Die Außenpolitik der USA im Zweiten Weltkrieg

Von den faschistischen Anfängen in Europa bis zum Kriegseintritt der USA


Term Paper (Advanced seminar), 2009
23 Pages, Grade: 1,3

Excerpt

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Zur Biographie Franklin Delano Roosevelts

3 Die außenpolitischen Bestrebungen Roosevelts

4 Die Unterstützung der europäischen Alliierten

5 Amerika bereitet sich auf den Krieg vor

6 Fazit

7 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Wenn heute über aktuelle militärische Interventionen der USA gesprochen wird, ist die Kritik an jenen Auseinandersetzungen zweifelsohne Bestandteil der Diskussion. In erster Überlegung werden in diesem Zusammenhang verständlicherweise die gegenwärtigen militärischen Einsätze der Vereinigten Staaten im Irak und Afghanistan genannt. Ferner sind es die militärischen Interventionen Amerikas aus der Vergangenheit, allen voran der Vietnamkrieg, welche immer wieder kritisch dargestellt und hinterfragt werden. Kann man hier überhaupt von einer generellen Ausgangslage sprechen, so wird als Hauptargument für jene Auseinadersetzungen bei einer kritischen Betrachtungsweise stets die imperialistische Außenpolitik der USA herangeführt. Die Stellvertreterkriege, welche zur Zeit des Kalten Krieges zwischen der Sowjetunion und den USA geführt wurden, stellen weitere Beispiele für diese These dar.

Entgegengesetzt verhält sich die Situation jedoch mit dem Kriegseintritt der USA im Zweiten Weltkrieg. Wenn heute über die Erinnerung der amerikanischen Bevölkerung an den Zweiten Weltkrieg berichtet wird, so stößt man gar auf eine historische Erfolgs- und Heilsgeschichte, welche ähnlich dem Unabhängigkeitskrieg eine entscheidende Rolle für die Identität der Nation spielt. Es scheint, als seien das Gefühl des Stolzes und das des Patriotismus, das direkte Erbe der Amerikaner aus dem Zweiten Weltkrieg (vgl. Schulz, Kristina, The Greatest Story ever remembered, Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg als sinnstiftendes Element in den USA, Frankfurt am Main 2008, S. 22, 74).

Bei einer oberflächlichen Betrachtung scheint es, als seien die USA erst Ende der 1930er Jahre, bedingt durch die nationalsozialistische Gewalt Hitlers und den Angriff japanischer Bomber auf Pearl Harbor, gezwungen gewesen, als Retter von Freiheit und Demokratie in den Krieg einzugreifen. Ob diese vereinfachte Darstellung der Geschehnisse jedoch im Gesamtkontext der Realität entspricht, soll in dieser Hausarbeit unter den folgenden Gesichtspunkten erörtert werden:

1. Warum kam es zum Kriegseintritt der USA, obwohl doch eine so breite Masse, in der Politik sowie in der Öffentlichkeit, gegen eine aktive Kriegsbeteiligung war?[1]
2. Gab es tatsächlich nur idealistische Motive der amerikanischen Beteiligung? Es kann die These aufgestellt werden, dass der Krieg durch die militärische Unterstützung anderer Staaten finanziell durchaus lukrativ war. Waren somit, bedingt durch die Warenlieferungen an Großbritannien, Russland und andere Alliierte, nicht bereits die markwirtschaftlichen Ziele des New Deal erreicht? Oder wollte man lediglich im Nachkriegseuropa, welches zweifelsohne nach der Niederlage Deutschlands entstehen würde, die Fäden in der Hand halten um die eigene globale, imperialistische Einflussnahme auszubauen?
3. Welche Rolle spielte Franklin D. Roosevelt hierbei? Eine kurze Biographie des amerikanischen Präsidenten soll diesbezüglich anhand von wichtigen Eckdaten Aufschluss darüber geben, wo der mögliche Ursprung gewisser Entscheidungen Roosevelts liegt.

Das Hauptaugenmerk dieser Arbeit soll auf der politischen Situation innerhalb der USA liegen und verdeutlichen, aus welcher Lage heraus Präsident Roosevelt die außenpolitische Sachlage mit ihren herannahenden kriegerischen Entwicklungen zu bewältigen versuchte.

Im Rahmen des Proseminars „Franklin Delano Roosevelt und der New Deal: Die USA 1933-1945“ werde ich in dieser Hausarbeit die Rolle der USA im Zweiten Weltkrieg unter den genannten Aspekten beleuchten. Entgegen dem Versuch eine Gesamtdarstellung der Ereignisse aufzuzeigen (was gemessen an dem Umfang der vorliegenden Arbeit zweifelsohne kaum zu bewältigen ist), werden hier ausschließlich die Geschehnisse in Amerika, sowie des europäischen Raums vor dem Zeitraum des tatsächlichen Kriegseintritts der USA dargestellt. Es handelt sich also nur um eine Teilbetrachtung der Auseinandersetzungen Amerikas innerhalb des zweiten Weltkrieges. In erster Linie sollen die Auswirkungen des Kriegs in Europa auf Amerika beleuchtet werden und die politischen Geschehnisse und Vorbereitungen auf Seiten der USA. Auf die politischen sowie militärischen Konflikte Amerikas in Folge bzw. im Vorfeld des zweiten Weltkrieges mit Japan bzw. den Aktivitäten im pazifischen Raum, wird in dieser Arbeit bewusst nicht eingegangen. Folglich werden auch die beiden „Meilensteine“ der amerikanischen Beteiligung am Zweiten Weltkrieg nicht bearbeitet. Mit „Meilensteine“ sind hier der japanische Angriff auf Pearl Harbor gemeint, der der Auslöser für die militärische Auseinandersetzung der USA mit Japan und folglich dann auch mit Deutschland und Italien war, was den Krieg schließlich zum Weltkrieg ausweitete, als auch die amerikanischen Atombombenangriffe auf Hiroshima und Nagasaki, welche zum Sieg der Vereinigten Staaten über Japan führten.

Grundsätzlich muss zur verwendeten Literatur gesagt werden, dass bei der Betrachtung von Schriftgut, welches einen kritischen Blick auf die Rolle der USA im Zweiten Weltkrieg wirft, sehr darauf geachtet werden muss, nicht jene Literatur zu verwenden, welche unter dem Deckmantel des wissenschaftlichen Anspruchs eigentlich darum bemüht ist, Themen, die keiner neuen Betrachtung mehr benötigen (wie z. B. die Frage der Kriegsschuld) neu zu erörtern und somit, gewollt oder ungewollt, zwangsläufig politische Meinungsmache anheizt oder gar unterstützt. In diesem speziellen Fall müssen die Autoren Jaques Pauwels sowie Dirk Bavendamm genannt werden, die ich zur Verdeutlichung meiner soeben geäußerten These in dieser Arbeit, teils kritisch, erwähnen werde.

2 Zur Biographie Franklin Delano Roosevelts

Franklin Delano Roosevelt wird am 30. Januar 1882 in Hyde Park, New York, in eine sehr wohlhabende sowie gesellschaftlich angesehene Familie hineingeboren. Es ist vor allem der behüteten und sicheren, jedoch auch erlebnis- und anregungsreichen Erziehung der Eltern zuzuschreiben, dass der künftige Präsident ein unerschütterliches Selbst- und Weltvertrauen entwickelt. Der Fokus seiner Mutter, Sara Delano Roosevelt, liegt in den folgenden 60 Jahren primär auf ihrem Sohn Franklin, für den sie all ihre Liebe und Zeit aufbringt (vgl. Black, Conrad, Franklin Delano Roosevelt, Champion of Freedom, New York und Cambridge 2003, S. 3). In jungen Jahren reist Franklin mit seinen Eltern mehrfach nach Deutschland, genau genommen nach Bad Nauheim, wo er im Jahre 1891 für kurze Zeit sogar eine Schule besucht. In seiner Zeit als Präsident erinnert sich Roosevelt an jene frühen Erinnerungen aus Deutschland und umschreibt das deutsche Volk als „not a military nation with decent family life, but by the late 1890s’, boys and girls wore uniforms and were taught to march.“ (Zitat aus: Beschloss, Michael, The Conquerors, Roosevelt, Truman and the Destruction of Hitler´s Germany 1941-1945, New York 2002, S. 10) Die Kindheit Roosevelts ist geprägt von der aufopferungsvollen Zuneigung der Eltern (besonders, wie bereits erwähnt, seiner Mutter Sara), dem gehobenen Lebensstandard der Familie und dem damit verbundenen gesellschaftlichen Umfeld und Lebensstil. Zahlreiche Reisen nach Europa vermitteln dem jungen Franklin Roosevelt bereits früh eine beachtliche Offenheit gegenüber fremden Kulturen und den dort lebenden Menschen, auch wenn seine Mutter zu Hause in Hyde Park, ebenso wie auf Reisen, darauf achtet, dass Franklin Roosevelt möglichst keinen Kontakt zu den Menschen niedrigeren gesellschaftlichen Standes hat. Grundsätzlich hat Franklin Roosevelt bis zu seiner Einschulung kaum Kontakt mit Kindern seines Alters. Gleichzeitig ist es die strenge Routine der Mutter, welche ihrem Sohn Aufmerksamkeit und Fleiß lehrt. Ein strammer Tagesplan bestimmt seine frühen Kindheitstage auf dem Anwesen der Roosevelts: Aufstehen um 7 Uhr, Frühstücken um 8 Uhr, Privatunterricht von 9 bis 12 Uhr, 1 Stunde Zeit zum Spielen, anschließend Mittagsessen und weiterer Unterricht bis 16 Uhr. Die Zeit bis zum Abendessen darf Franklin Roosevelt alleine verbringen (Freedman, Russell, Franklin Delano Roosevelt, New York 1990, S. 9). Die frühen Reisen durch amerikanische sowie europäische Großstädte zeigen dem jungen Franklin Roosevelt dennoch auch die sozialen und finanziellen Missstände der Gesellschaft auf, mit welchen er sich selbst nie auseinander zu setzen hat. Er ist stets schockiert von den Umständen, in welchen arme Menschen zu leben haben und empfindet es gar als die Pflicht eines jeden, diese Bedürftigen zu unterstützen (Black, S. 14-16). Ein weiterer möglicher Grund für das doch auffällig starke (und ferner bedingt durch sein durchaus eher behütetes und wohlhabendes Elternhaus nicht offensichtliche) Bewusstsein Roosevelts für den „einfachen Mann“, kann möglicherweise auf eine frühe Erfahrung zurückzuführen sein, die er durch die als Lehrerin tätige Schweizer Gouvernante Jeanne Sandoz macht. Kurz nach seiner Wahl zum US-Präsidenten schreibt er Sandoz einen Brief, in welchem er ihren Einfluss als die Grundlage seiner Erziehung beschreibt (Riecker, Joachim: Das Geheimnis der Freiheit ist Mut, antike Vorbilder in der amerikanischen Außenpolitik von Theodore Rossevelt bis Bill Clinton, Paderborn und München 2006, S.75). Ein weiterer prägender Aspekt der Erziehung Franklin Roosevelts ist die Religiosität seiner Eltern welche ihn ebenfalls stark beeinflusst. Roosevelt ist folglich ein sehr gläubiger Mensch, was sich in einem ungebrochenen Glauben an die universelle Wohltätigkeit Gottes äußert (Ebd., S. 76). George McJimsey schreibt hierzu:

„From his early years, Franklin acquired a firm religious faith, taught by the Episcopal Church, that Jesus Christ had died to redeem the sins of humankind and that God had endowed the human soul with the ability to do good so that after death good persons would go to heaven. He was an optimist, based on his faith that God had created an order in the world that rewarded faith, goodwill, and effort. Essentially, Franklin Roosevelt sought to achieve the proper structure of power.” (McJimsey, George, The Presidency of Franklin Delano Roosevelt, Kansas 2000, S. 10)

Zu Schulzeiten wird Franklin Roosevelt von seinen Lehrern als „of more than ordinary intelligence…but not brilliant“ eingestuft (Zitat aus: ebd. S. 23).

Nach seinem Schulabschluss absolviert Roosevelt zunächst ein Studium in Harvard, welches er mit einem „Bachelor of Art“ abschließt, und beginnt in Folge ein Jura Studium an der Columbia Universität. Anschließend erhält er ein Engagement in einer Anwaltskanzlei in New York. 1910 wird er demokratischer Senator des Staates New York und 1913 Staatsekretär im Marineministerium (Junker, Detlef, Franklin Delano Roosevelt (1933-1945): Visionär und Machtpolitiker, in: Heideking, Jürgen (Ed.), Die amerikanischen Präsidenten, 42 historische Portraits von George Washington bis George W. Bush, München 2002, S. 308-310).

[...]


[1] Laut einer Umfrage des „Office of Opinion Research“, veröffentlicht in “Gallup and Fortune Polls, The Public Quarterly, June 1941”, antworteten im Januar 1941 auf die Frage: “If you were asked to vote on the question of the U.S. entering the war against Germany and Italy, how would you vote-to go into the war, or stay out of the war?” 88 % der Befragten mit “Stay out”. aus: http://www.jstor.org/stable/pdfplus/2744950.pdf, S. 325, 326, Stand: Oktober 2008

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Details

Title
Die Außenpolitik der USA im Zweiten Weltkrieg
Subtitle
Von den faschistischen Anfängen in Europa bis zum Kriegseintritt der USA
College
University of Frankfurt (Main)  (Philosophie und Geisteswissenschaften, Historisches Seminar)
Course
Franklin Delano Roosevelt und der New Deal: Die USA 1933-1945
Grade
1,3
Author
Year
2009
Pages
23
Catalog Number
V129574
ISBN (eBook)
9783640358533
ISBN (Book)
9783640358076
File size
477 KB
Language
German
Tags
2. Weltkrieg, USA, Außenpolitik der USA, Imperialismus, Roosevelt, Franklin Delano Rossevelt, Adolf Hitler, Hitler, Pearl Harbor, New Deal, Wirtschaftskrise, Geschichtsrevisionismus, Verschwörungstheorien
Quote paper
Kris Ralph (Author), 2009, Die Außenpolitik der USA im Zweiten Weltkrieg, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/129574

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