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Soziokulturelle Reproduktion im deutschen Bildungssystem

Title: Soziokulturelle Reproduktion im deutschen Bildungssystem

Term Paper (Advanced seminar) , 2003 , 40 Pages

Autor:in: Bene Schuhholz (Author)

Sociology - Social System and Social Structure
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Einleitung

Die Bildungsexpansion kann als die wichtigste Veränderung im Bildungswesen der letzten Jahrzehnte gewertet werden. Zielsetzung dieser Bildungsexpansion war unter anderem, die Bildungschancen für alle Bevölkerungsschichten zu verbessern. Eine Chancengleichheit besteht jedoch nur formal, wie die PISA-Studie bestätigt hat. Theoretisch ist es jedem möglich, die Schulbildung zu erhalten, zu der er befähigt ist. So gilt hierbei das Leistungsprinzip, d.h. dass jeder nach der tatsächlich erbrachten Leistung bewertet und eingestuft wird und aufgrund dieser weitere Zulassungen erhält. Eine Selektion nach wirtschaftlicher Situation oder Schichtzugehörigkeit wird öffentlich dementiert, der Zugang zur Bildung stehe jedem gleichermaßen offen. Unterzieht man das deutsche Bildungssystem nur einer oberflächlichen Betrachtung, wird dieser Schein gewahrt. Eine tiefergehende Untersuchung zeigt jedoch deutlich, dass dadurch einige einflussreiche Faktoren, die den Zugang zur Bildung ebenfalls bedingen, außen vor gelassen werden und unberücksichtigt bleiben. Solche Faktoren sind zum Beispiel die soziale Stellung der Eltern, deren wirtschaftliche Lage und die Einbindung in das soziale Netzwerk. Unter anderem ergab die PISA-Studie, dass das deutsche Bildungssystem im Bezug auf die soziale Vererbung bzw. die Weitergabe des sozialen Status das selektivste ist. Dies zeigt, dass der Begriff der Chancengleichheit bei einer tiefer greifenden Betrachtung nicht haltbar ist. Statistiken weisen zum Beispiel deutlich nach, dass der Anteil der Kinder aus Arbeiterfamilien in höheren Bildungsgängen deutlich niedriger ist als beispielsweise der Anteil der Kinder der Freiberuflichen und Führungskräften. Der Anteil der Arbeiterkinder an Universitäten in Deutschland beläuft sich auf nur etwa 2 %. Dies lässt sich sicherlich nicht auf eine geringere naturgegebene Begabung der Kinder in unteren Schichten zurückführen. Es müssen im Gegenteil andere Gründe hierfür in Betracht gezogen werden.

In dieser Arbeit sollen mögliche direkte und indirekte Faktoren, die den Zugang zur Bildung beeinflussen herausgearbeitet werden. Die daraus entstandenen Modelle sollen, anhand des im Gemeinschaftsprojekt der Universitäten Konstanz und Zürich von Herrn Prof. Dr. Helmut Fend und Herrn Prof. Dr. Werner Georg erhobenen Datensatz überprüft werden...

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Thematische Einführung

2.1 Bourdieu/Passeron: „Die Illusion der Chancengleichheit“

3. Der Kapitalbegriff in den Sozialwissenschaften

3.1 Pierre Bourdieu: „Ökonomisches Kapital, kulturelles Kapital, soziales Kapital“

3.1.1 Das kulturelle Kapital

3.1.2 Das soziale Kapital

3.2 Die Kapitalumwandlung

4. Paul DiMaggio: „Cultural capital and school success: the impact of status culture participation on the grades of u.s. high school students”

5. Empirische Phase

5.1 Deskripitve Statistik

5.2 Formulierung der Hypothesen

5.3 Nominaldefinition der Begriffe und Variablen

5.4 Faktorenanalyse: Kulturelles Kapital

5.5 Regressionsanalysen

5.6 Überprüfung der Hypothesen

6. Zusammenfassung der Ergebnisse

7. Anhang

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die Mechanismen der soziokulturellen Reproduktion im deutschen Bildungssystem. Ziel ist es, durch eine empirische Analyse zu prüfen, inwieweit das kulturelle Kapital und der familiäre Hintergrund den Bildungserfolg sowie den späteren Berufsstatus beeinflussen, um die Hypothese der Chancengleichheit kritisch zu hinterfragen.

  • Theoretische Fundierung des Kapitalbegriffs nach Pierre Bourdieu.
  • Analyse des Einflusses von kulturellem Kapital auf den Schulerfolg.
  • Empirische Untersuchung anhand von Daten der Universität Konstanz.
  • Überprüfung von Kausalmodellen zur sozialen Reproduktion.
  • Diskussion über die Bedeutung von Bildungsabschlüssen für den Berufsstatus.

Auszug aus dem Buch

3.1 Pierre Bourdieu: „Ökonomisches Kapital, kulturelles Kapital, soziales Kapital“

Bourdieu teilt das kulturelle Kapital wiederum in drei unterschiedliche Kategorien ein: 1. in verinnerlichtem, inkorporiertem Zustand, in Form von Dauerhaften Dispositionen des Organismus, 2. in objektiviertem Zustand, in Form von kulturellen Gütern, Bildern, Bücher, Lexika, Instrumenten oder Maschinen und 3. in institutionalisiertem Zustand, einer Form von Objektivation. Alle Forme des kulturellen Kapitals sind meistens körpergebunden. Sie entwickeln sich durch einen Verinnerlichungsprozess, welcher über einen bestimmten Zeitraum verläuft.

a) Inkorporiertes Kulturkapital

Die Akkumulation von inkorporiertem Kapital, welches auch mit dem deutschen Begriff „Bildung“ gleichgesetzt werden kann, setzt einen Verinnerlichungsprozess voraus, in dem Maße in dem er wie Unterrichts- und Lehrzeit erfordert, Zeit beansprucht. Inkorporiertes Kapital ist ein Besitztum, das zu einem festen Bestandteil der eigenen Person geworden ist. Man spricht in einem solchen Fall von dem Habitus einer Person. Demzufolge kann verinnerlichtes Kapital nicht durch Schenkung, Vererbung, Kauf oder Tausch erworben werden. Ein Maßstab für diese Form von Kapital stellt die Dauer des Bildungserwerbes dar, wobei diese nicht auf die Dauer des Schulbesuches reduziert werden darf. Nicht zu vernachlässigen ist nämlich der Einfluss der Primärerziehung der Eltern, bzw. der Familie. Diese kann nicht nur zu den schulischen Erfordernissen hinzu addiert werden, sondern kann auch als negativer Faktor verrechnet werden. Verkörperlichtes Kulturkapital bleibt immer von den Umständen seiner Aneignung geprägt, wie zum Beispiel typische Sprechweisen innerhalb einer Schicht.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Darstellung der Problematik der Chancengleichheit im deutschen Bildungssystem und Einführung in die theoretische Ausrichtung der Arbeit.

2. Thematische Einführung: Hinführung zum Thema soziale Ungleichheit unter Einbeziehung der zentralen Thesen von Bourdieu und Passeron.

3. Der Kapitalbegriff in den Sozialwissenschaften: Theoretische Herleitung und Definition der verschiedenen Kapitalformen nach Bourdieu.

4. Paul DiMaggio: „Cultural capital and school success...”: Vorstellung eines Vergleichsansatzes aus den USA und dessen theoretischer Rahmen.

5. Empirische Phase: Beschreibung der Datenbasis, Durchführung der statistischen Analysen und Überprüfung der aufgestellten Hypothesen.

6. Zusammenfassung der Ergebnisse: Synthese der statistischen Erkenntnisse und Bestätigung der zugrunde liegenden Reproduktionsmodelle.

7. Anhang: Auflistung der verwendeten Literatur, Tabellen, Abbildungen sowie Einblick in die verwendeten Fragebögen.

Schlüsselwörter

Bildungssystem, soziokulturelle Reproduktion, kulturelles Kapital, soziales Kapital, ökonomisches Kapital, Chancengleichheit, Habitus, Bildungsbeteiligung, Berufsstatus, Sozialerhebung, Regression, empirische Forschung, Statuskultur, Bildungsabschluss, Bildungserfolg.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, warum soziale Ungleichheiten im deutschen Bildungssystem trotz formaler Chancengleichheit bestehen bleiben und welche Rolle dabei die soziale Herkunft spielt.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Im Zentrum stehen die Konzepte des kulturellen, sozialen und ökonomischen Kapitals nach Pierre Bourdieu sowie deren Auswirkungen auf den Bildungsverlauf.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, den Einfluss von elterlicher Bildung und kulturellem Kapital auf den Schul- und Ausbildungsabschluss sowie den anschließenden Berufseinstieg empirisch zu belegen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine quantitative empirische Analyse auf Basis eines Datensatzes der Universität Konstanz durchgeführt, unter Anwendung von Faktorenanalysen und Regressionsmodellen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Neben der theoretischen Einbettung erfolgt eine detaillierte deskriptive Statistik der Daten, die Modellierung von Kausalzusammenhängen und die systematische Überprüfung der aufgestellten Forschungshypothesen.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Soziokulturelle Reproduktion, Kapitaltheorie, Bildungsbeteiligung, Kausalmodelle und sozioökonomischer Status.

Wie unterscheidet sich die Arbeit von DiMaggios Ansatz?

Die Autoren passen den Ansatz auf deutsche Daten an und verzichten im Gegensatz zu DiMaggio auf eine explizite Differenzierung nach Geschlechtern, da dies keine signifikanten Unterschiede zeigte.

Welches Fazit ziehen die Autoren bezüglich des Arbeitsmarktes?

Nach Verlassen des Bildungssystems wirken die Mechanismen der sozialen Herkunft weniger direkt; entscheidend für den Berufsstatus ist dann vor allem der institutionalisierte Bildungsabschluss.

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Details

Title
Soziokulturelle Reproduktion im deutschen Bildungssystem
College
University of Constance  (Fachbereich Soziologie und Geschichte)
Course
Sozio-kulturelle Reproduktion im deutschen Bildungssystem
Author
Bene Schuhholz (Author)
Publication Year
2003
Pages
40
Catalog Number
V12954
ISBN (eBook)
9783638187237
Language
German
Tags
Bourdieu Paul DiMaggio Bildung Bildungssystem soziokulturelle Reproduktion Längsschnittuntersuchung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Bene Schuhholz (Author), 2003, Soziokulturelle Reproduktion im deutschen Bildungssystem, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/12954
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