Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich damit, eine Antwort auf die Frage zu finden: Welche Unterschiede bestehen bei der parasozialen Interaktion des Publikums mit realen Medienakteuren und fiktiven Charakteren? Zu diesem Zweck werden ausschließlich die Medien Film und Fernsehen betrachtet, da eine Gegenüberstellung von realen Medienakteuren und fiktiven Charakteren hier am einfachsten vorzunehmen ist. Zudem ermöglichen die audiovisuellen Darstellungen im Unterschied zu anderen Medien ein wirklichkeitsnahes Abbild des Geschehens und der Personen, was wiederum die Wahrscheinlichkeit der parasozialen Interaktion mit diesen erhöht.
Für das allgemeine Verständnis der folgenden Inhalte werden im ersten Teil die zentralen Begriffe, die relevant für diese Arbeit sind, erklärt. Dabei wird vor allem Bezug auf die grundlegenden Annahmen über parasoziale Phänomene von Horton und Wohl genommen, die Tilo Hartmann in seinem Buch "Parasoziale Interaktion und Beziehungen" (2017) erneut aufgegriffen hat.
Der darauffolgende Abschnitt behandelt, basierend auf dem Zwei-Ebenen-Modell parasozialer Interaktion von Hartmann, Schramm und Klimmt (2004), die grundlegenden Wahrnehmungs- und Bewertungsprozesse von Medienpersonen bzw. -figuren.
Im Anschluss werden die Gemeinsamkeiten von realen Medienakteuren und fiktiven Charakteren beschrieben, bevor in einer Gegenüberstellung die Unterschiede der beiden Gruppen bezüglich parasozialer Interaktionen und Beziehungen ausführlich behandelt werden. Zu diesem Teil haben wieder Hartmann, aber auch Baeßler mit ihrem Buch über "Medienpersonen als parasoziale Beziehungspartner. Ein theoretischer und empirischer Beitrag zu personazentrierter Rezeption" (2009) und Gleich mit seinen Erkenntnissen über "Parasoziale Interaktionen und Beziehungen von Fernsehzuschauern mit Personen auf dem Bildschirm. Ein theoretischer und empirischer Beitrag zum Konzept des aktiven Rezipienten" (1997) maßgebend beigetragen.
Abschließend werden die Ergebnisse dieser Arbeit nochmals zusammengefasst, um die Beantwortung der forschungsleitenden Frage zu ermöglichen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsdefinitionen
2.1 Parasoziale Interaktion und Beziehung
2.2 Realer Medienakteur
2.3 Fiktiver Charakter
3. Personenorientierte Medienrezeption
3.1 Wahrnehmung und Bewertung von Medienpersonen
4. Voraussetzungen für parasoziale Interaktionen und Beziehungen
4.1 Bildschirmpräsenz
4.2 Ähnlichkeit
4.3 Attraktivität
4.4 Verlässlichkeit
5. Unterschiede zwischen medienvermittelten Personen und Figuren
5.1 Realismus
5.2 Adressierung des Rezipienten
5.3 Kommunikativer Rahmen
5.4 Performance der Medienfigur
5.5 Möglichkeiten einer sozialen Interaktion
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die grundlegenden Unterschiede in den parasozialen Interaktionen des Publikums mit realen Medienakteuren im Vergleich zu fiktiven Charakteren im Kontext von Fernsehen und Film. Dabei wird analysiert, welche spezifischen Merkmale der Medienpersonen die Intensität und Wahrscheinlichkeit parasozialer Beziehungen beeinflussen und wie Wahrnehmungsprozesse auf kognitiver und affektiver Ebene variieren.
- Theoretische Grundlagen parasozialer Interaktion (PSI) und Beziehung (PSB).
- Zwei-Ebenen-Modell der personenorientierten Medienrezeption.
- Einflussfaktoren wie Glaubwürdigkeit, Bildschirmpräsenz und Realismus.
- Differenzierung der Adressierungsformen durch reale Akteure vs. fiktive Figuren.
- Qualitative Einteilung der parasozialen Interaktion in verschiedene Stufen nach Giles.
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Thomas Gottschalk als alten Bekannten bezeichnen oder Forrest Gump einen guten Freund nennnen - obwohl es absurd klingen mag, ist es in der mediatisierten Welt von heute keine Seltenheit, dass Menschen Medienpersonen diesen besonderen Stellenwert in ihrem Leben zuschreiben. Als Grund dafür kann das erstmals 1956 von Horton und Wohl erwähnte Phänomen der parasozialen Interaktion und Beziehung gesehen werden. Zuschauer haben hier während der Medienrezeption das Gefühl, als würde eine wechselseitige Interaktion mit den abgebildeten Personen vorliegen (vgl. Hartmann 2017, S. 24). Sie verleihen den Medienfiguren den Status eines Bekannten, Nachbarn oder sogar eines Freundes und fühlen sich so, als würden sie die Figur wirklich kennen (vgl. Gleich 1997, S. 75f.).
Inzwischen hat sich die Forschung über parasoziale Phänomene in Wissenschaftskreisen etabliert. Das ursprüngliche Konzept benennt dabei nur die parasoziale Interaktion mit non-fiktionalen Personen, obwohl sie auch bei Medienangeboten mit fiktionalen Charakteren entstehen kann. Die meisten Studien differenzieren jedoch nicht zwischen der parasozialen Kommunikation mit den verschiedenen Gruppen, obwohl ausdrücklich auf deren Unterschiedlichkeit hingewiesen wird (vgl. Baeßler 2009, S. 46). So hat schon Giles betont, dass „a fully comprehensive theory of PSI needs to distinguish between media figures who are direct representations of real people (such as newscasters), and fictional creations, whether dramatic characters played by actors, or fantasy figures with “low modality” such as cartoon characters.“ (2002, S. 286)
Aus diesem Grund beschäftigt sich die vorliegende Arbeit damit, eine Antwort auf die Frage zu finden: Welche Unterschiede bestehen bei der parasozialen Interaktion des Publikums mit realen Medienakteuren und fiktiven Charakteren? Zu diesem Zweck werden ausschließlich die Medien Film und Fernsehen betrachtet, da eine Gegenüberstellung von realen Medienakteuren und fiktiven Charakteren hier am einfachsten vorzunehmen ist. Zudem ermöglichen die audiovisuellen Darstellungen im Unterschied zu anderen Medien ein wirklichkeitsnahes Abbild des Geschehens und der Personen, was wiederum die Wahrscheinlichkeit der parasozialen Interaktion mit diesen erhöht (vgl. Gleich 1997, S. 39f.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Das Kapitel führt in das Phänomen parasozialer Interaktionen ein und formuliert die Forschungsfrage bezüglich der Unterschiede zwischen realen Medienakteuren und fiktiven Figuren.
2. Begriffsdefinitionen: Hier werden die zentralen Termini wie parasoziale Interaktion, parasoziale Beziehung, realer Medienakteur und fiktiver Charakter für den Kontext der Arbeit präzisiert.
3. Personenorientierte Medienrezeption: Dieses Kapitel erläutert, wie Zuschauer Medienpersonen wahrnehmen und bewerten, basierend auf dem Zwei-Ebenen-Modell.
4. Voraussetzungen für parasoziale Interaktionen und Beziehungen: Es werden die wesentlichen Faktoren wie Bildschirmpräsenz, Ähnlichkeit, Attraktivität und Verlässlichkeit als Bedingungen für parasoziale Prozesse dargestellt.
5. Unterschiede zwischen medienvermittelten Personen und Figuren: Das Hauptkapitel analysiert differenziert, in welchen Merkmalen (Realismus, Adressierung, kommunikativer Rahmen, Performance) sich reale Medienakteure von fiktiven Charakteren unterscheiden.
6. Fazit: Das Fazit fasst die fünf zentralen Unterschiede zusammen und betont die Notwendigkeit weiterer empirischer Forschung zur Identitätsentwicklung und Persuasion.
Schlüsselwörter
Parasoziale Interaktion, PSI, Parasoziale Beziehung, PSB, Medienrezeption, Realer Medienakteur, Fiktiver Charakter, Zwei-Ebenen-Modell, Identitätsentwicklung, Medienpsychologie, Personenwahrnehmung, Bildschirmpräsenz, Kommunikation, Fernsehen, Film.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der parasozialen Interaktion des Publikums und untersucht, ob und wie sich die Beziehung zu realen Personen im Fernsehen von der Beziehung zu fiktiven Film- oder Seriencharakteren unterscheidet.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder umfassen die medienpsychologische Wahrnehmung von Akteuren, die psychologischen Voraussetzungen für parasoziale Beziehungen sowie eine detaillierte Gegenüberstellung von Realakteuren und fiktiven Medienfiguren.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, die Unterschiede in der parasozialen Interaktion bei realen Medienakteuren gegenüber fiktiven Charakteren herauszuarbeiten und zu analysieren, wie diese durch verschiedene mediale Rahmenbedingungen beeinflusst werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf eine theoretische Literaturanalyse und eine Gegenüberstellung bereits existierender wissenschaftlicher Studien und Publikationen zu parasozialen Phänomenen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit primär behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen (Begriffe, Wahrnehmungsmodelle) geklärt, gefolgt von einer detaillierten Analyse der Differenzierungsmerkmale wie Realismus, Art der Adressierung des Zuschauers und der kommunikative Rahmen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist insbesondere durch Begriffe wie „Parasoziale Interaktion“, „Realismus“, „Personenzentrierte Medienrezeption“ und „Fiktionalität“ charakterisiert.
Welche Bedeutung hat der „kommunikative Rahmen“ für die Bindung an eine Medienperson?
Der kommunikative Rahmen bestimmt, wie intensiv eine Person kennengelernt werden kann. Während bei Nachrichten ein fester Rahmen dominiert, bietet der narrative Kontext einer fiktiven Serie tiefere Einblicke in das Leben einer Figur, was die Bindung qualitativ beeinflusst.
Wie unterscheidet Giles die verschiedenen Stufen der parasozialen Interaktion?
Giles unterteilt PSI in drei Stufen: First-order-PSI für reale Medienakteure, Second-order-PSI für fiktive Charaktere, die von echten Schauspielern dargestellt werden, und Third-order-PSI für animierte oder rein fiktive Figuren.
- Arbeit zitieren
- Daniela Zaus (Autor:in), 2018, Unterschiede der parasozialen Interaktion des Publikums mit realen Medienakteuren und fiktiven Charakteren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1297060