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Überlegungen zur Existenz von Elitehochschulen aus Sicht der Spieltheorie

Title: Überlegungen zur Existenz von Elitehochschulen aus Sicht der Spieltheorie

Term Paper (Advanced seminar) , 2009 , 24 Pages , Grade: 2

Autor:in: Matthias Rem (Author)

Sociology - Work, Education, Organisation
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Bildung ist eines der wichtigsten Güter in einer modernen Gesellschaft. Durch sie entstehen Wissen und qualifizierte Arbeitskräfte, welche den Fiskus eines Staates füllen. Nun erhöht sich mit der zunehmenden Globalisierung der Druck auf die nationalen Bildungswesen. Die grösser werdenden Wirtschaftsräume
vereinfachen den Austausch von Gütern, Wissen und Arbeitskräften. Reformen wie die Bolognareform vereinheitlichen das europäische Bildungswesen. Trotz dieser Internationalisierung und der damit einhergehenden Vereinheitlichung bestehen weiterhin Unterschiede bei den Hochschulen. Viele Wissenschaftsbereiche beschäftigen sich mit der Bedeutung des tertiären Bildungssektors. Dabei geht es unter anderem um eine effektive Bildungspolitik, welche die Standortattraktivität und die dadurch generierten Einnahmen
maximiert. Obwohl die meisten Staaten ähnliche Ziele verfolgen, sehen die Wege dahin verschieden aus. Einer dieser Unterschiede betrifft die Offenheit der Hochschulen. Zu diesem Thema gibt es bereits viele Forschungen. So existieren zum Beispiel in Frankreich und England Eliteuniversitäten, in welchen die zukünftige Elite gebildet wird. Andere Länder wie Deutschland oder die Schweiz versuchen die Offenheit ihrer Bildungssysteme zu propagieren.
Die sich angleichenden Hochschulen und die dennoch bestehenden
Unterschiede mögen auf den ersten Blick gegenteilig klingen. Es gibt in einer funktional differenzierten Gesellschaft viele verschiedene Systeme und noch mehr Akteure. Auch im Bereich der Bildung sind individuelle Akteure, wie auch organisatorische Akteure beteiligt. Diese operieren zum Teil nur schwer sichtbar und sind je nach Land verschieden. Es wird daher unmöglich sein, alle Mitspieler zu benennen. Schliesslich bestimmen in einige Ländern Minister, in anderen ein Parlament und in direkten Demokratien zum Teil sogar die Bevölkerung über Veränderungen. Diese Arbeit versucht nun, anhand von einigen bedeutenden Akteuren die bestehenden Unterschiede im Hinblick auf die Existenz von Elitehochschulen zu untersuchen. Dabei wird davon ausgegangen, dass die Politik, die Hochschulen, die Privatwirtschaft, die Stimmberechtigten und die Studierenden rationale Akteure sind, welche ihre Entscheidungen unter Einbezug der anderen Beteiligten tätigen. Es geht zusammenfassend um die Erklärung der Existenz/Nichtexistenz von Eliteuniversitäten in verschiedenen Ländern anhand der Spieltheorie, welche zum Rational-Choice-Ansatz gehört [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffe und Theorien

2.1. Elitehochschulen

2.1.1. Merkmale von Elitehochschulen

2.2. Rational-Choice-Theorie

2.2.1. Entstehung

2.2.2. Vom Homo Oeconimucus zum „RREEMM“

2.2.3. Die Spieltheorie

3. Akteure

3.1. Der Staat

3.2. Die Wahlberechtigten

3.3. Die Privatwirtschaft

3.4. Die Hochschulen

3.5. Die Studierenden

4. Zusammenspiel dieser Akteure

5. Schlusswort und Kritik

6. Literatur

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedingungen für die Existenz oder Nichtexistenz von Elitehochschulen in verschiedenen Staaten mithilfe der Spieltheorie und des Rational-Choice-Ansatzes, um das komplexe Zusammenwirken der beteiligten Akteure zu erklären.

  • Analyse der Akteursgruppen (Staat, Wirtschaft, Hochschulen, Studierende, Wahlberechtigte)
  • Anwendung der Rational-Choice-Theorie auf bildungspolitische Entscheidungen
  • Verständnis der spieltheoretischen Interdependenzen bei der Etablierung von Elitestatus
  • Untersuchung des Spannungsfeldes zwischen Bildungsstandortattraktivität und sozialer Offenheit

Auszug aus dem Buch

2.2.3. Die Spieltheorie

Die Spieltheorie ist aus dem Rational-Choice-Ansatz entstanden und versucht vereinfacht, komplexere Zusammenhänge auf ein theoretisches Minimum zu reduzieren. Dabei geht es um rationale Akteure, welche zwischen mindestens zwei Möglichkeiten wählen können. Dabei müssen diese Möglichkeiten in eine Reihenfolge gestellt werden. Zum Beispiel hat der Einkäufer die Wahlmöglichkeit zwischen Butter und Margarine und setzt dabei die Präferenz auf die Butter. Nun sind an einer Entscheidung mehrere Akteure beteiligt. Dabei beeinflussen sich die gemachten Entscheidungen gegenseitig. (vgl. Riechmann 2008). Wenn nun zum Beispiel ein grosser Milchproduzent die Produktion von Butter auf Margarine umstellt und somit die Butter verteuert, kann der Käufer seine Präferenz neu auf die billigere Margarine ändern. Seine Handlung hat sich aufgrund der Handlung eines anderen Akteurs geändert. Oder bei kriminellen Handlungen erhöhen sich durch Sicherheitsausgaben der Opfer die Aufwände der Kriminellen (vgl. Becker 1968). Bei den Entscheidungen geht es also nicht nur um eigenen Überlegungen, sondern die Entscheide der anderen Mitspieler werden berücksichtigt. Es handelt sich hier um eine stark vereinfachte Form der Spieltheorie, bei welcher komplexere Vorgänge wie zum Beispiel Solidarität mit anderen Akteuren zugunsten von egoistischen Motiven reduziert werden.

In dieser Arbeit geht es um die Frage, aus welchen Überlegungen heraus in einem Staat Elitehochschulen gebildet oder abgeschafft werden. Es handelt sich dabei um komplexe Vorgänge mit vielen Beteiligten. Daher macht die vereinfachende Spieltheorie Sinn, um dieser Frage nachzugehen. In einem ersten Schritt werden die wichtigsten beteiligten Akteure und ihre Entscheidungsmöglichkeiten unter die Lupe genommen. Im zweiten Schritt geht es um das Zusammenspiel des Staates, der Wahlberechtigten, der Privatwirtschaft, der Hochschulen und der Studierenden.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Bedeutung von Bildung als Wirtschaftsfaktor ein und formuliert die Problemstellung bezüglich der unterschiedlichen Ausgestaltung von Hochschulsystemen hinsichtlich ihrer Exklusivität.

2. Begriffe und Theorien: Es werden die Definition von Elitehochschulen dargelegt und die theoretischen Grundlagen der Rational-Choice-Theorie sowie der Spieltheorie als Analyseraster erläutert.

3. Akteure: Die zentralen Akteure im tertiären Bildungssektor — Staat, Wahlberechtigte, Privatwirtschaft, Hochschulen und Studierende — werden hinsichtlich ihrer Motive und Handlungsmöglichkeiten untersucht.

4. Zusammenspiel dieser Akteure: Dieses Kapitel verknüpft die zuvor analysierten Akteure und zeigt auf, wie deren wechselseitige Abhängigkeiten und Rationalentscheidungen über die Existenz von Elitehochschulen bestimmen.

5. Schlusswort und Kritik: Die Ergebnisse werden zusammengeführt und die Grenzen der gewählten spieltheoretischen Methode im Kontext komplexer gesellschaftlicher Prozesse kritisch reflektiert.

6. Literatur: Verzeichnis der verwendeten Quellen und wissenschaftlichen Publikationen.

Schlüsselwörter

Elitehochschulen, Spieltheorie, Rational-Choice-Theorie, Bildungspolitik, tertiärer Bildungssektor, Akteursanalyse, Nutzenmaximierung, Standortattraktivität, Humankapital, Exklusivität, Bildungsökonomie, politische Entscheidungsprozesse.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Existenz von Elitehochschulen in verschiedenen Ländern aus der Perspektive der Spieltheorie und des Rational-Choice-Ansatzes.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Themen sind die ökonomische Bedeutung von Bildung, die Akteursdynamiken zwischen Staat und Privatwirtschaft sowie die politische Dimension des Bildungswesens.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, zu erklären, warum Staaten Eliteuniversitäten etablieren oder ablehnen, indem die rationalen Abwägungen der beteiligten Akteure beleuchtet werden.

Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?

Es wird eine spieltheoretische Herangehensweise auf Basis der Rational-Choice-Theorie gewählt, um komplexe bildungspolitische Entscheidungen modellhaft zu reduzieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begriffsdefinition, eine detaillierte Akteursanalyse sowie eine Untersuchung des Zusammenwirkens dieser Akteure.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Zu den wichtigsten Begriffen zählen Elitehochschulen, Nutzenmaximierung, Standortattraktivität, Akteursanalyse und die spieltheoretische Interdependenz.

Welche Rolle spielt die Privatwirtschaft bei der Elitebildung?

Die Privatwirtschaft fungiert als indirekter Geldgeber und Auftraggeber, der durch Forschungsfinanzierung und Rekrutierungsbedarf den Druck zur Profilierung von Hochschulen erhöhen kann.

Warum fällt es demokratischen Staaten schwer, Elitehochschulen zu etablieren?

Es besteht oft ein Zielkonflikt zwischen der notwendigen Exklusivität von Elitebildung und der Forderung der Wahlberechtigten nach sozialer Gerechtigkeit und breitem Zugang zum Bildungssystem.

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Details

Title
Überlegungen zur Existenz von Elitehochschulen aus Sicht der Spieltheorie
College
University of Luzern
Course
Zukunft der Universität
Grade
2
Author
Matthias Rem (Author)
Publication Year
2009
Pages
24
Catalog Number
V129570
ISBN (eBook)
9783640359059
ISBN (Book)
9783640359332
Language
German
Tags
Elite Elitehochschulen Spieltheorie Eliteschule Eliten Elitesoziologie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Matthias Rem (Author), 2009, Überlegungen zur Existenz von Elitehochschulen aus Sicht der Spieltheorie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/129570
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