Eugenik. Vorteile und Risiken


Hausarbeit, 2007
23 Seiten, Note: 1,0
Nicole Kutzner (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Die verschiedenen Arten der Eugenik
2.1 Positive und negative Eugenik
2.2 Staatliche und liberale Eugenik
2.3 Autonome und heteronome Eugenik
2.4 Direkte und indirekte Eugenik
2.5 Aktive und passive Eugenik
2.6 Radikale und moderate Eugenik
2.7 Marktliberale und sozialdemokratische Eugenik

III. Technische Möglichkeiten der Eugenik
3.1 In-Vitro-Fertilisation (IVF)
3.1.1 Ethische Perspektiven
3.1.2 Rechtliche Perspektiven
3.2 Pränatale Diagnostik (PND)
3.2.1 Ethische Perspektiven
3.2.2 Rechtliche Perspektiven
3.3 Präimplantationsdiagnostik (engl. preimplantation genetic diagnosis=PGD)
3.3.1 Ethische Perspektiven
3.3.2 Rechtliche Perspektiven

IV. Möglichkeiten der Regelung eugenischer Maßnahmen
4.1 zentrales Enhancement
4.2 dezentrales Enhancement

V. „Die Zukunft der menschlichen Natur - Auf dem Weg zu einer liberalen Eugenik?“
5.1 Naturwüchsigkeit und Gemachtes

VI. Schlussteil

Quellenverzeichnis

Sonstige Literatur

I. Einleitung

Die Auseinandersetzung mit dem Thema Vorteile und Risiken der Eugenik innerhalb einer Hausarbeit soll ein seit Jahren andauerndes Problem aufgreifen. Dabei handelt es sich nicht um ein Problem der Vergangenheit, dass mit der Epoche der Nationalsozialisten in Verbindung gebracht werden könnte. Sondern es handelt sich um ein Problem der klinischen Genetik.

Es ist vor allem dem technischen Fortschritt, der sich in den letzten Jahren innerhalb der Biowissenschaften vollzogen hat, zu verdanken, dass das Risiko für bestimmte Krankheiten wie zum Beispiel Krebs, Alzheimer und Herzinfarkt, bereits im Mutterleib diagnostiziert werden kann. Diese Stufe, der Erforschung hypothetischer Therapien, hat die Biowissenschaft jedoch schon hinter sich gelassen. Die Möglichkeit der Therapie von genetisch bedingten Krankheiten hat vor allem bei Wissenschaftlern, aber auch bei Eltern den Wunsch nach gesunden Kindern geweckt. Die Präimplantationsdiagnostik ist die hinreichende Technik zur Embryonenauswahl. Sie ermöglicht es nicht nur, Erbkrankheiten zu ermitteln, sondern auch bestimmte Eigenschaften des Embryos gezielt zu verändern. Nicht nur diese Designer-Babys werfen bei den Gegnern der Eugenik massive Kritik auf, auch die Tatsache das erbkranke Embryonen verworfen werden und auf diese Art und Weise eine Unterscheidung zwischen „lebenswert“ und „lebensunwert“ getroffen wird. Aber auch an dieser Stelle macht die Biowissenschaft noch nicht halt. Jeden Tag wird in den Zeitungen über neue technische Möglichkeiten der Eugenik berichtet. Vor Kurzem war gerade ein Artikel in der Berliner Zeitung[1] zu lesen, indem über die erste Frau berichtet wurde, die ein aus gefrorenen Ei- und Samenzellen entstandenes Kind gebar. Bisher war nur das Kühlen von Eizellen möglich, da diese einen hohen Anteil an Wasser enthalten. Die Methode des Einfrierens von Eizellen war ursprünglich nur für junge Frauen gedacht, welche an Krebs erkrankten. Da die Strahlen- und Chemotherapie die Eizellen so stark schädigen kann, dass die Frauen eventuell unfruchtbar werden, ist das Einfrieren der Eizellen für diese Frauen die einzige Möglichkeit ein Kind zu bekommen. Mittlerweile wird diese Technik jedoch auch gesunden Frauen zugänglich gemacht, welche ihre biologische Uhr anhalten möchten. Die Eugenik wird wahrscheinlich das Leben im 21. Jahrhundert dominieren und Ignoranz diesem Thema gegenüber, führt zu unreflektierten und überhasteten Reaktionen neuer biotechnischer Möglichkeiten.

Um sich eine Vorstellung der Vorteile und Risiken der Eugenik machen zu können, habe ich die vorliegende Hausarbeit in zwei Teile gegliedert. Der erste Teil dieser Hausarbeit befasst sich mit den verschiedenen Arten der Eugenik, mit den technischen Gegebenheiten und mit der Regelung eugenischer Maßnahmen. Dieser erste Teil soll vor allem den Zweck erfüllen, dass man sich über die Arten der Eugenik bewusst wird und erkennt, dass die Eugenik nicht nur Nachteile oder eben nicht nur Vorteile hat. Da die unterschiedlichen Arten der Eugenik nicht ausreichen, um sich eine endgültige Meinung zu bilden, befasse ich mich in diesem Teil weiterhin mit den technischen Möglichkeiten, welche die Eugenik bietet. Die technischen Möglichkeiten erlauben einen Einblick, in eine vielleicht umstrittene technische Vorgehensweise. Aufgrund dieser Informationen soll jeder für sich entscheiden können, ob er eugenische Maßnahmen befürwortet oder nicht. Die Frage die sich aus einer Bejahung der Eugenik ergeben könnte, ist die der Regelung eugenischer Maßnahmen. Aus diesem Grund beinhaltet der letzte Themenkomplex des Abschnitts, die Regelung eugenischer Maßnahmen. Der zweite Teil dieser Hausarbeit umfasst eine Erörterung zur Problematik der Naturwüchsigkeit und des Gemachten. Als Textgrundlage dient hierfür Habermas` Buch „Die Zukunft der menschlichen Natur – Auf dem Weg zu einer liberalen Eugenik?“

Im Schlussteil erfolgt letztendlich die Zusammenfassung der Vorteile und Risiken der Eugenik, aufgrund der vorher erörterten Themen.

II. Die verschiedenen Arten der Eugenik

„Eugenik“ stammt aus dem Altgriechischen und bedeutet soviel wie wohlgeboren, edel, von guter Art.[2] Da innerhalb der Eugenik verschiedene Arten zu unterscheiden sind, werde ich im folgenden Abschnitt kurz auf die unterschiedlichen Typen der Eugenik eingehen.

2.1 Positive und negative Eugenik

In Bezug auf die Definition der positiven und der negativen Eugenik herrschen in der Literatur verschiedene Ansichten. Die herrschende Meinung definiert die positive Eugenik als die „Förderung von guten Erbanlagen.“ Die Negative wird indessen als „Einschränkung der Ausbreitung von nachteiligen Genen“ verstanden.[3] Unter guten bzw. negativen Erbanlagen ist die jeweilige Definition dessen, was die betreffende Person, welche die Eugenik vornimmt oder gegebenenfalls der Staat, welcher sie vornimmt, versteht. Dieses Verständnis von positiver und negativer Eugenik ist sowohl auf psychische, als auch auf physische Merkmale anzuwenden.

Die Definition der negativen Eugenik macht es notwendig eine weitere Definition einzuführen und zwar die der nachteiligen Gene. Nachteilige Gene sind Gene, welche Krankheiten hervorrufen und solche, welche eventuell Krankheiten nach sich ziehen. „Krankheit“ kann hingegen als normativer oder neutraler Begriff aufgefasst werden. Aufgrund des Rahmens meiner Hausarbeit werde ich mich an dieser Stelle auf den normativen Begriff von „Krankheit“ beziehen.

2.2 Staatliche und liberale Eugenik

Auf die staatliche und liberale Eugenik möchte ich an dieser Stelle nur ganz kurz eingehen, weil die staatliche Eugenik durchaus mit dem zentralem Enhancement unter 4.1 gleichzusetzen ist und die liberale Eugenik mit dem Begriff des dezentralen Enhancements unter 4.2.

Das zentrale Enhancement beinhaltet staatlich gelenkte Programme, wie sie beispielsweise zu Zeiten der Nationalsozialisten eingesetzt wurden. Dezentrales Enhancement oder liberale Eugenik „geht von Ehepaaren oder den Individuen mit Veränderungswunsch selbst aus, die ihre Entscheidungen über die technisch manipulierten Eigenschaften ihrer Kinder oder ihrer selbst im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten treffen.“[4] Zu beachten ist, dass das dezentrale Enhancement zwei Fälle beinhaltet, die unter dem nächsten Punkt einer Unterscheidung bedürfen.

2.3 Autonome und heteronome Eugenik

Bei dem ersten Fall handelt es sich um eine Person, die für sich selbst entscheidet das Veränderungen vorgenommen werden sollen. Die Person handelt demnach autonom. Bei dem zweiten Fall handelt es sich um Eltern, welche über ihre Kinder entscheiden. Da diese Handlungen fremdbestimmt sind, handelt es sich um eine heteronome Entscheidung. Aus diesem Grund ist die heteronome Eugenik, innerhalb der Eugenikdebatte, das vorherrschende Thema.

2.4 Direkte und indirekte Eugenik

Zum besseren Verständnis der indirekten und direkten Eugenik müssen zwei Beispielfälle herangezogen werden. Bei dem ersten Fall handelt es sich um Eltern, welche ihre Nachkommen durch Keimbahntherapie so verändern lassen, dass die Wahrscheinlichkeit einer Krebserkrankung radikal reduziert wird. Die Erbanlagen der Nachkommen werden direkt gefördert, weil nachteilige Gene verändert werden. Deshalb liegt in diesem Fall eine heteronome, liberale, negative und direkte Eugenik vor. Der Zweite ist ein Fall der PND,[5] bei dem sich die Schwangere aufgrund einer psychischen Behinderung ihres Embryos zu einer Abtreibung entscheidet. Hierbei handelt es sich um eine indirekte Förderung des allgemeinen Genpools, weshalb es sich genauer gesagt um einen Fall der heteronomen, liberalen, negativen und indirekten Eugenik handelt.

2.5 Aktive und passive Eugenik

Ein Fall der passiven Eugenik ist bei der PID wieder zu finden, da innerhalb dieses Untersuchungsverfahrens drei befruchtete Eizellen direkt ausgewählt werden, um sie später in die Gebärmutter einer Frau zu verpflanzen. Da bei diesem Vorgang nur Eizellen ausgesucht werden und nicht aktiv verändert werden, handelt es sich um einen Fall der passiven Eugenik.

Ein Fall der aktiven Eugenik liegt indessen bei der noch nicht umsetzbaren Genkonstruktion vor. Aufgrund dessen, das hier nicht auf befruchtete Eizellen zurückgegriffen werden müsste, sondern Neue aktiv erschaffen werden würden, ist dies ein Fall der aktiven verändernden Eugenik.[6]

2.6 Radikale und moderate Eugenik

Moderate eugenische Maßnahmen sind solche, welche die Leistungen eines Menschen nur geringfügig ändern. Die Veränderungen, die durch die eugenischen Maßnahmen erreicht werden, hätten gegebenenfalls auch durch Fleiß erlangt werden können. Schlussfolgerung daraus ist, dass sich die Konkurrenzsituation in der Gesellschaft kaum verändert.

Radikale eugenische Maßnahmen liegen immer dann vor, wenn die Veränderungen die vorgenommen wurden, nicht auf natürlichem Weg erreichbar gewesen wären. Radikale eugenische Maßnahmen sprengen Grenzen, die bisher für unsere Art nicht üblich waren.[7] Ein Beispiel dafür wäre ein Mensch, der nach der Genveränderung in der Lage ist Infrarotlicht zu sehen.

2.7 Marktliberale und sozialdemokratische Eugenik

Das Themengebiet der marktliberalen und sozialdemokratischen Eugenik bezieht sich ausschließlich auf die politische Ebene der Eugenik und wird aus diesem Grund innerhalb des Punktes 4.1.1 genauer besprochen.

Sowohl die marktliberale als auch die sozialdemokratische Eugenik sind der liberalen Eugenik unterzuordnen. Während die marktliberale Eugenik „dem Markt seinen Lauf lässt“,[8] versucht die sozialdemokratische Eugenik „die Chancengleichheit in der Gesellschaft zu gewährleisten“[9].

III. Technische Möglichkeiten der Eugenik

In diesem Abschnitt sollen die technischen Möglichkeiten der Eugenik angesprochen werden, die bereits in die Praxis umgesetzt werden können. Eingehen möchte ich dabei auf die In-Vitro-Fertilisation, die pränatale Diagnostik und die Präimplantationsdiagnostik. Dabei werde ich die medizinische Vorgehensweise erklären und anschließend auf ethische Perspektiven der jeweiligen Techniken eingehen. Innerhalb dieses Punktes soll auf gar keinen Fall eine ethische Auseinandersetzung erfolgen, sondern lediglich eine Anmerkung über ethische Aspekte, welche bei einer Auseinandersetzung über die ethischen Probleme der einzelnen eugenischen Techniken zu diskutieren wäre. Der letzte Punkt, den ich ansprechen möchte, ist der der Rechtlichen Perspektiven. Hier ist zu klären, inwiefern es heute schon rechtliche Maßstäbe für eugenische Techniken gibt und wo in Zukunft noch Gesetzeslücken ausgeglichen werden müssen.

3.1 In-Vitro-Fertilisation (IVF)

Die In-vitro-Fertilisation ist ein Teil der assistierten Reproduktionsmedizin und bezeichnet die ärztliche Hilfe zur Erfüllung des Kinderwunsches eines Paares durch medizinische Hilfen und Techniken.

Eine IVF (Embryotransfer), auch als “extrakorporale Befruchtung” bezeichnet, ist die Vereinigung einer Eizelle mit einer Samenzelle außerhalb des Körpers. Die Befruchtung, der instrumentell entnommenen Eizelle durch die Samenzelle, erfolgt in der Regel in einem Kulturgefäß (in vitro).[10] Danach kommt die Eizelle in eine für sie eigens künstlich stimulierte Gebärmutter oder den Eileiter der genetischen Mutter. Die benötigte Eizelle wird, nach Anregung der Follikelreifung unter Ultraschallkontrolle, mittels Punktionsnadel entnommen und anschließend mit Sperma des Ehemannes zusammengebracht.[11]

[...]


[1] Berliner Zeitung: Das Baby aus dem Eis, Hg. Anke Brodmerkel, Sonnabend 14. April 2007 S.1.

[2] Gemoll, Giechisch - Deutsches Wörterbuch, Oldenburg Schulbuchverlag, 1. Auflage, München 1908.

[3] Sorgner, Birx, Knoepffler(Hg.) Eugenik und die Zukunft, Beitrag Positive und negative Eugenik, S. 202, Stefan Lorenz Sorgner, Karl Alber Verlag, München 2006.

[4] Ebenda, S. 204.

[5] Hierzu siehe Abschnitt IV. Nr.4.2.

[6] Sorgner, Birx, Knoepffler (Hg.) Eugenik und die Zukunft, Beitrag aktive und passive Eugenik, S. 207/208, Stefan Lorenz Sorgner, Karl Albert Verlag, München 2006.

[7] Sorgner, Birx, Knoepffler (Hg.) Eugenik und die Zukunft, Beitrag Enhancement und Gerechtigkeit, S. 129, Bernward Gesang, Karl Albert Verlag, München 2006.

[8] Sorgner, Birx, Knoepffler (Hg.) Eugenik und die Zukunft, Beitrag Enhancement und Gerechtigkeit, S. 209, Stefan Lorenz Sorgner, Karl Albert Verlag, München 2006.

[9] Ebenda.

[10] www.Bundesärztekammer.de

[11] Dierkes, Dr. Stefan, Taschenlexikon Medizin, 2. Auflage, Urban & Fischer Verlag Jena 2000, S. 185.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Eugenik. Vorteile und Risiken
Hochschule
Universität Rostock  (Philosophische Fakultät)
Veranstaltung
Praktische Philosophie II
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
23
Katalognummer
V129589
ISBN (eBook)
9783668706712
ISBN (Buch)
9783668706729
Dateigröße
532 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
eugenik, vorteile, risiken
Arbeit zitieren
Nicole Kutzner (Autor), 2007, Eugenik. Vorteile und Risiken, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/129589

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