Diese Hausarbeit soll das von Platon in seiner Politeia geschilderte, Frauenbild als Schwerpunkt haben. Als Textgrundlage dient hierfür das Fünfte Buch der Politeia.
Zu beachten ist, dass die Politeia um ca. 387 v. Chr. geschrieben wurde und demnach in der klassischen Zeit der Antike (500-300 v. Chr.) anzusiedeln ist. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass es sich bei Platons Schilderungen in der Politeia um eine Utopie handelt, welche mit der athenischen Wirklichkeit nicht verglichen werden kann. Gerade das macht aber den Reiz einer Schilderung des Platonischen Frauenbildes aus.
Im Schlussteil erfolgt schließlich eine kurze Zusammenfassung der platonischen Gedanken bei Gegenüberstellung der athenischen Wirklichkeit.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Die Erziehung der Frau
2.1 Die Erziehung der Frau nach dem platonischem Vorbild
2.2 Frauenbildung im antiken Athen
III. Die soziale Stellung der Frau
3.1 Die Natur von Mann und Frau
3.1.1 Die Gleichheit der Natur von Mann und Frau
3.1.2 Die Eignung der Natur der Frau für alle Berufe
3.2 Geschlechtersegregation der Frau im klassischen Athen
3.2.1 Das Bürgergesetz
3.2.2 Der oikos und die damit verbundenen Pflichten
IV. Die Frauen- und Kindergemeinschaft
4.1 Frauen und Kinder als Gemeingut
4.1.1 Regelung der Hochzeiten
4.1.2 Kindererziehung und Kinderzeugung
4.2 Das Privatleben im klassischen Athen
4.2.1 Ehe und Familie
4.2.2 Eigentum und Besitz
4.2.3 Kindererziehung im antiken Athen
V. Schlussfolgerung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das Frauenbild in Platons Politeia im direkten Kontrast zur realen sozialen und rechtlichen Stellung der Frau im antiken Athen der klassischen Zeit.
- Vergleich von Platons Utopie mit historischen athenischen Gegebenheiten
- Analyse der Geschlechterrollen hinsichtlich Erziehung und Berufseignung
- Untersuchung der Bedeutung des "oikos" für den Status der Frau
- Betrachtung der Frauen- und Kindergemeinschaft im platonischen Modell
- Einfluss rechtlicher Rahmenbedingungen wie der Solonischen Gesetze
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Die Gleichheit der Natur von Mann und Frau
Platon gibt nun jedoch zu bedenken, dass die Erziehung der Frau noch nichts darüber aussage, ob die Natur der Frau auch wirklich dazu in der Lage sei, in gleicher Weise Arbeiten zu erledigen, wie der Mann. Um die Natur der Frau zu ermitteln, untersucht Platon als nächstes, ob die Frauen auf die gleiche Art und Weise an Arbeiten heran gehen, wie der Mann, beziehungsweise, ob sie eventuell an einige Arbeiten genauso herangehen und an andere nicht und wo diesbezüglich der Kriegsdienst einzuordnen ist.
Am Beginn von Platons Staatengründung gab dieser zu, „(…) es dürfe jeder einzelne nach seiner Anlage nur eine, die seine Aufgabe erfüllen.“ Das bedeutet, „(…) daß verschiedene Naturen verschiedene Aufgaben haben müssen, ferner daß das Wesen des Mannes von dem der Frau verschieden sei.“ Da Platon jedoch Mann und Frau die gleichen Aufgaben geben möchte, wird ihm der Vorwurf gemacht, dass er verschiedenen Naturen die gleiche Aufgabe gäbe und somit seiner eigenen Theorie widerspräche. Platon hält dagegen, dass viele glauben „(…) ein echtes Streitgespräch zu führen, während sie nur leeres Stroh dreschen, denn sie können den Gegenstand des Streites nicht in seine Artbegriffe zerlegen und danach betrachten, sondern suchen die Widerlegung der Behauptung nur im Wortlaut und führen so gegeneinander ein Wortgefecht, keine ernste Erörterung.“ Für Platon scheint das Verfangen in einen Widerspruch genau an dieser Stelle eingetreten zu sein, indem nicht bedacht wurde, was unter dem Begriff derselben oder der verschieden Natur zu verstehen ist. Den Fehler den Platon hier sieht ist der, dass nicht von dem allgemeinen Begriff der Gleichartigkeit und der Verschiedenheit ausgegangen wurde, sondern von dem der Besonderheiten des Berufes. „So sagten wir, Arzt und Seele des Arztes hätten dieselbe Anlage (…).“
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Einführung in die Thematik des platonischen Frauenbildes und Erläuterung der verwendeten Quellengattungen zur Abgrenzung von Utopie und Wirklichkeit.
II. Die Erziehung der Frau: Untersuchung der Erziehungsmethoden nach Platon im Vergleich zur begrenzten Bildung von Frauen im antiken Athen.
III. Die soziale Stellung der Frau: Analyse der natürlichen Eignung beider Geschlechter und der rechtlichen Einschränkungen durch das Bürgergesetz und die oikos-Struktur.
IV. Die Frauen- und Kindergemeinschaft: Betrachtung der radikalen Konzepte Platons bezüglich gemeinschaftlicher Familienstrukturen und der notwendigen Regelung von Hochzeiten und Nachwuchs.
V. Schlussfolgerung: Synthese der Ergebnisse über die Realitätsferne von Platons Utopie und seine Bedeutung als Pionier für die Einbeziehung von Frauen in den öffentlichen Dienst.
Schlüsselwörter
Platon, Politeia, Frauenbild, Antike, Athen, Oikos, Erziehung, Geschlechtersegregation, Bürgergesetz, Wächterstand, Frauen- und Kindergemeinschaft, Solonische Gesetze, Geschlechterrolle, Utopie, Sozialgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das von Platon in seiner Politeia entworfene Frauenbild und stellt dieses den historischen Realitäten der Frau im klassischen Athen gegenüber.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten gehören das Erziehungsideal, die Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern, die rechtliche Stellung der Frau sowie die soziale Bedeutung des oikos.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, inwieweit Platons utopische Vorstellungen von der Gleichheit der Geschlechter von der damaligen athenischen Wirklichkeit abwichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es erfolgt eine textanalytische Untersuchung von Platons Politeia in Gegenüberstellung zu zeitgenössischen Quellen wie Tragödien, Komödien und historischen Schriften.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Bereiche der Erziehung, der natürlichen Eignung, der geschlechtsspezifischen Segregation sowie der radikalen Vorschläge zur Frauen- und Kindergemeinschaft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Platon, Politeia, Frauenbild, Athen, oikos, soziale Stellung, Erziehung und Geschlechtersegregation.
Wie unterscheidet sich die Stellung der Wächterinnen laut Platon vom realen Frauenbild in Athen?
Während in Athen Frauen fast ausschließlich auf den häuslichen Bereich beschränkt waren, sah Platon für Wächterinnen eine Ausbildung und militärische Teilhabe vor, die derjenigen der Männer glich.
Welche Bedeutung hat das Bürgergesetz des Perikles für die Rolle der Frau?
Das Gesetz schränkte das Bürgerrecht stark ein und zementierte die politische und öffentliche Marginalisierung der athenischen Frau, indem es den Zugang zu öffentlichen Ämtern blockierte.
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- Nicole Kutzner (Author), 2007, Platons Frauenbild vor dem Hintergrund der athenischen Wirklichkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/129584