Eine wesentliche Entwicklung der letzten Jahre an internationalen Finanzmärkten ist der Einsatz von Asset Backed Securities (ABS) zur Unternehmensfinanzierung. Grundgedanke dieses Finanzinstrumentes ist die Verbriefung ursprünglich nicht handelbarer Aktiva in fungiblen Wertpapieren.
Der historische Ursprung dieser Entwicklung ist zu Beginn der siebziger Jahre in den USA zu finden, wo erstmalig Hypothekardarlehen verbrieft wurden (MBS). Im Laufe der achtziger und neunziger Jahre wurden neben Mortgages nach und nach auch andere Aktiva Gegenstand von Asset Backed Transaktionen (ABT) .
Seit das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen (BAKred) 1997 in einem Rundschreiben seine ablehnende Haltung gegenüber dieser Finanzinnovation aufgegeben hat, haben neben Unternehmen auch deutsche Kreditinstitute die Möglichkeit, eigene Forderungen in ABS zu verbriefen. Aufgrund der ureigenen Geschäftstätigkeit und der typischen Bilanzstruktur scheinen vor allem diese „besonderen“ Unternehmen speziell für ABT geeignet.
Die vorliegende Arbeit untersucht die Frage einer asymmetrischen Informationsverteilung im Rahmen von ABS aus der speziellen Perspektive eines Kreditinstitutes. Nach einer allgemeinen Einführung in das Thema ABS, untersucht Kapitel 3 die Frage einer möglichen ex post Informationsasymmetrie in Form von Moral Hazard für eine forderungsveräußernde Bank. Im Mittelpunkt steht die modellhafte Betrachtung eines Loan Sale Marktes nach Gorton und Pennacchi (Loan Sale = einfacher Kreditforderungsverkauf). Kapitel 4 beschäftigt sich mit dem Problem eines ex ante Hidden Information Vorteiles der Bank über die zu veräußernden Forderungen. Kapitel 5 fasst zusammen.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. ASSET BACKED TRANSAKTIONEN
2.1. GRUNDKONZEPTION UND BETEILIGTE
2.2. ROLLEN EINER BANK
2.3. VORTEILHAFTIGKEIT EINER ASSET BACKED TRANSAKTION
3. ASSET BACKED SECURITIES UND MORAL HAZARD
3.1. FINANZINTERMEDIÄRE UND DELEGATED MONITORING
3.2. MODELL EINES LOAN SALE MARKTES
4. ASSET BACKED SECURITIES UND HIDDEN INFORMATION
4.1. DAS HIDDEN INFORMATION PROBLEM
4.2. SIGNALLING ZUR VERRINGERUNG DER HIDDEN INFORMATION
4.3. LOAN SALES UND DER MARKT FÜR KREDITDERIVATE
5. SCHLUSSBETRACHTUNG
APPENDIX 1 - GRUNDKONZEPTION EINER ASSET BACKED FINANZIERUNG
APPENDIX 2 – ANREIZKOMPATIBLER FORDERUNGSVERKAUF (GORTON, PENNACCHI 1995)
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert die Problematik asymmetrischer Informationsverteilung beim Einsatz von Asset Backed Securities (ABS) aus der Perspektive von Kreditinstituten. Im Zentrum steht die Untersuchung, wie durch den Forderungsverkauf verursachte Anreizprobleme in Form von Moral Hazard und Hidden Information durch spezifische Vertragsgestaltungen oder Signalling-Methoden gemildert werden können.
- Grundlagen und Beteiligte von Asset Backed Transaktionen
- Anreizprobleme (Moral Hazard) durch delegiertes Monitoring
- Modellhafte Analyse des Loan Sale Marktes nach Gorton und Pennacchi
- Ex ante Hidden Information Problematik bei Kreditportfolios
- Signalling-Instrumente und die Rolle von Kreditderivaten
Auszug aus dem Buch
Modell eines Loan Sale Marktes
Man betrachte eine Bank, die beabsichtigt einen neuen Kredit zu finanzieren. Zur Beschaffung der benötigten Finanzmittel bestehen zwei Alternativen.
Die Bank kann neue Einlagen von Kunden nutzen, um die benötigte Liquidität zu gewinnen. Diese Form der Finanzierung ist mit Kosten in Höhe von rI verbunden, was nicht nur die Zinszahlungen an die Einleger sondern auch alle bankinternen Kosten beinhaltet (z. B. steigende Kosten der Regulierung sowie Reservepflichten, kalkulatorische Kosten oder Agency Kosten).
Alternativ kann sich die Bank auf dem Loan Sale Markt engagieren. Der Verkauf bestehender Kreditforderungen zur Erlangung der benötigten Liquidität verursacht Kosten in Höhe von r1s, wobei r1s die vom Käufer geforderte Rendite unter Berücksichtigung der Ausfallwahrscheinlichkeit des Schuldners sowie des antizipierten Moral Hazard Problems auf dem Loan Sale Markt beinhaltet.
Während eine Finanzierung über Loan Sales den Vorteil bietet, dass keine steigenden Kosten der Regulierung anfallen, sind jedoch Kosten der asymmetrischen Information zu berücksichtigen, die durch den Verkauf der Kreditforderung und dem Wegfall jeglichen Anreizes einer effizienten Wahrnehmung der Aufgaben als Delegated Monitor entstehen. Die Bank wird mit einem ex post Anreizproblem konfrontiert.
Gorton und Pennacchi entwickeln ein Modell indem die Bank, trotz Loan Sale, ggf. einen Anreiz hat, Screening bzw. Monitoring zu betreiben, und somit die Kosten der asymmetrischen Information zu verringern. Im Mittelpunkt steht dabei das Ziel, einen optimalen Kontrakt zwischen Verkäufer und Käufer der Forderungen zu gestalten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Hinführung zur Thematik des ABS-Einsatzes durch Kreditinstitute und Darlegung der zentralen Fragestellung bezüglich Informationsasymmetrien.
2. ASSET BACKED TRANSAKTIONEN: Erläuterung der Grundkonzeption, der beteiligten Akteure sowie der vorteilhaften Bilanz- und Risikomanagement-Aspekte einer ABT.
3. ASSET BACKED SECURITIES UND MORAL HAZARD: Theoretische Herleitung von Anreizproblemen bei delegiertem Monitoring und modellhafte Untersuchung von anreizkompatiblen Loan Sale Verträgen.
4. ASSET BACKED SECURITIES UND HIDDEN INFORMATION: Analyse der Probleme adverser Selektion bei der Forderungsauswahl sowie Prüfung von Signalling-Mechanismen und der Rolle von Kreditderivaten.
5. SCHLUSSBETRACHTUNG: Zusammenfassende Einschätzung der Möglichkeiten für Banken, durch Kontrakt- und Signalling-Designs Informationsasymmetrien effektiv abzubauen.
Schlüsselwörter
Asset Backed Securities, ABS, Informationsasymmetrie, Moral Hazard, Hidden Information, Kreditforderungen, Loan Sale Markt, Delegated Monitoring, Screening, Signalling, Finanzintermediäre, Kreditderivate, Risikomanagement, Verbriefung, adverse Selektion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen von asymmetrischen Informationen beim Einsatz von Asset Backed Securities durch Kreditinstitute.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die neoinstitutionalistische Finanzierungstheorie, Moral-Hazard-Probleme beim Forderungsverkauf und Hidden-Information-Risiken bei der Kreditportfolioselektion.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Banken durch anreizkompatible Vertragsgestaltungen und Signalling die Kosten der Informationsasymmetrie minimieren können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine modelltheoretische Analyse auf Basis der Literatur von Gorton und Pennacchi sowie ergänzender Ansätze der Finanzintermediation genutzt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert das Modell eines Loan Sale Marktes hinsichtlich der Screening-Anreize und untersucht anschließend Mechanismen zur Überwindung von Hidden Information.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Moral Hazard, Hidden Information, ABS, Delegated Monitoring und Signalling geprägt.
Warum stellt der Verkauf von Kreditforderungen für eine Bank ein Moral-Hazard-Risiko dar?
Da die Bank durch den Verkauf das Ausfallrisiko überträgt, verliert sie den Anreiz, kostenintensive Tätigkeiten wie das Monitoring oder Screening der Schuldner gewissenhaft weiterzuführen.
Inwieweit können Kreditderivate bei Informationsasymmetrien helfen?
Kreditderivate ermöglichen eine differenzierte Übertragung von Risikokomponenten, wodurch Banken spezifische Risiken transferieren können, ohne direkt in den Lemon Discount eines gepoolten Forderungsverkaufs zu geraten.
- Quote paper
- Marcus Rothamel (Author), 2002, Asset Backed Securities und Informationsasymmetrien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/12959