Im nachfolgenden Aufsatz sollen verschiedene Konzepte, welche die westlichen Wohlfahrtsstaaten erklären und vergleichen, unter der Perspektive der Geschlechterpolitik betrachtet werden. Hierzu werden zwei Aufsätze der Autorinnen Mary Langan und Ilona Ostner herangezogen, die sich intensiv mit dieser Thematik auseinandergesetzt haben.
Zunächst gilt es zu klären, was die derzeitige Forschung unter einem Wohlfahrtsstaat versteht. Carsten G. Ullrich schreibt in seinem Buch „Soziologie des Wohlfahrtstaates“, man würde mit dem Begriff Wohlfahrtsstaat “eine umfassende Versorgung und starke staatliche Reglementierungen assoziieren“. (Ullrich 2005, S.16) Der Wohlfahrtsstaat versorgt demnach seine Bürgerinnen und Bürger mit sozialen Diensten oder finanzieller Hilfe, um ihnen ein gewisses Existenzminimum zu sichern. Die Sozialpolitik, so Langan und Ostner, versucht Differenzen, die sich auch ungleichen Verhandlungspositionen ergeben, auszugleichen, wodurch allerdings neue Ungleichheiten geschaffen werden. (Langan und Ostner 1991, S.302)
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Inhaltsverzeichnis
- Einleitung: Sozialpolitik als Geschlechterpolitik
- Einteilung der „welfare regimes“ nach Esping Andersen und Leibfried
- Sozialpolitik und soziale Ungleichheiten
- Einteilung der „,welfare regimes“ nach Ernährermodellen
- Fazit
- Literatur
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Der Aufsatz analysiert verschiedene Konzepte zur Erklärung und zum Vergleich westlicher Wohlfahrtsstaaten aus der Perspektive der Geschlechterpolitik. Er untersucht, wie die Sozialpolitik die Geschlechterrollen und die soziale Ungleichheit beeinflusst.
- Die Rolle der Sozialpolitik bei der Gestaltung von Geschlechterrollen und der Bewältigung sozialer Ungleichheiten
- Die Einteilung von Wohlfahrtsstaaten nach verschiedenen Modellen (Esping Andersen, Leibfried)
- Die Auswirkungen der Sozialpolitik auf die Erwerbstätigkeit von Frauen und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf
- Die Bedeutung der Geschlechterordnung für die Gestaltung der Sozialpolitik
- Die Herausforderungen der Sozialpolitik im Kontext der sozialen Verwundbarkeit von Frauen
Zusammenfassung der Kapitel
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Einleitung: Sozialpolitik als Geschlechterpolitik
Die Einleitung stellt die Thematik des Aufsatzes vor und erläutert die Bedeutung der Geschlechterperspektive in der Analyse von Wohlfahrtsstaaten. Sie definiert den Wohlfahrtsstaat und die Sozialpolitik und zeigt auf, wie diese die Geschlechterrollen und die soziale Ungleichheit beeinflussen.
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Einteilung der „welfare regimes" nach Esping Andersen und Leibfried
Dieses Kapitel stellt die Einteilung von Wohlfahrtsstaaten nach Esping Andersen und Leibfried vor. Es beschreibt die drei Modelle: das liberale, das konservative und das sozialdemokratische Regime. Die Unterschiede zwischen den Modellen werden anhand der Kriterien Markt, Staat, private Haushalte, soziale Schichtung und entkommodifizierende Wirkungen erläutert. Das Kapitel beleuchtet auch die Kritik an Esping Andersens Konzept und die Erweiterung durch Leibfried, die die Rolle des Geschlechterverhältnisses in der Sozialpolitik stärker berücksichtigt.
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Sozialpolitik und soziale Ungleichheiten
Dieses Kapitel untersucht die Auswirkungen der Sozialpolitik auf die soziale Ungleichheit, insbesondere im Kontext der Geschlechterrollen. Es zeigt auf, wie die Abhängigkeit von Frauen von ihren Partnern durch die Sozialpolitik verstärkt werden kann und wie die soziale Verwundbarkeit von Frauen in bestimmten Situationen, wie z.B. bei Trennung oder Scheidung, deutlich wird. Das Kapitel betont die Notwendigkeit einer geschlechterorientierten Sozialpolitik, die Frauen gleiche Startbedingungen und Möglichkeiten zur Selbstständigkeit ermöglicht.
Schlüsselwörter
Die Schlüsselwörter und Schwerpunktthemen des Textes umfassen die Sozialpolitik, die Geschlechterpolitik, die Wohlfahrtsstaaten, die „welfare regimes“, die soziale Ungleichheit, die Geschlechterrollen, die Erwerbstätigkeit von Frauen, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die soziale Verwundbarkeit von Frauen und die feministische Wohlfahrtsdebatte.
Häufig gestellte Fragen
Was ist ein „Wohlfahrtsstaat“ im Sinne dieses Aufsatzes?
Ein Wohlfahrtsstaat ist ein System, das Bürger mit sozialen Diensten und finanzieller Hilfe versorgt, um ein Existenzminimum zu sichern und soziale Ungleichheiten auszugleichen.
Was sind die „Welfare Regimes“ nach Esping-Andersen?
Esping-Andersen unterscheidet drei Typen: das liberale (USA), das konservative (Deutschland) und das sozialdemokratische Regime (Skandinavien).
Warum ist die Geschlechterperspektive in der Sozialpolitik wichtig?
Sozialpolitik gestaltet Geschlechterrollen oft mit, indem sie beispielsweise das Modell des männlichen Alleinernährers unterstützt oder die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Frauen beeinflusst.
Was kritisiert Ilona Ostner an klassischen Wohlfahrtsstaatsmodellen?
Sie kritisiert, dass traditionelle Modelle die unbezahlte Hausarbeit und die Abhängigkeit von Frauen innerhalb der Familie oft ignorieren und fordert eine Berücksichtigung der Geschlechterordnung.
Was bedeutet „Entkommodifizierung“?
Es beschreibt das Ausmaß, in dem eine Person ihren Lebensunterhalt unabhängig von einer direkten Marktteilnahme (Erwerbsarbeit) durch staatliche Leistungen bestreiten kann.
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- Eva Meyer (Author), 2006, Wohlfahrtsstaatliche Geschlechterregimes: Ein Vergleich verschiedener Konzepte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/129588