"Emil und die Detektive" als Klassenlektüre


Hausarbeit, 2008

21 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Erich Kästner

3. Emil und die Detektive
3.1 Inhalt
3.2 Sprache und Wirkung
3.3 Gesellschaftskritik in einem Kinderroman

4. „Emil und Die Detektive“ als geeignete Kinderbuchlektüre?

5. Umsetzung in der Schule
5.1 Voraussetzungen und Schwierigkeiten bei der Lektüre
5.2 Stundentafel
5.3 Vorschläge für Klassenarbeiten, Referate und weitere Projekte

6. Fazit

7. Literaturangaben

Onlinequellen:

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Kinderbuch „Emil und die Detektive“ von Erich Kästner. Nach grundlegenden Informationen zum Autor und dessen Werke, richtet sich das Augenmerk auf die Frage, ob es sich um eine für den Schulunterricht geeignete Lektüre handelt und inwiefern man es im Rahmen einer Unterrichtseinheit behandeln kann.

Der erste Teil dieser Ausführungen widmet sich dem Leben und den Werken des Autors. Kästners oftmals unterschätzte Wirkung soll durch eine überblicksartige Darstellung seiner Biographie und Veröffentlichungen korrigiert werden. Dadurch wird der Irrtum eines nur als Kinderbuchautor bekannten Kästners ausgeräumt und seiner eigentlichen Bedeutung, auch als Lyriker, Dramatiker, Essayist und Romancier, Rechnung getragen.

Nach einer kurzen Inhaltswiedergabe erfolgt eine Zuordnung des Werkes in die literarische Epoche, wobei vor allem Kästners unverkennbarer Sprachduktus, unter Verwendung geeigneter Beispiele, näher analysiert wird. Die Wortwahl und Sprache des Autors führt unweigerlich zu einer spannenden, authentischen und humorvollen Erzählweise, die eine nachhaltige Sympathie mit dem Protagonisten hinterlässt. Ferner wird der Roman in diesem Kapitel auf moralische und gesellschaftskritische Gesichtspunkte hin untersucht.

Ob die mittlerweile 80jährige Detektivgeschichte den Kriterien zur Beurteilung einer geeigneten Kinder- und Jugendliteratur genügt, soll im vierten Kapitel geklärt werden. Vor allem dem oftmals umstrittenen Aspekt der Aktualität in „Emil und die Detektive“ soll hier nachgegangen werden. Sowohl die Forderungen der Lehrpläne, als auch Haas´ Bestimmungsmerkmale für eine ideale Lektüre finden in diesem Abschnitt Berücksichtigung.

Das letzte Kapitel schließt mit der eigentlichen Zielsetzung dieser Arbeit ab. Neben vielfachen Möglichkeiten zur Umsetzung in der Schule, wird - aufgrund der Begrenztheit einer solchen Darstellung - ein besonders viel versprechendes Unterrichtskonzept vorgestellt.

2. Erich Kästner

Erich Emil Kästner, den meisten lediglich als berühmter Kinderbuchautor bekannt, verfasste zu Lebzeiten auch Dreh- und Tagebücher, Romane, politische Theaterstücke, satirische Schriften und Lyrik. Zudem war er freier Mitarbeiter bei verschiedenen Zeitungen. Somit spielt er in vielen Bereichen der Literatur eine wichtige Rolle und ist aus der deutschen Kulturgeschichte nicht mehr wegzudenken.

Am 23. Februar 1899 wurde er in Dresden als Sohn von Emil, einem Sattlermeister, und Ida Kästner, einer späteren Friseurin, geboren. Sein Verhältnis zur Mutter war Zeit ihres Lebens von einer engen Beziehung geprägt; mehr als 30 Jahre lang schrieben sie sich fast täglich Briefe. Auch in seinen Romanen taucht das Motiv einer „Übermutter“ vermehrt auf. Dieses enge Verhältnis, das über das normale Maß hinausgeht, „prägt(e) ihn für sein Leben und begründet u.a. sein schwieriges Verhältnis zu Frauen.“[1]

Im Alter von 14 Jahren besuchte er das Fletchersche Lehrerseminar um dort eine Ausbildung zum Volksschullehrer zu beginnen. Er wurde jedoch 1917 zum Militärdienst einberufen, aus dem er aufgrund des brutalen Drills einen irreparablen Herzschaden davontrug und 1918 entlassen wurde. Anschließend beendete er seine Ausbildung und begann ein Studium der Germanistik, Philosophie, Theaterwissenschaften und Geschichte in Leipzig, anschließend in Rostock und Berlin, welches er 1925 mit der Promotion[2]zum Dr. phil. abschloss.

1927 zog Kästner endgültig nach Berlin und begann eine Kariere als freier Schriftsteller[3]. Es kam zu ersten Veröffentlichungen in der „Weltbühne“. Seine Berliner Jahre bis zum Ende der Weimarer Republik gelten als seine produktivste Zeit. Er schrieb Gedichtbände[4], Texte für das Kabarett und veröffentlichte Kinderromane[5], von denen vor allem „Emil und die Detektive“ von Erfolg gekrönt war.

Das im Jahre 1933 von den Nationalsozialisten auferlegte Publikationsverbot gründete in der Tatsache, dass sich seine Schriften gegen spießbürgerliche Moral, Militarismus und Faschismus richteten und somit Kritik am bestehenden System übten. Im Gegensatz zu vielen anderen staatskritischen Kollegen, emigrierte Kästner nicht, sondern blieb in Deutschland.

„Ich bin ein Deutscher aus Dresden in Sachsen.
Mich läßt die Heimat nicht fort.
Ich bin wie ein Baum, der – in Deutschland gewachsen –
wenn's sein muss, in Deutschland verdorrt.“[6]

Er selbst nahm persönlich an der Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 auf dem Opernplatz in Berlin teil und wurde in der Folgezeit mehrmals durch die Gestapo verhaftet, jedoch immer wieder freigelassen. Zehn Jahre später erfolgte ein komplettes Schreibverbot, allerdings erscheint das Drehbuch für den Ufa-Jubiläumsfilm Münchhausen unter dem Pseudonym „Berthold Bürger“.

Nach Kriegsende zieht es den Autor nach München, wo er im von Rudolf Schündler gegründeten Kabarett „Die Schaubude“ mitwirkte, das Jugendmagazin „Pinguin“ herausbrachte und 1951 das Kabarett „Die kleine Freiheit“ gründete. Es erschienen auch zahlreiche Arbeiten[7], die sich mit dem Nationalsozialismus, dem Krieg und dem zerstörten Deutschland auseinandersetzten.

Während einige seiner Romane verfilmt wurden, er vielfach geehrt und diskutiert wurde, „degradierten Literaturwissenschaftler dieses Landes Erich Kästner eilfertig zu einem leicht verdaulichen, satirischen Gebrauchslyriker und Epigrammatiker.“[8] Überwiegend als Kinderbuchautor wahrgenommen, verstarb Erich Kästner am 29. Juli 1974 im Alter von 75 Jahren.

3. Emil und die Detektive

Emil und die Detektive ist Kästners erstes und wohl auch bekanntestes Kinderbuch. Die Detektivgeschichte entstand auf Anregung der Weltbühnen-Verlegerin Edith Jacobsohn.

„Sie schlug ihm vor, für ihren Jugendbuch-Verlag, Williams und Co., ein Kinderbuch zu schreiben. Kästner gefiel der Vorschlag. Er machte sich an die Arbeit. Der Zeichner, der es illustrierte, hieß Walter Trier […] Das Buch erschien 1928[9] und wurde ein ungewöhnlicher Erfolg“.[10]

Allein in Deutschland wurde es über bisher zwei Millionen Mal verkauft und bis heute in 59 Sprachen übersetzt. Für die Kinderliteratur der damaligen Zeit mit ihren utopischen Märchenwelten war es ein völliges Novum, dass der Roman in der Gegenwart der Großstadt Berlin spielte. Erstmals stehen selbständig agierende Kinder im Mittelpunkt und Erwachsene treten nur am Rande in Erscheinung. Das 1926 erschienene auch umfasst, abhängig von der Ausgabe, etwa 170 Seiten und ist durch die Illustrationen von Walter Trier[11] bebildert. In neunzehn Kapiteln wird die Geschichte des Musterknaben Emil Tischbein erzählt. Emils Mutter und er selbst tragen trotz ihres fiktiven Charakters starke autobiographische Züge des Autors. Kästner selbst hieß mit Vornamen Erich Emil und seine Mutter übte, wie Frau Tischbein auch, den Beruf einer Friseurin aus.

3.1 Inhalt

Emil Tischbein, ein zwölfjähriger Musterschüler aus Neustadt, der bei seiner allein erziehenden Mutter wohnt, soll die Ferien bei Verwandten in Berlin verbringen. Ihm werden 140 Mark mitgegeben, die er seiner Großmutter zu überreichen hat.

Im Zug schläft er nach einiger Zeit ein und wird seines Geldes beraubt. Sofort verdächtigt er einen Mitreisenden; Herrn Grundeis, der allein mit ihm im Abteil sitzt. Nachdem dieser die Eisenbahn verlässt, beginnt Emil ihn durch Berlin zu verfolgen. Aus Angst für einen Streich, den Emil in Neuköln begangen hat, bestraft zu werden, wendet er sich nicht an die Polizei. Recht bald findet er in Gustav und seinen Freunden bereitwillige Helfer, die ihm bei der Verfolgung des mutmaßlichen Diebes unterstützen.

Am darauf folgenden Morgen stellen sie den Dieb in einer Bank. Später stellt sich heraus, dass es sich bei dem Täter um einen gesuchten Bankräuber handelt. Als Belohnung erhält Emil 1000 Mark. Diesen Erfolg feiern die Freunde gemeinsam bei Kaffee und Kuchen. Nach einem abschließendem Gespräch in dem hinterfragt wird ob sich aus der Geschichte etwas lernen ließe, endet schließlich die Erzählung.

3.2 Sprache und Wirkung

Die Literatur der Weimarer Republik, die sich vor allem durch ihre schlichte Klarheit und sachliche Ausdrucksweise auszeichnet, kann unter dem Begriff der Neuen Sachlichkeit zusammengefasst werden. Beobachtung und Abbildung der äußeren Wirklichkeit gehen hier mit einem überwiegend nüchternen und realistischen Schreibstil einher. Es galt spezielles auf anschauliche Weise auszudrücken um somit der Forderung nach der Klarheit des Denkens und der Einfachheit in Wort und Satz nachzukommen. Kästner selbst schreibt:

„Der künstlerische neu erwachte Trieb zur Wirklichkeit war und ist stark, daß ihm die Entwicklung vom Abstrakten zur Realität nicht genügte, sondern daß er darüber noch hinausschoß, in die Gebiete der Groteske und Karikatur.“[12]

[...]


[1] http://www.erichkaestnergesellschaft.de/1899_-_1918.htm

[2] Das Thema hieß: Die Erwiderungen auf Friedrichs des Großen Schrift “De la littérature allmende".

[3] Kästner war freier Mitarbeiter für „Montag Morgen“, Neue Leipziger Zeitung“ und „Simplicissimus“.

[4] "Herz auf Taille" (1928), "Lärm im Spiegel" (1929)

[5] "Emil und die Detektive" (1929), "Pünktchen und Anton" (1931), "Der 35. Mai" (1931) und "Das fliegende Klassenzimmer" (1933).

[6] Kästner, Erich: Kurz und bündig. Epigramme. Zürich: Atrium 1950. S. 56.

[7] Unter anderen erschienen „das Marschlied 1945“(1945), „das Deutsche Ringelspiel“(1947) und das Kinderbuch „Die Konferenz der Tiere“(1949).

[8] Wolff, Rudolf: Anmerkungen zur Kästner- Rezeption. In: Wolff, Rudolf (Hrsg.): Erich Kästner Werk und Wirkung. Bonn: Bouvier 1983. S. 9.

[9] Nach neueren Kenntnissen erschein „Emil und die Detektive“ bereits 1926. Vgl. Steck-Meier, Esther: Erich Kästner als Kinderbuchautor. Eine erzähltheoretische Analyse. Bern: Peter Lang 1999. S. 32.

[10] Doderer, Klaus: Erich Kästners „Emil und die Detektive“ – Gesellschaftskritik in einem Kinderroman. In: Wolff, Rudolf (Hrsg.): Erich Kästner Werk und Wirkung. Bonn: Bouvier 1983. S. 112.

[11] Walter Trier (* 25. Juni 1890 in Prag, † 8. Juli 1951 in Craigleith bei Collingwood/Kanada) war ein Zeichner und Illustrator, den eine enge Freundschaft zu Erich Kästner auszeichnete. Nach der Machtergreifung durch die Nazis 1933 emigrierte Walter Trier Ende 1936 nach London. Seine Illustrationen trugen viel zum Erfolg Kästners als Kinderbuchautor bei.

[12] Kästner, Erich: Indirekte Lyrik. In: Wolff, Rudolf (Hrsg.): Erich Kästner Werk und Wirkung. Bonn: Bouvier 1983. S. 19.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
"Emil und die Detektive" als Klassenlektüre
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Germanistisches Institut)
Veranstaltung
Kinder- und Jugendliteratur in der Schule
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
21
Katalognummer
V129729
ISBN (eBook)
9783640361038
ISBN (Buch)
9783640360727
Dateigröße
459 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Erich Kästner, Emil und die Detektive, Hausarbeit, Klassenlektüre, Unterricht, Grundschule, Literaturunterricht, Thema Emil und die Detektive
Arbeit zitieren
Frederick Wiemerslage (Autor), 2008, "Emil und die Detektive" als Klassenlektüre, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/129729

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: "Emil und die Detektive" als Klassenlektüre



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden