Standards sind ganz allgemein „technische Regeln, die von einer größeren Anzahl von Herstellern im Soft- und Hardwarebereich akzeptiert und in den eigenen Produkten berücksichtigt werden. Es gibt eine Reihe von nationalen und internationalen Normierungsgremien, die Standards in verbindliche Normen festschreiben“ [GrIr1995, 835].

An dieser allgemeinen Definition erkennt man, daß das Ziel von Standardisierung die Vereinheitlichung von Objekten wie z.B. Hard- oder Software ist [HäPS2000, 43]. Es ist von „Verbindlichkeit“ die Rede, was darüber hinwegtäuscht, daß die Einhaltung von Standards meist mehr freiwilligen als gesetzlich zwingenden Charakter hat. Es gibt drei Kategorien von Standards, nämlich den „De Jure Standard“, den „freiwillige Standard“ und den „De facto Standard“. Der so definierte Standard ist ein De jure Standard hinter dessen Entwicklung und Verabschiedung eine staatliche Behörde steht [Moen1998, 7].

In der folgenden Definition der ISO (International Standards Organization) kommt die Freiwilligkeit von Standards besser zum Ausdruck. “Standards bestehen aus technischen Spezifikationen oder anderen präzisen Kriterien in der Form dokumentierter Vereinbarungen, die als Regeln, als Orientierungshilfen oder als Definitionen charakteristische Sachverhalte verwendet werden sollen.“ Sie sollen sicherstellen, daß Gegenstände, Produkte, Prozesse und Dienstleistungen ihre Zwecke besser erfüllen [ISO2001].

Freiwillige Standards werden i.d.R. von privaten Institutionen erlassen und veröffentlicht [Moen1998, 7].

Als dritte und vielleicht wichtigste Kategorie von Standards ist noch der De facto Standard zu nennen, der nicht gezielt von einer übergeordneten Instanz entwickelt wurde, sondern auf Verbreitung und großer Akzeptanz bei den Nutzern basiert, aber nirgendwo in Dokumentenform veröffentlicht sein muß [Moen1998, 7]. Er basiert auf Marktmacht.

Offensichtlich ist, daß es bei jungen, sich noch in der Verbreitung befindlichen Technologien schwer ist, vorherzusehen, welche Standards sich durchsetzen werden.

Wichtige Normierungsgremien in Deutschland sind das Deutsche Institut für Normung e.V. (DIN), in den USA das American National Standards Institute (ANSI) und international die International Standards Organization (ISO) sowie die International Telecommunication Union (ITU), die beispielsweise wichtige Empfehlungen zu Standards zur Datenfernübertragung (DFÜ) im Bereich der Netzwerke in Form der X-Reihe (X-Standards) gegeben hat [GrIr1995, 471ff.]. Im Internet spielt das W3C (Word Wide Web Consortium) eine große Rolle. Das Konsortium, das unter der Leitung des Laboratory for Computer Science am Massachusetts Institute of Technology in Cambridge, Massachusetts die Interessen vieler, mit dem Internet verbundener Unternehmen wahrnimmt, hat zum Ziel, Standards und die Interoperabilität von World Wide Web-Produkten zu fördern. Das W3C standardisiert u.a. auch die Metasprache XML und ihre verwandten Technologien [Oebb2001].

EDI-Standards besitzen vorgegebene Strukturen, die die Realisierung von Kompetenzen an den Schnittstellen erschweren. Prüf- und Kontrollprozeduren, die manuelle Eingriffe ersetzen sollen sind umständlich zu implementieren. Der komplexe Aufbau eines EDI-Regelwerks zwingt Unternehmen zu aufwendigen Konvertierungsmaßnahmen in das im Unternehmen verwendete Format [Stef2001, 1].

Damit in einer heterogenen Welt die verschiedenen Systeme miteinander kommunizieren können, müssen Vereinbarungen auf drei Ebenen getroffen werden. Auf der Ebene 1 wird im Geschäftskontext festgelegt, worum es in der Transaktion gehen soll. Wenn dies geklärt ist, muß der Geschäftskontext in einem entsprechenden Übertragungsformat abgebildet werden. Auf dieser Ebene gibt die Transfersyntax an, wie die Daten zur Erkennung strukturiert sind und das Nachrichtendesign stellt sicher, daß die Semantik dem Geschäftskontext und der Transfersyntax entspricht. Die dritte Ebene umfaßt das Kommunikationsprotokoll, das für die Übertragung von Sender zu Empfänger verantwortlich ist. Diese Ebene ist unabhängig von EDI-Standards zu sehen, da die Standards auf strukturierten Zeichenketten basieren, die prinzipiell jedes Kommunikationsprotokoll übertragen kann. Für die Übertragung einer EDI-Nachricht

ist also jedes Kommunikationsprotokoll geeignet [Huem2001, 17].

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Ebenen der EDI-Standardisierung [Huem2001, 16].

Standards brauchen sehr viel Zeit, bis sie entwickelt und offiziell genehmigt sind [Stef2001, 1]. Das liegt daran, daß sich nationale Instanzen erst mit internationalen beraten müssen und die Vorschläge teilweise mehrere Jahre lang von lokalen in internationale Gremien geschickt werden und umgekehrt [Merz1999, 318]. Bis dahin haben sich meist Quasi-Standards herausgebildet, die nicht auf Konsens beruhen, sondern auf Marktmacht. Der mächtigere Auftraggeber legt sein Nachrichtenformat und Vokabular fest. Große Unternehmen geben also die Marschrichtung vor, kleinere müssen folgen, wollen sie nicht außen vor bleiben. Darüber hinaus stehen die kleineren Firmen u.U. mehrmals vor diesem Problem, nämlich dann, wenn das Anpassungsproblem mit verschiedenen Unternehmen auftritt und jedes mal ein Spezialformat nötig ist. Statt einen Wettbewerbsvorteil darzustellen, ist EDI dann eher kontraproduktiv. Diese Entwicklung von verschiedenen De facto Standards hat zu einer sogenannten „Balkanisierung“ von Nachrichtenformaten geführt, die den Markt für EDI-Konverter belebt hat. Das aufwendige Umwandeln von Formaten und die daraus resultierende Fehleranfälligkeit könnte vermieden werden, gäbe es einen akzeptierten Standard [Merz1999, 319].

Auch das Internet und die Entstehung von Extranets hat keine Abhilfe geschaffen, da die Unternehmen intern verschiedene Systeme verwenden, mit unterschiedlichen Plattformen, Anwendungen, Dateiformaten, Protokollen, Geschäftsregeln etc. Extranets sind zwischen Unternehmen vereinbarte Datenaustauschkanäle, die das TCP/IP basierte (Transmission Control Protocol/Internet Protocol) Internet als Transportmedium zum B2B benutzen [Krau1998, 278].

Das Problem kann nicht ausschließlich durch das Verbinden dieser heterogenen Systeme über das Internet gelöst werden, da damit noch keine Interoperabilität gewährleistet wäre. Ein Umbau der Systeme selber ist aber unrealistisch, da ein Unternehmer, der bereits sehr viel Geld in seine hauseigene IT investiert hat, nicht einfach alles ändern, beziehungsweise erneuern kann, um kompatibel zu sein, selbst wenn eine solche, unter allen Beteiligten kompatible Lösung, existieren sollte [Gold2000, 118ff].

Gerade für international arbeitende Unternehmen in den USA und Europa war die Wichtigkeit von anerkannten Standards von Austauschformaten schnell offensichtlich. Die UNO als internationale Organisation moderierte den Standardisierungsprozeß zur Durchsetzung der jeweiligen Vereinbarungen [Merz1999, 315ff].

1975 veröffentlichte das Transportation Data Coordinating Committee (TDCC) einen Leitfaden, der Handelsabläufe und die dazugehörigen Transaktionsdaten in der Praxis auflistete. Basierend darauf wurde 1983 schließlich der erste EDI-Standard von der US-Standardisierungsorganisation ANSI verabschiedet. Damit wurden erstmals bestimmte Austauschformate vereinbart, allerdings lediglich für den Handel im Bereich der USA. Erst 1985 begann die wirklich internationale Standardisierung mit der Schaffung von UN/EDIFACT (Electronic Data Interchange For Administration, Commerce and Transport) durch das UN/TRADE Komitee. Als Ergebnis wurde der Standard ISO 9735 1988 verabschiedet.

EDI und EDIFACT werden oftmals gleichgesetzt. EDI meint aber lediglich den standardisierten Datenaustausch von Geschäftsdaten (siehe oben) und EDIFACT legt Austauschformate konkret fest. EDIFACT ist in Europa weit verbreitet, während sich in den USA der ANSI X12-Standard etablieren konnte. Beide Standards sind nicht interoperabel [Merz1999, 316].

Da Standards in diesem Problemkreis offensichtlich eine große Rolle spielen, soll im folgenden Abschnitt noch einmal ausführlich die Bedeutung von Standards erläutert werden.

2.1.3 Die Bedeutung der Auswahl von Standards

Um die Bedeutung von Standards zu erläutern, sollen zunächst einige zentrale Begriffe dargestellt werden, um anschließend auf ein theoretisches Modell zum Standardisierungsproblem von Buxmann, Weitzel und König einzugehen [BUWK1999].

Die Nutzung von Kommunikationsstandards bedeutet nicht nur, wie oben bereits dargestellt, ein großes Potential bezüglich Kosteneinsparungen und Gewinnung von Wettbewerbsvorteilen, sondern ist notwendige Bedingung für den unternehmensübergreifenden Datenaustausch.

Der Fall, daß Unternehmen absichtlich auf proprietäre Standards setzen, um „ihren“ Markt abzuschotten, soll hier ausgeschlossen werden, da er ökonomisch keinen Sinn macht. Einerseits kann kein Unternehmen gezwungen werden, mit anderen Unternehmen Handel zu treiben und kann es infolgedessen auch einfach unterlassen, andererseits würde es sich damit die Möglichkeit nehmen, in Zukunft an offenen, standardisierten, Märkten teilzunehmen.

Jeder Netzteilnehmer trifft seine Standardauswahl autonom. Durch die netzspezifischen Abhängigkeiten zwischen den Standardentscheidungen entsteht ein Koordinationsproblem, das ein Standardisierungsproblem ist. Vor Aufnahme der Kommunikation zwischen zwei Partnern muß zunächst eine Einigung (Standard) über die Sprache getroffen werden.

Einigen sich n Akteure jeweils bilateral, werden

n*(n-1)/2

Absprachen nötig [ScVo2000, 30]. Eine solche Art des Informationsaustausches ist ineffizient.

Der Nutzen eines Standards für einen Netzteilnehmer steigt mit der Anzahl der Teilnehmer insgesamt, beispielsweise steigt der Nutzen des Telefons je mehr Menschen einen Telefonanschluß haben. Der Nutzen eines Gutes steigt durch seine Anwenderzahl. Dieser Effekt ist als direkter Netzwerkeffekt bekannt [Welz2000]. Indirekte Netzeffekte entstehen durch die Entwicklung von Komplementärgütern, so hat sich z.B. um den eigentlichen Verkauf der inzwischen weit verbreiteten Handys ein Markt mit nützlichen Zusatzprodukten für das Handy entwickelt, wie beispielsweise Headsets, Klingeltöne oder Logos. Bezogen auf das XML-Umfeld wären indirekte Netzeffekte beispielsweise das erweiterte Angebot an Entwicklungssoftware oder eine vermehrte Anzahl an EDV-Mitarbeitern, die mit der XML-Programmierung vertraut sind.

Durch Netzwerkeffekte werden ursprünglich unabhängige Akteure abhängig. Die Netzteilnehmer, in unserem Fall also die Unternehmen, stehen vor einem Koordinationsproblem, da sie nicht wissen können, welche Standards andere Unternehmen einsetzen. Auch ist schwer vorauszusehen, welche Standards in Zukunft von Bedeutung sein werden, da der Standardisierungsprozeß eine eigene Dynamik besitzt und sich, wie bereits oben erwähnt, vor der langwierigen Verabschiedung offizieller Normen meist schon Quasi-Standards gebildet haben. Diese Situation bedeutet für die Unternehmen Unsicherheit und ein Investitionsrisiko [BUWK1999, 2].

Unternehmen sind nur begrenzt flexibel in ihrer Schnittstellengestaltung, da durch die Eintrittskosten in ein Netz das Austreten schwieriger wird, weil bereits Standardisierungskosten angefallen sind und das Umschwenken zu Wechselkosten (switching costs) führt. Beispielsweise führt das Wechseln eines Grafikprogramms u.U. zu Aufwand durch Konvertieren der Dateiformate vom alten ins neue Format, dies sind Wechselkosten. Im Extremfall betragen diese Kosten 100 Prozent des Anschaffungswertes, nämlich dann, wenn eine für kein anderes Produkt nutzbare Investition getätigt wurde.

Personalstunden und Anschaffungen sind dann praktisch ganz entwertet. Ein solcher Wechsel macht die angelaufenen Aufwendungen zu versunkenen Kosten (sunk costs) [Welz2000]. Wechselkosten können somit Eintrittsbarriere und zugleich Austrittsbarriere sein. Sind diese Kosten sehr hoch, stellt sich ein Lock-In-Effekt ein, der Nutzer wird quasi eingeschlossen.

Es gibt verschieden Arten des Lock-ins, die jeweils bei einem Umschwenken auf andere Technologien, Formate, Standards, etc. zu (Wechsel-)Kosten führen [Welz2000, Kap. 3.5]:

- Bei einem Ersatzkauf „dauerhafter“ Güter, die mit der Zeit stark im Wert sinken. Der ursprüngliche Preis des alten, im Wert stark gesunkenen Gutes liegt weit über dem Weiterverkaufspreis. Ein Beispiel für diese Art der Wechselkosten ist der Kauf und Weiterverkauf eines Neuwagens.
- Der Verlust von spezifischem Know-How, beispielsweise durch den Kauf einer neuen Maschine. Der Wechsel zu einer neuen Technologie macht das bezüglich der alten Maschine angesammelte Wissen unbrauchbar.
- Die Einführung neuer, spezifischer Formate, die Aufwendungen in Form von Konvertierungsmaßnahmen verursachen. Der Wechsel des Textverarbeitungsprogramms zwingt, soweit überhaupt möglich, zur Umwandlung der alten, bereits bestehenden Dokumente in das neue Format.
- Der Austausch bisher verwendeter Produkte verursacht Suchkosten, da dem Auffinden eines neuen Anbieters Kosten einer Marktevaluation vorausgehen, die sich noch erhöhen, wenn das Produkt sehr speziell ist und nur wenige Anbieter bestehen.

Im folgenden soll das Standardisierungsproblem in einem ökonomischen Modell dargestellt werden [BUWK1999].

Die Kommunikation zwischen Akteuren kann als Netzwerk veranschaulicht werden. Das Netzwerk ist ein gerichteter Graph ohne isolierte Knoten. Die Knoten (N={1,...,n}) stellen die Netzteilnehmer (Akteure) dar. Die Akteure werden durch Kanten (Kommunikationsverbindungen) verbunden. Eine Bewertungsfunktion weist den Kanten Informationskosten zu. Der Austausch zwischen jeweils zwei Knoten ist nur möglich, wenn sie einen identischen oder kompatiblen Kommunikationsstandard verwenden. Die Einführung eines Standards verursacht Standardisierungskosten, die jeweils der Akteur trägt. Dies sind im wesentlichen Hardware-, Software, Umstellungs- oder Einführungskosten und Schulungskosten.

Es sollen nur bereits bestehende Standards eine Rolle spielen. Das Standardisierungsproblem besteht nun darin, daß durch Standardkosten (knotenbezogene Kosten) Informationskosten (kantenbezogene Kosten) gespart werden können.

Es besteht ein Trade-off zwischen den Kosten einer Implementierung eines Standards und den eingesparten Informationskosten. Oder anders ausgedrückt: Durch das Einsetzen eines Standards entstehen auf der einen Seite Kosten der Einführung, auf der anderen Seite entfallen aber Kosten der Information, wie beispielsweise Kosten der Konvertierung.

Der sendende Knoten trägt jeweils die Summe der Kosten aus knoten- und kantenbezogenen Kosten.

Dies soll in folgender Grafik mit N=5 Teilnehmern dargestellt werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Beispiel für das Standardisierungsproblem [BUWK1999, 13].

In der Abbildung links oben setzt keiner der Akteure einen Standard ein, die knotenbezogenen Kosten sind also 0. Dafür sind sämtliche kantenbezogenen Kosten zu tragen, was zu Gesamtkosten für alle Teilnehmer von 217 GE führt.

Bei der Abbildung rechts oben wird lediglich der Knoten 3 standardisiert, was Kosten von 36 GE verursacht. Die kantenbezogenen Kosten verringern sich aber nicht, da der Einsatz eines Standards bei nur einem Teilnehmer noch keinen Mehrwert für die Kommunikation bringt. Diese Konstellation stellt die denkbar schlechteste dar und verursacht Gesamtkosten von 253 GE.

Werden nun zwei Knoten standardisiert, sind Standardisierungskosten von 61 GE und verringerte kantenbezogene Kosten von 172 GE, also Gesamtkosten von 233 zu tragen. Die Situation hat sich zwar gegenüber den 253 GE verbessert, nicht aber gegenüber der Ausgangslage in der ersten Abbildung links oben (217 GE).

In der letzten Abbildung rechts unten sind drei Knoten standardisiert. Dies bedeutet erhöhte knotenbezogenen Standardisierungskosten von 91 GE und deutlich gesenkte kantenbezogene Kosten von 117, was in der Summe 208 GE macht. Dies ist die günstigste Variante. Der Vorteil entsteht dadurch, daß durch die Standardisierung der drei Knoten bei allen betroffenen Kanten Einsparungen entstehen.

Wie oben ausgeführt, handelt es sich um einen (positiven) Netzwerkeffekt. Der Nutzer profitiert von einer gestiegenen Anzahl an Gesamtnutzern. Obwohl er eigentlich autark in seiner Entscheidung ist, ob und wie er standardisiert, wird der Nutzer sich nach dem Standardisierungsvorgehen der anderen Teilnehmer richten. Je größer der Konsens der teilnehmenden Akteure bezüglich eines einheitlichen Standards ist, desto größer ist das Kosteneinsparungspotential bei den kantenbezogenen Informationskosten und damit bei den Gesamtkosten. Die Auswahl von einem (oder mehreren) Standards wird für das Unternehmen zur strategischen Entscheidung.

Standardisierungsbemühungen bezüglich XML-Nachrichtenformaten werden später näher dargestellt.

2.2 Schwächen von EDI

Wenn nun aber durch den Geschäftsdatenaustausch mit Hilfe von EDI und EDIFACT die oben genannten Vorteile realisiert werden können und dies auch schon seit Jahren in der Praxis der Fall ist, wo liegt dann das Verbesserungspotential? An dieser Stelle sei auf Schwächen von EDI hingewiesen.

Die Syntax bei einer Übertragung legt die formalen Bedingungen (Zeichen, Signale) fest. Die Bedeutung der Zeichen und ihre Beziehung zueinander wird als Semantik bezeichnet [Ball2000, 59]. EDIFACT-Nachrichten basieren auf einem Zeichensatz, einer Grammatik (Syntax) und einem Wortschatz (Semantik). Aus diesen Grundelementen werden die zu den verschiedenen Geschäftsprozessen passenden EDI-Formate festgelegt [HäPS2000, 461].

Die UN hat bis Januar vergangenen Jahres 187 verschiedene Nachrichtentypen freigegeben. Gerade in den letzten Jahren ist es zu einem starken Zuwachs an Formaten gekommen. Die UN verwaltet die Nachrichtentypen in Verzeichnissen und macht sie damit für jedermann zugänglich [HäPS2000, 464].

Die Anforderung an EDIFACT-Nachrichten, in verschiedenen Ländern und branchenspezifisch anwendbar sein zu wollen, führte zu einer sehr allgemeinen Formulierung der Nachrichten bei hoher Komplexität. Da alle Geschäftsprozesse abgebildet werden sollen, entsteht ein enormer Overhead an Daten, d.h. Felder, die gar nicht benutzt werden. Um dem entgegenzuwirken, sind sogenannte Subsets wie z.B. EANCOM in der Konsumgüterwirtschaft entstanden, die, der Anwendung entsprechend, nur die tatsächlich benötigten Elemente der Nachricht enthalten, Performance und Übersichtlichkeit für die Benutzer steigern, aber immer noch der EDIFACT-Norm entsprechen. Da EDIFACT bereits als Standard verabschiedet ist, hat man eine gute Ausgangslage und braucht sich nur noch auf die jeweiligen Inhalte der Subsets zu einigen. Vorschläge für neue Subsets werden der DEDIG (Deutsche EDI Gesellschaft) vorgelegt, die den Entwurf wiederum mit ihren Schwestergesellschaften anderer Länder abgleicht. So wird die Einhaltung der EDIFACT-Norm und die Anzahl der Subsets mengenmäßig kontrolliert [HäPS2000, 466].

Wie oben bereits angedeutet, hat sich EDI trotz des anerkannten Nutzenpotentials bisher aufgrund seiner Nachteile nicht in der Breite durchsetzen können, wie vor einigen Jahren noch prophezeit wurde [Stef2001, 1].

In den vergangenen Jahrzehnten haben Unternehmen Milliarden von Dollar ausgegeben, um ihre internen Abläufe durch Automatisierung effizienter zu machen, dabei aber die Interaktion mit Geschäftspartnern vernachlässigt. Das Automatisierungspotential ist nur bis an die Werkstore ausgeschöpft worden. In den Unternehmen sind kleine IT-Inseln entstanden, die zum Austausch von Daten wieder auf manuelle Abläufe angewiesen sind. Mit EDI ist die Interaktion heterogener Systeme, wie sie in der Realität vorliegen, grundsätzlich zu bewerkstelligen.

Der entscheidende Punkt ist die Umsetzung von EDI. Es ist nicht nur schwierig und kostenaufwendig zu implementieren, auch muß für jeden Geschäftspartner als potentiellen Teilnehmer des Verbundes eine Extralösung erstellt werden [Gold2000, 119]. In der Regel verhindern inkompatible Dateiformate die automatische Weiterverarbeitung der EDIFACT-Nachrichten in den unternehmensinternen Anwendungen, was einen Transformationsprozeß nötig macht. Konverter, die auf Zuordnungstabellen zugreifen, extrahieren die Inhalte der EDIFACT-Datei und transformieren sie in das Inhouse-Format. Ausgangsdaten werden in analoger Weise bearbeitet. Schon leicht abgeänderte Formate erzwingen eine Anpassung der Zuordungstabellen. Eine kontinuierliche Pflege des Systems wird nötig. Darüber hinaus sind semantische und gegebenenfalls syntaktische Unterschiede zwischen EDIFACT- und Inhouse-Format nicht immer durch den Einsatz von Konvertern zu beseitigen, das heißt, hier wird eine Anpassung der Inhouse-Anwendung nötig [HäPS2000, 469]. Jedes Unternehmen muß kontinuierlich Ressourcen aufwenden, um die beschriebene Wartung und Anpassung bei sich durchzuführen.

Infolgedessen fanden die traditionellen EDI-Lösungen auf Basis der Standards EDIFACT und ANSI zwar bei finanzkräftigen Großunternehmen Akzeptanz, nicht jedoch bei Klein- und mittelständischen Unternehmen, denen die Eintrittsbarriere in Form hoher Investitionskosten in eine EDI-Infrastruktur oft zu hoch war [Huem2001, 13].

Die Hinwendung zu flexibleren Technologien scheint unabdingbar. XML, als Standard für Datenaustauschformate im Internet, soll Lösungen zum Geschäftsdatenaustausch ermöglichen, die die Schwächen des traditionellen EDI überwinden helfen. XML wird später einführend dargestellt.

2.3 Zusammenfassung

Das in den EDI-Nachrichtentypen verankerte Know-How von Geschäftsprozessen und die dazu erforderliche Datenformate macht traditionelles EDI zu einem wertvollen Gut für die Realisierung von E-Commerce-Systemen. Aus diesem Grund stellt das klassische EDI innerhalb der E-Commerce-Strategie für große Unternehmen auch weiterhin ein wichtiges Standbein dar.

In jüngster Zeit sehen sich Unternehmen aber dem Zwang zur Vernetzung ihrer (heterogenen) Warenwirtschaftssysteme über Marktplätze ausgesetzt, um im Wettbewerb bestehen zu können. Traditionelles EDI kann dies nicht leisten und weist eine Reihe von Nachteilen auf. Darüber hinaus ist ein übergreifender EDI-Standard nötig, der bilateralen Absprachen überlegen ist. Eine Lösung, die als Basis eines übergreifenden EDI-Standards dienen kann, ist XML.

3. Die Metasprache XML

In diesem Kapitel sollen XML mit seinen Vor- und Nachteilen, wie auch verwandte Technologien von XML, dargestellt werden.

3.1 XML als Lösung

XML (Extensible Markup Language) ist eine Metasprache die einer Untermenge von SGML (Standard Generalized Markup Language) entspricht und 1998 in der Version 1.0 vom World Wide Web Consortium (W3C) verabschiedet wurde [Oebb2001] . In XML geht es darum, für das Dokument charakteristische Inhaltstypen und ihre Beziehungen , also typische Inhalte und typische Beziehungen zu strukturieren.

Ein Brief beispielsweise besteht typischerweise aus Anrede, Text und Grußformel und zwar in dieser Reihenfolge. Die Inhaltstypen hängen von Dokumententyp (Brief, Rechnung, Stückliste etc.) ab. Die Dokumententyp-Definition (Document Type Definition, kurz: DTD) in XML ist die Definition einer Auszeichnungssprache [Mich1999, 35]. Neben DTDs dienen auch Schemata als Dokumentenbasis, die im Gegensatz zu DTDs in XML geschrieben und jüngst vom W3C als Standard verabschiedet worden sind.

HTML (Hypertext Markup Language) ist nur in der Lage, Dokumente zu formatieren, aber nicht, sie inhaltlich zu strukturieren, was die Aufgabe von XML ist [ScVo2000, 189]. Das grundlegend neue Konzept von XML ist die Trennung von Inhalt, Struktur und Präsentation. Textdaten sind der eigentliche Inhalt eines elektronischen Dokuments. Durch die Gliederung des Dokuments wird eine Struktur festgelegt. Die Formatierung, beispielsweise eine kursive Schreibweise, macht das Erscheinungsbild (Präsentation) eines Dokuments aus.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6: Das Sprachkonzept von XML [WBLK1999].

Genau wie HTML wird XML ebenfalls als reines Textdokument erstellt, nur eben mit der Endung .xml. Im Gegensatz zu HTML, das einen festgelegten Befehlssatz hat, können in XML neue Elemente und Attribute ergänzt werden. XML ist das Entwicklungswerkzeug, um Auszeichnungssprachen in Form von DTDs oder Schemata definieren zu können. DTDs sind also eine Art Bibliotheken, innerhalb derer die benötigten Tags (Elemente und Attribute) festgelegt werden [HeKa1999, 460]. Aus den DTDs beziehungsweise Schemata werden dann die konkreten Dokumente (Instanzen) abgeleitet.

Abbildung 7: XML als Werkzeug [Mich1999, 28].

XML-Dokumente, die die XML-Syntax beachten (z.B. korrekte Verschachtelung der Tags), sind gültig (valid). Dokumente, die darüber hinaus einer Instanz einer DTD entsprechen, sind wohlgeformt (well-formed) [Troj2001, 10f].

Die XML-basierten Auszeichnungssprachen (Markup-Sprachen oder eben Markup Languages) werden versionsweise weiterentwickelt und veröffentlicht.

[...]

Ende der Leseprobe aus 97 Seiten

Details

Titel
Der Einsatz von XML/EDI zum Geschäftsdatenaustausch
Untertitel
Anforderungsanalyse und Ableitung von Gestaltungsempfehlungen für virtuelle Marktplätze
Hochschule
Universität Augsburg  (Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik)
Note
1,7
Autor
Jahr
2001
Seiten
97
Katalognummer
V129541
ISBN (eBook)
9783640346387
Dateigröße
818 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Einsatz, XML/EDI, Geschäftsdatenaustausch, Anforderungsanalyse, Ableitung, Gestaltungsempfehlungen, Marktplätze
Arbeit zitieren
Diplom-Betriebswirt Jan Froese (Autor:in), 2001, Der Einsatz von XML/EDI zum Geschäftsdatenaustausch, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/129541

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