Postmodern Elements in Paul Auster's "Moon Palace". The Controversial Usage of Chance


Unterrichtsentwurf, 2008
15 Seiten, Note: 1,2

Leseprobe

1. Beschreibung der Lerngruppe

Den eA-Kurs, der sich aus 23 Schülern1zusammensetzt, unterrichte ich seit Anfang November im betreuten Unterricht. Die Schüler sind weitestgehend motiviert, offen und es gibt kaum gruppeninterne Differenzen. Zudem übertragen sie ihre positive Unterrichtseinstellung auch auf das Verhältnis zu mir, wodurch eine sehr freundliche

5 und meist störungsfreie Lernatmosphäre entsteht. Diese Stimmung wird durch die Tatsache begünstigt, dass ich einige Schüler bereits im letzten Schuljahr eigenverantwortlich unterrichtet habe. In Bezug auf ihr Leistungsvermögen sind die Lerner jedoch sehr heterogen und lassen sich folglich in drei Gruppen einteilen:2

1. xxx, xxx, xxx, xxx, xxx, xxx und xxx gehören zu den mündlichen Leistungsträgern. Sie beteiligen

sich kontinuierlich am Unterricht und bringen diesen durch sehr gute Beiträge und sinnvolle Fragestellungen

10 inhaltlich voran. Zudem beherrschen die aufgeführten Schüler die Zielsprache nahezu fließend, was auf Auslandsaufenthalte und auf den erteilten bilingualen Unterricht zurückzuführen ist.

2. Das große Mittelfeld weist eine erneute Heterogenität auf. xxx, xxx, xxx und xxx beteiligen sich regelmäßig am Unterricht, doch sind ihre Leistungen eher als durchschnittlich einzuschätzen. xxx, xxx, xxx xxx, xxx und xxx sind im Gegensatz zu den zuerst genannten Schülern in ihrer Beteiligung zwar

15 sehr zurückhaltend, doch sind ihre Äußerungen qualitativ mit den anderen vergleichbar.

3. xxx, xxx, xxx und xxx tragen wenig zum Unterricht bei und ihre Beiträge sind meistens qualitativ schwach. Besonders xxx, xxx und xxxx sind äußerst zurückhaltend, wobei xxx‘ mangelnde Beteiligung auf großes Desinteresse, aber auch auf große Schwächen in der Zielsprache zurückzuführen ist.3

Insgesamt ist zu betonen, dass es den Schülern äußerst schwer fällt, sich von der rein deskriptiven Ebene zu lösen

20 und sich auf ein dem eA-Niveau angemessenes Abstraktionsniveau zu begeben. Jedoch muss an dieser Stelle auch erwähnt werden, dass bei den Schülern in der Zeit, in der ich sie begleiten und unterrichten durfte, ein kontinuierlicher Zuwachs in dieser Kompetenz zu verzeichnen ist. Des Weiteren ist ein Zugewinn im natürlichen Gebrauch der Zielsprache nicht zu verschweigen. Es sind immer mehr Wortmeldungen gerade bei den Schülern der zweiten, aber auch durchaus der dritten Gruppe zu beobachten. Darüber hinaus benutzen einige Schüler in den

25 Gruppen- und Partnerarbeitsphasen die Zielsprache als Arbeitssprache, auch ohne lehrerseitige Aufforderung.

2. Einordnung in den Unterrichtszusammenhang

Der Roman Moon Palace4 ist im Rahmen des Zentralabiturs des Abschlussjahrgangs 2009 verpflichtend und steht in Zusammenhang mit dem Halbjahresthema Big Cities and Open Spaces .5 Zum Zeitpunkt meines Einstiegs in die Lerngruppe wurde gerade ein Teilaspekt des genannten Themas zu den amerikanischen Werten und Mythen

30 abgeschlossen, zum Beispiel American frontier und American way of life, so dass bei der Analyse des Romans immer wieder auf diese Aspekte zurückgegriffen werden konnte.

Bei der Planung der Unterrichtseinheit orientierte ich mich am chronologischen Ablauf des Romans. Da die Lektüre allerdings inhaltlich sehr große Sprünge aufweist, ließen sich die Stundeninhalte nicht immer logisch ineinander überführen. Zu Beginn der Einheit wurde die Handlung des Romans in den historischen Kontext der sechziger

35 Jahre eingeordnet, Charaktersierungen des Protagonisten Marco Fogg sowie der Charaktere Effing und Kitty Wu erstellt und die Wirkung ausgewählter Räume auf Marco und Effing erörtert. Während der letzten Stunden der Einheit wurde der Mond als Leitmotiv im Roman und die tragische Beziehung zwischen Marco und Kitty Wu

thematisiert. Die zu zeigende Stunde soll nun den Abschluss der Einheit über die Ganzschrift Moon Palace bilden und einige wichtige Aspekte des Romans zusammenfassen und kritisch hinterfragen.

Im ersten Teil der heutigen Doppelstunde sollen wesentliche Merkmale der Postmoderne erarbeitet und am Roman überprüft werden. Zudem soll vorbereitend für die zu zeigende Unterrichtsstunde das Wort „chance“ sprachlich

5 entlastet werden. Da dieses Wort im Englischen nicht nur, wie in der deutschen Sprache, die Bedeutung

„Möglichkeit“, sondern unter anderem auch „Zufall“, „Glück“, „Gefahr“ und „Fügung“ bedeuten kann und man vermuten muss, dass sich die Schüler dieser Komplexität nicht bewusst sind, scheint es mir sinnvoll, diese Entlastung vorher zu ermöglichen, damit die Schüler in der zu zeigenden Stunde das Wort in all seinen Facetten verstehen und verwenden können.

3. Sachanalyse

Obwohl der 1989 erstmals erschienene Roman Moon Palace des Amerikaners Paul Auster (Jahrgang 1947) etliche Strukturen der Postmoderne aufweist, ist unter Literaturwissenschaftlern umstritten, ob das Werk eindeutig dieser Epoche zu zuordnen ist. Ein wichtiger Aspekt dieser literarischen Epoche ist die Verwendung von Zufällen in Erzählungen. Jedoch weist Moon Palace so viele Zufälle auf, dass der Roman in seiner Handlung unrealistisch und

15 in Teilen beinahe lächerlich auf den Rezipienten wirkt. Dies wurde auch kurz nach der Veröffentlichung unter anderem von der Literaturkritikerin Joyce Reiser Kornblatt in ihrem Artikel „The Remarkable Journey of Marco Stanley Fogg“6 kritisiert. So erhält der Protagonist des Romans, Marco Stanley Fogg, von seinem Onkel und Ziehvater 1492 Bücher, zufälligerweise entspricht die genaue Anzahl dem Jahr, in dem Amerika von Columbus entdeckt wurde. Zudem stellt sich später heraus, dass ausgerechnet der gebrechliche Effing, der Marco einen Job

20 anbietet, eigentlich Marcos Großvater ist. Im Rahmen der Verwaltung von Effings Nachlass trifft Marco dann auf seinen bis dahin unbekannten Vater, Solomon Barber. In dem Moment, als Marco von Solomons und Effings wahrer Identität durch seinen Vater erfährt, stürzt Letzterer durch Zufall in ein offenes Grab und stirbt wenig später. Einen weiteren Handlungsstrang des Romans, der viele Zufälle beinhaltet, stellt die Liebesbeziehung zu Kitty Wu dar. Sowohl Marco als auch Kitty Wu hatten nie einen Vater und eine wirkliche Familie, beide tragen bei ihrer ersten

25 Begegnung das gleiche T-Shirt und Marco wird gerade zur rechten Zeit durch sie im Central Park gerettet. Die Zufälle mehren sich kontinuierlich, sodass der letzte Zufall die Toleranz des Leser überstrapaziert: Marcos gesamtes Vermögen befindet sich im Kofferraum seines Wagens, der kurze Zeit später gestohlen wird. Aufgrund dieses Zufalls sieht er sich gezwungen, sein Leben neu zu beginnen. Aber nicht nur Moon Palace weist eine große Anzahl von Zufällen auf, sondern auch Austers zuvor erschienene New York Trilogy, bestehend aus den Romanen

30 City of Glass (1985), Ghosts (1986) and The Locked Room (1986), die von Literaturkritikern aus demselben Grund scharf kritisiert wurden.

Aufgrund dieser Kritik reagierte Paul Auster in einem Interview auf seine Widersacher, welches 1992 in dem Werk

„Paul Auster – The Art of Hunger“7 erschien. Seiner Meinung nach seien nicht die Handlungen seiner Romane unrealistisch, sondern die Handlungen derjenigen, die auf dem philosophischen Prinzip von Ursache und Wirkung

35 beruhen. Denn dadurch entstehe eine Vorhersagbarkeit der Entwicklung beim Rezipienten, welche wiederum nicht mit der Wirklichkeit zu vereinbaren sei, weil diese aus Unvorhersehbarkeiten bestehe. Abschließend folgert Auster, dass Zufälle ein Bestandteil moderner Erzählung sein müssten.

Die Erklärung Austers ist in sich schlüssig, jedoch gibt sie meiner Meinung nach keinen Rückschluss darauf, warum Auster die Verwendung von Zufällen in seinen Werken so überstrapazieren muss. Demnach ist eher der

Auffassung der Vertreter der Postmoderne abschließend Recht zu geben, den Aspekt von Zufällen in ihren Werken zu verwenden. Allerdings kann dies nicht den Eindruck trüben, dass die Handlung in Moon Palace unrealistisch ist.

4. Didaktische Überlegungen

Während der Durchführung der Einheit sollten die Schüler sich dazu äußern, wie sie den Roman fanden. Wenige

5 waren von Moon Palace begeistert, viele hingegen kritisierten, dass der Roman langweilig sei und dass kaum etwas Spannendes passiere. Diese Kritik möchte ich in der zu zeigenden Stunde in Form einer post-reading activity 8 aufgreifen und den Schülern nach der bisher eingehenden Behandlung des Romans eine Chance geben, ihre Meinung zu revidieren oder ihre Kritik mit fachwissenschaftlichen Aspekten adäquat äußern zu können. Eine weitere Notwendigkeit in der Anlage der zu zeigenden Stunde ergibt sich aus den Rahmenrichtlinien, die fordern,

10 dass der Schüler durch die Behandlung der Schwerpunkte Sprache, Literatur und Landeskunde ein Grundprinzip geisteswissenschaftlichen Arbeitens erfahren solle, nämlich den Unterschied zwischen unreflektierter Aufnahme eines Textes und der genauen, deutenden Analyse eines solchen. Damit werde zugleich die Fähigkeit zu einem begründetem Urteil und zu differenzierender Kommunikation mit anderen entwickelt und geschult.9 Folgende didaktische Überlegungen sollen bei der Erreichung dieses übergeordneten Lernziels berücksichtigt werden:

15 Wie eingangs in der Beschreibung der Lerngruppe erwähnt, haben die Schüler noch starke Probleme in der Umsetzung dieser Kompetenz. Daher soll dieses in der zu zeigenden Stunde trainiert werden, wobei mir bewusst ist, dass eine Förderung der Kritikfähigkeit und der Interpretationsfähigkeit äußerst anspruchsvoll von Schüler- aber auch von Lehrerseite ist und ein großes Risiko in sich birgt.

Der Primärtext Moon Palace soll zum einen durch ein Zitat der amerikanischen Literaturkritikerin Kornblatt aus dem

20 in Kapitel 3 angesprochenen Artikel „The Remarkable Journey of Marco Stanley Fogg“ reflektiert werden, welches aus zwei kurzen Sätzen besteht, die den Schülern die Meinung der Autorin sofort verdeutlichen soll. Des Weiteren soll dieser Textbeleg motivierend wirken, da es sich hier um ein authentisches Zitat handelt und den Schülern aufzeigt, dass sich auch Menschen außerhalb des Klassenraums mit dem Thema Moon Palace beschäftigt haben, denn eine: [...] Möglichkeit, die fehlende zielsprachige Umgebung in das Klassenzimmer zu holen, besteht im

25 Einsatz von Texten [...]“.10 Zudem bietet dieses kurze und durchaus eindeutige Zitat Gesprächsanlässe und ich

erhoffe mir, die schwächeren Schüler, insbesondere Lena, Karen, Friederike und Ann-Kristin, aber auch Nantke, Hergen und Maria, zu Äußerungen zu aktivieren.

Auch die im Gespräch zu erarbeitenden Belege für Kornblatts These sollen unter anderem die oben genannten Schüler zu Redebeiträgen motivieren. Gerade in den letzten Stunden bei der gemeinsamen Analyse des Romans in

30 seiner Gesamtheit hat sich gezeigt, dass den Schülern viele Einzelheiten präsent sind. Dieses erhoffe ich mir auch in der zu zeigenden Stunde.

Zum anderen soll den Schülern durch die Erarbeitung eines mit Auster geführten Interviews über die vermeintlich übertriebene Verwendung von Zufällen eine gegensätzliche Sichtweise auf das Thema der zu zeigenden Stunde ermöglicht werden. Das Interview ist in großen Teilen gekürzt worden, da Auster sich unter anderem im Original auf

35 die (Trivial-)Literatur des achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts bezieht, die meiner Auffassung nach auf die Schüler eher verwirrend wirken könnte. Außerdem soll die Hinzufügung von Zeilennummern den Schülern im Gespräch als Orientierungshilfe dienen. Des Weiteren werden einige wichtige und vermutlich unbekannte Wörter durch die Semantisierung dieser unter dem Text erklärt. Diese Vorgehensweise ermöglicht zum einen eine Zeitersparnis und zum anderen erhoffe ich mir erneut von den schwächeren Schülern, dass sie den Text auch

lehren: Didaktik des Englischunterrichts, S. 169.

bewältigen können, während die leistungsstärkeren, wie Nele, Kai, Sabrina, Marei, Rick, Hannah und Lisa wohl kaum auf die Erklärungen zurückgreifen müssen.

Beim Zusammentragen der Argumente Paul Austers und bei der Gegenüberstellung dieser mit der Eingangsthese in Form einer Diskussion soll der Inhalt des Interviews von „ [...] den Lernenden als Artikulationsanlass, sein

5 Vokabular und seine Ausdruckmittel als Artikulationsmodell genutzt werden.“11 Hierdurch sollen auch wieder die

leistungsschwächeren Schüler dazu motiviert werden, etwas zum Unterricht beizutragen. Die Schüler sollen im Laufe der Diskussion eine eigene fundierte Meinung formulieren können.

Die Hausaufgabe soll den Schülern die Gelegenheit bieten, die erarbeiteten Erkenntnisse in Form einer kreativen Aufgabe umzusetzen und die Doppelstunde und die gesamte Unterrichtseinheit zu reflektieren. Das Aufgabenblatt

10 erhält zum einen die Aufgabenstellung und strukturelle, inhaltliche und sprachliche Hinweise bezüglich des Ausdrucks, wie man einen Kommentar zu einem Buch schreiben sollte, und zum anderen wichtige connecting phrases, die den meisten Schülern zwar bekannt sind, aber durch spezifische Wendungen in Bezug auf einen Kommentar erweitert worden sind. Hierdurch soll der Bereich der text skills gefördert werden, zu dessen Lernzielen

unter anderem summary, discussing und comment gehören.12

[...]


1 Im Folgenden werde ich aufgrund der besseren Lesbarkeit primär maskuline Formen verwenden. Alle Geschlechter sollen sich bitte hierdurch angesprochen fühlen.

2 Weitere Informationen zur Beteiligung und Leistung der Schüler können dem kommentierten Sitzplan entnommen werden (s. Anhang 7.2).

3 Joana, Anna und Jonas werden in der zur zeigenden Stunde nicht anwesend sein, da sie auf einer Skifahrt sind. Aufgrund dessen werde ich mich im weiteren Verlauf des Entwurfs nicht auf diese Schüler beziehen.

4 Eine kurze Zusammenfassung des Romans befindet sich im Anhang 7.5.

5 Vgl. Niedersächsisches Kultusministerium: Schriftliche Abiturprüfung 2009, S. 1f.

6 Vgl. Joyce Reiser Kornblatt: The Remarkable Journey of Marco Stanley Fogg. In: New York Times. 19.03.1989.

7 Vgl. "Interview with Larry McCaffery and Sinda Gregory". In: Paul Auster- The Art of Hunger. Harmondsworth 1992: Sun Moon Press, S. 277-320.

8 Vgl. Frank Haß (Hg.): Fachdidaktik Englisch: Tradition, Innovation, Praxis. S. 152.

9 Vgl. Rahmenrichtlinien für das Gymnasium, S. 21ff.

10 Vgl. Wilfried Busch und Daniela Caspari „Verfahren der Textbegegnung: Literarische und andere Texte“. In: Timm: Englisch lernen und

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Postmodern Elements in Paul Auster's "Moon Palace". The Controversial Usage of Chance
Note
1,2
Autor
Jahr
2008
Seiten
15
Katalognummer
V129636
ISBN (eBook)
9783640377916
ISBN (Buch)
9783668011380
Dateigröße
3769 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Postmodern, Elements, Paul, Auster, Moon, Palace, Controversial, Usage, Chance
Arbeit zitieren
Holger Kiesow (Autor), 2008, Postmodern Elements in Paul Auster's "Moon Palace". The Controversial Usage of Chance, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/129636

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