Gottfried Wilhelm Leibniz

Die Monadologie und der Materialismus


Hausarbeit, 2008

22 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Biographische Skizzen

3 Was ist eine Monade?
3.1 Monade vor Leibniz
3.2 Monade bei Leibniz
3.3 Descartes und Leibniz
3.4 Kraftkonzept
3.5 Exkurs: Monade nach Leibniz

4 Wie funktioniert eine Monade?
4.1 Beziehung von Monaden untereinander
4.2 Hierarchie

5 Verhältnis von Materiellen und Idee
5.1 Neuer Typus gegenständlicher Systeme
5.2 Keine Fenster

6 Prästabilierte Harmonie
6.1 Funktion Gottes

7 Der Code und das Streben nach Erkenntnis
7.1 Erkenntnislehre
7.2 Existenzialistische Grundlagen
7.3 Leibniz Zeit- und Freiheitsbegriff
7.4 Kontingenz
7.5 Verhältnis von Identität und Kausalität

8 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

„Man wird nicht behaupten können, Leibniz ginge weniger weit als Hegel; es gibt bei ihm sogar mehr Tiefe, mehr Organismus oder bacchantisches Delirium in dem Sinne, wie der Untergrund über einen größeren Antrieb verfügt.“ (Deleuze : 1992, S. 75)

Dass Leibniz eigentlich Idealist ist, war vor allem präsent in der Rezeption seines Wirkens im späten 18ten und 19ten Jahrhundert. Das Besondere an Leibniz ist aber neben seinem umfangreichen Ansprüchen in verschiedenen Wissenschaftsbereichen, auch die Verschränkung alles Wissen ineinander ‒ was sich auch in seiner Metaphysik niederschlägt. Er hat eine sehr feine Art Idealismus und Materialismus zusammenzudenken. Aus seinem zunächst offensichtlich idealistisch gefärbten spekulativen Denken lässt sich eine enorme Anzahl materialistischer Einflussnahme erkennen, die auch bis heute noch Gültigkeit haben und die zwar in ihrer Wirkung Descartes ähnlich, ihn aber an Einflussreichtum weit in den Schatten stellen. Dieses ist wie bereits erwähnt im feinen Verhältnis zwischen idealer und materieller Welt im Fall von Leibniz begründet, das Thema der vorliegenden Arbeit sein soll.

2 Biographische Skizzen

Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716) war ein deutscher Philosoph und Naturwissenschaftler, Mathematiker, Diplomat, Physiker, Historiker, Theologe, Politiker, Bibliothekar und Doktor des weltlichen und des Kirchenrechts, also Jurist. Er war ein universaler Geist sein Zeit und zentraler Philosoph des 17th und 18then Jahrhunderts und wird zudem heute auch gerne als letzter großer Universalgelehrter bezeichnet. Leibniz ist wegen seines Universalismus nur mit Aristoteles philosophiegeschichtlich vergleichbar. Aufgrund seines Antriebs zur Monadologie kann man ihn auch als deutsche Antwort auf Rene Descartes bezeichnen. Zudem gilt er als Frühaufklärer, der wichtige Grundsteine für die Bewegung der Aufklärung, wie wir sie heute verstehe, gelegt hat. Daneben hat er einen sehr starken Einfluss auf den deutschen Idealismus, die deutsch Philosophie und auf die klassische Literatur. Unmittelbaren Einfluss hatte Leibniz auf die ganze Wolffsche Schule in Deutschland und in Frankreich auf die Enzyklopädisten, darunter auch vor allem Denis Diderot. Christian Wolff baute die verschiedenen philosophischen Entwürfe von Leibniz zu einem lehrbaren System aus, das sogenannte Leibniz-Wolffsche rationalistische Schulsystem, welches generationenlang die philosophische Ausbildungsstätten Deutschlands beherrschte. Ohne zu erkennen, wie viel sie ihm verdanken, sahen Kant und der deutsche Idealismus in Leibniz‘ Metaphysik keinen Ansatz mehr, den es fruchtbar fortzuführen gälte. Dennoch ist Leibniz als der erste große Philosoph der Neuzeit in Deutschland in die Geschichte eingegangen und man kann heute die gesamte philosophische Entwicklung in Deutschland als eine Weiterentwicklung Leibnizscher Gedanken lesen.

Sein Denken ist am Schnittpunkt zwischen zwei Epochenparadigmen philosophischhistorisch einzustufen: dem Übergang zwischen der theologisch-transzendenzphilosophie des Mittelalters und der immanent-dialektischen Aufklärungsphilosophie der Neuzeit. Leibniz hat jedoch seinen eigenen Ort zwischen transzendentaler und spekulativer Dialektik. Darüber hinaus gilt als er erster Systemdenker, auch wenn er es nicht schaffte ein wirkliches System zu hinterlassen. So muss man sich vieles aus labyrintischen Überlieferungen selbst erschließen. Selbst heute, fast 300 Jahre nach seinem Verscheiden, befindet sich die Leibnizforschung noch Mitten im Prozeß dieser Erschließung. Die konsequente Konstruktivismus der Leibnizschen Metaphysik steht am Beginn einer Entwicklung, die ihren vorläufigen Höhepunkt in den Systemen Fichtes, Schellings und Hegels gefunden hat.

Auch in der formalen Logik hat Leibniz geschichtsträchtiges geleistet: Das Identitätsprinzip, das wir vielleicht eher aus dem spekulativen Denken des deutschen Idealismus nach Kant kennen, geht zum Beispiel auf ihn zurück und wird unter Fachleuten auch als Leibniz‘sches Gesetz bezeichnet. Das Prinzip der Identität, bzw. des Widerspruchs und das Prinzip des zureichenden Grundes sind die Hauptanker seines Denkens.

Sein geistiges Interesse an den großen und kleinen Zusammenhängen in der Welt wurde ihn in die Wiege gelegt. Sein Vater war Jurist und Professor für Moralphilosophie und seine Mutter Tochter eines Rechtswissenschaftlers. Seine Eltern starben sehr früh, 1652 der Vater, 1664 die Mutter. In der Bibliothek seiner Eltern fand Leibniz genügend Stoff für seinen Wissenshunger. Sein selbstgeschriebener Geniekult überliefert, dass er sich vieles in jungen Jahren autodidaktisch aneignete. Im Alter von 8 Jahren brachte er sich selbst Latein und Altgriechisch bei. Im Alter von 12 Jahren entwickelte beim durchdenken logischer Fragestellungen den Beginn seiner eigenen mathematisches Zeichensprache.

Er studierte ab 1661 Philosophie im Alter von 15 Jahren. Mit 16 veröffentlichte er seine erste philosophische Schrift, legte mit 17 die erste philosophische Prüfung ab und wurde mit 18 Magister. Neben seinem Studium der Philosophie und Rechtswissenschaft in Leipzig beschäftigte er sich zudem intensiv mit Mathematik, Astronomie und Physik, aber auch zeitlebens mit der Alchemie. Im Alter von 20 Jahren promovierte er in Jura.

1672 war er als Diplomat für den Mainzer Kurfürsten Johann Philipp in Frankreich tätig. Unter anderem unterbreitete er Ludwig den XIV „den Sonnenkönig“ einen Plan zur Eroberung Ägypten, der von ihm abgelehnt wurde, ein Jahrhundert später aber von Napoleon Bonaparte erfolgreich in seiner „Ägyptischen Expedition“ in die Tat umgesetzt wurde. Mit dem Plan wollte Leibniz Frankreich von seinem Plan das Rain-Maingebiet zu überfallen ablenken ‒ ihm lag zeitlebens eine Einheit Europas vor Augen. 1673 wurde er als Mitglied der Royal Society in London aufgenommen. Seinen vierjährigen Aufenthalt in der europäischen Metropole Paris nutzte er um sich vor allem auf naturwissenschaftlichen Gebiet weiterzubilden. In dieser Zeit erst vervollständigte er sein mathematisches Wissen mit einem Selbststudium der Werke von Bonaventura Francesco Cavalieri, René Descartes, Blaise Pascal, John Wallis und David Gregory, die ihm alle von seinem Mentors Christiaan Huygens[1], ein bedeutender holländische Physiker, Astronom und Mathematiker, empfohlen wurden. Im Jahre 1676 besuchte Leibniz auch Baruch de Spinoza in den Niederlanden. Gegen Ende des Parisaufenthaltes liegen für ihn so entscheidende Auffassungen fest wie die Ablehung des Atomismus (Hobbes, Gassendi) und die Zurückweisung des Substanzcharakter des Ausgedehnten (Descartes res extensa). Weiter finden sich in seinen Schriften dieser Zeit eine erste Vorstellung von der Gewichtigkeit des Individuums und von den dynamischen, die Welt spiegelnden Charakter der Monaden wie auch erste Ausblicke seiner Lösung des Theodizeeproblems. (vgl. Poser : 2005, S. 19)

Bereits ab 1670 beteiligte sich Leibniz an Verhandlungen zur Versöhnung und Wiedervereinigung der reformierten christlichen Kirchen Deutschlands mit der katholischen Kirche, was sein größtes juristisches Bestreben darstellte. Er suchte aber auch im Bereich der natürlichen Theologie nach Übereinstimmungen zwischen der chinesischen und der europäischen Philosophie. Nach dem Tod seiner Gönner sah sich Leibniz gezwungen 1676 als Hofrat und Hofbibliothekar in Hannover tätig zu werden – davor hatte er sich noch vergeblich um Professuren in Paris bemüht. Sein neuer Gönner, der hannoverschen Herzogs Johann Friedrich von Braunschweig-Lüneburg, hatte wenig Verständnis für mathematisches und wissenschaftliches Arbeiten und so kam es, dass Leibniz erst mit der Gründung einer wissenschaftlichen Zeitschrift, die Acta eruditorum, 1682 zu publizieren begann ‒ also im Alter von 36 Jahren, was für die damalige Zeit ein recht hohes Alter war. Hauptsächlich veröffentlichte er darin naturwissenschaftliche und mathematische Forschungsergebnisse. 1685 wird Leibniz vom Herzog von Hannover gezwungen die Geschichte des Herrschergeschlechtes der Welfen zu schreiben. Dies tat er allerdings, obgleich ihm das Thema persönlich nicht sonders interessiert, mit einer solchen gründlichen Hingabe, dass er damit nebenbei als Stammvater der wissenschaftlichen Geschichtsschreibung (Historiographie) angesehen wurde. Zwischen 1687 und 1690 unternimmt er mehrere Reisen in Europa, darunter auch Rom, wo ihm vom die Betreuung der berühmten Vatikanischen Bibliotheken angeboten wurde. Leibniz lehnte ab, weil die Stelle eines Kustos der Vatikanischen Bibliothek mit der Aussicht auf die Kardinalswürde an die katholische Konvention gebunden war und außerdem zweifelte er an der wissenschaftlichen Liberalität der katholischen Kirche. 1691 wurde er Bibliothekar der Herzog-August-Bibliothek in Wolfenbüttel, wo er den ersten neuzeitlichen Bibliotheks-Zweckbau verwirklichte, in dem eine materiale Ordnung des gewonnen Wissens eingeführt wurde.

Dank der freundschaftlichen Unterstützung der hannoverschen Prinzessin Sophie Charlotte, die später Königin von Preußen wurde, arbeite Leibniz daraufhin intensiver am Ausbau und an der Systematisierung seiner philosophischen Vorstellungen. Unter seiner Beteiligung wurde schließlich die Societät der Wissenschaften (Königlich-Preußische Akademie der Wissenschaften) in Berlin gegründet, deren Präsident Leibniz wurde. Geplant war auch die Errichtung weiterer Akademien in Dresden und Wien, die jedoch am Widerstand der Jesuiten scheiterten. Seit 1711 war Leibniz wissenschaftlicher Berater des russischen Zaren Peter I., der ihn zum Russischen Geheimen Justizrat ernannte. Leibniz plante die Errichtung einer Akademie in St. Petersburg, erlebte aber nicht mehr die Ausführung dieses Vorhabens im Jahre 1724. Die Jahre zwischen 1712-14 verbrachte Leibniz in Wien, wo er 1713 zum Reichshofrat ernannt wurde. 1714 kehrte er wieder nach Hannover zurück, wo er seinem letzten Souverän Georg Ludwig von Hannover im gleichen Jahr die englische Königskrone verschaffte.

Er starb in Hannover am 14. November 1716, im Alter von 70. Jahren, zuletzt vereinsamt und von einer langjährigen Krankheit gezeichnet. 1707 wurde zwar von Kaiser Karl VI. geadelt ‒ also in den „Freiherrenstand“ erhoben ‒ fiel jedoch kurz vor seinem Tod wieder in Ungnade. Grund hierfür war eine 1712 ohne Erlaubnis zu erfragen getätigte Reise nach Wien, woraufhin Georg Ludwig seine Bezüge sperrte und ihn zwang vor jeder weiteren Reise erst die Welfengeschichte abzuschließen. 1714 wollte Leibniz seinem Kurfürsten Georg Ludwig (also Georg I. König von England) an den Hof nach England folgen, dieser jedoch verbot ihn dies bevor das Welfengeschichtsepos abgeschlossen wurde. So blieb er in Hannover zurück von seinen Freunden und Gönnern verlassen, von immer mehr Krankheiten geplagt und das Geschichtswerk an dem er dreißig Jahre gefesselt war blieb unvollendet. An seinem Begräbnis am 14. Dezember 1716 nahm niemand aus den Reihen der Hofgesellschaft und der Beamtenschaft teil, nur sein Sekretär war an seinem Begräbnis anwesend.

Angesichts seiner intensiven praktischen Tätigkeit als Staatsmann und Bibliothekar hatte Leibniz kaum die Zeit, größere wissenschaftliche Werke zu schreiben. Vor allem seine aufwendigen Forschungen zur Welfengeschichte nahmen ihn jahrelang in Anspruch. Nur auf dem Gebiet der Philosophie existieren drei in sich geschlossene Werke: Neue Versuche über den menschlichen Verstand (1703), die Theodizee (1710) und die Monadologie (1714). Dennoch hat Leibniz ein umfangreiches Gesamtwerk in Form von Zeitschriftenaufsätzen und Briefen an Zeitgenossen (es waren mehr als 1100 Briefpartner aus 16 Ländern) hinterlassen, denen er seine Gedanken mitteilte. Seit 1923 bemüht sich die Berliner Akademie der Wissenschaften in Zusammenarbeit mit dem Leibniz-Archiv der Niedersächsischen Landesbibliothek Hannover und der Leibniz-Forschungsstelle der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster um eine vollständige Erfassung und Edition sämtlicher Schriften und Briefe von Leibniz. Der Leibniz-Nachlass ist mit ca. 200 000 Blatt (weit überwiegend lateinisch, französisch, deutsch, zum kleineren Teil auch englisch, niederländisch, italienisch, russisch) einer der größten Gelehrtennachlässe überhaupt. Die Katalogisierung des Nachlasses begann 1901. Bis heute sind insgesamt 46 Bände dieses Umfangs veröffentlicht. Diese Gesamtausgabe, die jedoch noch lange nicht vollständig vorliegt, soll nach ihrer Fertigstellung etwa 80 Bände umfassen. R. Finster und G. v.d. Heuvel meinen dazu in ihrer Leibniz-Biographie:

„Bis der gesamte Nachlaß erschlossen ist, werden noch, das kann man mit Sicherheit sagen, etliche Jahrzehnte vergehen. Aber auch dann wird es kaum einem einzelnen möglich sein, das zu erfassen und zu durchdringen, was Leibniz’ Werk verkörpert: die Universalität des Wissens seiner Zeit." (Finster, Heuvel zitiert nach http://www.leibniz-igb.de/leibniz.htm [zuletzt gesichtet am 27.12.08])

[...]

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Gottfried Wilhelm Leibniz
Untertitel
Die Monadologie und der Materialismus
Hochschule
Staatliche Hochschule für Gestaltung Karlsruhe  (Philosophie und Ästhetik)
Veranstaltung
Tief Unten
Note
1
Autor
Jahr
2008
Seiten
22
Katalognummer
V129701
ISBN (eBook)
9783640358694
ISBN (Buch)
9783640358236
Dateigröße
484 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Leibniz, Monadologie, Binäre Zahlen, Existenzialismus
Arbeit zitieren
Adam Rafinski (Autor), 2008, Gottfried Wilhelm Leibniz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/129701

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