In dieser Fallarbeit werden die theoretischen, methodischen Grundlagen der Biografiearbeit dargestellt, um diese folgend in der praktischen Arbeit auf ein biografisches Interview anzuwenden, um schließlich die ressourcenorientierte Sichtweise einer Biografie herauszuarbeiten.
Die Arbeit an der eigenen Biografie ermöglicht es Klient_innen in der Gegenwart, Erfahrungen, Geschehenes und Ereignisse der Vergangenheit zu erinnern, zu dokumentieren, zu reflektieren und unter Umständen in der Rückschau auch neu zu bewerten, um mit einem erleichterten und gestärkten Gefühl und erkannten Ressourcen die Zukunft gestalten zu können.
Die biografische Arbeit an der eigenen Lebensgeschichte kann dabei für die Entstehung einer Salutogenese dienlich sein, um emotionalen Stress abzubauen, Erlebtes aufzuarbeiten, um so Depressionen und anderen psychischen Störungen vorzubeugen.
Die Relevanz von Biografiearbeit zeigt sich in der Sozialen Arbeit in den unterschiedlichsten Settings, wie Fallanalysen, diagnostischen Prozessen und auch beim Hilfeplan-verfahren. Bedeutsam ist die Arbeit an Biografien der Klient_innen ebenso in Beratungskontexten und therapienahen Handlungsbereichen, wenngleich Biografiearbeit niemals das Ziel einer Therapie verfolgt. In der Sozialen Arbeit und ebenso in angrenzenden Handlungsfeldern, wie der Pflege und der Behindertenhilfe, werden biografische Methoden für Lern- und Bildungsprozesse genutzt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsbestimmungen
2.1 Biografie
2.2 Biografiearbeit
2.3 Narrativ-biografisches Interview
2.4 Ressourcenorientierte Biografiearbeit
2.5 Methoden der Biografiearbeit
3. Biografisches Interview
3.1 Einordnung der Zielgruppe
3.2 Vorbemerkungen zur Durchführung des Interviews
3.3 Lebensphasen der Biografie
3.3.1 Familiäre Beziehungen
3.3.2 Schulzeit
3.3.3 Beruflicher Werdegang
3.3.4 Wohnsituationen
3.3.5 Partnerschaften / Beziehungen
3.4 Auswertungen der Ressourcen
4. Reflexion
Zielsetzung & Themen
Diese Fallarbeit verfolgt das Ziel, die theoretischen und methodischen Grundlagen der Biografiearbeit darzustellen und diese durch die Durchführung eines narrativ-biografischen Interviews mit einer Klientin praktisch anzuwenden, um ihre individuellen, ressourcenorientierten Sichtweisen herauszuarbeiten.
- Grundlagen und Definitionen der Biografiearbeit
- Methodik des narrativ-biografischen Interviews
- Ressourcenorientierte Analyse von Lebensbiografien
- Praktische Fallanwendung einer Biografieanalyse
- Reflexion über methodisches Vorgehen und professionelles Handeln
Auszug aus dem Buch
3.1 Einordnung der Zielgruppe
Biografiearbeit nimmt keine besondere Zielgruppe in den Blick. Sie ist für alle Personengruppen, unabhängig von Geschlecht, Alter oder Lebenssituation geeignet. (vgl. Klingenberger, Ramsauer, 2017, S. 81)
Die Interviewpartnerin X. kann in die Gruppe der jungen Erwachsenen, aber auch in die Gruppe der Menschen mit geistiger und psychischer Behinderung eingeordnet werden. Als Diagnose liegt eine leichte Intelligenzminderung (ICD-10 F70) vor.
Biografiearbeit mit behinderten Menschen verfolgt die gleichen Ziele, wie mit anderen Zielgruppen, jedoch mit der Einschränkung, dass die Arbeit an der Lebensgeschichte bedeutsamer ist, als ein chronologischer Ablauf von Lebensereignissen. Behinderte Menschen können sich häufig nicht an genaue Daten erinnern, haben aber sehr wohl ein Bewusstsein für die eigene Lebensgeschichte und können diese mit einzelnen Ereignissen verbinden. Biografiearbeit in der Behindertenhilfe folgt der Grundannahme, dass über die Kenntnis der Biografie an Früheres und Bekanntes angeknüpft werden kann, um dieser Zielgruppe so Sicherheit und Geborgenheit bieten zu können. (vgl. Ruhe, 2014, S. 125 f.)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt die Relevanz der Biografiearbeit in der Sozialen Arbeit als Methode zur Stärkung der Salutogenese und Alltagsbewältigung bei Klientinnen.
2. Begriffsbestimmungen: Definiert die theoretischen Grundlagen der Biografiearbeit, einschlägige Interviewmethoden sowie das Konzept des ressourcenorientierten Ansatzes.
3. Biografisches Interview: Dokumentiert die Durchführung des Interviews mit der Klientin X., unterteilt in ihre Lebensphasen, Wohnsituationen und die Analyse ihrer persönlichen Ressourcen.
4. Reflexion: Reflektiert den gesamten Arbeitsprozess, bewertet die angewandte Interviewmethode und würdigt die Bedeutung der Biografiearbeit für die professionelle Soziale Arbeit.
Schlüsselwörter
Biografiearbeit, Narrativ-biografisches Interview, Ressourcenorientierung, Soziale Arbeit, Lebensgeschichte, Behinderung, Salutogenese, Fallarbeit, Identitätsstiftung, Bewältigungsstrategien, Ressourcenaktivierung, Lebensphasen, Biographie, Selbstreflexion, Empowerment.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Anwendung der Biografiearbeit in der Sozialen Arbeit, wobei theoretische Ansätze mit der praktischen Durchführung eines Interviews verbunden werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Definition der Biografiearbeit, die Ressourcentaxonomie, das Interview mit einer Klientin mit leichter Intelligenzminderung und die Reflexion über das pädagogische Handeln.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist es, durch ein narrativ-biografisches Interview die individuellen Ressourcen der Klientin aufzudecken und für ihre zukünftige Lebensgestaltung nutzbar zu machen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Verwendet wird das narrativ-biografische Interview, ergänzt durch ressourcenorientierte Auswertungsmethoden nach der Taxonomie von Schubert und Knecht.
Was deckt der Hauptteil ab?
Der Hauptteil analysiert die Lebensphasen der Klientin und wertet ihre persönlichen, sozialen und Umweltressourcen in Verbindung mit ihrer familiären und beruflichen Geschichte aus.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Biografiearbeit, Ressourcenorientierung, Behindertenhilfe und die reflektierte Gesprächsführung im Kontext einer Fallrekonstruktion.
Wie unterscheidet sich die Biografiearbeit bei behinderten Menschen?
Die Arbeit fokussiert weniger auf exakte chronologische Daten, sondern darauf, an die bekannte Biografie anzuknüpfen, um Sicherheit und Geborgenheit zu vermitteln.
Warum wurde ein gemeinsames Koch-Setting für das Interview gewählt?
Diese Methode dient als "Einstiegsfenster", um durch vertraute Tätigkeiten Erinnerungen unangestrengt zu wecken und eine ungezwungene Atmosphäre zu schaffen.
Welche Rolle spielt die Oma der Interviewpartnerin im Leben der Klientin?
Die Großmutter fungiert als eine der wichtigsten Ressourcen, die der Klientin bereits seit der Kindheit emotionale Unterstützung und Stabilität im Leben bietet.
Welches Fazit zieht der Verfasser zur Biografiearbeit?
Der Verfasser sieht darin eine wertvolle, kreative Methode, um bei Klientinnen Ressourcen aus der Vergangenheit zu aktivieren, die für die Gestaltung von Gegenwart und Zukunft hilfreich sind.
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- Gunnar Schulze (Author), 2022, Methoden der Biografiearbeit dargestellt an einem klientenzentrierten biografischen Interview, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1296543