Das Rundschreiben Kaiser Friedrichs II. (1194-1250) vom 18.März 1229


Seminararbeit, 2002

23 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Das Kreuzzugsunternehmen Friedrichs II. – Vorgeschichte und Besonderheiten

3 Das kaiserliche Rundschreiben vom 18.März 1229
3.1 Datierung und Überlieferung
3.2 Inhaltsanalyse
3.2.1 Einleitung (I, 1-24)
3.2.2 Das Wetterwunder (I,25 – III, 5)
3.2.3 Der Vertrag mit al-Kamil (III, 6 – IV, 16)
3.2.4 Schluss (IV, 17 – VI, 12)

4 Forschungskontroverse: Das Manifest ein Versöhnungsschreiben oder ein Dokument der kaiserlichen Erhöhung?

5 Zusammenfassung

Quellen- und Literaturverzeichnis

Im nachfolgenden wird aus der Übersetzung des Rundschreibens von Eickels, S.189-194, zitiert. Die Angabe zur Fundstelle ist in einer Klammer direkt hinter dem Zitat zu finden, sie besteht aus einer römischen Zahl für die Seite und einer arabischen für die entsprechende Zeile.

Beispiel: „Frohlocken … mögen alle“(I, 1)

1 Einleitung

Der Kreuzzug Friedrichs II., der seinen Höhepunkt in den Besuchen der Heiligen Grabeskirche zu Jerusalem am 17.März und 18.März 1229 fand, ist von Zeitgenossen und von der Nachwelt als ein Gipfelpunkt des ereignisreichen Kaiserlebens gesehen worden. „Der Triumph im Osten verlieh dem Staufer den Strahlennimbus der Caesaren“[1], so emphatisch wertet beispielweise der Friedrich-Biograph Kantorowicz den erfolgreichen Kreuzzug des Kaisers, der die 1187 verlorengegangenen Heiligen Stätten, die Orte der Geburt, des Todes und der Auferstehung Jesu Christi, für die Christenheit zurückgewann.

Verlauf und Erfolg dieses Kreuzzuges machte Friedrich II. in einem Rund-schreiben bekannt. Dieses Dokument, von der Forschung als Manifest[2], als Kreuzzugsmanifest[3] oder als Jerusalemmanifest[4] bezeichnet, „welches, die Glorie dieses Tages allen Völkern der Erde zu künden bestimmt war“[5], steht im Mittelpunkt der vorliegenden Arbeit. Sie macht es sich zur Aufgabe, eine Inhaltsanalyse und auch Interpretation des Manifestes zu erarbeiten und sich so den möglichen Intentionen des kaiserlichen Rundschreibens anzunähren.

Zunächst werden in einem kurzen Abriss Vorgeschichte und Besonderheiten des kaiserlichen Kreuzzuges von 1228/29 dargestellt, soweit sie für das Verständnis des Rundschreibens notwendig sind. Nach kurzen Ausführungen zur Überlieferungsgeschichte soll das Manifest anhand der selbstgewählten Gliederungspunkte Einleitung, Wetterwunder,

Vertrag mit al-Kamil, Schluss dokumentiert, analysiert und interpretiert werden. Dabei wird auf Schwerpunkte der Forschung, wie z.B. auf die Deutung der „Selbstkrönung“ des Kaisers, besonders eingegangen. Abschließend soll unter Nachzeichnung einer Forschungsdebatte die Frage geklärt werden, ob das Manifest in seiner Gesamtheit eher ein Versöhnungsschreiben an den Papst oder ein Dokument der kaiserlichen Erhöhung, gegenüber dem Papst und den anderen Empfängern ist.

2 Das Kreuzzugsunternehmen Friedrichs II. – Vorgeschichte und Besonderheiten

Der erfolgreiche Kreuzzug Kaiser Friedrichs II. stellt in der Geschichte der zumeist gescheiterten Kreuzzugsunternehmen ohne Zweifel in vielerlei Hinsicht eine Ausnahmeerscheinung dar.[6]

Durch die Heirat mit Isabella von Brienne, der Tochter des Königs von Jerusalem, Johann von Brienne, und Thronerbin des Kreuzfahrerstaates, wurde Friedrich König von Jerusalem. Sofort nutzte er den neuerworbenen Titel, wozu er formal auch berechtigt war. Denn nach dem Recht des Königreiches war Johann nach dem Tod seiner Gattin Maria von Montferrat im Jahre 1211 nur noch Regent für seine minderjährige Tochter Isabella. Deren Herrschaftsrechte waren mit der Heirat im November 1225 auf Friedrich übergegangen. Er war also der erste Kreuzfahrer, der das Heilige Land nicht nur aus religiösen Gründen aufsuchte, sondern auch weil er dort herrschaftsrechtliche Ansprüche hatte.[7]

Es wird vermutet, dass die vom Papst vorgeschlagene Hochzeit den Ehrgeiz des Kaisers in Bezug auf die Erfüllung seines Kreuzzugsversprechen verstärken sollte[8], denn kein Kreuzzug beanspruchte einen so langen Zeitraum von der Kreuznahme, bis zum tatsächlichen Aufbruch: Nahezu dreizehn Jahre vergingen zwischen Friedrichs erstem Kreuzzugsversprechen bei der Königskrönung in Aachen am 25.Juli 1215 und dem endgültigen Aufbruch am 28.Juni 1228 aus dem Hafen in Brindisi.

Ein Hinauszögern, das der Kaiser mit der Exkommunikation bezahlen sollte. Denn im Juli 1225 legte der Vertrag von San Germano zwischen Honorius III. und dem Kaiser unter Androhung des Kirchenbannes die Kreuzfahrt für 1227 fest. Als Honorius III. im März 1227 starb, wurde Kardinalsbischof Hugo von Ostia als Gregor IX. sein Nachfolger. Gerade aus dessen Hand hatte Friedrich 1220 anlässlich seiner Kaiserkrönung zum zweiten Mal das Kreuz genommen. Der neue Papst ließ daher gegenüber dem Kreuzzugsversprechen des Kaisers keine Nachsicht walten und bannte ihn im September 1227, nachdem Friedrich wegen einer im kaiserlichen Heer ausgebrochenen Seuche, die auch ihn erfasste, den vertraglich festgelegten Kreuzzug abbrach. Mit dem erneuten Aufbruch im folgenden Jahr zog damit zum ersten Mal ein Kreuzfahrerheer ohne päpstlichen Auftrag und mit einem Exkommunizierten an der Spitze in das Heilige Land.[9]

Der Kirchenbann, die Opposition der oberitalienischen Städte und die ungeklärten lehnsrechtlichen Ansprüche des Papsttums auf das sizilische Königreich bedrohten die Stellung des Kaiser im Abendland, weshalb Mayer konstatiert: „Nur durch einen Erfolg im Osten konnte er seine abendländische Herrschaft sichern.“[10] So ist auch zu erklären, dass Friedrich mit der Landung in Akkon am 7.September 1228 keine militärische Aktion begann, die angesichts der muslimischen Überlegenheit aussichtslos gewesen wäre. Vielmehr trat der Kaiser in Verhandlungen mit dem Sultan Ägyptens al-Kamil, mit dem er bereits seit längerem in Kontakt gestanden hatte. Diese endeten im Friedensvertrag vom 18.Februar 1229, der u.a. die Rückgabe der Heiligen Stätten festlegte. Erstmals wurde auf diplomatischem Wege ein Erfolg der Christen im Heiligen Land erreicht.[11] Ohne größere militärische Auseinandersetzungen war Friedrich gelungen, was mehrere Kreuzfahrerheere seit der Niederlage bei Hattin 1187 gegen Sultan Saladin vergeblich versucht hatten: Jerusalem war wieder in christlicher Hand. Am 17.März 1229 erfolgte die Übergabe der Stadt und der Einzug der Kreuzfahrer und der christlichen Pilger. Noch am folgenden Tag wurde das kaiserliche Rundschreiben Letentur in Domino verfasst, das an den Papst, die Könige und an die Christenheit gerichtet war und den überwältigenden Erfolg verkündete.

[...]


[1] Kantorowicz, S.182.

[2] Vgl. Eickels, S.188. Sommerlechner, S.293 A.536, S.294 A.546, S.295 A.563, bezeichnet es als Manifest Letentur in Domino.

[3] Vgl. Heinisch, F. II. in Berichten, S.173.

[4] Vgl. Sommerlechner, S.140, S.256. Vehse, S.192, S.205, nennt es sogar „großes Jerusalem-Manifest.“

[5] Kantorowicz, S.184.

[6] Vgl. Hiestand, Kreuzzug, S.130, der die Besonderheiten gut zusammenfasst.

[7] Zwar war er nach der Geburt seines Sohnes Konrad und nach dem Tod Isabellas von Brienne im Mai 1228 formalrechtlich nur noch Regent für diesen, den Titel Ierusalem rex behielt er allerdings bis zu seinem Tode.

Grundlegend hierzu der Aufsatz von Hiestand, Titulatur, S.181 ff., der nachweist, dass Gregor IX. den Königstitel erst 1231 anerkannte, nachdem der Vorgänger Friedrichs, Johann von Brienne, mit der Kaiserwürde des Lateinischen Kaiserreiches abgefunden wurde.

[8] Vgl. Stürner, S.93 mit A. 15.

[9] Vgl. Mayer, Kreuzzüge, S.206.

[10] Mayer, Kreuzzüge, S.206.

[11] Zu den früheren Kontakten und zu den Motiven al-Kamils für den Vertrag Stürner, S.150-153.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Das Rundschreiben Kaiser Friedrichs II. (1194-1250) vom 18.März 1229
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Friedrich-Meinecke-Institut)
Note
1,3
Autor
Jahr
2002
Seiten
23
Katalognummer
V12969
ISBN (eBook)
9783638187367
ISBN (Buch)
9783656468516
Dateigröße
523 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rundschreiben, Kaiser, Friedrichs, März
Arbeit zitieren
René Schlott (Autor), 2002, Das Rundschreiben Kaiser Friedrichs II. (1194-1250) vom 18.März 1229, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/12969

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